Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Wie sehr wir unsere Erde überlasten

Veröffentlicht in Gralswelt 64/2011

 

In der GralsWelt haben wir schon verschiedentlich berichtet über Ansätze zur Berechnung der Tragfähigkeit der Erde (im Heft 43/2007, Seite 37: „Wie viel Mensch verträgt die Erde?“; Heft 43/2007, Seite 42 „Warum wir in die Bevölkerungsfalle stolpern“; Heft 44/2007, Seite 21: „Ein vernichtender Fußabdruck“ (beide unter „Ökologie“). Gleichviel, welche der nicht unumstrittenen Berechnungsmethoden zugrunde gelegt wird, die Ergebnisse sind in der Tendenz ausnahmslos ähnlich: Eine drastische Überlastung der ökologischen Leistungsfähigkeit unseres Planeten.

Eine dieser Methoden zur Abschätzung der Tragfähigkeit der Erde ist der „ökologische Fußabdruck“, der angibt, welche Flächen zur Befriedigung unserer Ansprüche benötigt werden. Solche Messdaten sind unerlässlich für den Umgang mit unserem natürlichen Kapital, das wir nicht durch Übernutzung zerstören dürfen.

Eine anschauliche Darstellung der Überlastung der Natur bietet seit einiger Zeit die Britische „New Economics Foundation“ mit der Berechnung des „Earth Overshoot Day“.

Der „Overshoot Day“

Zur Ermittlung dieses „Überschuss-Tages“ wird die Leistungsfähigkeit der Natur berechnet. Das ist die Menge der Ressourcen, die der Planet in einem Jahr produziert, sowie der Rückstände, die er regeneriert; von der Kohlendioxidaufnahme der Pflanzen bis zur Produktion von Nahrungsmitteln oder nachwachsenden Rohstoffen. Dann wird die Menge aller erneuerbaren Ressourcen und die Kapazität der Natur zur Regeneration von Abfall mit dem tatsächlichen Verbrauch der Menschheit verglichen. Die Berechnungen zeigen, dass die Menschheit derzeit entschieden mehr in Anspruch nimmt, als die Natur leisten kann.

Um das zu verdeutlichen, wird jeweils ein Datum ermittelt, bis zum dem alles verbraucht ist, was die Natur im jeweiligen Jahr zu liefern in der Lage ist. Von diesem Tag an befindet sich die Menschheit im „Overshoot“ (oder „Ökodefizit“) und lebt von der Substanz! Wir nehmen also bei weitem zu viele „Ökodienstleistungen“ aus der Natur in Anspruch und finanzieren das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten mit Schulden bei der Natur, oder – richtiger – mit der Zerstörung der Natur.

Der Overshoot Day war:

1987: am 19. Dezember

1995: am 21. November

2006: am 09. Oktober

2010: am 21. August

Konnte sich nach diesem Ansatz die Erde 1987 noch gerade so regenerieren, so bräuchten wir mittlerweile fast 1,5 Erden, um unsere Ansprüche zu befriedigen, ohne die Natur im Übermaß zu beanspruchen.

Wohin das bei weiter wachsender Bevölkerung und dem von allen Politikern als unerlässlich angesehenen Wirtschaftswachstum führen muss, können sich allenfalls Apokalyptiker ausmalen.

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Literatur:

www.footprintnetwork.org

Nachtrag: 2017 war der Overshoot Day am 1. August und Deutschland hatte seine Ressourcen bereits am 24. April aufgebraucht.

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Anhang 2020:

Einige Daten zu Überlastung der Erde

Neuerding spricht man vom „Anthropozän“, dem Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist.

Der Mensch hinterlässt Spuren (z. B. Radioaktivität), die noch in Hunderttausend Jahren nachweisbar sein werden.

Nachfolgend werden einige wichtige, durch das Anthropozän bewirkte Umweltbelastungen aufgeführt:

Ackerland:

Es gibt 1,4 Milliarden Hektar (1 Hektar = 10.000 m²) Ackerland auf der Erde.

Bei 8 Milliarden Menschen = 1750 m² pro Person.

Das Ackerland wird sich weltweit kaum vergrößern lassen, es besteht sogar die Gefahr, dass es durch Bodenversiegelung (Bau von Straßen, Gebäuden, Fabrikanlagen usw.), Klimawandel, Raubbau verringert wird.

Weltbevölkerung:            Ackerland pro Kopf:
1950:       2,5 Milliarden       0,59  Hektar

1960:       3                           0,50

1974:       4                           0,35

1994:       5,6                        0,27

2000:       6,3                        0,23

2020        8                           0,175

2050:     10,3                        0,15

(deutschlandfunkkultur.de/weltacker-experiment-wie-viel-anbauflaeche-braucht-ein.976.de.html?dram:article_id=333459#:~:text=Teilt%20man%20die%20Ackerfläche%20der,1)-

Durch die moderne Landwirtschaft und andere Umweltschädigungen droht die Bodenzerstörung:

Chemikalien, Erosion, Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle, Staubstürme, Versalzung, usw.                                             (www.ökosystem-erde.de)

Artensterben:

Nach Ansicht des Bund Naturschutz (NABU) verschwinden weltweit 150 Arten pro Tag.

(https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/150-arten-sterben-pro-tag-aus-groesstes-artensterben-seit-ende-der-dinosaurier-zeit-droht-16660249.html)-

Die Biomasse der landlebenden Säugetiere besteht zu 66 % aus Nutztieren und zu 30 % aus Menschen. Weitere Nutztiere, die keine Säuger sind, wie Enten, Gänse, Hühner, usw. nicht berücksichtigt.

Wie lange kann es, bei weiterem Wachstum der Menschheit, überhaupt noch Platz für Wildtiere geben?                                    (wiki, „Masse der landlebenden Säugetiere“)

Kohlenstoffdioxidemissionen in Gigatonnen pro Jahr 2019:
(1) Natürliche: 750 (ohne Vulkane, deren Beitrag auf nur 1 % geschätzt wird, immerhin zehnmal so viel wie Deutschland)
(2) Von Menschen: 33 entspricht 4,4 % von (1)
(3) Deutschland: 0,805 entspricht 2,4 % von (2) oder 0,107 % von (1)              (www.Klimafakten.de)

Masse der von Menschen geschaffenen Bauwerke:

Ungefähr 30 Billionen Tonnen soll unsere Technosphäre wiegen. Das ist das 100.000-fache von der Biomasse aller Menschen auf der Erde und entspricht fast 60 Kilogramm pro Quadratmeter auf der gesamten Erdoberfläche, oder einer gleichmäßigen Bedeckung der gesamten Erdoberfläche mit 24 mm (ca. 1 Zoll) Beton (spez. Gewicht 2,5).

Die Forscher bezeichnen diese Ergebnisse als „sehr vorläufig“, halten aber die Größenordnung für realistisch.

(https://www.welt.de/kmpkt/article160159442/So-viel-wiegt-alles-das-wir-Menschen-je-gebaut-haben.html).

Gesamte Erdoberfläche: 510 Millionen km2, davon Land 149 Millionen km2.

Rechnung: 30*1015  kg/ 510*1012 m2  = 58 kg/m2. 

Ökologische Tragfähigkeit der Erde:

Das erste Gebot der Georgia Guidestones (1980) lautet: „Halte die Menschheit unter 500 Millionen in fortwährendem Gleichgewicht mit der Natur.“

Gorbatschow, Gründer des Internationalen Grünen Kreuzes selbst erklärt die ökologische Krise als eine Bevölkerungskrise und fordert eine Reduzierung der Weltbevölkerung um 90 Prozent.

Der National Strategy for a Sustainable America (Der Rat des Präsidenten für nachhaltige Entwicklung), ein Expertengremium, das den US-Präsidenten Bill Clinton zwischen 1993 und 1999 beriet, kam 1996 als Antwort auf den Erdgipfel in Rio de Janeiro (1992) zu dem Schluss, dass die Weltbevölkerung 500 Millionen Menschen nicht überschreiten sollte.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Tragf%C3%A4higkeit_(%C3%96kologie)).

Ökologische Tragfähigkeit verschiedener Länder nach OPT:

Die folgenden Zahlen des OPT sind reichlich großzügig bemessen! Der hier angenommene „mittlere Wohlstand“ entspricht wohl eher dem Zustand in Bangladesch als dem in Rumänien, einem der ärmsten Länder der EU.

Land:                       Einwohner:     Bei derzeitigem  Bei mittlerem

                                                            Wohlstand           Wohlstand:

Deutschland:       82 Millionen       24 Millionen        40 Millionen

Österreich               8                          4                            7

Schweiz                  7                           3                            4

China               1.272                      490                        327

Indien                 993                     768                         253

USA                   280                        91                         241

Welt                5.962                      643                      3.055

(http://www.optimumpopulation.org/opt.af.lpr02.tab2e.xls.)-

Der „Overshoot Day“ oder „Welt-Überlastungstag“:

Zur Ermittlung dieses „Überschuss-Tages“ wird die Leistungsfähigkeit der Natur berechnet. Das ist die Menge der Ressourcen, die der Planet in einem Jahr produziert, sowie der Rückstände, die er regeneriert; von der Kohlendioxidaufnahme der Pflanzen bis zur Produktion von Nahrungsmitteln oder nachwachsenden Rohstoffen. Dann wird die Menge aller erneuerbaren Ressourcen und die Kapazität der Natur zur Regeneration von Abfall mit dem tatsächlichen Verbrauch der Menschheit verglichen. Die Berechnungen zeigen, dass die Menschheit derzeit entschieden mehr in Anspruch nimmt, als die Natur leisten kann.

Um das zu verdeutlichen, wird jeweils ein Datum ermittelt, bis zum dem alles verbraucht ist, was die Natur im jeweiligen Jahr zu liefern in der Lage ist. Von diesem Tag an befindet sich die Menschheit im „Overshoot“ (oder „Ökodefizit“) und lebt von der Substanz! Wir nehmen also bei weitem zu viele „Ökodienstleistungen“ aus der Natur in Anspruch und finanzieren das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten mit Schulden bei der Natur, oder – richtiger – mit der Zerstörung der Natur.

Der Overshoot Day war:

1987: am 19. Dezember

1995: am 21. November

2006: am 09. Oktober

2010: am 21. August

2017: am 01. August

2019: am 29. Juli

Konnte sich nach diesem Ansatz die Erde 1987 noch gerade so regenerieren, so bräuchten wir mittlerweile 1,74 Erden, um unsere Ansprüche zu befriedigen, ohne die Natur im Übermaß zu beanspruchen.

Wollten wir alle Menschen mit dem Wohlstand der USA beglücken, wären rein rechnerisch 5 Erden erforderlich.

Rinder als Klimabeeinflusser:

Weltweit gibt es ca. 1,5 Milliarden Rinder. Diese produzieren ca. 50 Liter (= ca. 33g) Methan pro Tag, das ca. 25-mal so klimawirksam ist wie CO2.

„Was eine Kuh jährlich an Methan produziert, hat die gleiche Wirkung wie die CO2 Emissionen eines Mittelklassewagens mit 18.000 km Jahresleistung.“

Die 1,5 Milliarden Rinder sind also etwa so klimaschädlich wie 1,5 Milliarden PKW mit 18.000 km Jahresleistung.

2015 gab es ca. 1,3 Milliarden Kraftfahrzeuge, die demnach nicht viel klimaschädlicher sind als die Kühe. Sonstige Haustiere (Pferde, Schafe, Ziegen) nicht berücksichtigt.

Die 1,5 Milliarden Rinder erzeugen 18*109 kg/a oder 0,018 Gigatonnen/Jahr Methan. Berücksichtigt man den Faktor 25 für CH4 so entspricht das 0,45 Gigatonnen C02/a.

Das Industrieland Deutschland erzeugt derzeit ca. 0,805 Gigatonnen/a.

(Codecheck-info/news/wie-viele-treibhausgase-stammen-von-kühen?)

Die Weltbevölkerung wächst weiter:
1927: 2 Milliarden
1960 (nach 33 Jahren) 3 Milliarden
1974 (nach 14 Jahren) 4 Milliarden
1987 (nach 13 Jahren) 5 Milliarden
1999 (nach 12 Jahren) 6 Milliarden      (Wachstum flacht ab, vorwiegend
2011 (nach 12 Jahren) 7 Milliarden      (durch Geburtenrückgang
2020 (nach  9 Jahren) 7,75 Milliarden  (in Indien und China

2050 wird mit 10 Milliarden gerechnet, davon allein in Afrika 2,5 Milliarden (2020 1,3 Milliarden).

Derzeit wächst die Weltbevölkerung noch um ca. 80 Millionen pro Jahr.

In Afrika allein mit 1,3 Milliarden Menschen wächst die Bevölkerung um ca. 32 Millionen pro Jahr.

(wikipedia „Weltbevölkerung“)