{"id":3263,"date":"2020-07-11T13:15:22","date_gmt":"2020-07-11T12:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=3263"},"modified":"2024-11-26T10:34:07","modified_gmt":"2024-11-26T09:34:07","slug":"religion-und-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/it\/storia-religiosa\/religione-e-potere\/","title":{"rendered":"religione e potere"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit wann gibt es Religionen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlich 2019)<\/p><\/blockquote>\n<p>Niemand kann sagen, wie lange es Religionen auf Erden gibt.<\/p>\n<p>Manche, wie der Biologe Alister Hardy (1896-1985) sehen im Menschen das \u201ebetende Tier\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> und nehmen an, dass es schon in der Altsteinzeit Religionen oder wenigstens Religiosit\u00e4t gegeben hat.<\/p>\n<p>Beerdigungsriten der Neandertaler vor 30.000 Jahren lassen sich religi\u00f6s deuten. So kann man darin einen Beweis f\u00fcr den Glauben schon dieser Menschen an das Weiterleben nach dem Tode sehen. Bis heute die gemeinsame \u00dcberzeugung aller Hochreligionen.<\/p>\n<p>Nachzuweisen sind religi\u00f6se Kultst\u00e4tten erst seit dem 10. Jahrtausend v. Chr.; z. B. G\u00f6bekli Tepe bei Sanliurfa in Anatolien, angeblich der \u00e4lteste bekannte Tempel der Menschheit. Dieser entstand noch vor oder ganz am Anfang der \u201eneolithischen Revolution\u201c, dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, vor etwa 12.000 Jahren.<\/p>\n<p>Von den religi\u00f6sen Ideen der Steinzeit-Menschen wissen wir so gut wie nichts. Die Forscher sind hier auf unsichere Deutungen von Felsbildern, Figurinen, Geb\u00e4uden, Gr\u00e4bern und Skulpturen angewiesen.<\/p>\n<p>Einigerma\u00dfen aussagef\u00e4hige Vorstellungen \u00fcber die Religionen unserer Vorfahren gibt es erst seit schriftliche \u00dcberlieferungen vorliegen.<\/p>\n<p>Man kann zwar versuchen, durch Beobachtung der religi\u00f6sen Riten von Naturv\u00f6lkern auf steinzeitlichem Niveau eine Vorstellung davon zu bekommen, wie auch unsere Vorfahren vor 10, 20 oder mehr Tausend Jahren empfunden haben d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Doch wissen die Wissenschaftler nicht, ob es sich bei rezenten (gegenw\u00e4rtig lebenden) Menschen mit steinzeitlicher Technik um zur\u00fcckgebliebene St\u00e4mme handelt, die nicht lediglich den Anschluss an die normale Entwicklung verloren haben, sondern sich wom\u00f6glich zur\u00fcck- oder gar fehlentwickelt haben. So k\u00f6nnten R\u00fcckschl\u00fcsse von deren transzendentem Erleben von heute auf steinzeitliche Urreligionen in die Irre f\u00fchren. \u2013<\/p>\n<p><strong>Schamanismus \u2013 die erste Religion?<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Beobachtung von Naturv\u00f6lkern kann man schlie\u00dfen, dass am Beginn der Religionen der Schamanismus stand, den es in vielen Spielarten von Ostasien \u00fcber Europa und Afrika bis Amerika gegeben hat, bzw. heute noch gibt.<\/p>\n<p>Die ersten, altsteinzeitlichen Schamaninnen oder Schamanen hatten vermutlich Jenseitskontakte, z. B. zu Naturwesen. Dadurch konnten sie empfinden, wo Fr\u00fcchte, Wild und Wurzeln zu finden waren, wo es Wasserstellen gab, wo Gefahren lauerten und wann es Zeit war, Schutz zu suchen vor Unwettern oder Naturkatastrophen. Schamanen waren wohl auch die ersten \u00c4rzte. Die fr\u00fchen Schamanen leisteten einen wichtigen Beitrag f\u00fcr das \u00dcberleben ihrer Gruppe und \u00fcbernahmen eine f\u00fchrende Rolle.<\/p>\n<p>Von heutigen Schamanen und Zauberern<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> darf man meiner Meinung nach meist keine lichten Jenseitskontakte erwarten. Deren Einfluss beruht oft nur auf dem \u00fcberlieferten Aberglauben und der Furcht ihrer Stammesgenossen vor (magischem) Fluch und Verw\u00fcnschung.<\/p>\n<p>Die ersten Priester waren demnach Schaman(inn)en, denen durch ihr K\u00f6nnen eine herausgehobene Stellung in ihrer Gesellschaft zufiel.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter kamen Nachfolger, deren spirituelle Qualit\u00e4ten mangelhaft waren, die aber trotzdem das Ansehen zu erlangen suchten, das ihren f\u00e4higeren Vorg\u00e4ngern zugefallen war. In solchen F\u00e4llen ist der Weg zum Betrug nicht weit, zu \u201efrommem Betrug\u201c, wie er schon Priestern der Antike nachgewiesen und sp\u00e4ter zum Ursprung mancher \u201efrommen\u201c Legenden wurde.<\/p>\n<p><strong>Das Streben nach Macht<\/strong><\/p>\n<p>Seit der \u00dcberbewertung des Materiellen gegen\u00fcber dem Spirituellen \u2013 also sp\u00e4testens seit den Alten \u00c4gyptern \u2013 streben Priester(innen) nach Einfluss und Macht. Religi\u00f6se W\u00fcrdentr\u00e4ger sind meist nicht damit zufrieden, ihre Lehren vorzuleben nach dem Jesus-Wort\u00a0<em>\u201eAn ihren Werken sollt ihr sie erkennen\u201c<\/em> (Matth. 7,16), und den Wert ihres angeblich h\u00f6heren Wissens durch dessen praktische Umsetzung zu beweisen.<\/p>\n<p>Der Priester \u2013 gleich welcher Religion \u2013 nimmt meist f\u00fcr sich in Anspruch, \u00fcber tiefere Einsichten zu verf\u00fcgen als seine Zeitgenossen, will diese belehren, und erwartet Anerkennung und Einfluss; also auch Macht! Den Beweis f\u00fcr die Richtigkeit seiner Lehren kann er so gut wie nie liefern; denn diese \u201eBeweisf\u00fchrung\u201c l\u00e4ge auf transzendenten Ebenen, die im Materialismus gefangenen Menschen unzug\u00e4nglich sind.<\/p>\n<p>Die religi\u00f6s und philosophisch begr\u00fcndete Forderung, dass der reifste Geist auch der irdische Herrscher sein soll, lie\u00df sich in der bekannten Geschichte nie dauerhaft und erfolgreich durchsetzen. Es gibt sagenhafte Erinnerungen an l\u00e4ngst verwehte \u201egoldene Zeiten\u201c, in denen der K\u00f6nig auch als Hohepriester fungierte und f\u00fcr die Lichtverbindung verantwortlich war. Erf\u00fcllte er sowohl seine geistigen Aufgaben wie auch seine irdischen Verpflichtungen, standen ihm Respekt und Verehrung zu<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii].<\/a><\/p>\n<p>Bis in historische Zeiten hat sich davon ein Nachhall erhalten. So hatte der R\u00f6mische Kaiser den Titel \u201epontifex maximus\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, den heute der Papst tr\u00e4gt, und dem japanischen Tenno wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg sein \u201eg\u00f6ttlicher Ursprung\u201c abgesprochen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Altertum gibt es also den Kampf um Einfluss und Macht zwischen religi\u00f6sen F\u00fchrern und der irdischen Gewalt. Eine solche Entwicklung ist unvermeidlich, sobald materialistische Bestrebungen auch in Religionen einbrechen, und erdgebundenes Verstandesdenken die Spiritualit\u00e4t nach und nach verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Dann k\u00f6nnen auch Pers\u00f6nlichkeiten unzureichender spiritueller Qualit\u00e4t in die Priesterschaft eindringen und gutgl\u00e4ubige Menschen t\u00e4uschen und verf\u00fchren. Reichen Indoktrination, Betrug und T\u00e4uschung nicht aus, die \u201eGl\u00e4ubigen\u201c zu disziplinieren, schrecken religi\u00f6se Autorit\u00e4ten \u2013 manchmal bis heute \u2013 nicht vor psychischem Druck und sogar physischer Gewalt zur\u00fcck. Wahrhaft religi\u00f6se Menschen werden dann abgesto\u00dfen und in Extremf\u00e4llen werden sie zu M\u00e4rtyrern.<\/p>\n<p><strong>Machtk\u00e4mpfe von Religionen<\/strong><\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass Priester unzureichender geistiger Qualit\u00e4t schon in vorgeschichtlicher Zeit um irdischen Einfluss und um Macht k\u00e4mpften und dabei wahrscheinlich vor keinem Mittel zur\u00fcckschreckten; ungeachtet der von ihnen verk\u00fcndeten religi\u00f6sen Ethik.<\/p>\n<p>Einige historische Beispiele seien angef\u00fchrt:<br \/>\n* Schon aus dem Alten \u00c4gypten ist die Auseinandersetzung \u00fcberliefert zwischen dem Pharao Echnaton (Amenophis IV. ca. 1340-1324 v. Chr.) und der Priesterschaft. Echnaton setzte wohl eine Ein-Gott-Lehre durch (die Wissenschaftler sind sich hier nicht einig) mit der Sonnenscheibe als Symbol f\u00fcr Aton, der h\u00f6chsten Gottheit. Priester, die anderen G\u00f6ttern (vor allem Amon-Re) huldigten, verloren an Macht. Das f\u00fchrte zu K\u00e4mpfen, die nach Echnatons Tod mit dem Sieg der traditionellen Kulte und deren Priesterschaft endeten.<br \/>\n* Im Alten Testament der Bibel, speziell im Deuteronomium (5. Buch Mose), werden der Machtanspruch der Priester (vgl. z. B. 5. Mose, 18) und der absolute Vorrang des <em>\u201eauserw\u00e4hlten Volkes\u201c<\/em> gegen\u00fcber allen anderen V\u00f6lkern gepredigt und unmenschliche Grausamkeiten gerechtfertigt. (Vgl. z. B. 5. Mose 2, 32-35; 5. Mose 7, 1-5, 21-24; 5. Mose 20, 10-18; Jos. 6,21; Jos. 8, 24-28; Jos, 11, 12-14 usw.). Dort vertretene archaische Gewaltphantasien<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> wurden auch von christlichen Kirchen tradiert und z. B. bei Kreuzz\u00fcgen, in der Inquisition, bei der Ketzerverfolgung, der Sklavenhaltung<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> oder im Kolonialismus praktiziert.<br \/>\nPropheten des Alten Testamentes widersetzten sich den hasserf\u00fcllten Lehren der Priester. (Vgl. z. B. Amos 9,7; Hosea 6,6.).<br \/>\n* R\u00f6mische Kaiser kamen bald nach dem Ende der Christenverfolgung in Konflikte mit der Kirche. Ambrosius, der Bischof von Mailand, verhinderte 388 die Bestrafung eines Bischofs, der eine Volksmenge dazu aufgehetzt hatte, eine Synagoge niederzubrennen. Auch der vom Kaiser verf\u00fcgte Wiederaufbau der Synagoge auf Kosten der Christen wurde verhindert<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a>. Von Ambrosius stammt wohl auch der Spruch, <em>\u201eder Kaiser steht in, nicht \u00fcber der Kirche\u201c<\/em>. Da die Kirche dem Papst untersteht, w\u00e4re dann auch der Kaiser dem Papst untertan.<br \/>\n* Das deutsche Mittelalter war \u00fcber Jahrhunderte gepr\u00e4gt von dem Kampf zwischen Kaiser und Papst, sowie dem ungl\u00fccklichen Zwang deutscher K\u00f6nige, zur Kaiserkr\u00f6nung mit einem Heer nach Rom zu ziehen. (Vgl. &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/ein-deutsches-verhangnis\/\">Ein deutsches Verh\u00e4ngnis<\/a>&#8220; unter &#8222;Geschichte&#8220;). Dieser lange Kampf zwischen geistlicher und irdischer Gewalt hat dem \u201eR\u00f6mischen Reich Deutscher Nation\u201c uns\u00e4glichen Schaden zugef\u00fcgt und zu seinem Untergang wesentlich beigetragen.<br \/>\n* Jede Abweichung von der kirchlichen Lehre, jeder Versuch einer Weiterentwicklung oder Lebendigmachung wurde jahrhundertelang rigoros unterdr\u00fcckt. Und zwar von beiden Kirchen; der R\u00f6mischen wie der Ostkirche. Auch die Protestanten waren sp\u00e4ter keineswegs tolerant.<br \/>\nBeispielhaft f\u00fcr die R\u00fccksichtslosigkeit, mit der die Kirchen um den Erhalt ihrer Macht k\u00e4mpften, ist die Ausrottung der von den Katharern in S\u00fcdfrankreich praktizierten Form des Christentums. Der r\u00f6mische Papst und der K\u00f6nig von Frankreich riefen einen Kreuzzug aus, der ein bl\u00fchendes Land und dessen Kultur zerst\u00f6rte. (Vgl. \u201eDer Albigenser Kreuzzug\u201c in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 302&#8243;)<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii].<\/a><br \/>\n* Die von Martin Luther 1517 eingeleitete Reformation konnte nicht sofort in Blut erstickt werden, da die kaiserlichen Truppen andernorts gebraucht wurden. Nicht zuletzt standen die T\u00fcrken 1529 zum ersten Mal vor Wien, sodass man behaupten kann, das \u00dcberleben des Protestantismus sei den T\u00fcrken zu verdanken.<br \/>\nDie darauf folgenden Religionskriege der Neuzeit waren zum wesentlichen Teil auch politische Kriege, in denen die Religion als Vorwand diente.<br \/>\n* Die \u201eNeue Wissenschaft\u201c (Naturwissenschaft) und die Philosophie der Aufkl\u00e4rung widersprachen alten kirchlichen Lehren. Entsprechend brutal wurden diese neuen Erkenntnisse von den Kirchen angegriffen. So kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Wissenschaft und Kirche, in denen sich die religi\u00f6sen Lehren grundlegend hinterfragen lassen mussten. Diese Zweifel an allem Religi\u00f6sen, lie\u00dfen sich selbst durch schlimmste Verbrechen der Inquisition und der Ketzerverfolgungen nicht aufhalten. Daraus entstand auch die heute verbreitete Skepsis gegen alles \u201enicht wissenschaftlich Erkl\u00e4rbare\u201c.<br \/>\n* Die Kirchen wollten nicht zugeben, dass religi\u00f6se &#8222;Wahrheiten&#8220; universell g\u00fcltig sind und niemals irdischen Tats\u00e4chlichkeiten widersprechen &#8211; es sei denn, es handle sich bei diesen angeblichen &#8222;Wahrheiten&#8220; um menschengemachte Irrlehren.<\/p>\n<p>Zuletzt sahen sich die Kirchen gezwungen, manche Ideen der Philosophie der Aufkl\u00e4rung als \u201echristliche Grundwerte\u201c z\u00e4hneknirschend gelten zu lassen oder sogar in ihre Lehrgeb\u00e4ude einzubringen (Menschenrechte, freie Religionsaus\u00fcbung, Trennung von Kirche und Staat<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a>, usw.). Von der h\u00f6chst widerwilligen Akzeptanz der \u201eNeuen Astronomie\u201c (heliozentrisches Weltbild) durch die Kirchen nicht zureden.<\/p>\n<p>Der Islam \u2013 als zweite uns derzeit besch\u00e4ftigende Religion \u2013 kennt die Trennung zwischen irdischer und geistlicher Gewalt, zwischen Staat und Mosche \u2013 zumindest theologisch \u2013 nicht. Denn Mohammed war Prophet und Kriegsherr in einer Person; einer der wenigen \u201ebewaffneten Propheten\u201c (Machiavelli). Die unerh\u00f6rt schnelle Ausbreitung des Islam durch Mohammeds Nachfolger, die \u201eKalifen\u201c, wurde dann durch Waffengewalt, grausame Gemetzel und Zwangsislamisierung m\u00f6glich<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x].<\/a><\/p>\n<p>Nach Mohammeds Vorbild sollten auch die Kalifen die irdische und die geistliche Macht in ihrer Hand vereinen. Doch dieses Konzept funktionierte nicht reibungslos. Von der Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten einmal abgesehen, gab es manchmal zwei Kalifen gleichzeitig, das Kalifat war nicht immer allgemein anerkannt und lange Zeit au\u00dfer Kraft, bis es im 18. Jahrhundert wiederbelebt und 1924 abgeschafft wurde.<\/p>\n<p>Die Liste der religi\u00f6sen oder religi\u00f6s begr\u00fcndeten Kriege und Verbrechen l\u00e4sst sich verl\u00e4ngern. Doch hier geht es nicht um Religions- oder Kirchenkritik, sondern um das Erkennen, dass religi\u00f6se Ideen seit Jahrtausenden missbraucht werden, um Machtanspr\u00fcche durchzusetzen, Menschen zu unterdr\u00fccken und auf Abwege zu f\u00fchren. Kaum eine Sekte, religi\u00f6se Gruppe, Hochreligion darf von sich behaupten, dass sie nie dieser Versuchung zum Missbrauch ihrer Lehren nachgegeben habe, was oft Spaltungen zur Folge hatte.<\/p>\n<p>Die lange Historie der hier nur kurz gestreiften religi\u00f6sen Unterdr\u00fcckung beginnt wahrscheinlich schon in vorgeschichtlicher Zeit, und ihr Ende ist nicht abzusehen. Denn immer, wenn mehr oder weniger fragw\u00fcrdigen religi\u00f6sen \u201eChefs\u201c \u2013 seien es solche von Sekten oder von Weltreligionen \u2013 \u00fcberzeugende Argumente ausgehen, neigen sie zu Ausschluss, Drohung und sogar irdischer Gewalt. Der angeblich so friedfertige und liebevolle Charakter ihrer Lehren ist dann schnell au\u00dfer Kraft gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Die Macht der Religion beginnt, wo die irdische Macht endet. <\/strong><\/p>\n<p>Religi\u00f6ses Erleben sollte tiefstes, innerstes Empfinden des Menschen sein. Es beeindruckt das Gem\u00fct sehr tief und findet \u2013 wenn es rein ist \u2013 Anschluss an h\u00f6here, f\u00f6rdernde Sch\u00f6pfungskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Tiefes Empfinden ist aber stets pers\u00f6nlich, nicht \u00fcbertragbar und auch nicht lehr- und erlernbar. Es ist ein geistiges Erleben, das aus dem tiefsten Inneren durchbricht und sich durch keine dogmatischen Vorgaben lenken oder gar eingrenzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Wahre Religiosit\u00e4t gedeiht nur auf dem Boden der geistigen Freiheit; einer Freiheit der Entscheidung, die untrennbar mit Verantwortung verbunden ist. Nur so kann \u201eGlaube zur \u00dcberzeugung\u201c werden.<\/p>\n<p>Nicht nur die monotheistischen Religionen tun sich schwer mit der \u201egeistigen Freiheit\u201c, die sich den alten Dogmen nicht f\u00fcgen will, oder gar den ganzen irdischen Aufbau mitsamt der jeweiligen Theologie in Frage stellt. Toleranz ist in religi\u00f6sen Gruppen sehr viel seltener als die Abwertung oder gar die Verfolgung Andersdenkender, die \u201eAbgefallene\u201c (Apostaten), \u201eKetzer\u201c, \u201eUngl\u00e4ubige\u201c oder \u201eVerdammte\u201c genannt werden. Machterhalt steht im Vordergrund!<\/p>\n<p>\u201e\u2026<em>die Priester wollten gar nicht<\/em> Lehrer <em>sein und<\/em> Helfer, <em>sondern nur Beherrschende.<br \/>\n<\/em><em>Als wahre<\/em> Helfer <em>h\u00e4tten sie die Menschen erziehen m\u00fcssen zu<\/em> innerer Selbst\u00e4ndigkeit<em>,<\/em> <em>Geistesw\u00fcrde und geistiger Gr\u00f6\u00dfe, damit sich diese Menschen aus freier \u00dcberzeugung in den Willen Gottes einstellen und in Freude darnach handeln.<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Die Priester taten das Gegenteil und <\/em><span style=\"font-size: revert;\">banden<\/span><em style=\"font-size: revert;\"> den Geist, damit er ihnen f\u00fcr ihre Erdenzwecke gef\u00fcgig blieb.\u201c<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\"><strong>[xi]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Das religi\u00f6se Erleben der Gl\u00e4ubigen wurde und wird nicht selten durch machtgierige, selbstgerechte Priester falsch geleitet. Statt das Empfinden anzusprechen, wird nur das Gef\u00fchl ber\u00fchrt; echte Religiosit\u00e4t durch Dogmatismus und Fundamentalismus verdr\u00e4ngt. Anstelle helfender Sch\u00f6pfungskr\u00e4fte k\u00f6nnen niedere Str\u00f6mungen, Wut und Hass angezogen werden. Aus Gebetszentren, eigentlich dem Dienst f\u00fcr den Allerh\u00f6chsten geweiht, k\u00f6nnen Brutst\u00e4tten des Hasses und des religi\u00f6sen Fanatismus entstehen, die religi\u00f6se Exzesse auszul\u00f6sen verm\u00f6gen, wie sie seit der Antike in jedem Jahrhundert Unheil angerichtet haben \u2013 bis in die unmittelbare Gegenwart.<\/p>\n<p>Die Priester aller Religionen, tragen schwere Verantwortung. Sie sollten sich stets bewusst sein, dass das folgende Wort von Jesus auch sie selbst betreffen kann:<br \/>\n<em>&#8222;Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er. ihr Heuchler! Ihr verschlie\u00dft den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.&#8220; <\/em>(Matth. 23,13).<\/p>\n<p>So hat der von Priestern erfundene Anspruch \u201eder allein selig machenden Kirche\u201c; die Behauptung, den einzigen Weg zu Gott zu lehren, die nicht auf die katholische Kirche begrenzt ist, sondern mehr oder weniger von allen monotheistischen Religionen erhoben wird, viele wertvolle Menschen abgeschreckt und den Glauben an Gott schwer ersch\u00fcttert. Die Diskrepanz zwischen dem geistigen Anspruch der Religionen und dem irdischen Verhalten vieler ihrer geistlichen Vertreter wurde zu offensichtlich.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die mit dem Siegeszug des Materialismus verbundene, heute verbreitete Abwertung von Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t sind nicht zuletzt von Priestern gepredigte Irrlehren sowie deren pers\u00f6nliches Verhalten verantwortlich.<\/p>\n<p>Lessen Sie dazu auch: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/das-dilemma-mit-den-religionen\/\">Religionen besser abschaffen?<\/a>&#8220; und &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/wozu-noch-relgionen\/\">Wozu noch Religionen?<\/a>&#8222;, beide unter &#8222;Religionsgeschichte&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> \u201eDer Mensch, das betende Tier. Religiosit\u00e4t als Faktor der Evolution\u201c, Stuttgart 1979.<br \/>\n<a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Der Begriff <strong>\u201eSchamane\u201c<\/strong> stammt aus Asien. In anderen Kontinenten spricht man von \u201eZauberern\u201c bzw. \u201eZauberinnen\u201c, \u201eMedizinm\u00e4nnern\u201c bzw. \u201eMedizinfrauen\u201c oder \u201eHexen\u201c bzw. &#8222;Hexern&#8220;. In antiken Religionen gab es durchweg Priesterinnen und Priester. Nur die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) wollen meist keine Priesterinnen, wie es sie erst neuerdings im Protestantismus gibt.<br \/>\nHinzu kommt in <strong>Schwarzafrika<\/strong> die &#8211; f\u00fcr Europ\u00e4er schwer verst\u00e4ndliche &#8211; Behinderung der Entwicklung durch <strong>schwarze Magie<\/strong>. In der Besprechung des Buches &#8222;Die \u00d6konomie der Hexerei oder warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt&#8220; von David Signer hei\u00dft es bei Amazon: &#8222;Die Vorstellung, dass jemand einen anderen allein kraft seiner negativen Gedanken verhexen, das hei\u00dft krank machen oder sogar t\u00f6ten kann, existiert fast durchgehend in Schwarzafrika. Dass Hexen vor allem durch ihren Neid motiviert seien und mit Vorliebe Erfolgreiche &#8222;fressen&#8220;, wurde oft festgestellt. Wird Ehrgeiz aber solcherart eingesch\u00fcchtert, bleiben einem potenziellen Aufsteiger blo\u00df noch drei M\u00f6glichkeiten: Er verzichtet zugunsten der Unauff\u00e4lligkeit auf seine Ambitionen, er verteilt das Erworbene unaufh\u00f6rlich (und wird es so kaum zu \u00f6konomischem Wachstum bringen) oder verl\u00e4sst seine Heimat und sch\u00fctzt sich gegen die Neider durch Feticheure und Opfergaben. David Signer ist dem Treiben der Hexerei in Jahren der Feldforschung in Westafrika nahegekommen; in engem Kontakt mit Heilern ist er zur Einsicht gelangt, dass die Hexerei im sozialen, \u00f6konomischen und politischen System eine h\u00f6chst normative, konservative Funktion \u00fcbernimmt, die die Entwicklung des Einzelnen und der Gesellschaft effektiv verhindert.&#8220;<br \/>\n<a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Ein solches Idealbild eines \u201ePriester-K\u00f6nigs\u201c findet sich in \u201eAus verklungenen Jahrtausenden\u201c (Verlag der Stiftung Gralsbotschaft) im Kapitel \u201eDas Leben Abd-ru-shins auf Erden\u201c in der Person Ismaels.<br \/>\n<a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Pontifex maximus = gr\u00f6\u00dfter Br\u00fcckenbauer. Gemeint sind nicht die Br\u00fccken \u00fcber den Tiber, sondern die in h\u00f6here Reiche.<br \/>\n<a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Man darf davon ausgehen, dass sich diese grauenhaften Massaker so nicht ereignet haben, sondern den Hirnen verdorbener altj\u00fcdischer Priester, wohl zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, entsprungen sind.<br \/>\n<a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> 1. Mose 9, 18-27 galt noch im 20. Jahrhundert als Beleg f\u00fcr die \u00dcberlegenheit der wei\u00dfen Rasse und als Rechtfertigung f\u00fcr die Sklaverei.<br \/>\n<a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Vgl. Hagl, Siegfried: \u201eDer okkulte Kanzler\u201c, Gr\u00e4felfing, 2000, Seite 104 f.<br \/>\n<a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Die Liste der Religionskriege ist lang. Vgl. z.B. in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 279 \u201eEin Wutausbruch beeinflusst die Weltgeschichte\u201c und Seite 346 \u201eWie religi\u00f6ser Fanatismus L\u00e4nder und Reiche ruinierte\u201c, sowie &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/gedenktage\/die-neuzeit-beginnt-immer-noch\/\">Die Neuzeit beginnt immer noch<\/a>&#8220; unter &#8222;Gedenktage&#8220;<br \/>\n<a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> Steht schon in der Bibel: <em>\u201eSo gebt dem Kaiser, was dem Kaiser geh\u00f6rt, und Gott, was Gott geh\u00f6rt\u201c<\/em> (Matth. 22,21).<br \/>\n<a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Zur gewaltsamen Ausbreitung des Islam vgl. philipantonmende.com \u201eIslam vs. Kreuzz\u00fcge\u201c.<br \/>\n<a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Abd-ru-shin \u201eim Lichte der Wahrheit\u201c Band 3, Vortrag 44. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/im-lichte-der-wahrheit\/\">Buchbesprechung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit wann gibt es Religionen?\u00a0 (Ver\u00f6ffentlich 2019) Niemand kann sagen, wie lange es Religionen auf Erden gibt. 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