Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Ursprünge des antiken Israel

Von Walter Schilling,

(Veröffentlicht in GralsWelt 75/2013)

Das Alte Testament der Bibel, die „Hebräische Bibel“, ist für drei monotheistische Weltreligionen von Bedeutung. Nämlich für die „abrahamitischen Religionen“ Judentum, Christentum, Islam, die sich auf Abraham berufen, als den ersten Menschen, der laut der Überlieferung den alleinigen Gott erkannte.

Der schriftlich niedergelegte Kern der Jüdischen Religion sind die fünf Bücher Mose (griech. „Pentateuch“), die in Form der handgeschriebenen Thorarolle in jeder Synagoge für den Gottesdienstgebrauch aufbewahrt werden.

Da das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, lasen die schon frühen Christen im Alten Testament, lange bevor das Neue Testament in seiner endgültigen Form vorlag. Auch Jesus berief sich ja auf das Alte Testament. So sind die Zehn Gebote, die Schöpfungsgeschichte, der Sündenfall und viele weitere Überlieferungen aus der Hebräischen Bibel in das christliche Religionsverständnis eingegangen.

Selbst im Koran finden sich Überlieferungen aus dem Alten Testament. Zum Beispiel wird Abraham gelobt und von den Ägyptischen Plagen berichtet.

Wer sich nun aus moderner Sicht ernsthaft mit den alttestamentarischen Überlieferungen beschäftigt, wird fragen: Gibt es nachweisbaren Spuren von tatsächlichen Geschehen, die die biblischen Schilderungen der Frühgeschichte des israelischen Volkes belegen? Oder handelt es sich vielleicht nur um vage Sagen oder gar um Phantasien und Fiktionen?

Walter Schilling gibt in seinem Buch „Ursprünge des antiken Israel“ dazu ebenso überzeugende wie interessante Antworten. Als Grundlagen für seine Arbeit dienen Ergebnisse archäologischer und historischer Forschungen.

Schillings Werk beginnt mit der Herkunft der israelitischen Stämme aus Mesopotamien und endet bei David und Salomon. Es ist sehr gut recherchiert, mit ausführlichen Quellenangaben, und bei aller wissenschaftlichen Korrektheit dennoch gut zu lesen.

Das Fazit des Buches ist eine Überraschung: Die am häufigsten in Frage gestellten Berichte im Alten Testament, wie der Auszug aus Ägypten, die Ägyptischen Plagen (vergl. dazu GralsWelt 57/2010, Seite 74, „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“), die Durchquerung des Schilfrohr-Sees, usw., können durchaus Erinnerungen an reale historische Ereignisse sein. Zwar ist die angegebene Anzahl der Flüchtigen stark übertrieben, doch viele Details des biblischen Berichts sind so genau beschrieben, dass sie kaum erfunden sein können. Anhand der biblischen Daten gelingt es Walter Schilling auch den Verlauf der Fluchtwege überzeugend zu rekonstruieren!

Da scheint es fast selbstverständlich, dass dieser Exodus nur mit einem charismatischen Anführer an der Spitze möglich war, der – laut Bibel – Moses hieß (vergl. dazu GralsWelt 51/2008, Seite 42, „Das Moses-Rätsel“).

Die „Ursprünge des antiken Israel“ sind eine Pflichtlektüre, für jeden, der am Alten Testament und an der Geschichte der Alten Juden interessiert ist.

(LIT-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-11782-3)