{"id":1781,"date":"2012-06-25T10:18:21","date_gmt":"2012-06-25T09:18:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1781"},"modified":"2022-09-18T11:54:09","modified_gmt":"2022-09-18T10:54:09","slug":"das-zong-massaker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d1%81%d1%82%d1%80%d0%b0%d0%bd%d0%bd%d1%8b%d0%b5-%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d0%b8\/%d1%80%d0%b5%d0%b7%d0%bd%d1%8f-%d1%86%d0%b7%d1%83%d0%bd\/","title":{"rendered":"\u0420\u0435\u0437\u043d\u044f \u0432 \u0417\u043e\u043d\u0433\u0435"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 71\/2012)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Menschen wurden \u00fcber Bord geworfen, damit die Transportversicherung f\u00fcr \u201everlorene Fracht\u201c bezahlt: Ein besonders abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, was zu Zeiten des Sklavenhandels legal m\u00f6glich war.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1781 war das britische Sklavenschiff <em>Zong<\/em> unterwegs von Westafrika in die Karibik. Ihr Kapit\u00e4n<em> Luke Collingwood<\/em> (ca. 1733\u20131783) machte erst seine zweite Reise auf einem Sklavenschiff, und es war seine erste Reise mit eigenem Kommando. Auch die Crew hatte nicht viel Erfahrung. So war das Schiff mit 470 Sklaven \u00fcberladen, die Verpflegung f\u00fcr die Sklaven war zu knapp bemessen, und die Reise bis Jamaika dauerte lange \u2013 wegen ungeschickter Navigation und widriger Winde oder Windstille in den gef\u00fcrchteten \u201eDoldrums\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/GralsWelt%2011\/Das%20Zong-Massaker.doc#_edn1\">[i]<\/a>. Hier lag das Schiff lange in einer Flaute und der Proviant f\u00fcr die Sklaven ging zur Neige.<\/p>\n<p>Dann brach noch eine Seuche aus, die schnell siebzehn Mitglieder der Mannschaft und etwa sechzig unterern\u00e4hrte schwarze Sklaven dahinraffte. Es zeichnete sich ab, dass diese Schiffsreise zu einer finanziellen Katastrophe f\u00fcr die Sklavenh\u00e4ndler werden w\u00fcrde. \u201eGuter Rat\u201c war teuer.<\/p>\n<h5>133 kranke Sklaven warf man \u00fcber Bord<\/h5>\n<p>F\u00fcr den Kapit\u00e4n ergab sich eine zus\u00e4tzliche Berechnung, die offenbar bedeutender war als moralische Bedenken: Starben die Sklaven w\u00e4hrend des Seetransportes, konnte von den Unternehmern die Transportversicherung in Anspruch genommen werden; starben die Sklaven aber erst an Land, w\u00fcrde die Versicherung nicht zahlen.<\/p>\n<p>Um seinen Auftraggebern m\u00f6glichst viel von dem eingesetzten Kapital zu retten, entschloss sich der Kapit\u00e4n zu einer rigorosen Ma\u00dfnahme: Innerhalb von drei Tagen \u2013 vom 29. November bis zum 1. Dezember 1781 \u2013 lie\u00df er 133 erkrankte oder sterbende Sklaven, mitten im Atlantik, \u00fcber Bord werfen! So galten diese Sklaven als \u201everlorene Fracht\u201c f\u00fcr die die Versicherung zahlen m\u00fcsste! Weitere zehn Sklaven sprangen aus Verzweiflung selbst \u00fcber Bord.<\/p>\n<h5>30 Pfund Schadenersatz f\u00fcr jeden toten Sklaven<\/h5>\n<p>Als das Schiff schlie\u00dflich in Jamaika ankam, verlangten die Schiffseigner von ihrer Versicherung 30 Pfund Schadenersatz f\u00fcr jeden der verlorenen Sklaven.<\/p>\n<p>F\u00fcr die vors\u00e4tzliche T\u00f6tung von 133 Sklaven wurde niemand zur Rechenschaft gezogen. Eine Mordanklage gegen Kapit\u00e4n <em>Collingwood<\/em> scheiterte. Zu dieser Zeit galt die T\u00f6tung von Sklaven \u2013 einzeln oder in Massen \u2013 rechtlich nicht als Mord. Den damaligen geschriebenen Gesetzen entsprechend war das Vorgehen des Kapit\u00e4ns und seiner Besetzung nicht strafbar.<\/p>\n<p>Die Versicherung weigerte sich, f\u00fcr die vors\u00e4tzlich \u00fcber Bord geworfenen Sklaven aufzukommen. So kam es zu einem Gerichtsprozess wegen Schadenersatzes. In der ersten Instanz in Jamaika gewannen die Schiffseigner. Das dortige Gericht vertrat den Standpunkt, die Schwarzen seien \u201eG\u00fcter und Eigentum\u201c und ebenso zu behandeln, als ob Pferde \u00fcber Bord geworfen worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Schadenersatzprozess ging in die zweite Instanz nach London. Hier wurde die Crew f\u00fcr schlechtes Management und schlechte Behandlung der Sklaven verantwortlich gemacht und die Schiffseigner gingen leer aus.<\/p>\n<h5>\u201eSklavenladungen\u201c von Seelsorgern begleitet<\/h5>\n<p>In den Zeiten der Aufkl\u00e4rung, den Menschenrechts-Deklarationen der USA (1776) und der Franz\u00f6sischen Revolution (1789) wurde es immer schwieriger, die Sklaverei zu rechtfertigen. Von der christlichen Ethik gar nicht zu reden, die allerdings sehr unterschiedlich interpretiert wurde.<\/p>\n<p>Seit Beginn des neuzeitlichen Sklavenhandels im 16. Jahrhunderts hatten sich die europ\u00e4ischen Sklavenh\u00e4ndler als Christen ausgegeben, indem sie ihre \u201eLadungen\u201c von einem Seelsorger begleiten lie\u00dfen. Diese Vermischung von Christentum und Sklavenhandel war im sp\u00e4ten 18. und beginnenden 19. Jahrhundert nicht mehr zu vertreten. (6).<\/p>\n<p>Forderungen der \u201eAbolitionisten\u201c<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/GralsWelt%2011\/Das%20Zong-Massaker.doc#_edn2\">[ii]<\/a>, die die Abschaffung der Sklaverei verlangten, bekamen zunehmendes Gewicht.<\/p>\n<h5>Erst 1863 wurde in den USA die Sklaverei beendet<\/h5>\n<p>Die Gerichtsverhandlungen um den Zong-Fall fanden zun\u00e4chst wenig Beachtung, bis sich Vertreter der Antisklavereibewegung, die Menschenrechtler von damals, des Falls annahmen und in Publikationen an diesem Beispiel die Gr\u00e4uel der Sklaverei brandmarkten.<\/p>\n<p>Auch im englischen Parlament wurde das Thema Sklaverei immer wieder diskutiert, doch die Sklavenh\u00e4ndler und Sklavenhalter konnten ihre kommerziellen Interessen noch lange durchsetzen. Dem britischen Parlament wurden sogar Listen mit 30.000 Unterschriften vorgelegt, die die Abschaffung des Sklavenhandels forderten. Zun\u00e4chst vergebens.<\/p>\n<p>Erst im Jahre 1807 verabschiedete das Parlament in London ein Verbot des Sklaven-<em>Handels<\/em>, noch nicht der Sklaverei als solcher. Diese wurde in Gro\u00dfbritannien und seinen Kolonien erst 1833 vollst\u00e4ndig abgeschafft. Die Eigent\u00fcmer von Sklaven wurden entsch\u00e4digt; allerdings nicht alle. Denn die Entsch\u00e4digung war an Bedingungen gekn\u00fcpft, die nicht jeder Sklavenhalter erf\u00fcllen konnte. So gingen beispielsweise die Buren in S\u00fcdafrika leer aus.<\/p>\n<p>Frankreich verbot die Sklaverei in seinen Kolonien 1848, und die USA beendeten die Sklaverei in ihren s\u00fcdlichen Staaten erst 1863, mitten im B\u00fcrgerkrieg. Als letztes Land der westlichen Welt folgte Brasilien 1888. &#8211;<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; auf Seite 285 &#8222;Sklavenraub im Mittelmeer&#8220;, auf Seite 341 &#8222;Eine ewige, unvermeidliche Einrichtung&#8220; auf Seite 355 &#8222;Ein Rechtsbruch der rechtens war&#8220; und auf Seite 446 &#8222;Die Sklaverei endete, der Rassismus blieb&#8220; mit weiteren Hinweisen zum Thema.<\/p>\n<p><strong>Literatur:\u00a0<em><br \/>\n<\/em><\/strong><em>Gonick Larry, The Cartoon History of the Modern World Part II, Harper, New York 2000.<br \/>\n<\/em>www \u2026<br \/>\nDas Zong-Massaker:<br \/>\nwww.<a href=\"http:\/\/cassiopaea.org\/forum\/index.php?topic=20760\">cassiopaea.org\/forum\/index.php?topic=20760.<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.en.wikipedia.org\/wiki\/Luke_Colligwood\">www.en.wikipedia.org\/wiki\/Luke_Colligwood<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.en.wikipedia.org\/wiki\/Zong_Massacre\">www.en.wikipedia.org\/wiki\/Zong_Massacre.<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.blackpast.org\/?q=gah\/zong-massacre-1781\">www.blackpast.org?q=gah\/zong-massacre-1781.\u00a0<\/a><br \/>\nwww.museeprotestant.org\/Pages\/Notices.php?cim=405&amp;lev=2&amp;noticeid=408&amp;scatid=13&amp;Lget=DE.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a style=\"font-size: revert;\" title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/GralsWelt%2011\/Das%20Zong-Massaker.doc#_ednref1\">[i]<\/a><span style=\"font-size: revert;\"> Die Doldrums sind eine tropennahe, dauerhafte Tiefdruckrinne mit Windstille, d<\/span><span style=\"font-size: revert;\">ie durch Platzregen und Gewitter unterbrochen wird.<br \/>\n<\/span><a style=\"font-size: revert;\" title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/GralsWelt%2011\/Das%20Zong-Massaker.doc#_ednref2\">[ii]<\/a><span style=\"font-size: revert;\"> Von engl. abolition = Abschaffung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 71\/2012) Menschen wurden \u00fcber Bord geworfen, damit die Transportversicherung f\u00fcr \u201everlorene Fracht\u201c bezahlt: Ein besonders abschreckendes Beispiel daf\u00fcr, was zu Zeiten des Sklavenhandels legal m\u00f6glich war.\u00a0 Im Jahr 1781 war das britische Sklavenschiff Zong unterwegs von Westafrika in die Karibik. 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