Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Mehr als der Erfinder des Blitzableiters

Vor dreihundert Jahren (1706) war der Geburtstag von Benjamin Franklin (17.1.1706 – 17.4.1790), einem der bekanntesten Repräsentanten des „Neuen Amerika“. Als typischer Vertreter der Aufklärung war er universell interessiert. Seine Intelligenz und sein im Sinne des Puritanertums geordnetes, sparsames, erfolgsorientiertes Leben brachten ihm wissenschaftliche Reputation, politischen Einfluß und einen fast märchenhaften Aufstieg, der den später sprichwörtlichen „Amerikanischen Traum vorwegnahm.

Franklins Karriere begann als Buchdrucker, Schriftsteller, Herausgeber einer Zeitung und eines Almanachs.

Seine Forschungen auf dem Gebiet der Elektrizität (Blitzableiter, Kondensator, theoretische Arbeiten) machten ihn weit über Nordamerika hinaus bekannt. So zögerte er nicht, bei einem Gewitter einen Drachen in die Gewitterwolke steigen zu lassen, um an der Drachenschnur die elektrische Spannung zu messen. Er überstand unbeschadet den riskanten Versuch, der wohl anderen, weniger mutigen, engagierten und vor allem glücklichen das Leben gekostet hätte. Ab 1751 wurde Franklin politisch tätig. Beim Stammesbund der Irokesen lernte er die Grundlagen der Verfassung der späteren USA (vgl. GralsWelt 39 „Visionär des Friedens“). Ab 1775 setzte er sich für die Unabhängigkeit der Nordamerikanischen Kolonien vom „Mutterland“ England ein, und er wurde einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Als Gesandter der (zunächst nur 13) Vereinigten Staaten in Frankreich (1776-85) errang er durch sein vornehmes, republikanisches Auftreten viele Sympathien. Er trug wesentlich dazu bei, daß die französische Flotte auf der Seite der Rebellen in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingriff. So konnte die kleine Armee der neu gegründeten „Vereinigten Staaten von Amerika“ (USA) einen, von den meisten für unmöglich gehaltenen, Sieg über die englischen Truppen erringen.

Benjamin Franklin war einer der einflußreichsten Repräsentanten des „Neuen Amerika“. Einerseits ein aufgeklärter Wissenschaftler, Schriftsteller und Politiker; doch zugleich ein gemäßigter Puritaner. Die von ihm vorbildlich gelebte Synthese aus einer der Wissenschaft, bzw. der Philosophie der Aufklärung verpflichteten Leistung und religiös begründeten ethischen Maximen gab in den USA eine Richtung vor, deren Einfluß zwar gelegentlich noch heute spürbar ist, aber nicht selten schon vergessen scheint. Denn seit dem Goldrausch von Kalifornien (1848) meinen Viele, dass man vor allem Glück  haben müsse, das mehr zähle, als dauerhafter Arbeitsfleiß.

U.a. formulierte Franklin seine eigenen, höchst bemerkenswerten, im puritanischen Geist gehaltenen Lebensregeln, wobei er empfahl, Jesus und Sokrates nachzuahmen. Seine dreizehn für einen puritanischen Geschäftsmann gültigen Tugenden lauten: „Mäßigkeit, Verzicht auf unnütze Reden, Ordnung, Entschlossenheit, Sparsamkeit, Fleiß, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung (das Vermeiden von Extremen), Reinlichkeit, Gemütsruhe, Keuschheit und Demut“.1

Einem jungen Geschäftsmann empfahl Franklin, ganz im Sinne des Puritanusmus: „Denke daran, dass Zeit Geld ist. Wer durch seine Arbeit zehn Schilling am Tag verdienen kann und die Hälfte dieses Tages müßig herumsitzt, darf, wenn er auch nur sechs Pence während seiner Zerstreuung oder Müßigkeit verbraucht, das nicht als einzige Ausgabe rechnen; er hat tatsächlich zusätzlich fünf Schilling verbraucht, oder besser weggeworfen.“2

Man kann sich heute nur wünschen, daß es einmal wieder dazu kommt, daß die Arbeit so für jeden zugänglich „auf der Straße liegt“, wie es Franklin damals als selbstverständlich voraussetzte!

Ein weiterer bemerkenswerter Spruch Franklins, der besonders unserer Zeit ins Stammbuch geschrieben scheint, lautet so: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“3

 

1 Vgl.: Jürgen Heideking: Siegreiche Rebellen: Der Unabhängigkeitskrieg. In: DIE ZEIT, Welt- und Kulturgeschichte, Bd. 10: Zeitalter der Revolutionen, Hamburg 2006, S. 510.

2 Vgl.: Rolf Walter: Wirtschaftliche Schranken fallen: Vom Zunftzwang zur Gewerbefreiheit. In: DIE ZEIT, Welt- und Kulturgeschichte, Bd. 10: Zeitalter der Revolutionen, Hamburg 2006, S. 182.

3 Vgl.: Jürgen Heideking, a.a.O., S. 508.