{"id":1178,"date":"2009-05-16T11:57:45","date_gmt":"2009-05-16T10:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1178"},"modified":"2025-03-16T15:10:25","modified_gmt":"2025-03-16T14:10:25","slug":"die-suche-nach-dem-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d1%8f-%d1%80%d0%b5%d0%bb%d0%b8%d0%b3%d0%b8%d0%b8\/%d0%b2-%d0%bf%d0%be%d0%b8%d1%81%d0%ba%d0%b0%d1%85-%d1%80%d0%b0%d1%8f\/","title":{"rendered":"\u041f\u043e\u0438\u0441\u043a \u0440\u0430\u044f"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 48\/2008)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Bibel ist das meistgedruckte (und vermutlich auch meistgelesene) Buch der Weltliteratur, dessen Bedeutung f\u00fcr die j\u00fcdische und die christliche Religion grundlegend, und dessen Einfluss auf die Weltkultur nicht absch\u00e4tzbar ist.<\/p>\n<p>Nachdem die Bibel \u00fcber lange Jahrhunderte im Abendland als unangreifbare Quelle der Wahrheit gegolten hatte, kamen vor allem seit der Aufkl\u00e4rung (vom 17. bis ins 19. Jahrhundert) Zweifel an der Verl\u00e4sslichkeit ihrer Quellen. Daraufhin wurde es zu einem beliebten Spiel bibeltreuer Christen, z. B. unter dem Schlagwort \u201eUnd die Bibel hat doch recht&#8220; (4), arch\u00e4ologische und historische Befunde zusammenzutragen, die beweisen sollen, wie pr\u00e4zise und historisch richtig die Autoren der Bibel berichtet hatten. Sind Ereignisse, Ortsangaben, Personennamen in der Bibel korrekt \u00fcberliefert, so freuen sich die Bibelgl\u00e4ubigen. Zweifler kann man vielleicht beruhigen, indem auf die vielen akkuraten Angaben verwiesen wird. Aus dem bewiesenerma\u00dfen Zutreffenden wird dann gefolgert, dass auch der Rest ernst zu nehmen sei, f\u00fcr dessen Richtigkeit im Augenblick vielleicht nicht allzuviel spricht.<\/p>\n<p>Allerdings kann es vorkommen, dass die Verfasser der Bibel <em>zu genau<\/em> berichten und gerade dadurch in den Verdacht geraten, sie h\u00e4tten kein gro\u00dfes \u00fcberirdisches Geschehen geschildert, sondern nur alte Menschheitserinnerungen tradiert, die dann in Unkenntnis der Tatsachen ins Transzendente erhoben wurden. Ein Beispiel w\u00e4re die Paradies-Erz\u00e4hlung (1. Mose, 2 und 3).<\/p>\n<h5>Das Paradies<\/h5>\n<p>Folgen wir den Lehren der Gralsbotschaft von Abd-ru-shin, dann sind wir Menschen einst unbewusst aus dem Paradies im Geistigen Reich ausgegangen, und das Ziel unserer Sehnsucht und unseres geistigen Strebens ist, als bewusster Menschengeist in dieses Paradies zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Der Versuch, dieses geistige Paradies auf Erden zu finden, muss demzufolge scheitern. Trotzdem wird seit Jahrhunderten nach der Landschaft gefahndet, in der einst das l\u00e4ngst verwehte biblische Paradies lag, und es gibt kaum einen Kontinent, auf dem es nicht schon vermutet wurde.<\/p>\n<p>Nun enth\u00e4lt die Bibel die geographische Beschreibung einer Landschaft, die sich vielleicht finden lassen sollte:<br \/>\n<em>\u201eEin Strom entspringt in Eden, der den Garten bew\u00e4ssert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptfl\u00fcssen. Der eine hei\u00dft Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila umflie\u00dft, wo es Gold gibt&#8230;.Der zweite Strom hei\u00dft Gihon&#8230;.Der dritte Strom hei\u00dft Tigris&#8230;.Der vierte Strom ist der Eufrat&#8220; <\/em>(1. Mose, 2,10-14).<br \/>\nAber wo soll man die vier Fl\u00fcsse suchen? Vermutlich im Osten von Pal\u00e4stina:<br \/>\n<em>\u201eDann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an&#8230;&#8220; <\/em>(1. Mose, 2,8).<br \/>\nZur genaueren Lokalisierung helfen weitere biblische Nachrichten. Legt man Hes. 28,14 gro\u00dfz\u00fcgig aus, so gab es im Garten Eden einen \u201eHeiligen Berg&#8220;, der m\u00f6glicherweise vor kurzem gefunden wurde (6).<br \/>\nAu\u00dferdem ist vom Landbau die Rede:<br \/>\n<em>\u201eIm Schwei\u00dfe deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zur\u00fcckkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen.&#8220; <\/em>(1. Mose, 3, 19).<br \/>\nBrot ist die Grundnahrung der Sesshaften, nicht der Nomaden.<br \/>\nAuch eine sehr alte Auseinandersetzung wird geschildert, die sich in der Geschichte viele Male wiederholt hat: Der Streit des Bauern Kain mit dem Nomaden Abel (1. Mose, 4).<\/p>\n<p>Darf man vermuten, dass von einer Zeit erz\u00e4hlt wird, als vor etwa 12 Jahrtausenden der \u00dcbergang vom Nomaden zum Bauern begann?<\/p>\n<p><strong>Der \u201eFruchtbare Halbmond&#8220; <\/strong><\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten wird gelehrt, dass der Ackerbau im \u201eFruchtbaren Halbmond&#8220;, also in etwa zwischen Mittelmeer und Zagrosgebirge entwickelt wurde.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich f\u00fchrte eine Nahrungskrise zu einer der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. Die Bev\u00f6lkerung wuchs, das jagdbare Wild schwand dahin. Wer an Ort und Stelle \u00fcberleben wollte, hatte oft keine andere Wahl, als Bauer zu werden. Dieser neue \u201eBeruf&#8220; war aus damaliger Sicht alles andere als erstrebenswert.<\/p>\n<p>Nomadisierende J\u00e4ger und Sammler arbeiteten nur wenige Stunden am Tag, um sich zu ern\u00e4hren und zu kleiden. Der Rest des Tages konnte f\u00fcr soziale Kontakte (K\u00f6rperpflege, Gespr\u00e4che, T\u00e4nze, Rituale) genutzt werden. Vermutlich verachteten die Nomaden die ersten Bauern und St\u00e4dter, denen sie sich wegen ihrer Mobilit\u00e4t \u00fcberlegen f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Die \u201emoderne&#8220; Alternative, das Sesshaftwerden, verlangte den Zw\u00f6lf-Stunden-Tag des Bauern. Der Erfolg seiner M\u00fchen war eine weniger abwechslungsreiche Ern\u00e4hrung, die obendrein noch durch Unwetter, Sch\u00e4dlinge, Pflanzenkrankheiten, Wildtiere und sogar durch Nomaden gef\u00e4hrdet war, die nichts dabei finden wollten, ihre Herden auf bebauten Feldern weiden zu lassen. Nicht \u00fcberraschend, wenn Skelettfunde zeigen, dass die Nomaden<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> besser ern\u00e4hrt und gr\u00f6\u00dfer gewachsen waren als die fr\u00fchen Bauern.<\/p>\n<h5><strong>Eine neue Lebensweise <\/strong><\/h5>\n<p>In einer Generationen dauernden \u00dcbergangszeit \u00e4nderte sich das Leben grundlegend. Der sesshafte Bauer musste Vorr\u00e4te anlegen, und er beanspruchte Eigentum an H\u00e4usern, Werkzeugen, Vieh, Feldfr\u00fcchten, Grund und Boden. Um ihr Eigentum gegen \u00dcbergriffe (z. B. von Nomaden) zu sch\u00fctzen, gr\u00fcndeten die Bauern Siedlungen, die befestigt wurden. Mit den Siedlungen kamen Anf\u00fchrer, Reichtum und Macht. Sp\u00e4ter musste mancherorts bew\u00e4ssert werden; dazu war eine organisierte Zusammenarbeit in gr\u00f6\u00dferem Rahmen n\u00f6tig. Nun kamen noch Herrscher, Kriege, Steuern, das Finanzamt, neue Krankheiten durch Parasiten die sich in den Bew\u00e4sserungskan\u00e4len verbreiten konnten, und vermutlich auch schon Sklaverei. Alles \u00dcbel (oder zivilisatorische Errungenschaften), die sich bis heute erhalten haben. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/der-gewalttatige-mensch-opfer-seiner-entwicklung\/\">&#8222;Der gewaltt\u00e4tige Mensch &#8211; Opfer seiner Entwicklung?<\/a>&#8222;)<\/p>\n<p>Das \u201elustige Zigeunerleben&#8220; der Nomaden war w\u00e4hrend langen, langen Zeitl\u00e4ufen das sch\u00f6nere Leben. Doch die Seshaften wurden mehr und mehr. Sie dr\u00e4ngten die umherschweifenden, heimatlosen Horden in f\u00fcr den Ackerbau weniger geeignete Randgebiete ab, aus denen diese immer wieder als gef\u00e4hrliche Krieger oder gar Eroberer hervorbrachen.<\/p>\n<h5><strong>Das biblische Paradies <\/strong><\/h5>\n<p>Das grundlegend Neue, der Ackerbau mit allen seinen Folgen f\u00fcr das Leben der Menschen, begann im \u201eFruchtbaren Halbmond&#8220;, auf den die biblischen Beschreibungen nach neueren Annahmen der wissenschaftlichen Forschung \u00fcberraschend gut zutreffen:<br \/>\n* Von Pal\u00e4stina aus gesehen liegt der \u201eFruchtbare Halbmond&#8220; im Osten.<br \/>\n* Die vier Fl\u00fcsse w\u00e4ren nach neuesten Hypothesen (5) Euphrat, Tigris, Kisil Usen (oder Sefid Rud) und Araks (oder Aras). Euphrat und Tigris kennt jeder. Der Araks m\u00fcndet in den Kura und dieser endet im Kaspi. Die Quellgebiete dieser drei Fl\u00fcsse liegen nahe beisammen im inneren Taurus. Der goldhaltige Kesil Usen entspringt \u00f6stlich vom Urmiasee im Kurdistanischen Gebirge und flie\u00dft ebenfalls ins Kaspi.<br \/>\n* Der \u201eHeilige Berg&#8220; w\u00e4re der \u201eNabelberg&#8220; G\u00f6beli Tepe, mit der vielleicht \u00e4ltesten der bekannten Kultst\u00e4tten der Menschheit (6).<br \/>\n* Der Kampf zwischen Nomaden und Bauern hat wahrscheinlich hier, im \u201eFruchtbaren Halbmond&#8220; begonnen.<br \/>\n* Urfa, der angebliche Geburtsort Abrahams, liegt in n\u00e4chster N\u00e4he des \u201eHeiligen Berges&#8220;.<\/p>\n<h5>Wie kommen Erinnerungen an die Sesshaftwerdung in die Bibel?<\/h5>\n<p>Kaum ein Wissenschaftler geht heute noch davon aus, dass der Pentateuch<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> von Moses geschrieben wurde, dessen historische Existenz ebenso wie der biblische Exodus (um 1250 v. Chr.) als fraglich gilt. Niedergeschrieben wurden die ersten Kapitel des Alten Testamentes vielleicht zur Zeit Salomons (961-931 v. Chr.), w\u00e4hrend oder nach der Babylonischen Gefangenschaft (568-538 v .Chr.), oder zum Teil erst im 2. vorchristlichen Jahrhundert. Zwischen dem \u00dcbergang vom Nomaden zum Bauern und dem schriftlichen Bericht der Bibel \u00fcber dieses einschneidende Ereignis liegen also rund 9 Jahrtausende oder in etwa 300 Generationen.<\/p>\n<h5>Kann es so alte Menschheitserinnerungen geben?<\/h5>\n<p>Manche Forscher halten das f\u00fcr m\u00f6glich. Sie sprechen von einem \u201ekulturellen Ged\u00e4chtnis&#8220;, das weit zur\u00fcckreichen kann in die neolithische (jungsteinzeitliche) Vergangenheit.<\/p>\n<p>Rechnet man mit mehreren, mit vielen Erdenleben des selben Menschengeistes, dann erscheint es nicht so \u00fcberraschend, wenn hin und wieder, in dem einen oder anderen Menschen, Erinnerungen wach werden an eine l\u00e4ngst verwehte Zeit, in der einschneidende Entwicklungen abliefen, die so gut wie alle Zivilisationen pr\u00e4gten. Solche R\u00fcckerinnerungen kamen auch in die Bibel; aus eigenem Erleben der Verfasser oder \u00fcber altorientalische Schriften, wie dem Gilgamesch-Epos, das ja schon einige biblische Themen vorwegnimmt<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>.<\/p>\n<h5>Ein geistiges Buch oder die Mythologie der Juden?<\/h5>\n<p>Das Alte Testament ist eine Sammlung sehr vielseitiger Schriften. Ganz unterschiedliche Verfasser brachten zu verschiedensten Zeiten h\u00f6chst verschiedenartige Traktate zu Papier: Aphorismen, Erotik, Folklore, g\u00f6ttliche Gesetze, Hexen, historische Chroniken, Krieg, kultische Vorschriften, K\u00fcndungen aus h\u00f6chsten Welten, Landnahme, Liebesgedichte, liturgische Regeln, Lug und Trug, Mord und Totschlag, Prophezeiungen, Sch\u00f6pfungsgeschichten, S\u00fcndenfall, Totenbeschw\u00f6rung, Verrat, Visionen, V\u00f6lkermord, Volkssagen, Wundertaten, Zauberei. Fast jeder kann in der Bibel finden, was er sucht.<\/p>\n<p>Zweifellos sprechen manche Kapitel des Alten Testamentes von der j\u00fcdischen Geschichte, doch kaum mit den Ziel einer historisch korrekten Berichterstattung. F\u00fcr ein geschichtliches Werk enth\u00e4lt die Bibel zu viele Ungenauigkeiten, unsichere oder gar fehlerhafte \u00dcberlieferungen und Anachronismen. In der Regel kann sie nicht als zuverl\u00e4ssige historische Quelle betrachtet werden.<\/p>\n<p>Vielen Christen und Juden gilt die Bibel als <em>geistiges<\/em> Buch, als Offenbarung. Die historischen Berichte w\u00e4ren dann als gleichnishafte Belehrungen anzusehen, keineswegs als korrekte Geschichtsschreibung.<\/p>\n<h5>Hohes Geistiges im irdischen Gewand?<\/h5>\n<p>Die Vermittlung geistiger Werte mit dem Medium der irdischen Sprache ist ein Problem aller religi\u00f6sen B\u00fccher. Denn der Verstand soll ja nicht an der Schrift h\u00e4ngen bleiben, sondern der Mensch soll die tieferen Zusammenh\u00e4nge intuitiv, empfindungsm\u00e4\u00dfig erfassen. Schriftliche Fassungen h\u00f6herer Einsichten verwenden daher oft eine symbolhafte Sprache, die auch irdische Bilder zur Verdeutlichung ben\u00fctzt. Die zu vermittelnden K\u00fcndungen wenden sich an das Innere des Menschen und entziehen sich einer vordergr\u00fcndigen Deutung. Asiatische Weisheitslehrer versuchen dieses Ziel gelegentlich dadurch zu erreichen, dass sie widerspr\u00fcchliche Aussagen neben einander stellen. Damit wollen sie den Verstand austricksen und direkt zum Empfinden durchdringen.<\/p>\n<p>Auch die Bibel bringt immer wieder historische Beispiele, die zeigen sollen, welche schlimmen Folgen das Abweichen vom Gotteswillen f\u00fcr das Volk Israel in der Vergangenheit hatte. Die Verfasser dieser \u00dcberlieferungen wollten vor allem darlegen, wie konsequent religi\u00f6se Lehren &#8211; aus ihrer Sicht gleichbedeutend mit dem Willen Gottes &#8211; zu befolgen seien. Manche Weissagungen sind wohl nacheilende Prophetien<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, also Vorhersagen, die ein Ereignis betreffen, das l\u00e4ngst eingetreten ist. Das ist eine gar nicht so seltene Form der esoterischen oder religi\u00f6sen Geschichtsinterpretation, die im Nachhinein genau erkl\u00e4ren kann, warum ein Geschehen so und nicht anders ablaufen musste.<\/p>\n<h5>Gl\u00e4ubiger oder Skeptiker?<\/h5>\n<p>Wenn nun Bibel-Apologeten die Richtigkeit ihrer \u201eHeiligen Schrift&#8220; mit historischen Tatsachen beweisen wollen, reihen sie sich streng genommen &#8211; vermutlich ohne sich dessen bewusst zu sein &#8211; in die Reihe der Skeptiker ein: Denn wenn die Bibel ein <em>geistiges <\/em>Buch ist, sollte sie au\u00dferhalb jeder Art von <em>irdischer<\/em> Beweisf\u00fchrung stehen. Schon Jesus hat solchem Verlangen nach sichtbaren Beweisen, also Zeichen und Wundern, eine Abfuhr erteilt:<br \/>\n<em>\u201eWas sucht dieses Geschlecht Zeichen? Wahrlich ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben&#8220; <\/em>(Mark. 8,12).<\/p>\n<p>Wer also <em>im<\/em> <em>Irdischen<\/em> nach Beweisen f\u00fcr seinen <em>transzendenten <\/em>Glauben sucht, wird oft entt\u00e4uscht. Ein solcher Halbgl\u00e4ubiger wird leicht unsicher, und er geh\u00f6rt &#8211; zumindest aus streng religi\u00f6ser Sicht &#8211; schon zu den Zweiflern; denn <em>\u201eselig sind, die nicht sehen und doch glauben&#8220;.<\/em> (Joh. 20,29).<\/p>\n<p>Ist echter, tief empfundener Glaube verlangt, so werden die in vielen Religionen eifrig ge\u00fcbten Exegesen<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> ebenso fraglich wie Dogmen oder konfessionelle Lehrmeinungen. Denn jeder wahre Glaube sollte auf einer sehr pers\u00f6nlichen, nicht \u00fcbertragbaren, religi\u00f6sen Erfahrung eines freien Menschen beruhen, die sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht bewerten l\u00e4sst: <em>\u201eDenn der Buchstabe t\u00f6tet, doch der Geist macht lebendig&#8220;<\/em>. (2. Kor. 3,6).<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Bronowski Jacob, Der Aufstieg des Menschen, Ullstein, Frankfurt 1976.<br \/>\n(2) Der Spiegel, 23\/2006, vom 3. 6. 2006.<br \/>\n(3) Finkelstein Israel\/Silberman Neil Asher, Keine Posaunen vor Jericho, C.H. Beck, M\u00fcnchen, 2002.<br \/>\n(4) Keller Werner, Und die Bibel hat doch recht, Econ, D\u00fcsseldorf, 1963.<br \/>\n(5) Rohl David, Legend. The Genesis of Civilisation, Random House, London, 2006.<br \/>\n(6) Schmidt Klaus, Sie bauten die ersten Tempel, C.H. Beck, M\u00fcnchen, 2006.<br \/>\n<strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Hier wird nicht zwischen Nomaden und Wildbeutern (J\u00e4ger und Sammler) unterschieden, wie das Historiker f\u00fcr n\u00f6tig erachten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Pentateuch = die f\u00fcnf B\u00fccher Mose.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/religionen-der-antike-iii-die-suche-nach-der-unsterblichkeit\/\">\u201eDie Suche nach der Unsterblichkeit&#8220;.<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Religionswissenschaftler sprechen von \u201evaticinia ex eventu&#8220; = nachtr\u00e4gliche Weissagung. Sie sehen etliche biblische Prophetien als \u201enachtr\u00e4gliche Vorhersagen&#8220; an.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Exegesen = Auslegungen der Bibel und anderer religi\u00f6ser Schriften. Vgl. Dazu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/philon-von-alexandria-und-die-suche-nach-dem-sinn\/\">&#8222;Philon von Alexandria und die Suche nach dem Sinn&#8220;<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 48\/2008) Die Bibel ist das meistgedruckte (und vermutlich auch meistgelesene) Buch der Weltliteratur, dessen Bedeutung f\u00fcr die j\u00fcdische und die christliche Religion grundlegend, und dessen Einfluss auf die Weltkultur nicht absch\u00e4tzbar ist. 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