Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Rückblick und Ausblick in entscheidender Zeit

(Veröffentlich in Gralswelt Themenheft 3/1999)

 

Was haben wir von der Jahrtausendwende zu erwarten, der so viele Menschen mit Bangen entgegensehen? Markiert das Jahr 2000 nichts anderes als eine runde Zahl, der wir einen ungerechtfertigt hohen Stellenwert beimessen – oder steht, wie düstere Prophezeiungen es vermuten lassen, in dieser Zeit tatsächlich das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel? Versuchen wir einen realitätsbezogenen Ausblick auf das, was uns erwartet.

 

Eine Jahrtausendwende ist ein seltenes Ereignis, das sich nur alle dreißig Generationen wiederholt, und dementsprechend neigen wir dazu, in dem, was auf den ersten Blick nur eine Zufälligkeit unseres Kalenders ist, einen großen Wendepunkt zu suchen.

Die erste große, mit einem Jahrtausendwechsel verbundene Wende brachte – rückblickend – die Geburt von Jesus. Von diesem, in christlichem Sinne so einscheidenden Ereignis nahm seinerzeit allerdings kaum jemand Notiz, und auch der damalige Kalender hatte für das aus heutiger Sicht so wichtige Geburtsjahr Jesu (vermutlich minus sieben Jahre moderner Zeitrechnung) nichts besonderes zu bieten.

Das Jahr 1000 nach Christus

Anders war es dann allerdings ein Jahrtausend später: Um das Jahr 1000 nach Christus erwarteten viele Menschen des christlichen Abendlandes den Weltuntergang, das Jüngste Gericht, die Wiederkunft Christi und manches mehr. Anlass dafür war die Ankündigung des „Reiches der Tausend Jahre“ in der biblischen Offenbarung des Johannes: „Dann sah ich einen Engel vom Himmel herabsteigen; auf seiner Hand trug er den Schlüssel zum Abgrund und eine schwere Kette. Er überwältigte den Drachen, die alte Schlange – das ist der Teufel oder Satan -, und er fesselte ihn für tausend Jahre. Er warf ihn in den Abgrund, verschloss diesen und drückte ein Siegel darauf, damit der Drache die Völker nicht mehr verführen konnte, bis die tausend Jahre vollendet sind…“ (Offenb. 20, 1-2)

Wenige Bibelstellen haben für so viel Verwirrung, für so viele Diskussionen gesorgt wie diese Prophezeiung in der Offenbarung des Johannes. Und einen bisher unübertroffenen Höhepunkt der ebenso widersprüchlichen wie vielschichtigen Deutungen dieser Textstelle gab es eben um das Jahr 1000: In dieser bibelgläubigen Zeit, in der die Kirche und ihre Diener noch ungebrochenen Glauben fanden, häuften sich scheinbar die Anzeichen für den Jüngsten Tag. Ein Stern mit „feuriger Rute“ schien das erwartete Strafgericht ebenso anzukündigen wie blutiger Regen in Umbrien oder Erdbeben in Unteritalien, nahe dem Bodensee, am Rhein und in der Eifel. Selbst Kaiser Otto III. pilgerte barfuß zum Grab eines Märtyrers und eilte dann nach Italien, um dort das Ende der Welt zu erwarten.

Die einen feierten, die anderen kasteiten sich; die einen ließen es sich gut gehen, die anderen beteten um ihr Seelenheil.

Doch die Mitternachtsstunde des letzten Tages des alten Jahres ging vorüber, ohne dass sich der Himmel auftat oder die Hölle ihre Abgründe öffnete, und die Menschen begrüßten jubelnd das neue Jahrtausend, das ihnen gnadenvoll weitere Zeit auf dem Weg zur Vollendung schenkte.

Alles nur religiöser Wahn, blinder Fanatismus, ideologische Auslegung unverstandener alter Schriften?

Oder gar Parallele zu heute?

Eigentlich scheint auch das Jahr 2000 nichts Besonderes zu sein: Es ist einfach das letzte Jahr des 20. Jahrhunderts, das viele mit dem Beginn der 21. Jahrhunderts verwechseln, das tatsächlich erst am 1. Januar 2001 beginnt.

Das mysteriöse Jahr 2000

So wäre denn des Jahr 2000, ebenso wie der 1. Januar 2001, nur ein zufälliges Datum, das aufgrund unserer Zeitrechung zustande kommt. Ja, selbst wenn man die Geburt Jesu als ein ganz außerordentliches Ereignis der Weltgeschichte erkennt, lässt sich damit die Bedeutung des Jahres 2000 kaum begründen. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass Jesus vermutlich schon sechs oder sieben Jahre „vor Christus“ geboren wurde.

Also ist das Jahr 2000 doch nur ein Jubiläum wie so viele; von Bedeutung nur in jenen Ländern, welche die Zeitrechnung nach dem Gregorianischen Kalender übernommen haben? Ein Anlass für Feiern, Festreden und manchen Rückblick, aber kein herausragendes naturgeschichtliches, astronomisches, historisches, geistesgeschichtliches Datum?

Zwar ist der Übergang in ein drittes Jahrtausend für Kulturen ein seltenes Ereignis, doch ist die europäische Zivilisation keineswegs die einzige, die auf mehr als zwei Jahrtausende einer wechselvollen Entwicklung zurückblicken kann. In Ägypten, China, Indien, vielleicht auch in Südamerika, haben Zivilisationen ähnliche Zeiträume überdauert.

Selbst wenn man astrologische Gesichtspunkte mit heranzieht, wie den Übergang vom Fische-Zeitalter in das Wassermann-Zeitalter, lässt sich zwar die Ablösung einer alten Epoche durch eine neue ablesen, doch dieser Wechsel erfolgt innerhalb von mehreren Jahrzehnten, keinesfalls aber zu einem auf Tag und Stunde festschreibbaren Datum – und auch sicher nicht genau im Jahr 2000.

So besteht demnach gar keine tiefere Ursache zu einer so starken Betonung des Jahrtausendwechsels, wie das häufig geschieht? So wenig Grund zur Besorgnis also, wie es kurz vor dem Jahr 1000 angebracht gewesen wäre?

Tatsächlich aber haben wir heute der Gründe genug, um dem Jahrtausendwechsel nicht ohne Bangen entgegenzusehen, denn manches ist anders als vor 1000 Jahren.

Eine umfassendere Bedeutung erlangt der näher rückende Übergang vom 2. ins 3. Jahrtausend unserer Zeitrechnung nämlich, wenn die Entwicklung auf unserem Planeten betrachtet wird. Denn viele der heute schon abzusehenden Tendenzen werden spätestens in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts deutlich spürbar werden, nicht wenige voraussichtlich sogar einen bedrohlichen Charakter erhalten. Natürlich nicht pünktlich zum Stichtag, den 1. Januar 2000 (oder besser 2001), aber doch innerhalb einer vielleicht nur zwei oder drei Jahrzehnte umfassenden Zeitspanne um dieses Datum.

Ein Ausblick ins 21. Jahrhundert

Was also ist im 21. Jahrhundert zu erwarten? Viele seit Jahren erkannte Entwicklungen werden sich in kommenden Jahrzehnten drastisch verschärfen, und es wird schwierig werden, die dann anstehenden Probleme unter Kontrolle zu halten.

* Die Bevölkerung „explodiert“ weiter

Die Erdbevölkerung wächst nach wie vor um fast 100 Millionen Menschen pro Jahr. Im Jahr 2000 werden bereits 6,2 Milliarden (6.200.000.000) Menschen die Erde bevölkern, und im Jahr 2025 muss man mit einer Bevölkerung der Erde von 8,5 Milliarden rechnen, sofern nicht katastrophale Ereignisse das verhindern.

Es wird dann ungeheuer schwierig sein, diese Menschenmassen zu ernähren, mit Kleidung und Obdach zu versehen, Schulen, Krankenhäuser, Arbeitsplätze in dem erforderlichen Umfang zu schaffen.

In Entwicklungsländern – und vielleicht nicht nur dort – werden viele Städte aus allen Nähten platzen und riesige Slums unerträgliche Lebensbedingungen bieten; denn Städte sind Anziehungspunkte für Menschen, die auf dem Land weder Arbeit noch Brot finden.

Diese Übervölkerung ist im Zusammenhang mit allen anderen Problemen zu sehen, mit denen wir uns schon heute, besonders aber in der Zukunft auseinandersetzen müssen; denn kein zweites Phänomen strahlt so weit aus, beeinflusst alles übrige in so drastischem Maße. Ökonomische, ökologische wie politische Probleme werden um so weniger lösbar, je mehr die Übervölkerung voranschreitet.

* Die Zerstörung der Natur

Umweltgifte, Ausbreitung der Städte, Abholzen oder Sterben der Wälder, Vergiftung der Gewässer, überintensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, Verseuchung der Atmosphäre durch Ozon und andere Treibhausgase, Zerstörung der letzten vom Menschen unberührten Lebensräume usw., usw. gestalten unseren Globus von Tag zu Tag lebensunfreundlicher. Es kann nur eine Frage der Zeit – und zwar keiner sehr langen – sein, bis sich diese Veränderungen der Umwelt in spürbarer Weise auf unser Leben auswirken.

* Die Plünderung der Erde

Die Vorräte an fossilen Brennstoffen, an Erzen und anderen Mineralien, die in geologischen Zeiträumen von der Natur angesammelt wurden, wird unsere Zivilisation mit ihrem exponentiellen Wachstum innerhalb weniger Jahrhunderte verbraucht haben. Wie es jetzt aussieht, werden unsere Kinder und Enkel einen ausgeraubten Planeten erben, auf dem sie mit bescheidener Zivilisation um ihr Überleben ringen müssen.

* Wasser wird knapp

Süßwasser – für den menschlichen Bedarf wie für die Bewässerung der Felder – ist heute schon in weiten Teilen Afrikas, Asiens und Amerikas knapp. Im frühen 21. Jahrhundert werden einige Länder die Obergrenze des möglichen Süßwasserverbrauchs erreicht haben. Von „Wasserflüchtlingen“ bis zum Krieg um Wasser ist dann vieles möglich.

* Wirtschaftliche Krisen

Die „dritte industrielle Revolution“ (das Informationszeitalter) bringt einschneidende Änderungen in der Weltwirtschaft, deren Konsequenzen bei weitem noch nicht abzusehen sind:

a) Informationsgesellschaft

Die „informierte Gesellschaft“ wird sich weniger dadurch auszeichnen, dass man über Glasfaserkabel 100 oder auch 1.000 Fernsehprogramme empfangen kann. Viel bedeutsamer ist, dass technisches Wissen weltweit allen zur Verfügung stehen wird, und der (Know how-) Vorsprung der westlichen Industrieländer – zum Beispiel gegenüber Ostasien – schnell schrumpft.

b) Freier Welthandel

Mit dem Zoll- und Handelsabkommen GATT (General Agreement on Tarifs and Trade), für das sich mehrere amerikanische Präsidenten sehr engagiert haben, ist der Weg frei für einen liberalen Welthandel, wie es ihn in diesem Umfang noch nie gab.

Die internationale Konkurrenz, kaum mehr gehemmt durch Zoll- und sonstige Handels-Barrieren und gestützt durch die niedrigsten Transportkosten aller Zeiten, wird dramatisch zunehmen. Aus Regionen, die bisher als Industrieländer kaum bekannt waren, werden preiswerte Produkte den Weltmarkt überschwemmen. Dabei wird die Produktion schneller wachsen als die Märkte.

Hochentwickelte Industrieländer werden sich dann kaum gegen Billig-Importe aus Niedriglohn-Ländern wehren können, die Lohn- und Sozialkosten in hochentwickelten Nationen drücken und liebgewordene soziale Errungenschaften in Frage stellen.

c) Freier Kapitalverkehr

Geld wird in Zukunft vermehrt dahin fließen, wo für die Anleger die größten Renditen zu erwarten sind. Das sind häufig Billiglohn-Länder mit einem unerschöpflichen Reservoir an Arbeitskräften. Jedes Jahr drängen ja zusätzlich viele Millionen Menschen, die für fast jeden Lohn arbeiten müssen, auf die schon längst überfüllten Arbeitsmärkte.

Den hochentwickelten Nationen droht damit eine teilweise De-Industrialisierung mit katastrophalen Auswirkungen auf die Beschäftigungslage und den sozialen Frieden, falls sich dieser „Manchester-Kapitalismus“ weltweit durchsetzen kann.

Auf einer „schrumpfenden“ Erde mit knapper und knapper werdenden Ressourcen, aber rapide wachsender Bevölkerung, werden sich wirtschaftliche Schwierigkeiten immer weniger beheben lassen. Schon gar nicht, wenn man dieser, für die Menschheit neuen, Situation mit konventionellen Rezepten begegnet.

Die in den 30er Jahren entwickelten Wirtschaftstheorien, die damals vielleicht den gewünschten Erfolg hätten bringen können, müssen in den vor uns liegenden Jahrzehnten versagen.

Vor einem guten halben Jahrhundert – vor nur wenig mehr als 50 Jahren! – war die Welt noch nicht übervölkert. Es gab ausreichend Land, unerschöpflich scheinende Ressourcen und überall ungesättigte Märkte. Heute sind die Märkte der reichen Länder gesättigt, die Armen haben kaum Geld für das Nötigste, der Boden wird rar, die Rohstoffvorräte müssen sich erschöpfen, und die Umweltkatastrophe ist im Anrollen.

Wenn in einer solchen Situation überhupt noch etwas helfen kann, dann nur größte Naturschonung, Erhalten ökologisch gesunder Lebensräume, konsequente Geburtenkontrolle, sparsamster Umgang mit Rohstoffen, und Energieeinsparung wo immer möglich.

Wer vom Wachstum im Stil der 50er und 60er Jahre träumt, oder der Arbeitslosigkeit durch Zuwachsraten im Bruttosozialprodukt begegnen möchte, steckt den Kopf vor den Zeichen der Zeit in den Sand.

* Radikalisierung der Politik

Mit zunehmendem Bevölkerungsdruck müssen sich auch die politischen Spannungen vertiefen.

Wenn auch der ganz große Konflikt zwischen Supermächten derzeit unwahrscheinlich scheint, so müssen sich doch die Spannungen innerhalb der Länder und Nationen verschärfen.

Nicht unwahrscheinlich, dass regionale Konflikte im 21. Jahrhundert mit taktischen Kernwaffen ausgetragen werden, da schon zu viele – auch kleinere – Staaten Atomwaffen besitzen.

Manche Regierungen mögen auch nach außen härter agieren, um innere Schwächen zu überspielen. Bei totalitären Regimen besteht in steigendem Maße die Gefahr, dass man das außenpolitische Abenteuer wagen wird, um von internen Schwierigkeiten abzulenken.

Als eine für das 20. Jahrhundert in der Weltpolitik unerwartete Variante erscheint der religiöse Fanatismus auf der Bühne. Er kann im 21. Jahrhundert auf weitere Länder übergreifen.

Mit rationalen Überlegungen und mit den konventionellen Mitteln der Diplomatie wird man diese Entwicklungen nicht steuern können. Viele Schwierigkeiten, die in zurückliegenden Jahrzehnten von der Vertröstung auf steigenden Wohlstand überdeckt wurden, werden sich schon in nächster Zukunft unerbittlich zeigen.

* Gefährdung der Demokratie

Je weniger die Politik Mittel und Wege findet, die vielschichtigen Probleme der Zukunft unter Kontrolle zu bringen, desto mehr muss das Ansehen demokratischer Politiker und demokratischer Institutionen leiden. Zuletzt mögen dann verzweifelte Menschen bei Demagogen, Ideologen oder religiösen Fanatikern den letzten Ausweg suchen, in der irrigen Meinung, dass es „schlimmer nicht mehr kommen könne…“

Im besonderen wir Deutschen sollten es besser wissen:

Es kann durchaus schlimmer werden als unter der Ägide entscheidungsschwacher und handlungsunfähiger, versagender Demokraten!

Düstere Prophezeiungen

Ein nüchterner Blick auf die absehbare Zukunft unserer Erde weist also durchaus auf die Besonderheit der heutigen Zeit hin. Man braucht sich nicht auf düstere Prophezeiungen zu berufen, um eine sich nähernde, folgenschwere „Wendezeit“ im Schicksal der Menschheit erkennen zu können.

Dennoch fehlt es auch an endzeitlichen Prophetien nicht, die sich auf unsere Zeit beziehen lassen. Von der Bibel über mittelalterliche Seher bis zu neuzeitlichen Visionären kann man ein fast endloses Spektrum mehr oder weniger aussagekräftiger Vorhersagen zusammentragen und deren Bedeutung für unsere Zeit suchen. Schwierig wird es, wenn man – ähnlich wie im Jahr 1000 – genauere, gar zeitliche Angaben finden und aus den Prophezeiungen etwas Konkretes über die kommende Zeit oder gar „Endzeit“ erfahren möchte.

Man darf gespannt sein, ob die aus solchen Prophetien ermittelten Termine für Jahrtausend-Katastrophen genauso sang- und klanglos vorübergehen wie das Jahr 1000.

Was bringt die Zukunft?

Ist man bereit, die vielen, unvermeidlich auf uns zukommenden Probleme für unsere Weltzivilisation unvoreingenommen zu betrachten, so wird man sich darauf einstellen müssen, dass im bald beginnenden dritten Jahrtausend der abendländischen Zivilisation vieles, ja alles anders aussehen wird, als wir es heute noch gewohnt sind oder wie wir es aus der Geschichte kennen.

Pessimismus scheint aus heutiger Sicht berechtigt, und wir können nur hoffen, dass letzten Endes das „Gute“ sich durchsetzen kann.

Aber wie stellen wir uns persönlich zu der anscheinend unaufhaltsam anrollenden Gefahrenwelle, die mit der Sicherheit naturgesetzlichen Geschehens zu kommen scheint?

Wer nicht an der Zukunft verzweifeln will, hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

Entweder man verdrängt das Wissen von den auf uns zueilenden Prüfungen, hofft, dass sich das Unvermeidliche noch einige Jahrzehnte hinauszögern ließe – und tröstet sich mit dem „Sprichwort „kommt Zeit, kommt Rat…“

Oder man ist bereit, in dem Unausweichlichen eine folgerichtige Entwicklung zu erkennen, vielleicht sogar die Auswirkung eines von Schöpfungsgesetzen gesteuerten Eingriffs anzunehmen, der wie eine schwere Operation zwar schmerzt, aber der notwendige Wege zur Gesundung ist. Dann finden wir auch eine aufgeschlossene Einstellung zur Zukunft.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Zukunft „offen“ ist, sich also von unseren heutigen Entscheidungen noch beeinflussen lässt, sofern wir den Problemen mutig ins Auge sehen und dann entschlossen das Richtige tun.

Auf die Politik dürfen wir dabei kaum setzen, da die sattsam bekannte Entscheidungsschwäche demokratischer Politiker selten zu mehr reicht als zum Verzögern von Entscheidungen, oder gar zum Diffamieren der Warner. Viele werden sich zum Beispiel noch erinnern, wie seinerzeit von verschiedensten Seiten die „Grenzen des Wachstums“ (Dennis Meadows, die „Grenzen des Wachstums, Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit“, Stuttgart 1972) mit größtem Unverstand madig gemacht wurde.

Damals bereits wäre es höchste Zeit gewesen zu handeln!

Für den einzelnen Menschen persönlich gilt, dass eine Änderung der Verhältnisse zum Besseren die entsprechende innere Wandlung bedingt, die weder durch Ideologie noch durch Propaganda zu erreichen ist, wohl aber durch eigenes Bemühen: Wahre Einsichten wollen innerlich erlebt – nicht äußerlich angelesen – sein.

Will ein Mensch diesen Weg beschreiten, so werden auch gravierendste Veränderungen in seinem Umfeld letztlich seine seelische Entwicklung fördern, die auf sein „ewiges Sein“ angelegt ist, nicht allein auf seine Erdenexistenz.

Auf keinen Fall dürfen wir vergessen, dass Leben ein ständiger Wandel ist; dass die Natur keine starren, unveränderlichen Formen kennt, sondern dass fortlaufende Veränderung für alles Natürliche typisch ist. Kein Lebewesen kann sich diesem ununterbrochenen Zwang zur Bewegung dauerhaft entziehen, auch nicht der Mensch!

In diesem Wissen sollten wir die zu erwartenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts als hilfreiche Anstöße verstehen, die uns vor dem Erstarren in festgefahrenen Strukturen bewahren, und so letzten Endes sogar zu unserem Segen sind.