{"id":2307,"date":"2014-12-20T16:12:12","date_gmt":"2014-12-20T15:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=2307"},"modified":"2026-02-27T14:34:42","modified_gmt":"2026-02-27T13:34:42","slug":"gotter-und-orakel-ein-alter-hut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d1%81%d1%82%d1%80%d0%b0%d0%bd%d0%bd%d1%8b%d0%b5-%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d0%b8\/%d0%b1%d0%be%d0%b3-%d0%b8-%d0%be%d1%80%d0%b0%d0%ba%d1%83%d0%bb-%d0%b2-%d1%81%d1%82%d0%b0%d1%80%d0%be%d0%b9-%d1%88%d0%bb%d1%8f%d0%bf%d0%b5\/","title":{"rendered":"\u0411\u043e\u0433\u0438 \u0438 \u043e\u0440\u0430\u043a\u0443\u043b\u044b - \"\u0441\u0442\u0430\u0440\u0430\u044f \u0448\u043b\u044f\u043f\u0430\"?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><i>(Ver\u00f6ffentlich Dezember 2014)<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><i>Die von G\u00f6ttern und Orakeln gepr\u00e4gte Lebenswelt der Antike scheint uns heute \u00fcberkommen, \u00fcberwunden. Doch hatte sie einen wahren Kern \u2013 und sind wir darin heute wirklich so viel weiter als damals, haben sich vielleicht nur die Formen ge\u00e4ndert?<\/i><\/strong><\/p>\n<h5>Sokrates und die Transzendenz<\/h5>\n<p>Liest man in den Schriften der antiken Philosophen, so stellt man \u00fcberrascht fest, dass damals auch die gebildeten Menschen, die Philosophen, an die antiken Gottheiten glaubten. Ein klassisches Beispiel w\u00e4re die \u201eApologie des Sokrates\u201c von<em> Platon<\/em>. In seiner Verteidigungsrede (Apologie) vor dem Hohen Gericht zu Athen begr\u00fcndet <em>Sokrates<\/em> sein Verhalten mit dem Orakelspruch eines Gottes. Die Alten Griechen suchten ja bei Lebensfragen Rat in den Tempeln der Orakelpriester, deren ber\u00fchmtester in Delphi stand. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/das-orakel-von-delphi\/\">\u201eDas Orakel von Delphi\u201c,<\/a> unter &#8222;Religionsgeschichte&#8220;).<\/p>\n<p>Ein Verehrer von <em>Sokrates<\/em> war k\u00fchn genug, das delphische Orakel \u00fcber <em>Sokrates<\/em> (470\u2013399 v. Chr.) noch zu dessen Lebzeiten zu befragen:<br \/>\n<em>\u201eEr fragte also, ob wohl jemand weiser sei als ich. Da sagte die Pythia, es sei niemand weiser.\u201c\u00a0<\/em> (4, S. 17).<\/p>\n<p>Von da an war es die haupts\u00e4chliche Besch\u00e4ftigung des <em>Sokrates<\/em>, seine Mitmenschen zu befragen, um herauszufinden, ob sich die Gottheit geirrt haben k\u00f6nnte. Dabei zeigte sich, dass <em>Sokrates<\/em> gegen\u00fcber seinen Mitb\u00fcrgern insofern kl\u00fcger oder \u201eweiser\u201c war, als er sich \u2013 anders als die meisten \u2013 der Grenzen seines Wissens oder seiner \u201eWeisheit\u201c bewusst war.<\/p>\n<p>Stellt man sich vor, wie <em>Sokrates<\/em> \u2013 umringt von einer Schar von Sch\u00fclern und Bewunderern \u2013 seine Mitb\u00fcrger mit geschickten Fragen in Verwirrung st\u00fcrzte, dann scheint es kaum verwunderlich, dass er sich damit nicht beliebt machte.<\/p>\n<p>Einer seiner Sch\u00fcler war der gl\u00e4nzende Redner und Feldherr <em>Alkibiades<\/em> (451\u2013404 v. Chr.). Dieser war h\u00f6chst charmant, schlau wie <em>Odysseus<\/em> und verrucht wie <em>Thersites<\/em>[1]. <em>Alkibiades<\/em> war der Inbegriff des verantwortungslosen Politikers, der nur an sich denkt, und &#8211; wenn er in Problemen steckt &#8211; sogar zum Feind \u00fcberl\u00e4uft und diesem wichtige Informationen liefert. So hat er zum Niedergang Athens beigetragen. F\u00fcr sein verr\u00e4terisches Verhalten wurde die Philosophie seines Lehrers <em>Sokrates<\/em> verantwortlich gemacht. Zuletzt wurde der inzwischen greise Philosoph aus politischen Gr\u00fcnden[2] mit einer an den Haaren herbeigezogenen Anklage vor Gericht gezerrt[3].<\/p>\n<p>Angesichts der drohenden Todesstrafe berief sich <em>Sokrates<\/em> auf sein \u201eDaimonion\u201c[4], seine innere Stimme, von der er sich in seinen Handlungen best\u00e4tigt f\u00fchlte. Im Glauben an diese ihm vermittelte h\u00f6here Einsicht verteidigte er sich in einer Weise, die die Richter noch weiter gegen ihn aufbrachte. Nach seiner Verurteilung ging er mutig in den Tod.<\/p>\n<p>Wir heutigen Menschen haben oft Probleme mit einer solchen \u201eTranszendenzgl\u00e4ubigkeit\u201c, zu der wir kaum mehr Zugang finden.<\/p>\n<h5><b>Ein verlorengegangener Glaube<\/b><\/h5>\n<p>Es ist heute \u00fcblich, jeden Glauben an h\u00f6here Kr\u00e4fte, Naturwesen[5], Gottheiten in das Reich der Mythologie und des Aberglaubens abzuschieben.<\/p>\n<p>Der Glaube an Gott oder an die Unsterblichkeit der Seele z\u00e4hlt zwar zu den \u201eGlaubensgewissheiten\u201c, also den Grundlagen religi\u00f6ser Lehren, doch das sind f\u00fcr moderne Menschen oft nur Lippenbekenntnisse, kaum von echter \u00dcberzeugung getragen.<\/p>\n<p>In der Antike war das noch anders. Die Mehrzahl der Menschen, darunter Philosophen wie <em>Sokrates,<\/em>\u00a0<em>Platon und Aristoteles<\/em>, glaubten an Gottheiten, das Weiterleben nach dem Tode, mehrfache Erdenleben usw. Allem Anschein nach waren f\u00fcr die Menschen der Antike vielerlei Naturwesen, kleine und gr\u00f6\u00dfere, oder die als \u201eG\u00f6tter\u201c bezeichneten \u201eF\u00fchrer der Elemente\u201c (Gralsbotschaft, Vortrag \u201eG\u00f6tter \u2013 Olymp \u2013 Walhall\u201c) noch lebendige Gewissheit. Auch damals sahen die meisten Menschen keine Naturwesen oder gar die G\u00f6tter, aber sie glaubten an sie und suchten in den Orakeln Wege zur Kontaktaufnahme mit h\u00f6heren M\u00e4chten.<\/p>\n<h5><b>Hinter der Fassade vermenschlichter G\u00f6tter<\/b><\/h5>\n<p>Bei der Lekt\u00fcre griechischer oder germanischer G\u00f6ttersagen ist man erstaunt, wie sehr diese Gottheiten Menschen \u00e4hneln; mit menschlichen Fehlern, Schw\u00e4chen und sogar Lastern. K\u00f6nnen das zutreffende Bilder h\u00f6herer Wesenheiten sein?<\/p>\n<p>Legt man das Wissen der Gralsbotschaft &#8222;Im Lichte der Wahrheit&#8220; von <em>Abd-ru-shin<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/im-lichte-der-wahrheit\/\">Buchbesprechung<\/a>) zugrunde, so spricht einiges daf\u00fcr, dass wir diese G\u00f6ttergestalten der Antike in zwei voneinander zu unterscheidenden Ebenen vermuten m\u00fcssen:<\/p>\n<p>Einmal die h\u00f6heren Ebenen, in denen gro\u00dfe Wesenhafte als \u201eF\u00fchrer der Elemente\u201c machtvoll beim Aufbau und dem Erhalt der Sch\u00f6pfung wirken. Diese Sph\u00e4ren sind feiner, weit h\u00f6her als der Erdenkreis. Einst konnten wohl begnadete Seher diese hohen Naturwesen erahnen, vielleicht sogar direkt wahrnehmen und von deren Aufgaben und deren Wirken berichten. Viele solcher Berichte von ganz verschiedenen Vision\u00e4ren aus verwehten Jahrtausenden lieferten dann unterschiedliche, vermutlich auch widerspr\u00fcchliche Bilder. Dann rissen durch den zunehmenden Einfluss des reinen Verstandesdenkens die Kontakte zu diesen h\u00f6heren Ebenen ab.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter besch\u00e4ftigten sich menschliche Empfindungen, Gedanken, Phantasien mit diesen G\u00f6ttergestalten, die wohl schon l\u00e4ngere Zeit nicht mehr wahrgenommen werden konnten. So entstanden auf einer erdnahen Ebene von Menschen geschaffene Gedanken- oder Empfindungsformen von diesen \u201eG\u00f6ttern\u201c. Solche Vorstellungsbilder wurden dann wiederum von Sensitiven aufgenommen, die sie weiter ver\u00e4nderten, L\u00fccken im Schauen mit eigenen Ideen schlossen, bis hin zu den Beschreibungen der Dichter. Zu <em>Sokrates<\/em> Zeiten sahen anscheinend noch etliche Menschen \u2013 mehr oder weniger deutlich \u2013 in Visionen solche (verzerrte) Abbilder von Gottheiten, und ihr Glaube an h\u00f6here Wesenheiten wurde dadurch f\u00fcr sie pers\u00f6nlich zur Gewissheit.<\/p>\n<p>Nicht viel anders verh\u00e4lt es sich auch heute mit manchen religi\u00f6sen Vorstellungen. Zum Beispiel bei Erscheinungen <em>Marias<\/em> als Gottesmutter[6] oder Himmelsk\u00f6nigin, wovon Gl\u00e4ubige seit Jahrhunderten berichten. Es wird dann nicht die Urk\u00f6nigin selbst wahrnehmbar, von der die Gralsbotschaft Kunde gibt, sondern h\u00f6chstens &#8211; in seltenen Ausnahmef\u00e4llen &#8211; ihr (geistiges) Strahlungsbild. In den meisten F\u00e4llen sehen die Seher sehr wahrscheinlich mur ein von menschlichen Gedanken und Empfindungen geformtes Abbild. In Einzelf\u00e4llen konnten solche Bilder anscheinend sogar fotografiert werden; was daf\u00fcr spricht, dass es sich nur um materienahe Verdichtungen und nicht um hohe, geistige Strahlungsbilder handeln d\u00fcrfte.<\/p>\n<h5>Bew\u00e4hrte Orakelpriester und Sibyllen<\/h5>\n<p>Der Name \u201eSibylle\u201c ist zum Synonym geworden f\u00fcr eine Seherin. Urspr\u00fcnglich handelte es sich vermutlich um einen Eigennamen. Auch die sonst praktisch veranlagten R\u00f6mer beriefen sich auf Orakelspr\u00fcche und zogen beispielsweise bei wichtigen Fragen die \u201eSibyllinischen B\u00fccher\u201c zu Rate. Diese prophetischen B\u00fccher wurden angeblich von der <em>Sibylle von Cumae<\/em> an den r\u00f6mischen <em>K\u00f6nig Tarquinius Priscus<\/em> verkauft.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Befragung der Orakelb\u00fccher waren Priester zust\u00e4ndig. Als im Jahre 83 v. Chr. eine Feuersbrunst diese B\u00fccher vernichtete, scheute der r\u00f6mische Senat keine M\u00fche, um aus privaten Abschriften und aus in griechischen Tempeln Kleinasiens verwahrten Schriften eine neue Sammlung Sibyllinischer Weissagungen zusammenzustellen, die dann in Rom im Apollotempel aufbewahrt wurden. Dort wurden sie streng geh\u00fctet, bis sie der christliche Feldherr <em>Stilicho<\/em> (366\u2013408) Anfang des 5. Jahrhunderts als heidnische Orakel verbrennen lie\u00df.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht d\u00fcrften die Orakel und die Schriftdeutungen die damit befassten Priester geradezu zu Korruption und Betrug eingeladen haben. Doch die Ratschl\u00e4ge der Priester m\u00fcssen sich oft bew\u00e4hrt haben, denn die gro\u00dfen Orakeltempel waren viele Jahrhunderte lang hoch angesehen.<\/p>\n<p><em>Joachim Fernau<\/em> meint dazu:<em> \u201eEs ist ganz ausgeschlossen, dass das Gestammel der Phytia auch nur den geringsten Einfluss gehabt hat oder dass es unter den Priestern echte Mystiker gab. Dieses Kollegium war ein Kabinett von politischen Beobachtern, ein Gremium von Fachleuten der Weltpolitik und Meistern der Psychologie, gegen das ein vatikanisches Kardinalskollegium nur ein blasser Schatten ist.\u201c<\/em> (1, S. 145).<\/p>\n<h5>Orakel machen Geschichte<\/h5>\n<p>Das bekannteste Beispiel f\u00fcr Orakel, die Geschichte machten, lieferten die Jahre 480\/81 v. Chr.<br \/>\nAls eine zahlenm\u00e4\u00dfig weit \u00fcberlegene persische Streitmacht in Griechenland eindrang, suchten die griechischen St\u00e4dte bei dem Delphischen Orakel Rat. Der Orakelspruch war niederschmetternd:<br \/>\n<em>\u201eIhr Ungl\u00fccklichen! Flieht an das Ende der Welt, der schnelle Ares wirft alles nieder.\u201c<\/em> (1, S. 146).<\/p>\n<p>Doch die Athener gaben sich mit diesem Spruch nicht zufrieden. Sie erwirkten<i> <\/i>ein zweites Orakel, das hoffnungsvoller war. Dieses sprach von <i>\u201eh\u00f6lzernen Mauern\u201c<\/i>, die der griechische Stratege <em>Themistokles<\/em> (525\u2013460 v. Chr.) als Schiffe zu interpretieren wusste, sowie vom <i>\u201eg\u00f6ttlichen Salamis\u201c<\/i>. Tats\u00e4chlich konnte die griechische Flotte dann bei Salamis einen entscheidenden Sieg \u00fcber die Perser erringen. \u2013<\/p>\n<h5><b>Orientierungssuche damals wie heute<\/b><\/h5>\n<p>Die bei allen antiken V\u00f6lkern gebr\u00e4uchlichen Befragungen von Orakeln sind f\u00fcr uns heute schwer nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Doch sollten wir bedenken, dass auch wir noch heute bei ethischen Problemen geheiligte B\u00fccher, wie die Bibel oder den Koran, zu Rate ziehen. Zum Beispiel bei der Frage nach dem Beginn und der Bedeutung des menschlichen Lebens, die im Zusammenhang mit der Pr\u00e4implantations-Diagnostik[7] hei\u00df diskutiert wird. Verschiedene Religionen kommen hier zu unterschiedlichen Auslegungen, und die Naturwissenschaftler k\u00f6nnen auch nur umstrittene Annahmen bieten.<\/p>\n<p>Im Mittelalter glaubte man im christlichen Europa an die h\u00f6here Einsicht spiritueller Pers\u00f6nlichkeiten. So genossen Mystiker wie <em>Hildegard von Bingen<\/em> (1098\u20131179) oder<em> Birgitta von Schweden<\/em> (1302\u20131373) hohes Ansehen, und ihre Meinungen wurden von P\u00e4psten und K\u00f6nigen ernst genommen. Der Einsiedler <em>Niklaus von der Fl\u00fce<\/em> (1417\u20131487) konnte durch sein Eingreifen sogar einen drohenden Zerfall der Schweizer Eidgenossenschaft verhindern. (5).<\/p>\n<p>Manchmal w\u00fcnscht man sich auch heute eine hoch angesehene, \u00fcberparteiliche, spirituelle Pers\u00f6nlichkeit, die erforderlichenfalls mit einem allgemein beachteten, schwerwiegenden Wort die zerstrittenen politischen Parteien zur Ordnung rufen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h5>Moderne Orakel<\/h5>\n<p>Befragungen der verschiedenen Orakel, Auslegungen heiliger B\u00fccher, Versuche der Kontaktaufnahme mit h\u00f6heren Wesenheiten, astrologische Horoskope usw. gehen \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 von einem <strong>geschlossenen Weltbild<\/strong> aus mit unver\u00e4nderlichen Gesetzen.<br \/>\nIn diesem Weltbild h\u00e4ngt alles mit allem zusammen, und das Gr\u00f6\u00dfte spiegelt sich im Kleinsten. Scheinbar nebens\u00e4chliche Ereignisse \u2013 Omina, Orakel usw. \u2013 lassen R\u00fcckschl\u00fcsse auf gro\u00dfe Zusammenh\u00e4nge zu. Zugespitzt ausgedr\u00fcckt kann man in einem Wassertropfen den ganzen Kosmos mit seinen einheitlichen Gesetzen erfahren.<\/p>\n<p><strong>Religionen<\/strong> bevorzugen (nicht immer) die Vorstellung von einer einheitlichen Sch\u00f6pfung, getragen von unverr\u00fcckbaren Gesetzen, die im Gr\u00f6\u00dften wie im Kleinsten, im Diesseits wie im Jenseits unbeirrbar wirken.<\/p>\n<p>Dabei schafft die verbreitete Vorstellung von einem <i>willk\u00fcrlich <\/i>handelnden Gott einige Verwirrung. Dieser l\u00e4sst angeblich geschehen, was er will, verdammt oder begnadet, wen er will, und \u00fcberschreitet dabei seine eigenen Gesetze, wie er will. Der Mensch muss sich dieser g\u00f6ttlichen Willk\u00fcr hilflos ausgeliefert f\u00fchlen, ohne gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten, sein pers\u00f6nliches Schicksal in eine positive Richtung zu wenden.<\/p>\n<p>Die verschiedenen gro\u00dfen Konfessionen sind \u2013 trotz \u00e4hnlicher Glaubensgrundlagen, darunter der Glaube an Gott \u2013 untereinander zerstritten oder gar verfeindet und daher unf\u00e4hig, bei Grundfragen des Menschseins einen gemeinsamen Nenner zu finden. So bleibt auch der gesetzm\u00e4\u00dfige Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, zwischen geistigem Entschluss und irdischer oder transzendenter Folge, zwischen Karma und Schicksal f\u00fcr die Mehrzahl der Gl\u00e4ubigen ein unl\u00f6sbares R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Unser <strong>moderner Zugang zur Natur <\/strong>erfolgt mit Hilfe vieler wissenschaftlicher Disziplinen. Jede Fakult\u00e4t erforscht dabei ihr spezielles Gebiet. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen k\u00f6nnen sich oft nur schwer untereinander verst\u00e4ndlich machen, und ihre Prognosen widersprechen sich.<\/p>\n<p>Mit fast jeder neuen Erkenntnis wird die Welt komplizierter und un\u00fcbersichtlicher[8]. Der umfassende \u00dcberblick, die gro\u00dfen Zukunftsvisionen fehlen, die einst die Priester, sp\u00e4ter die Philosophen liefern wollten.<\/p>\n<p>So sind die f\u00fcr weittragende Entscheidungen n\u00f6tigen Vorstellungen von der Zukunft der Menschheit und deren Ausgestaltung notgedrungen voller Ungereimtheiten und unaufl\u00f6sbarer Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Ob weise Orakelpriester der Antike, oder mittelalterliche Mystiker, mit Intuition und gutem Gesp\u00fcr f\u00fcr die Zeit und ihre Erfordernisse, die Herrschenden zuverl\u00e4ssiger beraten konnten als die modernen Auguren mit ihren wissenschaftlich verbr\u00e4mten Prognosen?<\/p>\n<p>Auf jeden Fall gilt die Feststellung: Der beste Rat n\u00fctzt nichts \u2013 damals wie heute \u2013, wenn Entscheidungstr\u00e4ger sich aus politischen Gr\u00fcnden nicht nach den Fakten richten wollen!<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch unter &#8222;Religionsgeschichte&#8220; den Beitrag <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/religionen-der-antike\/\">&#8222;Religionen der Antike I&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p><b>Literatur:<br \/>\n<\/b>(1) Fernau, Joachim, <i>Rosen f\u00fcr Apoll,<\/i> Herbig, Berlin, 1961.<br \/>\n(2) Gonick, Larry, <i>The Cartoon History of the Universe I,<\/i> Doubleday, New York 1990.<br \/>\n(3) Hagl, Siegfried, <i>Die Apokalypse als Hoffnung,<\/i> Droemer-Knaur, M\u00fcnchen, 1984.<br \/>\n(4) Platon, <i>Apologie, <\/i>Reclam, Stuttgart, 1961.<br \/>\n(5) Wikipedia-Enzyklop\u00e4die, Artikel \u201eNiklaus von Fl\u00fce\u201c.<\/p>\n<p><b>Fu\u00dfnoten:<br \/>\n<\/b>[1] Thersites ist eine in jeder Beziehung h\u00e4ssliche Gestalt der Ilias. Er wird aufgrund seiner Schm\u00e4hrede von Odysseus heftig zurechtgewiesen und von Agamemnon mit dem Szepter geschlagen.<br \/>\n[2] Sokrates predigte eine Philosophie, die nach Ansicht konservativer Kreise zum Niedergang Athens beigetragen hatte. Doch f\u00fcr dieses \u201epolitische Verbrechen\u201c konnte er nicht angeklagt werden, denn es fiel unter eine Amnestie.<br \/>\n[3] In der Klageschrift hie\u00df es: <em>\u201eSokrates tut Unrecht und treibt Unfug, indem er unterirdische und himmlische Dinge untersucht und Unrecht zu Recht macht und dies andere auch lehrt.\u201c<\/em> (4, S. 13).<br \/>\n[4] Im Altertum sah man im Daimonion einen pers\u00f6nlichen Schutzgeist bzw. eine innere Stimme von g\u00f6ttlichem Ursprung. Bei Sokrates stand das Daimonion im Gegensatz zum Logos (Vernunft). Das Daimonion erkennt demnach, was der Vernunft verborgen bleibt.<br \/>\n[5] In Island glauben angeblich mehr als die H\u00e4lfte der Menschen an Naturwesen, viele sollen sie sehen, und es gibt sogar eine amtliche Elfenbeauftragte.<br \/>\n[6] Maria von Nazareth, die Erdenmutter von Jesus, hat als Menschengeist mit der seit Ewigkeit in G\u00f6ttlichen Reich\u00a0 wirkenden Himmelsk\u00f6nigin nichts gemein.<br \/>\n[7] Bei der Pr\u00e4implantations-Diagnostik (PID) werden k\u00fcnstlich befruchtete Embryonen zellbiologischen und molekulargenetischen Untersuchungen unterzogen. Die Untersuchungsergebnisse entscheiden dar\u00fcber, ob der Embryo in die Geb\u00e4rmutter eingesetzt oder verworfen wird. Dabei dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob der Embryo schon ein Mensch ist, die verschiedene Religionen unterschiedlich beantworten.<br \/>\n[8] Die fast schon sprichw\u00f6rtliche Suche nach der Weltformel (gro\u00dfe vereinheitlichte Theorie) oder die Entdeckung des \u201eGottesteilchens\u201c (Higgs-Boson) machen unsere menschliche Welt nicht \u00fcbersichtlicher, in der Politik, \u00d6kologie, \u00d6konomie, Finanzwesen von Krise zu Krise taumeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlich Dezember 2014) Die von G\u00f6ttern und Orakeln gepr\u00e4gte Lebenswelt der Antike scheint uns heute \u00fcberkommen, \u00fcberwunden. Doch hatte sie einen wahren Kern \u2013 und sind wir darin heute wirklich so viel weiter als damals, haben sich vielleicht nur die Formen ge\u00e4ndert? 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