{"id":457,"date":"2009-03-30T18:42:14","date_gmt":"2009-03-30T17:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=457"},"modified":"2023-07-08T11:33:51","modified_gmt":"2023-07-08T10:33:51","slug":"eine-neue-grosreligion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d1%8f-%d1%80%d0%b5%d0%bb%d0%b8%d0%b3%d0%b8%d0%b8\/%d0%bd%d0%be%d0%b2%d0%b0%d1%8f-%d0%bc%d0%b0%d0%b6%d0%be%d1%80%d0%bd%d0%b0%d1%8f-%d1%80%d0%b5%d0%bb%d0%b8%d0%b3%d0%b8%d1%8f\/","title":{"rendered":"\u041d\u043e\u0432\u0430\u044f \u043e\u0441\u043d\u043e\u0432\u043d\u0430\u044f \u0440\u0435\u043b\u0438\u0433\u0438\u044f"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<blockquote>\n<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 42\/2007)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Voodoo und Co.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Verschiedene Religionen behaupten schnell zu wachsen, w\u00e4hrend andere &#8211; darunter das Christentum in Europa &#8211; sich mit Austritten und Verlust an Ansehen abfinden m\u00fcssen. Die vielleicht am schnellsten wachsende Religion, die in einigen L\u00e4ndern sogar dabei ist, das Christentum zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, ist bei uns kaum bekannt: Die Vermischung afrikanischer Religionen mit Katholizismus und indianischer Mythologie; manchmal noch mit islamischem, hinduistischem, buddhistischem und sonstigem Gedankengut: Diese &#8222;afro-amerikanischen Kulte&#8220;, werden, je nach der Region ihres Ursprunges, Voodoo , Santeria, Candombl\u00e9, Umbanda usw. genannt, um nur einige der wichtigsten zu nennen. Sie breiten sich besonders in Mittel- und S\u00fcdamerika, aber auch in Nordamerika und Afrika aus.<\/p>\n<p><strong>Eine Symbiose aus Christentum und Stammesreligion<\/strong><br \/>Die vom 16. Jahrhundert an von (vorwiegend West-) Afrika nach Amerika verschleppten Sklaven brachten eigene religi\u00f6se Vorstellungen mit, von denen nur wenig bekannt ist. Wahrscheinlich glaubten sie an ein, \u00fcber alle anderen G\u00f6ttergestalten und Geistwesen erhabenes, &#8222;h\u00f6chstes Wesen&#8220;:<\/p>\n<p><em>&#8222;Diese h\u00f6chste Gottheit&#8230;..galt als Sch\u00f6pfer des Universums und alles Lebenden. Nach dem Sch\u00f6pfungswerk, so eine verbreitete Vorstellung, hatte sie sich aus der Welt zur\u00fcckgezogen, weshalb es auch keinen eigenen Kult f\u00fcr sie gegeben zu haben scheint. Die kultische Verehrung richtet sich vielmehr an eine Vielzahl von meist anthropomorph (menschen\u00e4hnlich) vorgestellten Gottheiten, die dem erhabenen &#8218;h\u00f6chsten&#8216; g\u00f6ttlichen Wesen untergeordnet waren.&#8220;<\/em> (7, S. 15).*)<\/p>\n<p>Auf den Sklavenm\u00e4rkten angekommen, wurden die deportierten Schwarzafrikaner in der Regel getauft, und dann ohne R\u00fccksicht auf Herkunft, Muttersprache und Familienbande auf ihre Arbeitsst\u00e4tten in Plantagen, Manufakturen, Bergwerken oder Haushalten verteilt.<\/p>\n<p>Ihre Unterrichtung im Christentum beschr\u00e4nkte sich meist auf solche biblischen Aussagen, die die Sklaverei rechtfertigen und zum Gehorsam aufrufen. Wenn Sklaven sich in ihrer sp\u00e4rlichen Freizeit zu T\u00e4nzen zusammenfanden, sah man darin ein Zeichen guter Laune, ohne die kultische Bedeutung das Tanzes in afrikanischen Traditionen zu kennen.<\/p>\n<p><strong>Eine synkretistische Religion<br \/><\/strong>So gut wie alle Weltreligionen sind synkretistisch, d. h. sie haben sich aus anderen Religionen entwickelt, oder Elemente anderer religi\u00f6ser Vorstellungen absorbiert. So ist unbestritten, dass das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen ist, und der Islam sich urspr\u00fcnglich als weiterf\u00fchrende Verbindung von Juden- und Christentum verstand.<\/p>\n<p>Bei den afro-amerikanischen Kulten, die erst in den letzten Jahrhunderten, besonders in der Neuen Welt, aber in vergleichbarer Form auch in Afrika, entstanden sind, wird die Verkn\u00fcpfung von afrikanischer Naturreligion mit christlichem Denken deutlich.<\/p>\n<p>In den katholischen L\u00e4ndern Lateinamerikas mischten sich alte afrikanische Rituale mit christlichen Lehren zu neuen Religionen, deren Anh\u00e4ngerschaft sich erweitert: Waren es urspr\u00fcnglich nur afrikanische Sklaven und deren Nachkommen, also besonders die \u00c4rmsten der Armen, so fanden sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in zunehmendem Ma\u00dfe auch Anh\u00e4nger unter der wei\u00dfen Mittelschicht, sogar unter Intellektuellen, Politikern und \u00f6konomischen F\u00fchrungskr\u00e4ften (7, S. 8).<\/p>\n<p>Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts kamen die afro-amerikanischen Religionen, verwiegend durch Migranten aus Kuba, auch in die USA. Zuletzt wurden die G\u00f6tter und Geister Afrikas noch als touristische Attraktionen entdeckt.<\/p>\n<p><strong>Afro-amerikanische Neureligionen<br \/><\/strong>Es handelt sich um zahlreiche religi\u00f6se oder kultische Gruppen, die &#8211; mehr oder weniger unabh\u00e4ngig von einander &#8211; in verschiedenen Regionen entstanden. Meist gibt es nur lose Kontakte zwischen den einzelnen &#8222;Tempeln&#8220; oder Gemeinden, so dass es keine von allen akzeptierten Lehren, keine verbindliche Theologie geben kann.<\/p>\n<p>Als die wichtigsten Gruppen gelten Voodoo (Haiti ), Santeria (Kuba), Candombl\u00e9 und Umbanda (Brasilien).<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieser Form der Religiosit\u00e4t stehen Transzendenzgl\u00e4ubigkeit, Opfer und Rituale. Es handelt sich um basisorientierte Bewegungen, die aus der Volksreligiosit\u00e4t entstehen und meist keine Opposition zu den Regierenden bilden. Es sind auch keine Satanskulte, auch wenn die eine oder andere Gruppe in den Satanismus abgedriftet sein mag, und Missionare oft religi\u00f6se Rituale, die sie nicht verstanden, bedenkenlos verteufelten.<\/p>\n<p><strong>Geistwesen:<br \/><\/strong>Die afro-amerikanischen Religionen lehren den Glauben an &#8222;Geister&#8220; oder h\u00f6here Wesen unterschiedlicher Art, die der vorkolonialen, afrikanischen Religion entstammen. Deren Bilder haben sich mit denen christlicher Heiliger vermischt und ihre Namen sind in den unterschiedlichen Regionen verschieden. Neben diesen &#8222;Geistern&#8220; haben auch die Ahnen bzw. die Ahnengeister Bedeutung. Manche Religionswissenschaftler sprechen daher auch von \u201eAhnenkulten&#8220;.<\/p>\n<p>Diese &#8222;G\u00f6tter&#8220;, &#8222;Geister&#8220; oder &#8222;Ahnen&#8220; sind allgegenw\u00e4rtig und greifen in das Leben der Menschen ein; sie k\u00f6nnen helfen oder strafen. Man tut also gut daran, sich ihre Gunst zu sichern, indem man ihnen den erwarteten Respekt zollt, Opfergaben darbringt und die religi\u00f6sen und sittlichen Gebote beachtet. Um z\u00fcrnende Gottheiten milde zu stimmen, die vielleicht zur Strafe eine Krankheit gesandt haben, muss man mit ihnen Kontakt aufnehmen. Das geschieht in einer Zeremonie mit Hilfe eines Priesters.<\/p>\n<p><strong>Trance-T\u00e4nze<br \/><\/strong>In den typischen Ritualen werden Verbindungen zu den &#8222;Geistern&#8220; gesucht, die vom K\u00f6rper einer in Trance gefallenen Person (vor\u00fcbergehend) Besitz ergreifen. Solche Trance-Ph\u00e4nomene werden mit Vorliebe in Film und Fernsehen dargestellt: T\u00e4nzer, die &#8211; berauscht von Trommelrhythmen die Kontrolle \u00fcber K\u00f6rper und Bewusstsein verloren haben und einem &#8222;Geist&#8220; ausgeliefert sind.<\/p>\n<p><strong>Initiation<br \/><\/strong>Auch einen Einweihungsweg gibt es, auf dem Personen, die in engeren Kontakt mit einem &#8222;Geist&#8220; treten, stufenweise in die Geisterwelt eingef\u00fchrt werden. Diese Einweihung erfolgt selten freiwillig. Sie ist anstrengend und kostspielig, und der Eingeweihte muss Verpflichtungen gegen\u00fcber seinem &#8222;Tempel&#8220; \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>Magie<br \/><\/strong>F\u00fcr aufgekl\u00e4rte Abendl\u00e4nder schwer nachvollziehbar sind die zahlreichen Anwendungen der sympathetischen Magie, die verschiedensten Zielen dienen: Von der Verw\u00fcnschung eines Feindes, der Abwehr eines Schadenszaubers, \u00fcber den Liebeszauber bis zur Heilung von Krankheiten.**)<\/p>\n<p>Die Anwendung &#8222;wei\u00dfer&#8220; oder &#8222;schwarzer&#8220; Magie, um au\u00dfergew\u00f6hnliche Dinge auf \u00fcbernat\u00fcrliche Weise zu erreichen, wird in B\u00fcchern \u00fcber Voodoo hei\u00df diskutiert. Europ\u00e4ische Voodoo-Anh\u00e4nger lehnen den Gebrauch der schwarzen Magie meist entschieden ab. Dabei ist nicht zu \u00fcbersehen, dass jeder, der ein magisches Ritual praktiziert, sich m\u00f6glicherweise fremden Einfl\u00fcssen ausliefert, die er nicht zuverl\u00e4ssig kontrollieren kann.<\/p>\n<p><strong>Zombies<br \/><\/strong>Durch Gruselgeschichten auch bei uns popul\u00e4r geworden sind die Zombies. Davon gibt es angeblich zwei Arten:<\/p>\n<p>Einmal k\u00f6rperlose Seelen, die einem (b\u00f6swilligen) Magier dienen und ihn bei seinen schwarzmagischen Praktiken unterst\u00fctzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In einschl\u00e4gigen Horrorfilmen tritt meist die zweite Art von Zombies auf: Durch magische K\u00fcnste zum seelenlosen Leben erweckte Leichname, die dem Magier als willenlose Sklaven dienen m\u00fcssen. In Haiti z.B. gehen Geschichten um von solchen, von einem Magier versklavten Verstorbenen, und die Furcht ist verbreitet, dass man selbst oder ein geliebter Angeh\u00f6riger in die Klauen eines Schwarzmagiers geraten, und ihm als Zombie verfallen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Kardezismus<\/strong><br \/>Der franz\u00f6sische Spiritist Hyppolite L\u00e9on Denizard Rivail (1804-1869) hatte seit 1855 Botschaften von einem Jenseitigen empfangen, der sich als Druide mit dem Namen Allan Kardec zu erkennen gab.<\/p>\n<p>Die spiritistischen Botschaften dieses angeblichen Druiden wurden unter dem Titel &#8222;Le livre des esprits&#8220; (Das Buch der Geister) mit Kardec als Verfasser publiziert. Diese Schrift, in Europa wenig beachtet, erlangte dominierenden Einfluss auf den Spiritismus in Lateinamerika, und wurde zu einem grundlegenden religi\u00f6sen Buch des \u201eKardezismus&#8220;. Aus einer Verbindung dieses Spiritismus (dem Kardezismus) mit Candombl\u00e9 entwickelte sich Umbanda.<\/p>\n<blockquote>\n<p><strong>Magie in Oberbayern?<br \/><\/strong>Religionswissenschaftler sehen in der Magie die \u00e4lteste und urspr\u00fcnglichste \u00c4u\u00dferung der Religiosit\u00e4t: Fruchtbarkeit, Jagderfolg, gl\u00fcckliche Partnerschaft, Gesundheit (Vermeidung von Krankheit) bei Mensch und Tier, Abwendung von Unwettern und Katastrophen, sind wichtige Anliegen in allen Kulturen, zu allen Zeiten. Diese im tiefsten Menschlichen verankerten W\u00fcnsche versucht man &#8211; wie deutlich nachgewiesen scheint &#8211; seit der Altsteinzeit mit magischen Praktiken zu erf\u00fcllen, die sich in vielen religi\u00f6sen Gebr\u00e4uchen, wie auch im Volksglauben und Aberglauben bis heute erhalten haben.<br \/>Dazu ein Beispiel einer \u201evoodoo-\u00e4hnlichen&#8220; Beschw\u00f6rung aus dem 19. Jahrhundert, in dem der \u201eZauberer&#8220; ein katholischer Geistlicher ist:<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230;Jeder wei\u00df, dass es Geistliche gab und gibt, welche die Gewitter durch Gebete und Zauberspr\u00fcche abwenden. In der Bavaria ist zu lesen, dass es bei solchen Geistlichen mehr auf eine gewisse angeborene Zauberkraft ankomme als auf ein erworbenes, hierauf bez\u00fcgliches Wissen.<\/em><br \/><em> Meine Erfahrungen unter dem Volk sprechen gegen diese Meinung. Das Wettersegnen erfordert ein ganz bestimmtes \u201aGstudieren&#8216;, dem aber heutzutage leider nur wenige mehr obliegen. Einer der fr\u00fcheren Pfarrer von Schliersee soll sich auf diese n\u00fctzliche Kunst ausgezeichnet verstanden haben. Oft gelang es ihm, dass er den Gewitterhagel von der Brecherspitze und den Grasweiden und G\u00e4rten Schliersees weg in die W\u00e4lder des Baumgartens und des Kreuzberges \u201aummisegnen&#8216; konnte. Das \u201aUmmisegnen&#8216; ist hier nicht etwa als ein Ausfluss jener Fr\u00f6mmigkeit zu betrachten, der wir den sch\u00f6nen Spruch verdanken: \u201aO heiliger Florian, verschon mein Haus, z\u00fcnd andere an!&#8216;, sondern ein Abwenden von der Besch\u00e4digung menschlicher fruchtbringender Pflanzungen in die Wildnisse der Alpen. Doch kann es in benachbarten Gemeinden, deren eine einen kundigen, die andere dagegen einen unkundigen Wettersegner besitzt, allerdings so treffen, dass die der einen Flur von oben zugedachte Verw\u00fcstung durch fromme Spr\u00fcche auf die \u00c4cker der anderen abgewendet wird &#8211; nachdem sich das Wetter doch einmal irgendwo seiner eisigen Last entladen muss.<\/em><br \/><em> Das \u201aUmmisegnen&#8216; besteht eigentlich nur in der Kunst, die Hexen zu vertreiben, welche das Wetter machen. Denn ein Gewitter ist weiter nichts als das infernale Konzert dieser verdammten Weiber. Und gerade deshalb ist es eine schwere Arbeit &#8211; der unsichtbare Chor will den Priester mit fortwirbeln, ihn hineinziehen in das wilde Gejaid.<\/em><br \/><em> Deshalb muss dieser immer eine oder mehrere fromme Personen um sich haben, die ihn festhalten, w\u00e4hrend er aus einem Buch seine Formeln liest. Es kommt dessenungeachtet vor, dass ihn die Gewalt der D\u00e4monen fu\u00dfhoch vom Boden in die H\u00f6he schleudert.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>(Heinrich Noe: \u201eBayerisches Seenbuch&#8220;, 1865, Nachdruck Hugendubel, M\u00fcnchen, o.J., S. 152)<br \/><em>Heinrich Noe<\/em> (1835-1896) war Hof- und Staatsbibliothekar in M\u00fcnchen und soll siebzehn Sprachen gesprochen haben. Dann schrieb er als freier Schriftsteller Landschaftsb\u00fccher, die zu den Klassikern der alpenl\u00e4ndischen Reiseliteratur z\u00e4hlen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Geheimnisvolle Rituale<\/strong><br \/>In Europa ist &#8211; meist nur dem Namen nach &#8211; vor allem Voodoo bekannt, mit seinen n\u00e4chtlichen Zeremonien, die mit Gebeten und H\u00e4ndeklatschen beginnen. Dann setzen Rasseln und Trommeln in Trance-Rhythmen ein und \u00fcbert\u00f6nen die Ges\u00e4nge&#8230;<br \/>Tieropferungen (H\u00fchner, Ziegen, Stiere, Schweine) finden meist schon vor Beginn des \u00f6ffentliches Festes statt. Bei der rituellen Schlachtung wird Blut des geopferten Tieres getrunken, das in besonderer Weise Tr\u00e4ger spiritueller Energie sein soll. Die oft wiederholte Behauptung liegt nahe, dass fr\u00fcher auch Menschen geopfert wurden; zumal in der Kultur der vorkolumbischen amerikanischen V\u00f6lker Menschenopfer oder ritueller Kannibalismus verbreitet waren.<\/p>\n<p>Diese d\u00fcsteren Rituale ziehen auch moderne Menschen an, die sich von den magischen Praktiken faszinieren lassen, und <em>\u201espirituelle Kraft in den Ritualen&#8220;<\/em> sp\u00fcren (6, S. 54). In amerikanischen oder europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten finden sich Voodoo-Gl\u00e4ubige wie auch Gesch\u00e4fte, die Voodoo-Puppen und andere Voodoo-Accessoires verkaufen.<\/p>\n<p>Woodoo-Rhythmen inspirierten angeblich auch die popul\u00e4re Musik wie Blues, Jazz, Rock and Roll. In den Texten mancher S\u00e4nger sollen Bilder und Metaphern auftauchen, wie sie auch in Woodoo-Ritualen vorkommen und einzelne Texte erscheinen geradezu satanistisch (1, S. 423).<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu den Wurzeln<\/strong><br \/>In den afro-amerikanischen Religionen, die sich ausbreiten und in einigen Staaten vor der Anerkennung als Religion stehen (wie schon in Benin (West-Afrika) geschehen), kann man eine Verbindung sehen des spirituellen Bewusstseins zweier Kulturen.<\/p>\n<p>Die ihrer afrikanischen Heimat entrissenen Vorfahren gaben von Generation zu Generation ihre Rituale und religi\u00f6sen Erfahrungen weiter, bis diese mit christlichen Vorstellungen zu neuen multikulturellen Religionen verschmolzen. Die Denkweisen, Sitten, Riten, \u00dcberlieferungen der einstigen Unterdr\u00fccker werden nicht undifferenziert \u00fcbernommen, sondern nach der eigenen Identit\u00e4t, der f\u00fcr die eigene Gruppe geeigneten Glaubensform gesucht.<\/p>\n<p>Bis weit ins 20. Jahrhundert konnten die afro-amerikanischen Kulte nur im Geheimen praktiziert werden, da sie fast \u00fcberall &#8211; sowohl in Amerika wie in Afrika &#8211; verboten waren. Die Entwicklung dieser vielf\u00e4ltigen Religionen ist noch im Fluss. Umbanda z.B. strebt eine einheitliche Priesterausbildung und Theologie an, die dann langfristig wohl in b\u00fcrokratische Formen m\u00fcnden w\u00fcrde, die der Spiritualit\u00e4t abtr\u00e4glich sind.<\/p>\n<p>Wie alle Religionen, f\u00f6rdern auch diese f\u00fcr uns fremdartigen Kulte den Zusammenhalt zwischen ethnischen und sozialen Gruppen, wirken identit\u00e4tsstiftend und \u00fcberwinden rassische Schranken zwischen ihren Bekennern; sie sind daher auch von politischer Relevanz.<\/p>\n<p>Vielleicht es ist interessant, in diesem Zusammenhang noch zu erw\u00e4hnen, dass manche Religionswissenschaftler der Meinung sind, dass die Globalisierung in unserer multikulturellen Welt nur dann zum Erfolg werden kann, wenn eine f\u00fcr alle Ethnien und Bekenntnisse akzeptable Religion die friedenstiftende Klammer zwischen den verschiedenen V\u00f6lkern bildet.<\/p>\n<p>Das m\u00fcsste allerdings eine umfassende Hochreligion sein, keine Synthese einer Weltreligion mit archaischen mystisch-magischen Praktiken, die f\u00fcr die Mehrzahl der modernen Menschen kaum annehmbar sind.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 -.-.-.-.-<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch unter Buchbesprechungen <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/im-lichte-der-wahrheit\/\">&#8222;Im Lichte der Wahrheit&#8220;<\/a> und in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; auf Seite 262 &#8222;Der sagenhafte Cargo-Kult&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:\u00a0<\/strong><br \/>*) Man sieht unwillk\u00fcrlich Parallelen zum Hinduismus, wo der Sch\u00f6pfergott Brahma weniger beachtet wird als Shiwa (Zerst\u00f6rer) und Wishnu (Bewahrer). So findet man immer wieder \u00c4hnlichkeiten zwischen ganz verschiedenen Religionen, die anscheinend keinerlei Verbindungen aufweisen.\u00a0<br \/>**) Vgl. unter &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/okologie\/kommt-die-apokalypse-der-religionen\/\">Welche Apokalypse kommt<\/a>&#8220; die Endnote [V] die den Einfluss der Schwarzen Magie in Afrika erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/><\/strong>(1) Baigent, Michael\/Leigh Richard, Verschlusssache Magie, DroemerKnaur, M\u00fcnchen 1997.<br \/>(2)Brackmann Richard W., Der Umbanda-Kult in Brasilien, Sonderdruck aus Staden-Jahrbuch, Band 7\/8, 1959\/60.<br \/>(3) Burkhart Gregor, Die Kinder Omul\u00fas, Peter Lang, Frankfurt, 1994.<br \/>(4) Drehsen Volker, W\u00f6rterbuch des Christentums, Orbis, M\u00fcnchen 1995.<br \/>(5) Henning Christoph\/Oberl\u00e4nder Hans, Voodoo, Taschen, K\u00f6ln 1995.<br \/>(6) Neimark Philip J., Die Kraft der Orischa, O.W. Barth, M\u00fcnchen 1996.<br \/>(7) Reuter Astrid, Voodoo, C. H. Beck, M\u00fcnchen, 2003.<br \/>(8) http:\/\/www.magieheim.at\/nemo\/vorurteile.html.<br \/>(9) http:\/\/www.paranormal.de\/voodoo.<br \/>(10) <a href=\"http:\/\/www.schwarzaufweiss.de\/benin10.html\">http:\/\/www.schwarzaufweiss.de\/benin10.html<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 42\/2007) Voodoo und Co. Verschiedene Religionen behaupten schnell zu wachsen, w\u00e4hrend andere &#8211; darunter das Christentum in Europa &#8211; sich mit Austritten und Verlust an Ansehen abfinden m\u00fcssen. 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