{"id":1275,"date":"2009-05-24T10:10:59","date_gmt":"2009-05-24T09:10:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1275"},"modified":"2025-05-31T10:53:19","modified_gmt":"2025-05-31T09:53:19","slug":"als-krankheiten-geschichte-schrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d1%81%d1%82%d1%80%d0%b0%d0%bd%d0%bd%d1%8b%d0%b5-%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d0%b8\/%d0%ba%d0%b0%d0%ba-%d0%b1%d0%be%d0%bb%d0%b5%d0%b7%d0%bd%d0%b8-%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d1%8f-%d0%bd%d0%b0%d0%bf%d0%b8%d1%81%d0%b0%d0%bd%d0%be\/","title":{"rendered":"\u041a\u043e\u0433\u0434\u0430 \u0431\u043e\u043b\u0435\u0437\u043d\u0438 \u0432\u043e\u0448\u043b\u0438 \u0432 \u0438\u0441\u0442\u043e\u0440\u0438\u044e"},"content":{"rendered":"<h5>\u00a0Vom Untergang der Goten und der Inkas<\/h5>\n<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 21)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Weltgeschichte, wie sie \u00fcblicherweise gelehrt wird, ist eine merkw\u00fcrdige Sammlung von Fakten und deren Interpretationen, die ein anschauliches Bild vergangener Epochen bieten wollen.<\/p>\n<p>Die vermittelten Schilderungen verwehter Zeiten sind zwangsl\u00e4ufig l\u00fcckenhaft und zudem von einem \u201eZeitgeist&#8220; gepr\u00e4gt, dem auch ein um Ob\u00adjektivit\u00e4t bem\u00fchter Historiker nicht entgehen kann. Oft genug bietet daher die Geschichtsschreibung eher Dichtung als Wahrheit und ist dar\u00fcber hinaus sehr einseitig.<\/p>\n<p>Im Rahmen unserer Serie \u201eMerkw\u00fcrdige Geschichten&#8220; geht es diesmal um einem besonders vernachl\u00e4ssigten Aspekt der Geschichtsbetrachtung, n\u00e4mlich der gro\u00dfen Rolle, die Krankheiten stets spielten. Die Goten und die Inkas dienen dabei als Beispiele.<\/p>\n<h5><strong>Vom Untergang der Goten<\/strong><\/h5>\n<p>Die bekannten Germanenz\u00fcge nach dem S\u00fcden, nach Italien (Ostgo\u00adten) oder Spanien (Westgoten) und Nordafrika (Wandalen) waren eigentlich nur kurze Episoden ohne weitreichende Bedeutung. Seit ihnen aber in der Geschichtsbetrachtung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts breite Beachtung geschenkt wurde, k\u00f6nnen sie als Paradebeispiele f\u00fcr einseitige Geschichtsbetrachtung gelten.<\/p>\n<p>Am bekanntesten wurde der Zug der Ostgoten, deren Untergang auf italienischem Boden<em> Felix Dahn<\/em> (1834-1912) in einem vielgelese\u00adnen Heldenepos dichterisch verkl\u00e4rte. Dieser Bestseller pr\u00e4gte das Geschichtsbewusstsein ganzer Generationen.<\/p>\n<p>Nach strengen historischen Ma\u00dfst\u00e4ben dauerte die Geschichte der Ostgoten nur etwa vier Generationen (von 451 bis 552). Am Anfang und am Ende standen Niederlagen und K\u00f6nigsnamen:<br \/>\n<em>Valamier<\/em> befehligte 451 das ostgotische Kontingent, das mit dem Heere Attilas bei den Katalaunischen Feldern geschlagen wurde.<br \/>\n<em>Teja<\/em> fiel 552 am Mons Lactarius (dem \u201eMilchberg&#8220; s\u00fcdlich von Salerno); mit ihm gingen das K\u00f6nigtum und die ethnische Identit\u00e4t der Ostgoten unter.<\/p>\n<p>In dieser kurzen Epoche liegt der legend\u00e4re Aufstieg der Ostgoten unter <em>Theoderich<\/em>\u00a0(456-526), der 471 K\u00f6nig wurde und 488 als kaiser\u00adlicher Statthalter auszog, Italien zu erobern. Die deutschen Sagen kennen ihn als Dietrich von Bern.<\/p>\n<p>In Italien hatte der germanische Heerf\u00fchrer <em>Odoaker<\/em> (433-493) mit seinen S\u00f6ldnern den letzten Kaiser Westroms,<em> Romulus Augustulus<\/em>, 476 abgesetzt und selbst die Macht \u00fcbernommen.<br \/>\nTheoderich konnte Odoaker in drei Schlachten besiegen und zuletzt nach zweieinhalbj\u00e4hri\u00adger Belagerung auch Ravenna erobern, von da an die Hauptstadt des Ostgotenreiches. Odoaker wurde bei einem Gastmahl von Theoderich ermordet.<\/p>\n<p>Also das typische Chaos der V\u00f6lkerwanderungszeit. Das gro\u00dfe R\u00f6mi\u00adsche Reich, einst fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfer als heute die USA, war in zwei Reiche zerborsten: Der Osten mit der Hauptstadt Konstantinopel (Byzanz) konnte sich noch ein Jahrtausend behaupten, doch der Westen mit Rom wurde zum Spielball rivalisierender Gruppen.<\/p>\n<p>Auch das Reich der Ostgoten auf italienischem Boden konnte nicht dauern. Die R\u00f6mer verachteten die \u201eBarbaren&#8220;, welche nur 5 Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmachten, aber die politische und milit\u00e4rische Macht beanspruchten. Die schon m\u00e4chtige katholische Kirche hasste die ari\u00adanischen<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Goten.<\/p>\n<p>Theoderich &#8211; dem Geschichtsschreiber den selte\u00adnen Titel \u201eder Gro\u00dfe&#8220; verliehen &#8211; wollte seine Goten mit der r\u00f6mischen Kultur vertraut machen und sein Reich mit der Kirche vers\u00f6h\u00adnen. Doch kaum ein R\u00f6mer wusste diese Anliegen zu sch\u00e4tzen. Selbst Theoderichs milde Steuerpolitik fand erst postume Anerkennung, als die siegreichen Byzantiner das durch Krieg zerst\u00f6rte Land aus\u00adpl\u00fcnderten. Als Theoderich 526 verschied, waren R\u00f6mer und Goten sich kaum n\u00e4her gekommen, und die Katholiken glaubten, dass der ariani\u00adsche K\u00f6nig zur H\u00f6lle f\u00fchre.<\/p>\n<p>Die Goten selbst waren zerstritten. Es kamen Nachfolgek\u00e4mpfe, die das Reich der Goten schw\u00e4chten und den ostr\u00f6mischen Kaiser <em>Justini\u00adan I<\/em>. (483-565) geradezu einluden, das r\u00f6mische Stammland zur\u00fcck\u00adzuerobern. Nachdem den Byzantinern 534 schon die Zerschlagung des Wandalenreiches in Nordafrika (Karthago) mit geringer M\u00fche gelun\u00adgen war, eroberten sie in fast zwei Jahrzehnte dauernden harten K\u00e4mpfen auch Italien.<\/p>\n<p>Bei national denkenden Chronisten ist der Heldenmut der stolzen Germanen, die nur durch T\u00fccke und Verrat zu besiegen waren, ein vielfach ausgebreitetes Thema. Im Geschichtsunterricht sprach man noch zu meiner Schulzeit von der \u201eErschlaffung der Germanen unter dem hei\u00dfen Klima des S\u00fcdens&#8220;. Eine merkw\u00fcrdige Feststellung, wenn man bedenkt, wie gut Nord- und Mitteleurop\u00e4er mit unterschiedlichen Klimazonen zurecht kommen und sich in S\u00fcdeuropa ebenso wohl f\u00fchlen wie in Kalifornien.<\/p>\n<p>Einen entscheidenden Gesichtspunkt sucht man n\u00e4mlich in den Ge\u00adschichtsb\u00fcchern fast immer vergebens: Die Krankheiten, denen die Eindringlinge zum Opfer fielen. Und zwar nicht nur in der Antike oder im Mittelalter, sondern noch in der Neuzeit bis weit ins 19. Jahrhundert. Man denke nur an Westafrika als \u201e<em>das Grab des wei\u00dfen Mannes&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>So hatten auch die Wandalen und die Goten entscheidende Verluste durch Krankheiten, und man muss heute davon ausgehen, dass in ihren Kriegen mehr Menschen ihre Leben durch Seuchen verloren als durch Feindeinwirkung:<em><br \/>\n\u201eAls in den St\u00fcrmen der V\u00f6lkerwanderung Italiens Landwirtschaft zusammenbrach und immer weitere Fl\u00e4chen versumpften, wurde die Malaria zur weltweit gef\u00fcrch\u00adteten Besch\u00fctzerin der Halbinsel gegen die von Norden anst\u00fcrmenden Germanen und sonstigen Barbaren. So hatte die Malaria entscheidenden Einfluss auf den Untergang der Goten und Wandalen. Am bekanntesten ist das Schicksal des West\u00adgotenk\u00f6nigs Alarich (370-410), der sich 410 bei der Einnahme Roms eine Mala\u00adriainfektion zugezogen haben d\u00fcrfte, der er bei Cosenca erlag, als er gerade im Begriff war, nach Sizilien und Afrika \u00fcberzusetzen. Auch Theoderich (456-526), K\u00f6nig der Ostgoten, der sich das weniger verseuchte Ravenna zur Hauptstadt seines neugegr\u00fcndeten Reiches w\u00e4hlte, fiel der Malaria zum Opfer&#8230;Nur die Langobarden, die sich in einer gebirgigen Landschaft Oberitaliens niederlie\u00dfen, sind nicht der Malaria zum Opfer gefallen, da ihre Wahlheimat, in der damals noch kein Reisanbau betrieben wurde, von dieser Seuche frei war.&#8220; <\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel, das die in der Geschichtsbetrachtung vernachl\u00e4ssigte Rolle von Krankheiten verdeutlicht, zeigt sich durch die Inkas.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die Geschichte des Inka-Reiches<br \/>\n<\/strong>Der Sage nach gr\u00fcndete um 1200 der legend\u00e4re Inka <em>Mano Capac<\/em> das Reich in der Gegend um Cuzco. Im 15. Jahrhundert Ausweitung des Reiches, das schlie\u00dflich im Norden bis zum Rio Ancasmayo, im S\u00fcden bis zum Rio Maule reichte, also \u00fcber eine Nord-S\u00fcd-Ausdehnung von 4000 Kilometer. Eine straffe Organisation und ein gut ausgebautes Stra\u00dfennetz halfen das Reich zusammenzuhalten. Man verwendete keine R\u00e4derfahrzeuge, keine Pferde; Nachrichten wurden von L\u00e4ufern \u00fcberbracht.<br \/>\nNach dem Tod <em>Huayna Capacs<\/em> (1527) kam es zum Erbfolgekrieg zwischen dessen S\u00f6hnen <em>Huascar<\/em> und <em>Atahualpa<\/em>. Letzterer ging 1432 als Sieger aus diesen K\u00e4mpfen hervor.<br \/>\nDie 1431 gelandeten Spanier unter<em> Francisco Pizarro<\/em> (1478-1541) konnten das Reich der Inkas schnell erobern, da es durch den Krieg geschw\u00e4cht war und andere indianische Ethnien (zum Beispiel Canari, Huanca) sowie ehemalige Anh\u00e4nger <em>Huascars<\/em> sich mit ihnen verb\u00fcndeten, um die inkaische Vorherrschaft, beziehungsweise die Herrschaft <em>Atahualpas<\/em> abzusch\u00fctteln.<br \/>\nDer von<em> Pizarro<\/em> eingesetzte Inka <em>Mano Capac<\/em> organisierte 1536 einen Aufstand gegen die Spanier und errichtete in der Gebirgsregion von Vilcamba ein Schattenk\u00f6nigreich, bis 1572 der letzte Herrscher,<em> Tupac Amaru I<\/em>., gefangen genommen und hingerichtet wurde.<br \/>\nQuelle: Brockhaus Enzyklop\u00e4die, 20. Aufl., Leipzig\/Mannheim 1997.<\/p><\/blockquote>\n<h5>Vom Untergang der Inkas<\/h5>\n<p>In Europa, besonders in Deutschland, haben Indianer eine gute Presse. Ihre Zivilisationsstufe wird oft f\u00e4lschlich h\u00f6her eingesch\u00e4tzt als die der Afrikaner s\u00fcdlich der Sahara. W\u00e4hrend zum Beispiel die Metallverarbeitung im pr\u00e4kolumbianischen Amerika auf Kupfer, Silber, Zinn und Gold beschr\u00e4nkt blieb, also auf Metalle, die gediegen vorkommen, wurde in Schwarzafrika l\u00e4ngst Eisen erschmolzen. Auch gab es dort Hochkulturen, deren K\u00f6nigreiche keinen Vergleich mit indianischen Reichen zu scheuen haben.<\/p>\n<p>Doch im allgemeinen Bewusstsein genie\u00dfen beispielsweise die Azteken und besonders die Inkas hohes Ansehen. Bewunderung f\u00fcr dieses Volk kommt zum Beispiel in der folgenden Schilderung zum Ausdruck, die vielleicht auch die \u00f6ffentliche Meinung beeinflusste:<br \/>\n<em>\u201e&#8230; an der Westk\u00fcste S\u00fcdamerikas wohnte einst ein bewundernsw\u00fcrdiges Volk, das unter gerechten und geliebten K\u00f6nigen an Macht und Bildung hoch dastand. Zu dem f\u00fchrenden Stamm gesellten sich einige umwohnende V\u00f6lker, und im Lauf der Zeiten bl\u00fchte hier das m\u00e4chtigste Reich und die h\u00f6chste Kultur S\u00fcdamerikas empor&#8230;ein Land, dessen unschuldige Tr\u00e4ume von Europ\u00e4ern, den Spaniern, zerst\u00f6rt und vernichtet wurden.<br \/>\n<\/em><em>Die fr\u00fchesten Geschicke des Inkavolkes verschwinden im Dunkel der Sage. Genauer aber kennen wir die Staatseinrichtungen, denn die spanischen Eroberer haben ja alles mit eigenen Augen gesehen. Die Verfassung war durchaus kommunistisch. Grund und Boden, \u00c4cker und Weiden waren in drei Teile geteilt; zwei davon geh\u00f6rten dem Inka<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und der Priesterschaft, und einer war Eigentum des Volkes. Der angebaute Boden stand unter der Aufsicht besonderer Regierungsbeamten, die f\u00fcr die n\u00f6tige D\u00fcngung mit Guano von den Inseln der Westk\u00fcste und f\u00fcr die gerechte Verteilung des Ertrages zu sorgen hatten. Auch Kleidungsst\u00fccke und Haustiere wurden von Staats wegen unter dem Volke verteilt. Alle<\/em> <em>Arbeiten wurden gemeinsam zum Wohl der Gesamtheit ausgef\u00fchrt; man baute Br\u00fccken und Landstra\u00dfen, legte Bergwerke an, schmiedete Waffen, und wenn feindliche St\u00e4mme den Frieden bedrohten, r\u00fcckte alle waffenf\u00e4hige Mannschaft ins Feld &#8230;<br \/>\n<\/em><em>In ungest\u00f6rter Ruhe lebte das Inkavolk in seinen sch\u00f6nen T\u00e4lern und auf seinen von der Sonne \u00fcberfluteten Hochebenen zwischen den Korrelieren der Anden. Wenn hier und da kriegerische Nachbarst\u00e4mme einmal den Frieden st\u00f6rten, ging das Aufgebot in Knotenschrift durch das ganze Reich, und die Heerstra\u00dfen f\u00fcllten sich mit Bewaffneten&#8230;<br \/>\n<\/em><em>Da starb im 16. Jahrhundert ein gro\u00dfer Inka und hinterlie\u00df die Herrschaft seinen beiden S\u00f6hnen Huascar und Atahualpa. Wie in der alten Welt, f\u00fchrte auch hier diese Teilung zum Zwist und schlie\u00dflich zum offenen Bruderkrieg. Diese inneren K\u00e4mpfe teilten das Inkavolk in zwei feindliche H\u00e4lften und schw\u00e4chten es so, dass es zur leichten Beute eines fremden Eroberers wurde&#8230;<br \/>\n<\/em><em>Im Jahre 1531 stand Pizarro an der Spitze einer aus hundertachtzig gutbewaffneten Reitern bestehenden Schar, mit der er aufs neue nach S\u00fcdamerika aufbrach. Nach und nach erhielt er noch Verst\u00e4rkungen, landete nun im November 1532 an der peruanischen K\u00fcste und zog in das Reich des Inka hinauf.<br \/>\n<\/em><em>Durch Kundschafter und Gesandte war Pizarro bald genau \u00fcber die Lage der Dinge informiert. Mit den sch\u00f6nsten Versicherungen schl\u00e4ferte er den Argwohn des Atahualpa, des einen Inka, so v\u00f6llig ein, dass dieser ihn sogar um die Unterst\u00fctzung gegen seinen Bruder Huascar bat. W\u00e4ren die Br\u00fcder einig gewesen, so h\u00e4tten sie mit Leichtigkeit die spanische Pest aus dem Landes gejagt. Ihr Zwist aber besiegelte beider Schicksal.<br \/>\n<\/em><em>Man vereinbarte, dass Atahualpa sich in eigner Person im Lager des Pizarro einfinden sollte. Und er kam mit gro\u00dfem Pomp und brachte eine Armee von drei\u00dfigtausend Mann mit! Hochaufgerichtet sa\u00df er auf einer goldenen Tragbahre, und alle seine Feldherrn umgaben ihn. Aber wenn er glaubte, dadurch seinem neuen Verb\u00fcndeten einen hohen Begriff von seiner Macht beizubringen, hatte er sich verrechnet. Auf ihn zu trat Pizarros Feldprediger, in der einen Hand das Kruzifix, in der anderen das Brevier, und das Kruzifix erhebend, ermahnte der Pater im Namen Jesu den Inka, das Christentum anzunehmen und den K\u00f6nig von Kastilien als seinen Herrn anzuerkennen.<br \/>\n<\/em><em>Atahualpa antwortete ruhig, dass niemand ihn der Rechte berauben k\u00f6nne, die er von seinen Ahnen geerbt habe. Er wolle den Glauben seiner V\u00e4ter nicht abschw\u00f6ren und verstehe nicht, was der Pater sage.<br \/>\n<\/em><em>,Hier in diesem Buch steht es geschrieben!&#8216; rief der Priester aus, indem er dem K\u00f6nig das Brevier hinreichte.<br \/>\n<\/em><em>Atahualpa hielt das Buch ans Ohr und sagte dann, es auf den Boden werfend: \u201aEuer Buch spricht ja nicht!&#8216;<br \/>\n<\/em><em>Das war die Losung zu einem furchtbaren Blutbade. Die Kanonen und Musketen der Spanier pfl\u00fcgten rote Furchen in das Heer der Peruaner. Im Schutz ihrer st\u00e4hlernen Helme und Panzer rannten die wilden Reiterhaufen durch die Reihen der halbnackten Eingeborenen und verbreiteten Verwirrung und Schrecken um sich her&#8230;<span style=\"color: #000000;\">&#8220; <\/span><\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><span style=\"color: #000000;\">[4].<\/span><\/a><\/p>\n<p>Der Inka wurde gefangen, und auch das h\u00f6chste je erpresste L\u00f6segeld brachte ihm keine Freiheit.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Das h\u00f6chste je gezahlte L\u00f6segeld<br \/>\n<\/strong>Aus dem Tagebuch des Fray Celso Gargia:<br \/>\n<em>\u201eEs war Atahualpa nicht entgangen, wie sehr die Spanier das Gold liebten. Und eines Tages schlug er Pizarro einen Handel vor: seine Freiheit gegen Gold, gegen viel Gold. Er verpflichtete sich, einen Raum, der 17 Fu\u00df breit, 22 Fu\u00df lang und 9 Fu\u00df hoch war, zur G\u00e4nze mit Gold anf\u00fcllen zu lassen und dazu noch zwei kleinere R\u00e4ume mit Silber. Daf\u00fcr verlangte er zwei Monate Zeit.<br \/>\n<\/em><em>Pizarro \u00fcberlegte nur kurz. Wenn er weiter vorr\u00fcckte, konnte es sein, dass die Indianer, die nun wussten, dass die Spanier hinter dem Gold her waren, alles versteckten, was wertvoll war&#8230;<br \/>\n<\/em><em>Nun sandte der Inkaherrscher sofort Boten nach Cuzco und den anderen St\u00e4dten des Reiches, mit dem Befehl, alles Gold und alles Silber, das sich in den k\u00f6niglichen Pal\u00e4sten und Tempeln befand, unverz\u00fcglich nach Caxamalca zu bringen, Dabei drohte er allen den Tod an, wenn sie nicht rasch handelten&#8230;<br \/>\n<\/em><em>Tag f\u00fcr Tag brachten die indianischen Tr\u00e4ger Gold- und Sil<\/em>berger\u00e4t. <em>Dennoch wuchsen die Haufen in den R\u00e4umen, die bis zur Decke gef\u00fcllt wurden, nur langsam. Gold gab es genug in Peru, aber auch die Entfernungen waren gro\u00df. Manche Tr\u00e4ger ben\u00f6tigten vier Wochen, ihre schwere Last nach Caxamalca zu schleppen&#8230;<br \/>\n<\/em><em>Pizarro beschloss nun &#8230; das Gold aufzuteilen. Vorher musste es eingeschmolzen werden. Diese Arbeit wurde indianischen Goldschmieden \u00fcbertragen, die nun das zerst\u00f6ren mussten, was sie kunstvoll angefertigt hatten. Es waren dies Becher, Kannen, Teller, Vasen, Ger\u00e4te f\u00fcr Tempel und k\u00f6nigliche Pal\u00e4ste, Nachahmungen verschiedener Tiere und Pflanzen und Platten zur Bekleidung von W\u00e4nden. Das sch\u00f6nste St\u00fcck war ein goldener Springbrunnen, auf dessen Rand silberne V\u00f6gel sa\u00dfen&#8230;&#8220;<br \/>\n<\/em>Literatur: Gargia, Celso: \u201eDie Eroberung von Peru&#8220;, Horst Erdmann, T\u00fcbingen 1975.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die einzigartige Geschichte der Eroberung des sagenhaften Goldlandes ist allgemein bekannt. Selten findet sich jedoch eine Antwort auf die Frage, wie es m\u00f6glich war, dass ein Gro\u00dfreich mit vielen Millionen Einwohnern und zigtausenden von Kriegern von weniger als 300 Spaniern mit nur einigen Dutzend Pferden erobert werden konnte.<\/p>\n<p><strong>Die moderne Forschung<\/strong> beschreibt das Reich der Inkas anders als der zitierte Bericht von <em>Sven Hedin<\/em> (1865-1952). Das einzigartige Imperium in Altamerikas Geschichte war eine strenge Diktatur, die den eroberten V\u00f6lkern nicht nur Vorteile brachte. Die Steuerlast war dr\u00fcckend &#8211; 2\/3 f\u00fcr den Inka und die Tempel, 1\/3 f\u00fcr den Bauern -, und die zementierte Religion bot herrschs\u00fcchtigen Priestern fette Pfr\u00fcnden. Aber damit ist noch nicht erkl\u00e4rt, wieso sich das m\u00e4chtige Volk der Inkas &#8211; von einigen Aufst\u00e4nden abgesehen &#8211; den brutalen Eroberern fast widerstandslos unterwarf und sich dem Gott der grausamen Wei\u00dfen willig beugte.<\/p>\n<p>Der Bruderkrieg, der das Inkareich schw\u00e4chte, hat nat\u00fcrlich zu seinem schlagartigen Zusammenbruch beigetragen. Doch der wohl wesentlichste Gesichtspunkt wurde in den Geschichtsb\u00fcchern nicht erw\u00e4hnt:<\/p>\n<p>Denn den Spaniern half eine t\u00f6dliche \u201eGeheimwaffe&#8220;: die<strong> Pocken<\/strong>. Diese von den Spaniern eingeschleppte Seuche breitete sich bereits vor der Zerst\u00f6rung des Aztekenreiches in Mittel- und S\u00fcdamerika aus. In Mexico war ihr fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung zum Opfer gefallen, und 1525 oder 1526 erreichten die Pocken auch das Inkareich:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Folgen waren dort genauso verh\u00e4ngnisvoll. Der regierende Inka starb fern der Hauptstadt w\u00e4hrend eines Feldzuges. Sein designierter Nachfolger starb ebenfalls und hinterlie\u00df keinen legitimen Erben. Der B\u00fcrgerkrieg entbrannte, und inmitten dieses in Scherben fallenden politischen Gebildes des Inkareiches marschierten Pizarro und seine rauen Spie\u00dfgesellen 1532 nach Cuzco und pl\u00fcnderten die Sch\u00e4tze der Hauptstadt. Er traf dabei auf keinerlei ernsthaften milit\u00e4rischen Widerstand.<br \/>\n<\/em><em>So zogen die Pocken \u00fcberall vor den Konquistadoren her und halfen ihnen, mit einer Handvoll verwegener Gesellen die \u201eterra nuova&#8220; zu erobern. Die erstaunliche Tatsache, dass es den Spaniern gelang, den Eingeborenen von Mexico und Peru auch ihre Religion aufzuzwingen, l\u00e4sst sich durch die psychologische Wirkung der m\u00f6rderischen Seuche erkl\u00e4ren, die nur Indianer t\u00f6tete und die Spanier verschonte. Die Indianer konnten nicht wissen, dass die Spanier in ihrer Heimat als Kinder die Krankheit \u00fcberstanden hatten und daher immun waren. Da die Indianer das Seuchengeschehen ebenso wie die Spanier f\u00fcr eine Strafe Gottes hielten, konnten sie sich die einseitige g\u00f6ttliche Gunst ihrer Besieger nur so erkl\u00e4ren, dass deren G\u00f6tter m\u00e4chtiger seien. Das Ergebnis war ihre Bekehrung und fassungslose Ergebenheit in die spanische \u00dcberlegenheit, das einer widerstandslosen Unterwerfung gleichkam.&#8220; <\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><span style=\"color: #000000;\">[5]<\/span>.<\/a><\/p>\n<p>Weder die Inkas noch die Spanier kannten die mikrobiologischen Ursachen von Seuchen; beide wussten nicht mehr als das Alte Testament, das zum Beispiel in 1. Sam. 5, 6 oder 2. Sam. 24, 15 in Pestepidemien Strafen Gottes verk\u00fcndet. Kaum \u00fcberraschend, dass die Spanier Gott auf ihrer Seite glaubten, der ihnen auf wunderbare Weise half, das Unm\u00f6gliche zu leisten, w\u00e4hrend die verst\u00f6rten Indianer in ihrer Verzweiflung Zuflucht bei dem st\u00e4rkeren Gott, dem Christengott suchten; in der Hoffnung, dieser w\u00fcrde sie &#8211; wie die Spanier &#8211; vor der grauenhaften Seuche sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/gedenktage\/der-nikolsburger-friede-bismarcks-groste-leistung\/\">Der Nikolsbuger Friede<\/a>, Bismarck gr\u00f6\u00dfte Leistung?&#8220;<br \/>\nAuch die schnelle Ausbreitung des Islam (&#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/zur-verbreitung-des-christentums-und-der-ausbreitung-des-islam\/\">Zur Verbreitung des Christentums und der Ausbreitung des Islam<\/a>&#8222;) wurde durch Seuchen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>Dahn, Felix &#8222;Ein Kampf um Rom&#8220;, Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig, o. J.<strong><br \/>\n<\/strong>Engler, Aulo \u201eTheoderich der Gro\u00dfe&#8220;, VGB, Berg, 1998.<br \/>\nHampe, Karl: \u201eHerrschergestalten des deutschen Mittelalters&#8220;, Quelle &amp; Meyer, Heidelberg, 1955.<br \/>\nJung, Ernst F.: \u201eDie Germanen&#8220;, Weltbild, Augsburg, 1994.<br \/>\nMcNeill, Wilhelm H.: \u201eSeuchen machen Geschichte&#8220;, Udo Pfriemer, M\u00fcnchen, 1978.<br \/>\nPrescott, W.H.: \u201eGeschichte der Eroberung von Peru&#8220;, Leipzig, 1958.<br \/>\nWolfram, Herwig: \u201eDie Goten&#8220;, Ch. Beck, M\u00fcnchen, 1990.<br \/>\n\u201eInka &#8211; ein Mythos st\u00fcrzt&#8220;, Bild der Wissenschaft, 11\/99, DVA, Stuttgart.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <strong>Arianismus:<\/strong> Christliche Lehre, benannt nach <em>Arius<\/em> (griech. Areios, 280-336), Presbyter (Priester\/Bischof) in Alexandria. Im Konzil zu Niz\u00e4a (325) wurde die Lehre des gem\u00e4\u00dfigten Arianismus verurteilt, der zufolge Christus wesens\u00e4hnlich (griech. homoousios) mit Gott sei, wogegen die offizielle Kirche, besonders vertreten durch<em> Athanasiu<\/em>s (295-373) darauf bestand, dass Gott\u2011Vater und Sohn wesensidentisch (griech. homousios) seien. Unter <em>Theodosius dem Gro\u00dfen<\/em> (346-395), der die katholische Lehre beim 2. \u00d6kumenischen Konzil zu Konstantinopel 381 zur Staatsreligion erhob, wurden die Arianer zu Ketzern erkl\u00e4rt. Die zur Zeit der V\u00f6lkerwanderung in das R\u00f6mische Reich eindringenden Germa\u00adnen hatten das Christentum in der arianischen Form \u00fcbernommen, die sich bei den Langobarden bis ins 7. Jahrhundert hielt. Im Gotengebiet missionierte besonders der gem\u00e4\u00dfigte Arianer <em>Wulfila<\/em> (Ulfilas, 311-282), der auch die Bibel ins Gotische \u00fcbersetzte.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Winkle, Stefan: \u201eGei\u00dfeln der Menschheit&#8220;, Artemis &amp; Winkler, D\u00fcsseldorf, 1997, Seite 729 f.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der K\u00f6nig hie\u00df Inka.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zitiert aus: Hedin, Sven: \u201eVon Pol zu Pol&#8220; Bd. 3, F. A. Brockhaus, Leipzig, 1922, Seite 197 f.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zitiert aus: Winkle, Stefan: \u201eGei\u00dfeln der Menschheit&#8220;, Artemis &amp; Winkler, D\u00fcsseldorf, 1997, Seite 859.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Vom Untergang der Goten und der Inkas (Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 21) Die Weltgeschichte, wie sie \u00fcblicherweise gelehrt wird, ist eine merkw\u00fcrdige Sammlung von Fakten und deren Interpretationen, die ein anschauliches Bild vergangener Epochen bieten wollen. 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