Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Das abenteuerliche Leben des Adam Dreyling

(1995)

Die Weltgeschichte besteht aus einem Zusammenspiel vieler Kräfte, und nicht selten können scheinbare Nebensächlichkeiten überragende Bedeutung erhalten. So auch bei der bekannten Seeschlacht zwischen der großen spanischen Armada und der englischen Flotte im Jahre 1588. Der englische Sieg verhinderte die Invasion der britischen Inseln, vereitelte deren gewaltsame Rekatholisierung und eröffnete den Weg zum späteren Aufstieg Englands zur bedeutendsten Seemacht. Ein spanischer Sieg wäre auch ein Sieg der Gegenreformation geworden, der möglicherweise den Zusammenbruch der gesamten Reformation eingeleitet hätte.

Das englische Erfolgrezept waren schnelle, wendige Schiffe, die die großen spanischen Galeonen ausmanövrieren konnten, und weittragende Geschütze. Die Schiffe entwarf der geniale Schiffbaumeister Matthew Baker und die Kanonen goss ein Tiroler, dessen abenteuerlicher Lebenslauf in einem ungewöhnlich spannenden historischen Roman beschrieben wird.

Hightechland Tirol

Im 16. Jahrhundert war Tirol ein wichtiges Wirtschaftszentrum des habsburgischen Reiches. Die Bergwerke bei Schwaz förderten Kupfer und Silber, und in Innsbruck arbeitete der beste aller Kononengießer, der nach einem geheimen Verfahren Bronzekanonen von überragender Qualität herstellte. Genau die Kanonen, die England für seine Flotte brauchte!

Der Kanonenguss war damals eine geheimnisvolle Kunst, deren Geheimnisse jeder Gießermeister peinlich hütete. Manche dieser Feinheiten sind sogar verloren gegangen. So ließ das ZDF für einen Dokumentarfilm von einer Innsbrucker Glockengießerei eine Kanone nach Vorbildern des 16. Jahrhunderts nachgießen….und dieser Guss misslang! (2).

Adam Dreyling

Im Jahre 1574 gab es in den Schwazer Bergwerken einen schweren Unfall, der eine kleine Revolte auslöste. Adam Dreyling, der Sprecher der Bergleute, der deren berechtigte Anliegen vertrat, musste danach Schwaz verlassen. Er ging nach Innsbruck, um bei seinem Onkel das Gießerhandwerk zu erlernen. Dabei gelang es ihm, die Geheimnisse der weltberühmten Gießerei Löffler zu ergründen. Als ihm sein Onkel den Meisterbrief verweigerte, entschloss sich Dreyling Innsbruck zu verlassen. Eine abenteuerliche Flucht führte ihn nach England, wo er zum ersten Gießermeister des Königreiches avancierte und gerade noch rechtzeitig die Kanonen gießen konnte, ohne die der Sieg über die Armada nicht möglich geworden wäre.

Nach dem großen Sieg wurde Dreyling – wie viele andere – mit Undank bedacht. Er verließ England und ging nach Krakau, um dort für den König von Polen zu arbeiten. Dann traf ihn der gemeinsame Hass der Habsburger, deren spanische Flotte mit seiner Hilfe geschlagen war; der Engländer, die er verlassen hatte; des Hauses Fugger, das sein Eintreten für die Rechte der Bergleute noch in schlechter Erinnerung hatte; und seines Onkels, der ihm den Geheimnisverrat nicht verzeihen konnte…..

Der außerordentliche Lebenslauf des Adam Dreyling ist in einem ungewöhnlich spannenden historischen Roman (1) beschrieben, der mit seinen eintausendeinhundert Seiten als fesselnde Urlaubslektüre bestens zu empfehlen ist. Die dem Roman zugrundeliegenden Fakten sind gut dokumentiert, so dass man davon ausgehen darf, dass alle wesentlichen historischen Ereignisse exakt wiedergegeben sind. Von besonderem Interesse sind die packenden Beschreibungen des Bergbaues, der Gießerei, des Schiffbaues, wie nicht zuletzt der sozialen und politischen Zustände, wie sie zu Beginn der Neuzeit in Tirol, Venedig, England, Polen herrschten.

Literatur:

(1) Soyener, Johannes K./Mondfeld, Wolfram zu “Der Meister des siebten Siegels”, Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1994

(2) ZDF Expedition “Das Empire schlägt zurück”, Film gesendet am 26. Juli 2002

(3) http://www.zdf.de/inhalt/0,1872,1021982,00.html