{"id":1131,"date":"2009-05-12T11:21:19","date_gmt":"2009-05-12T10:21:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1131"},"modified":"2025-02-21T09:43:58","modified_gmt":"2025-02-21T08:43:58","slug":"das-war-der-wilde-westen-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/ru\/%d0%b8%d1%81%d1%82%d0%be%d1%80%d0%b8%d1%8f\/%d1%8d%d1%82%d0%be-%d0%b1%d1%8b%d0%bb-%d0%b4%d0%b8%d0%ba%d0%b8%d0%b9-%d0%b7%d0%b0%d0%bf%d0%b0%d0%b4-%d1%87%d0%b0%d1%81%d1%82%d1%8c-2\/","title":{"rendered":"\u042d\u0442\u043e \u0431\u044b\u043b \u0414\u0438\u043a\u0438\u0439 \u0417\u0430\u043f\u0430\u0434, \u0447\u0430\u0441\u0442\u044c 2"},"content":{"rendered":"<h5>Die Bedrohung durch die Wei\u00dfen w\u00e4chst<\/h5>\n<blockquote><p>\u00a0<em>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 28\/2003)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Im amerikanischen Bewusstsein hat das Wort \u201eGrenze&#8220; eine besondere, fast mystische Bedeutung. Die Grenze ist der Platz der Bew\u00e4hrung, hier winken Abenteuer und Erfolg, und es wird f\u00fcr den Fortschritt gek\u00e4mpft. So sprach zum Beispiel Pr\u00e4sident Kennedy von einer \u201eneuen Grenze&#8220;, als es f\u00fcr die USA galt, in der Raumfahrt Russland zu \u00fcberholen und als Erste auf dem Mond zu landen. Im \u201eWilden Westen&#8220; gingen die Erfolge der \u201eGrenzer&#8220; zu Lasten der Indianer und der Natur &#8211; eine Tatsache, die selbst heute noch oft verdr\u00e4ngt wird.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im zweiten Teil unserer siebenteiligen Serie zu den Indianern Nordamerikas beschreibt Siegfried Hagl, wie im Zuge der \u201eEroberung der Neuen Welt&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/das-war-der-wilde-westen-teil-1\/\">Teil 1 der Serie<\/a>) die Bedrohung durch die Wei\u00dfen immer gr\u00f6\u00dfer wurde &#8211; und wie die Indianer ihre gro\u00dfe Chance verspielten, sich in einem z\u00e4hen Urwaldkrieg zwischen Engl\u00e4ndern und Franzosen geeint auf die richtige Seite zu schlagen.<\/p>\n<p>Gegen Ende des 17. Jahrhunderts hatten sich die englischen Kolonisten (Virginien 1607, Massachusetts 1620, Maryland 1632, Pennsylvania 1683) im \u201eWilden Westen&#8220; etabliert. Ihre Siedlungen dehnten sich aus, die niederl\u00e4ndischen Besitzungen wurden erobert.<br \/>\nZur Best\u00fcrzung der Franzosen, in deren Kolonien nur wenige Einwanderer aus Frankreich lebten, wurden um 1700 H\u00e4ndler aus Neuengland harte Wettbewerber im \u00e4u\u00dferst lukrativen Indianerhandel. Englische Waren hatten bessere Qualit\u00e4t und waren billiger als die franz\u00f6sischen Produkte. Der Vorsprung der englischen Industrie wirkte sich dabei ebenso aus wie die unzureichende Unterst\u00fctzung der Franzosen aus der Heimat und die Auspl\u00fcnderung Neufrankreichs (Kanada) durch korrupte Kolonialbeamte.<\/p>\n<p>Um die unliebsame englische Konkurrenz auszuschalten, strebten die Franzosen nach einer Fixierung der Grenzen der von ihnen beanspruchten Gebiete. Da sich ein lukrativer Handel aber nicht durch imagin\u00e4re Grenzen im Urwald verhindern l\u00e4sst, waren Konflikte vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Im ersten Teil dieser Serie haben wir von den ersten blutigen Auseinandersetzungen zwischen Wei\u00dfen und Roten gesprochen. Weitere K\u00e4mpfe folgten, die schon im 17. Jahrhundert so gut wie alle Teile Neuenglands tangierten. Wenn Indianer gegen englische Kolonisten k\u00e4mpften, wurden sie von den Franzosen unterst\u00fctzt, die so ihre kolonialen Anspr\u00fcche sichern und die Engl\u00e4nder zur\u00fcckdr\u00e4ngen wollten. Doch auch diese hatten indianische Verb\u00fcndete. Ein Kampf zwischen Engl\u00e4ndern und Franzosen um die Vorherrschaft in Nordamerika schien unvermeidlich.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Pontiac (Oh-pahn-tee-yag, 1720-1769) und die ersten &#8222;Bio-Waffen&#8220;:<br \/>\n<\/strong>Der H\u00e4uptling der Ottawa, nach zeitgen\u00f6ssischen Berichten von hoher, kr\u00e4ftiger Gestalt und \u201eerhabenem, k\u00f6niglichem Aussehen&#8220;, hatte w\u00e4hrend des Krieges, in dem die Franzosen Kanada verloren (der &#8222;Krieg gegen Indianer und Franzosen&#8220; 1754-1760), treu auf deren Seite gestanden; der bei der Verteidigung von Quebec gefallene Marquis Montcalm war sein pers\u00f6nlicher Freund. Nach dem verlorenen Krieg sah Pontiac Schlimmes auf die Indianer zukommen. Er versuchte, sie zu einem einheitlichen Vorgehen gegen die Engl\u00e4nder zu bewegen und hoffte auf die Unterst\u00fctzung Frankreichs, das in Lousiana am Mississippi noch pr\u00e4sent war.<br \/>\nIm Jahr 1763 gelang es den verb\u00fcndeten Ottawa, Huronen, Delawaren, Potawatomis, Shawnees und Miamis in \u00fcberraschenden Angriffen acht von zw\u00f6lf strategisch wichtigen englischen Forts zu erobern. An dem wichtigsten, dem Fort Detroit, scheiterten sie jedoch, da der geplante \u00dcberfall verraten wurde. Hier mussten sie sich auf eine l\u00e4ngere Belagerung einlassen; eine Kampfesweise, die Indianern nicht lag. Detroit konnte nach harten Wochen befreit werden. Eine Zeit lang noch setzten die Indianer den Grenzern mit Guerillataktik hart zu, doch dann verloren viele indianische Krieger die Lust am Kampf, und 1766 musste Pontiac Frieden schlie\u00dfen. Drei Jahre sp\u00e4ter wurde er von einem Peoria-Indianer aus pers\u00f6nlicher Feindschaft ermordet.<br \/>\nIn diesem Krieg, in dem Indianern Heimt\u00fccke und Verrat vorgeworfen wurden, waren auch die Engl\u00e4nder nicht zimperlich. Auf Anordnung des Oberbefehlshabers Lord Jeffrey Amherst (1717-1797) wurden zum ersten Mal bewusst biologische Waffen gegen Indianer eingesetzt.<br \/>\nAls zum Beispiel Delawaren Fort Pitt zur Kapitulation aufforderten, weigerte sich der kommandierende Offizier und lie\u00df ihnen Geschenke \u00fcberreichen. Diese Danaergeschenke waren ein kostbares Taschentuch und zwei Decken, die Pockenkranken weggenommen wurden. Die ahnungslosen Delawaren nahmen die Geschenke an. Bald darauf starben viele von ihnen an den Pocken.<br \/>\n<strong>Literatur.<br \/>\n<\/strong>(1) Dillon, Richard H.: \u201eIndianerkriege&#8220;, Lechner, Limassol (Cypern), 1994.<br \/>\n(2) Eckert, Allan, W.: \u201eThe Conquerors&#8220;, Bantam Books, New York, 1981.<br \/>\n(3) do.: \u201eWilderness Empire&#8220;, Bantam Books, New Yor,k 1971.<br \/>\n(4) Oth, Ren\u00e9: \u201eDie wahre Geschichte der Indianer&#8220;, Battenberg, M\u00fcnchen, 1999.<\/p><\/blockquote>\n<h5>Ein z\u00e4her Krieg im Urwald<\/h5>\n<p>Die Spannungen in Europa, die sich im Siebenj\u00e4hrigen Krieg (1756-63) entluden, wirkten sich auch in \u00dcbersee aus. Die franz\u00f6sischen Gebietsanspr\u00fcche behinderten nicht nur den Indianerhandel der Engl\u00e4nder, sie schn\u00fcrten auch \u201eNeuengland&#8220; vom Hinterland ab. Klare Grenzziehungen fehlten, wie das in einem kaum erforschten Urwaldgebiet nicht anders zu erwarten ist. Doch versuchten die Franzosen, ihre Gebietsanspr\u00fcche durch eine Kette von Forts abzusichern.<\/p>\n<p>Als sie vom Mississippi aus nach Osten vordrangen und das gesamte Ohiotal beanspruchten, f\u00fchlten sich die Neuengl\u00e4nder bedroht, zumal franz\u00f6sische Offiziere jeden Engl\u00e4nder gefangen setzen wollten, den sie auf ihrem Territorium antrafen. So begann 1754 ein langwieriger, z\u00e4her Urwaldkrieg, den man in Amerika den \u201eFrench and Indian War&#8220; (franz\u00f6sischer und Indianer-Krieg) nennt.<\/p>\n<p>In Europa prallten Heere von mehreren Zehntausend Mann aufeinander und schlugen gro\u00dfe Schlachten, die dennoch die europ\u00e4ische Landkarte nur wenig ver\u00e4nderten. In Amerika entschied der Einsatz von einigen Tausend Soldaten \u00fcber Gewinn oder Verlust eines Gebietes, das gr\u00f6\u00dfer war als Mitteleuropa. Die Bedeutung dieser Auseinandersetzungen wurde von europ\u00e4ischen Regierungen nicht erkannt, und die Kolonien nur unzureichend unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Aus <strong>England<\/strong> kamen Generale, die Indianer verachteten und im Urwaldkrieg erfahrene Grenzer nicht ernst nahmen. Ein typisches Beispiel ist<em> General Edward Braddock<\/em> (1695-1755), der auf keinen Rat erfahrener Indianerk\u00e4mpfer h\u00f6rte, und seine Truppen wie auf einem europ\u00e4ischen Schlachtfeld aufmarschieren lie\u00df. Seine Rotr\u00f6cke gerieten in ein m\u00f6rderisches Kreuzfeuer von Kanadiern und Indianern, die, hinter B\u00fcschen und B\u00e4umen gedeckt, den englischen Sch\u00fctzen keine Ziele boten. Braddock, ebenso mutig wie uneinsichtig, verlor zwei Drittel seiner Soldaten und kam selbst ums Leben.<\/p>\n<p>Weit davon entfernt, aus solchen Niederlagen zu lernen, mussten die Engl\u00e4nder noch weitere R\u00fcckschl\u00e4ge hinnehmen, zumal die Franzosen im <em>Marquis de Montcalm<\/em> (1712-59) einen hervorragenden Oberbefehlshaber erhielten, der sich gut auf die indianische Mentalit\u00e4t einstellen konnte.<br \/>\nEin totales Debakel f\u00fcr England konnte zun\u00e4chst der Indianeragent <em>William Johnson<\/em> (1715-1774) abwenden. Ihm gelang es, die Irokesen auf die Seite der Engl\u00e4nder zu ziehen und zwei wichtige Schlachten zu gewinnen. Jahrelang ging das Kriegsgl\u00fcck hin und her, bis zuletzt die gr\u00f6\u00dfere Wirtschaftskraft und Bev\u00f6lkerungszahl in Neuengland den Ausschlag gab. Die Eroberung von Montreal im Jahre 1759 entschied den Krieg, und im Friedensvertrag von 1760 wurde Neufrankreich englisch.<br \/>\nDie Spanier, die sich zu sp\u00e4t entschlossen hatten, die Franzosen zu unterst\u00fctzen, verloren Florida und erhielten daf\u00fcr 1763 die westlich des Mississippi gelegenen Teile Louisianas.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Im Einklang mit der Natur?<br \/>\n<\/strong>Nicht erst seit die \u201eRede des H\u00e4uptlings Seattle&#8220; (1, S. 85 f.), deren Authentizit\u00e4t mehr als fraglich ist, zu einer Kultschrift der \u00f6kologischen Bewegung wurde, gelten die Indianer als Vorbilder f\u00fcr \u00f6kologisches Verhalten. Sie lie\u00dfen angeblich nichts verkommen, n\u00fctzten ihre Ressourcen ma\u00dfvoll und lebten im Einklang mit der Natur. Auch die \u201eSieben-Generationen-Regel&#8220; der Irokesen gilt als vorbildlich. Sie besagt, man soll jede Entscheidung so f\u00e4llen, das sie sieben Generationen lang Bestand haben kann, ohne sich nachteilig auszuwirken.<br \/>\nDieses romantische Bild vom \u00f6kologischen Indianer ist leider so nicht haltbar.<br \/>\nDie h\u00e4rteste Kritik daran kommt von Paul Martin, einem amerikanischen Pal\u00e4ontologen, der Indianer f\u00fcr die Ausrottung vieler Tierarten gegen Ende des Pleistoz\u00e4ns, also vor etwa 11.000 Jahren verantwortlich sieht:<br \/>\n<em>\u201eDie Fama vom noblen Wilden, einen Kind der Natur, das bis zur Entdeckung der Neuen Welt durch die Europ\u00e4er in einem unverdorbenen Garten Eden lebte, ist offensichtlich<\/em> <em>unwahr,<\/em> <em>denn vor Kolumbus war die Zerst\u00f6rung der Fauna, wenn nicht von Lebensr\u00e4umen, gr\u00f6\u00dfer, als zu irgendeiner Zeit danach.&#8220;<\/em> (2, S. 29).<br \/>\nNicht Umwelteinfl\u00fcsse, so glaubt Martin, verursachten diese \u201epleistoz\u00e4ne Ausrottung&#8220;, sondern die Einwanderung von Gro\u00dfwildj\u00e4gern. Die in Amerika lebenden Gro\u00dftiere hatten keinerlei Erfahrung mit menschlichen Feinden, und konnten daher von diesen massenhaft abgeschlachtet werden. Mammut, Mastodon, Elefant, verschiedene Arten von Riesenfaultieren verschwanden ebenso wie Pferd, Kamel und viele andere mehr.<br \/>\nMartins Thesen sind umstritten.<br \/>\nDoch dass Indianer nicht immer \u00f6kologisch handelten, l\u00e4sst sich sogar in einem \u201eWeltkulturerbe der UNESCO&#8220; erfahren:<br \/>\nIm kanadischen Staat Alberta, bei Fort Macleod (nahe Lethbridge), befindet sich der \u201eHead-Smashed-In Buffalo Jump&#8220;, der die Jagdmethoden vorkolumbianischer Indianer demonstriert. Seit etwa 6.000 Jahren trieben sie B\u00fcffelherden \u00fcber eine Klippe; eine \u201eAbsturzjagd&#8220; wie sie auch von europ\u00e4ischen Steinzeitj\u00e4gern betrieben wurde. Bei dieser verschwenderischen Jagdmethode wurden wesentlich mehr Tiere abgeschlachtet, als der Indianerstamm in seinem nahen Lager am Bad-Man-River verwerten konnte. Zumal kein einziges Mitglied der Herde entkommen sollte; die J\u00e4ger hegten n\u00e4mlich die Vorstellung, dass \u00fcberlebende Tiere andere Bisons warnen w\u00fcrden.<br \/>\nDie Klippe, auf die die Bisons in einer von Indianern der Gro\u00dfen Ebenen ausgel\u00f6sten Stampede zurasten, um hinabzust\u00fcrzen, hat heute noch eine H\u00f6he von zehn Metern. An ihrem Fu\u00df t\u00fcrmen sich zw\u00f6lf Meter hoch die \u00dcberreste der in Jahrtausenden abgest\u00fcrzten vielen Tausenden von Tieren.<br \/>\nEs gibt weitere bekannte \u201eB\u00fcffel-Spr\u00fcnge&#8220;, an denen in gleicher Weise Raubbau getrieben wurde; z.B. in Montana den \u201eMadison Buffalo Jump&#8220; an der I-90 zwischen Butte und Bozeman.<br \/>\nDie \u201eAnasazi&#8220; (die \u201eAlten&#8220;, vorkolumbianische Indianer) bauten in Colorado H\u00f6hlensiedlungen, deren bekanntestes \u201eMesa Verde&#8220;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> ist. Sie hatten eine hochentwickelte Kultur, die auf dem Weg zu einer Hochkultur war. Dann verlie\u00dfen sie im 13. Jahrhundert pl\u00f6tzlich ihre Siedlungen. Nach neueren Forschungen hatten sie durch Abholzen der W\u00e4lder eine Klima\u00e4nderung verursacht. Zwei fast regenlose Jahrzehnte lie\u00dfen die Landwirtschaft zusammenbrechen. Die Anasazi-Bauern wurden zu Kannibalen und mussten zuletzt ihr Land verlassen.<br \/>\nNachdem die Pr\u00e4rieindianer in den Besitz von Pferden und Feuerwaffen kamen, entwickelten sie eine neue Lebensweise auf den Gro\u00dfen Ebenen und machten sich fast vollst\u00e4ndig von den B\u00fcffelherden abh\u00e4ngig. An Schonung der Best\u00e4nde dachten sie nicht. Sie waren ja der Ansicht, dass diese \u201eHerden des Gro\u00dfen Geistes&#8220; aus der Unterwelt k\u00e4men, als unersch\u00f6pfliches Geschenk an die Indianer:<br \/>\n<em>\u201eDie Indianer sind in der Zeit, in der sie frei in der Pr\u00e4rie lebten und von den Landanspr\u00fcchen wei\u00dfer Siedler unbel\u00e4stigt blieben, also zwischen 1700 und 1850, anderthalb Jahrhunderte lang gro\u00dfe <\/em>Verschwender<em> gewesen. Sie vergeudeten gro\u00dfe Mengen von Waren, die ihnen die H\u00e4ndler lieferten, so zum Beispiel Schwarzpulver gleich f\u00e4sserweise, weil sie Freude am Knall der Explosionen und den Pulverwolken hatten. Sie waren die ersten B\u00fcffelj\u00e4ger, die ganze Herden zu Hunderten und Tausenden abschossen, nur um die begehrten Bisonzungen an die H\u00e4ndler liefern zu k\u00f6nnen. Sie rotteten in den Flusst\u00e4lern Biber und Otter aus, l\u00e4ngst bevor Trapperkolonnen den Pelztierfang in der Grassteppe betrieben (diese mussten in die Berge der Rocky Mountains gehen). Die Brule-Sioux zum Beispiel, die im Jahr 1800 das ganze Tal des White River dicht mit Cottonwood B\u00e4umen bewachsen vorfanden, verf\u00fctterten zehn Jahre lang w\u00e4hrend des Winters sorglos die s\u00fc\u00dfe Cottonwood-Baumrinde an ihre zahllosen Pferde, so dass alle diese B\u00e4ume abstarben und das White-River-Tal bereits nach weiteren zehn Jahren versandet war.<br \/>\n<\/em><em>Denselben Brule-Sioux passierte es schon 1830, dass sie den Bison in ihren Jagdgebieten ausgerottet hatten und auf die Suche nach neuen Herden gehen mussten, die sie dann mit der gleichen Sorglosigkeit wegen der von den H\u00e4ndlern begehrten Felle abschlachteten und &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil des Fleisches verrotten lie\u00dfen.<\/em> (4, S. 76\/77).<br \/>\nDie leichtfertige Handhabung des Feuers durch Indianer (die sich auch wei\u00dfe J\u00e4ger anlasten lassen m\u00fcssen) f\u00fchrte zu Wald- und Pr\u00e4riebr\u00e4nden und vernichtete gro\u00dfe Mengen Wild und den ohnehin schon sp\u00e4rlichen Baumbestand in den Flusst\u00e4lern.<br \/>\n<strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Gruhl, Herbert: \u201eGl\u00fccklich werden die sein &#8230;&#8220;, Erb, D\u00fcsseldorf, 1984.<br \/>\n(2) Krech III, Shepard: \u201eThe Ecological Indian&#8220;, W.W. Norton, New York, 1999.<br \/>\n(3) Martin Paul S.: \u201ePleistocene Overkill&#8220;, Natural History 76 (December 1967), S. 32f.<br \/>\n(4) Stammel, H. J.: \u201eSolange Gras w\u00e4chst und Wasser flie\u00dft&#8220;, DVA, Stuttgart, 1976.<\/p><\/blockquote>\n<h5>Die Chance war verspielt<\/h5>\n<p>F\u00fcr die Indianer war dieses Ende des &#8222;Franzosen- und Indianerkrieges&#8220; eine Katastrophe. Wie stets waren sie unter sich zerstritten, und beide Kriegsparteien hatten ihre verb\u00fcndeten Indianer. Eigentlich h\u00e4tten alle Indianer auf der Seite Frankreichs stehen m\u00fcssen. Denn die katholischen Franzosen kamen mit den Indianern gut aus. Die franz\u00f6sischen Herrschaftsgebiete waren d\u00fcnn besiedelt, und die Zuwanderung aus Europa so gering, dass die Indianer den Landhunger von Neusiedlern nicht f\u00fcrchten mussten. Die englischen Protestanten waren hingegen kaum bereit, Indianer als Mitmenschen zu akzeptieren, und die Grenzer wollten sie vertreiben. Neuengland war vergleichsweise dicht besiedelt, und es kamen laufend Neusiedler, die Land suchten, besonders Indianerland. So war abzusehen, dass die \u201eGrenze&#8220; sich auch weiterhin nach Westen verschieben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Franzosen wie Indianer hatten eine gro\u00dfe Chance verspielt: In Versailles hatte niemand die Bedeutung dieses Krieges am \u201eRande der Welt&#8220; erkannt. Neufrankreich wurde zu wenig unterst\u00fctzt, und eine unf\u00e4hige Kolonialverwaltung durfte sich schamlos bereichern. Nach Eckert (3, S. 730), einem profunden Kenner der Geschichte der Grenze im 18. Jahrhundert, war letzten Endes Korruption die Ursache daf\u00fcr, dass Kanada den Franzosen verloren ging.<\/p>\n<p>Die Indianer konnten sich nicht dazu durchringen, gemeinsam und entschlossen die Franzosen zu unterst\u00fctzen. Ein Sieg Frankreichs h\u00e4tte ihr Schicksal f\u00fcr einige Jahrzehnte g\u00fcnstiger gestalten k\u00f6nnen. Die Franzosen, weniger landhungrig, w\u00e4ren ihren Verb\u00fcndeten nach einem gewonnenem Krieg entgegengekommen und h\u00e4tten ihnen zumutbare Lebensr\u00e4ume \u00fcberlassen. Oft und oft hatten franz\u00f6sische Emiss\u00e4re die Indianer auf diese Fakten hingewiesen, vor der \u201eenglischen Gefahr&#8220; gewarnt, und sie gebeten, auf der Seite Frankreichs zu k\u00e4mpfen. Doch wie immer, standen den Indianern alte Stammesfehden untereinander, oder Freundschaften mit dem einen oder anderen Wei\u00dfen im Wege, oder sie waren durch Geschenke und Versprechungen f\u00fcr die eine oder andere Seite zu bestechen, ohne dass sie an ihre langfristigen \u00dcberlebenschancen dachten.<\/p>\n<p>Die Indianerst\u00e4mme, die einst die k\u00fcstennahen Regionen besiedelt hatten, waren bereits dezimiert, verdr\u00e4ngt, ausgerottet. Nun stand ein gleiches Schicksal den Waldindianern westlich der Appalachen bevor. H\u00e4tten sie dieses grausame Schicksal vermeiden k\u00f6nnen? H\u00e4tten sie auf die ihnen angeblich schon von Montezuma<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> in Form eines \u201eschwarzen Wampums&#8220; gesandte Warnung (5, S. 87) h\u00f6ren, und jeden Wei\u00dfen, der ihr Land betrat, vertreiben oder t\u00f6ten sollen?<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4tten sie ihr Ende hinausz\u00f6gern k\u00f6nnen, doch die Eroberung Nordamerikas zu stoppen war unm\u00f6glich. Zu gro\u00df war der Druck der aus Europa kommenden Neusiedler und ihrer so sehr \u00fcberlegenen Technologien.<\/p>\n<p>Fortsetzung <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/das-war-der-wilde-westen-teil-3\/\">&#8222;Das war der wilde Westen&#8220; Teil 3<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Montezuma = der (1520 ermordete) Herrscher des Aztekenreiches, das 1520\/21 von Hernando Cortez (1485-1547) erobert wurde.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Mesa Verde = heute ein Nationalpark an der US-160 s\u00fcdwestlich von Cortez (Colorado)<br \/>\n<strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Cooke, Allistair: \u201eGeschichte Amerikas&#8220;, Pawlak, Herrsching, 1975.<br \/>\n(2) Dillon, Richard, H.: \u201eIndianerkriege&#8220;, Lechner, Limassol (Cypern), 1994.<br \/>\n(3) Eckert, Allan, W.: \u201eWilderness Empire&#8220;, Bantam Books, New York, 1971.<br \/>\n(4) Stammel, H. J.: \u201eIndianer&#8220;, Bertelsmann, G\u00fctersloh, 1977.<br \/>\n(5) Steuben, Fritz: \u201eTecumseh &#8211; Strahlender Stern&#8220;, Franckh&#8217;sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1965.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedrohung durch die Wei\u00dfen w\u00e4chst \u00a0(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 28\/2003) Im amerikanischen Bewusstsein hat das Wort \u201eGrenze&#8220; eine besondere, fast mystische Bedeutung. Die Grenze ist der Platz der Bew\u00e4hrung, hier winken Abenteuer und Erfolg, und es wird f\u00fcr den Fortschritt gek\u00e4mpft. 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