{"id":1611,"date":"2011-06-26T09:42:10","date_gmt":"2011-06-26T08:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com"},"modified":"2025-09-11T12:04:22","modified_gmt":"2025-09-11T11:04:22","slug":"ein-stolzes-volk-greift-nach-der-weltmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/it\/economico-sociale\/una-gente-orgogliosa-raggiunge-il-potere-mondiale\/","title":{"rendered":"Un popolo orgoglioso raggiunge il potere mondiale"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 65\/2011)<\/p><\/blockquote>\n<h6>Angesichts der Entwicklungen in China stellt sich die Frage, ob die \u201efreie Marktwirtschaft\u201c noch Zukunft hat.<\/h6>\n<h5>Der Wettbewerb von morgen beginnt in den Schulen und Hochschulen<\/h5>\n<p>Vor kurzem wurde ich nachdenklich. Bei meiner Klausur im Fach \u201eFahrzeugdynamik\u201c an einer Hochschule schrieb eine kleine Chinesin die mit Abstand beste Arbeit. Ein Einzelfall, der bei meiner kleinen Gruppe von Studenten statistisch gesehen nichts aussagt? Als ich meiner Tochter davon erz\u00e4hlte, die an einer Universit\u00e4t Chirurgie lehrt und Studenten im Staatsexamen pr\u00fcft, kam der Kommentar: \u201eWer denn sonst?\u201c<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;In der Vergangenheit hat der Westen die Demokratie in anderen L\u00e4ndern zerst\u00f6rt \u2013 im Namen der Demokratie. Hat anderen L\u00e4ndern die Freiheit geraubt \u2013 im Namen der Freiheit. Hat die Menschenrechte der \u00f6stlichen L\u00e4nder verletzt \u2013 im Namen der Menschenrechte.&#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">Mo Luo, Dozent an der Chinesischen Akademie der K\u00fcnste (1, S. 78).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Was ist los in unserem dicht bev\u00f6lkerten Land, das zwar nicht \u00fcber wesentliche Rohstofflager verf\u00fcgt, aber dessen Industrie in der Vergangenheit durch Zuverl\u00e4ssigkeit, Flei\u00df und K\u00f6nnen prosperierte?<\/p>\n<p>Ist es die neuerdings viel zitierte \u201ekonfuzianische Ethik\u201c, die junge Asiaten besser voranbringt, als unsere \u201eNull-Bock-Gesellschaft\u201c mit ihren verw\u00f6hnten &#8222;Wohlstands-Kids&#8220; im \u201edemokratischen Freizeitpark\u201c? Oder haben die Ostasiaten \u2013 wie sie selbst meinen \u2013 einen h\u00f6heren IQ als die Europ\u00e4er? Vielleicht weil sie seit Jahrhunderten eine h\u00f6chst komplizierte Schrift erlernen m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Sind wir dabei, den Anschluss<del cite=\"mailto:Siegfried%20Hagl\" datetime=\"2011-04-17T12:48\"><\/del> an die Weltspitze zu verlieren?<\/p>\n<p>Dass in Asien Lernen einen hohen Stellenwert hat, war mir schon 1983 bei meinem ersten Besuch in Korea aufgefallen. Die traditionelle konfuzianische Ethik fordert Pflichterf\u00fcllung, Flei\u00df und Loyalit\u00e4t, und ihr Ideal ist der universell gebildete, bestens ausgebildete Gentleman (erst neuerdings sind damit auch Frauen gemeint). Dementsprechend ist die Lernbereitschaft der Ostasiaten beachtlich.<\/p>\n<p>Im Westen kann man h\u00f6ren, dass die Kinder \u2013 zum Beispiel in China, Japan und Korea \u2013 schon in viel zu jungen Jahren schulisch weit \u00fcberfordert w\u00fcrden. Dieser unerh\u00f6rte Leistungsdruck w\u00fcrde sie angeblich schon in der Jugend so \u201eauspowern\u201c, dass ihnen sp\u00e4ter die Innovationskraft fehlt. Sollte diese Behauptung nicht zutreffen, drohen Europa und den USA schwierige Zeiten.<\/p>\n<h5>\u201eKonfuzianischer Drill\u201c gegen westlichen Privatkapitalismus<\/h5>\n<p>Wir leben in einer Zeit, in der kaum ein Staat noch einen gro\u00dfen Krieg riskieren kann. Die dabei zu bef\u00fcrchtenden Zerst\u00f6rungen durch moderne Massenvernichtungswaffen w\u00e4ren so katastrophal, dass es am Ende kaum einen Unterschied machen d\u00fcrfte, ob man diesen Krieg formal gewonnen oder verloren hat.<\/p>\n<p>Stattdessen gibt es immer h\u00e4ufiger \u201easymmetrische Kriege\u201c, die Terroraktionen oder einem Volksaufstand \u00e4hnlicher sind als einem klassischen Krieg. Daher werden die Rivalit\u00e4ten der gro\u00dfen Staaten heute besonders auf dem Feld der Wirtschaft ausgetragen. So auch der \u201eKampf um den Weltmarkt\u201c zwischen Ost und West.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Im Herbst 2004 kam es in der spanischen Stadt Elche erstmals in der EU zu Pl\u00fcnderungen lokaler chinesischer Gesch\u00e4fte: Eine aufgebrachte Menge st\u00fcrmte am 16. September die Schuhl\u00e4den von Chinesen, warf die Waren auf die Stra\u00dfen und z\u00fcndete sie an. Man muss dazu wissen, dass Elche jahrzehntelang als Zentrum der spanischen Schuhproduktion bekannt war. Die Hersteller haben sie mittlerweile jedoch weitgehend ins billige China verlagert, von wo alsbald nicht nur die g\u00fcnstigen Schuhe kamen, sondern auch die agilsten chinesischen H\u00e4ndler, die es \u00fcberhaupt gibt: Bewohner der ostchinesischen Stadt Wenzhou, in ganz China als Wenzhou-Leute bekannt und f\u00fcr ihren Gesch\u00e4ftsinstinkt ber\u00fcchtigt. Diese brachten also gleich selbst die Produkte aus der \u00fcber die Elche-Auslagerung modernisierten Produktion daheim. Warum sollte man den Spaniern dieses Gesch\u00e4ft \u00fcberlassen?<\/em><\/p>\n<p><em>Muss man sich eine wegen China zitternde Welt so vorstellen? Vielleicht. Wahrscheinlich sogar. Schwerer wiegt aber etwas anderes: Eine von mehreren hundert Milliarden Dollar in Schwung gebrachte Werkbank verbraucht nicht nur billige, junge, flexible, keine Anspr\u00fcche stellende Arbeiterinnen und Arbeiter, sondern auch Elektrizit\u00e4t und Rohstoffe, vor allem Erd\u00f6l.&#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">J\u00f6rg-M. Rudolph (4, S. 145 f.).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Derzeit steht im Mittelpunkt des Interesses das Verh\u00e4ltnis zwischen den USA mit ihren \u201ewestlichen Werten\u201c und China mit seinem \u201easiatischem Drill\u201c. So lange die in sich zerstrittene Europ\u00e4ische Union keine gemeinsame politische Stimme hat, keine gemeinsame Au\u00dfenpolitik und keine abgestimmte \u00d6konomie, wird sie bei diesem wirtschaftlichen Kr\u00e4ftemessen nur eine Nebenrolle spielen als Anh\u00e4ngsel der USA.<\/p>\n<p>Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung im Wettkampf der beiden Systeme sind die <em>Leistungsbereitschaft<\/em> und die <em>Innovationskraft<\/em> der Menschen, die <em>Qualit\u00e4t der Regierungen<\/em> und der <em>Zugriff auf die<\/em> <em>knapper werdenden Rohstoffe<\/em>. Im Moment scheinen die Chinesen im Vorteil:<\/p>\n<p>\u00dcber die Leistungsf\u00e4higkeit der Ostasiaten wurden schon gesprochen. Inwieweit sie auch innovativ sind, ist umstritten.<\/p>\n<p>In der j\u00fcngeren Geschichte kamen bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen und technische Innovationen regelm\u00e4\u00dfig aus L\u00e4ndern mit freiheitlicher, b\u00fcrgerlicher Kultur und freien Entfaltungsm\u00f6glichkeiten. Doch es gibt wenig Anlass, ein Volk zu untersch\u00e4tzen, das bis ins 15. Jahrhundert schon einmal weltweit die Technologief\u00fchrerschaft innehatte. Helmut Schmidt schrieb in seinem Buch <em>\u201eNachbar China\u201c: <\/em><\/p>\n<p><em>\u201eVor Jahrhunderten haben die Chinesen, verglichen mit dem damaligen Europa, eine ungeheure Produktivit\u00e4t wissenschaftlich begr\u00fcndeter technologischer Entwicklungen zustande gebracht; es ist denkbar, dass dies wiederkommt. Im Augenblick haben sie andere Sorgen, als die F\u00fchrung der technologischen Entwicklung der Welt an sich zu rei\u00dfen.\u201c<\/em> (5, S. 309).<\/p>\n<p>Die chinesische Regierung tritt nach au\u00dfen geschlossen auf. Ihr autorit\u00e4res Einparteien-Regime kennt keine \u2013 oft langwierigen und schwerf\u00e4lligen \u2013 demokratischen Prozesse. Klare Entscheidungen k\u00f6nnen in kurzer Zeit durchgesetzt werden, ohne gro\u00dfe R\u00fccksicht auf die Volksmeinung. Innere Schwierigkeiten wie Defizite bei Menschenrechten und Sozialsystemen, Ungleichgewichte zwischen Armen und Reichen sowie zwischen Stadt und Land, Umweltsch\u00e4den und dramatische Naturzerst\u00f6rungen werden sich von geschickten Regenten so lange \u00fcberspielen lassen, wie die f\u00fcr ihre Geduld bekannten Menschen Chinas das Gef\u00fchl haben, es ginge aufw\u00e4rts, die Verh\u00e4ltnisse besserten sich, der allgemeine Wohlstand nehme zu.<\/p>\n<p>Mit Devisenreserven von angeblich 2,6 Billionen Dollar ist die chinesische \u201eKriegskasse\u201c f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten gut gef\u00fcllt, w\u00e4hrend fast alle westlichen L\u00e4nder unter untragbaren \u00dcberschuldungen seufzen. So kann China arme, aber rohstoffreiche L\u00e4nder \u2013 zum Beispiel in Afrika \u2013 unterst\u00fctzen und sich damit den Zugriff zu deren Rohstofflagern sichern. Den Chinesen gereicht es dabei zum wirtschaftlichen Vorteil, dass sie sich nicht \u2013 wie der Westen \u2013 in die \u201einneren Angelegenheiten\u201c einmischen und zum Beispiel die Beachtung der Menschenrechte einfordern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund k\u00f6nnen die gut gemeinten Appelle westlicher Politiker zur Verbesserung der Menschenrechtssituation in China allenfalls kosmetische Korrekturen bewirken. Denn das kommunistische China f\u00fchlt sich stark und schickt sich an, die westliche F\u00fchrungsmacht, die USA, zu \u00fcbertrumpfen! Nach den g\u00e4ngigen Prognosen d\u00fcrfte die Wirtschaftsleistung Chinas zwischen 2020 und 2030 die der USA \u00fcberholen.<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re zwar das Pro-Kopf-Einkommen der derzeit 1,3 Milliarden Chinesen \u2013 gemessen am westlichen Ma\u00dfstab \u2013 noch immer bescheiden. Doch entscheidend, besonders f\u00fcr die Befindlichkeit der Chinesen, ist der Trend. Und der spricht derzeit f\u00fcr China mit seiner h\u00f6chst erfolgreichen Wirtschaft. Die Fabriken Chinas sind l\u00e4ngst nicht mehr auf Billigprodukte konzentriert. Immer mehr High-Tech-Erzeugnisse mit gro\u00dfen Zukunftsaussichten kommen aus China, das zum Beispiel bei Fernsehern, DVD-Playern und Handys Marktf\u00fchrer ist. Das besondere Interesse der chinesischen Industrie gilt den Zukunftstechnologien wie Elektroautos, Solarzellen, Umwelttechnik, Windkraftwerken und dergleichen.<\/p>\n<h5><strong>China: Ein stolzes Volk auf dem Weg zur Weltmacht <\/strong><\/h5>\n<p>Nach dem Tode Mao Zedongs (1893\u20131976), der das Land in desastr\u00f6ser Verfassung hinterlassen hatte, konnte unter Deng Xiaoping (1904\u20131997) ab 1978 ein systematischer Aufbau erfolgen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde den Bauern die M\u00f6glichkeit gegeben, aus produzierten \u00dcbersch\u00fcssen pers\u00f6nliche Gewinne zu erzielen. Dann folgten \u201eSonderwirtschaftszonen\u201c, in denen sich ausl\u00e4ndische Unternehmen ansiedeln konnten. Diese mussten mit chinesischen Partnern zusammenzuarbeiten, die dadurch Zugang zu modernen Technologien erhielten.<\/p>\n<p>Inzwischen sind fast alle Weltkonzerne in der Volksrepublik t\u00e4tig und liefern den ostasiatischen Konkurrenten das modernste Know-how frei Haus. Kein Wunder, dass China technologisch in ungeahntem Tempo aufholen konnte und weltweit konkurrenzf\u00e4hig wurde.<\/p>\n<p>Derzeit hat China schon ein h\u00f6heres Bruttoinlandsprodukt (5.745 Milliarden US$) als Japan (5.391 Milliarden US$) und liegt an der zweiten Stelle hinter den USA<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1\">[i]<\/a>. Niemand zweifelt mehr daran, dass China auf dem Weg ist zur f\u00fchrenden Wirtschaftsmacht.<\/p>\n<p>In der Geschichte wurde die wirtschaftlich st\u00e4rkste Macht regelm\u00e4\u00dfig auch zur bedeutendsten politischen und milit\u00e4rischen Macht. Kommt es dieses Mal anders? Werden die \u00fcberschuldeten USA ihren R\u00fcstungsvorsprung auf l\u00e4ngere Sicht halten k\u00f6nnen? Der seit dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und milit\u00e4risch ma\u00dfgeblichen Welt-F\u00fchrungsmacht \u2013 den Vereinigten Staaten von Amerika \u2013 wird es jedenfalls nicht leicht fallen, sich mit dem zweiten Platz zu begn\u00fcgen!<\/p>\n<p>Nach vielen chaotischen Wirren im 19. und 20. Jahrhundert sind die Chinesen wieder ein stolzes Volk. Sie blicken zur\u00fcck auf eine sehr alte Kultur mit 5000 Jahren wechselhafter Geschichte. Die Dem\u00fctigungen, die ihnen Europ\u00e4er oder Japaner im 19. und 20. Jahrhundert zuf\u00fcgten, haben die Chinesen noch nicht vergessen.<\/p>\n<p>Ein Chinese, der sich westlich kleidet, in den USA studiert hat, westliche Technologien und Wirtschaftsformen in seinem Land anwendet, ist nicht automatisch auch ein Anh\u00e4nger der Philosophie der Aufkl\u00e4rung (die er besser kennt, als die meisten Europ\u00e4er oder Amerikaner die Lehren des Konfuzius) oder ein \u00fcberzeugter Demokrat.<\/p>\n<p>Heute ist China willens und wohl auch in der Lage, den ihm als gr\u00f6\u00dftem, und lange auch innovativstem Kulturvolk geb\u00fchrenden Platz in der Weltgesellschaft zu erobern.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die ver\u00f6ffentliche Meinung in Deutschland, also im wesentlichen der deutsche Journalismus, die Massenmedien, aber auch deutsche Politiker neigen dazu, sich aus Amerika suggerieren zu lassen, dass China und die chinesische Aufw\u00e4rtsentwicklung eine Gefahr f\u00fcr uns darstellen. In Wirklichkeit h\u00e4ngen die \u00f6konomischen Probleme, die wir Deutschen und die wir Europ\u00e4er haben, weniger mit China zusammen als vielmehr mit Fehlentwicklungen, die wir selbst verschuldet haben. Wenn ein Konkurrent auf einem Felde etwas besser ist als wir, bedeutet das erst einmal, dass wir etwas vers\u00e4umt oder falsch gemacht haben. Es bringt wenig, die Gef\u00e4hrlichkeit des Gegners zu beschw\u00f6ren und damit eine Konfrontation herzustellen, welche die Lage noch versch\u00e4rft.&#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">Helmut Schmidt (5, S. 297).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Ist das Experiment der \u201efreien Marktwirtschaft\u201c am Ende?<\/strong><\/h5>\n<p>In China entscheidet ein \u201eKader-Kapitalismus\u201c \u00fcber die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Gewaltige Pl\u00e4ne, gigantische Bauvorhaben lassen sich ohne gro\u00dfen Widerstand durchsetzen, auch gegen den Willen eines Teiles der Bev\u00f6lkerung. Dabei k\u00f6nnen Diktatoren \u2013 wie in der Sowjetunion als Beispiel \u2013 selbstherrliche Fehlentscheidungen unterlaufen.<\/p>\n<p>Demokratisch kontrollierte Regierungen hingegen werden von parteipolitischen Zw\u00e4ngen eingeengt und k\u00f6nnen oft genug nur halbgare Kompromisse erringen. In westlichen Demokratien dominiert die freie Marktwirtschaft, die es jedem Marktteilnehmer selbst \u00fcberl\u00e4sst, was und wo er investieren und produzieren will. Gr\u00f6\u00dfere Projekte m\u00fcssen sich der \u00f6ffentlichen Kritik stellen und k\u00f6nnen durch Einspr\u00fcche aller Art sehr verz\u00f6gert oder sogar verhindert werden.<\/p>\n<p>Damit steht uns ein interessantes Experiment bevor: Ist es die \u201efreie Marktwirtschaft\u201c, die immer und \u00fcberall die besten, die profitabelsten Wege findet, die dem Gemeinnutz am meisten dienen? Oder kann \u2013 zumindest bei einem Schwellenland \u2013 eine kluge staatliche Lenkung die Entwicklungen erfolgreicher vorantreiben?<\/p>\n<p>Die <em>Chicagoer Schule<\/em> mit vielen Nobelpreistr\u00e4gern, darunter der popul\u00e4re Milton Friedman (1912\u20132006), predigte Jahrzehnte lang die \u00dcberlegenheit der freien M\u00e4rkte, der Privatwirtschaft gegen\u00fcber allen anderen Wirtschaftsformen. Die Privatisierung staatlicher Unternehmen galt als Gebot der Zeit. W\u00e4hrend des Kalten Krieges war das die allgemein akzeptierte, die \u201epolitisch korrekte\u201c Haltung. Inzwischen kommen erste Zweifel auf. Sogar Politiker beginnen zu erkennen, dass ein Staat die unentbehrliche Grundversorgung mit Wasser, Strom, Gas, \u00f6ffentlichem Verkehr, Abwasser- und Abfallentsorgung usw. besser nicht aus der Hand gibt.<\/p>\n<p>Es ist bedauerlich, dass man Milton Friedman \u2013 den gro\u00dfen Privatisierungsguru \u2013 nicht mehr auf eine Reise durch England schicken kann mit der privatisierten englischen Eisenbahn, und anschlie\u00dfend dann auf eine Schweizerreise mit den staatlichen Schweizer Bahnen!<\/p>\n<p>Ob es China besser machen wird?<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die Chinesen machen Druck, weil sie Arbeitspl\u00e4tze im eigenen Land schaffen m\u00fcssen. Dieser Trend wird sich verst\u00e4rken. Das f\u00e4ngt langsam an, den Europ\u00e4ern zu d\u00e4mmern. Das gilt auch f\u00fcr Polen und Tschechien. Doch weil China ein gro\u00dfes Land ist, wird der Wettbewerb auch entsprechend gro\u00df sein. Diese Frage wird das Verh\u00e4ltnis der EU zu China in Zukunft besch\u00e4ftigen. Dagegen werden Fragen, was man in China verkaufen kann, ob man dorthin Waffen verkaufen soll oder wie China zur Demokratie werden wird, zur\u00fccktreten. Es wird haupts\u00e4chlich um Arbeitspl\u00e4tze gehen. Unsere Position dabei ist nicht komfortabel. &#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">Helmut Schmidt (5, S. 187).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Heute ist eine Weltwirtschaft ohne China nicht mehr denkbar. Kein gro\u00dfes Unternehmen kann auf den chinesischen Markt, auf die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern verzichten. Wie viele Konzerne bedauern wohl schon, dass sie sich erpressen lie\u00dfen und f\u00fcr den Zutritt zum chinesischen Markt einen zu hohen Preis zahlten: den Zwang zum Technologietransfer? Womit sie wom\u00f6glich eine De-Industrialisierung ihrer Heimatl\u00e4nder eingeleitet und auf l\u00e4ngere Sicht sogar ihr eigenes Grab geschaufelt haben! Aber welcher Manager denkt schon Jahrzehnte voraus!<\/p>\n<p>Heute sehen sich immer mehr amerikanische, europ\u00e4ische und japanische Firmen aus Kostengr\u00fcnden gezwungen, in China nicht nur f\u00fcr den chinesischen Markt zu produzieren, sondern auch f\u00fcr den Weltmarkt. Mit dem Ergebnis eines fortschreitenden R\u00fcckgangs des industriellen Sektors in den klassischen Industriel\u00e4ndern.<\/p>\n<h5>Demokratische Freiheit oder gem\u00e4\u00dfigter Zentralismus?<\/h5>\n<p>Wir im Westen sind \u00fcberzeugt, dass unser westliches, von der Philosophie der Aufkl\u00e4rung gepr\u00e4gtes, freiheitliches Wertesystem den W\u00fcnschen und den Bed\u00fcrfnissen der Menschen am besten gerecht wird.<\/p>\n<p>Alle anderen Herrschaftssysteme \u2013 ob Autokratie, Diktatur, faschistische oder kommunistische Einparteienherrschaft, Monarchie, Oligarchie, oder Theokratie \u2013 sind gescheitert, oder sie sind \u2013 wie im Falle des Turbo-Kapitalismus \u2013 dabei zu versagen. Nach einer viel ge\u00e4u\u00dferten Meinung, kann es auf l\u00e4ngere Sicht keinen stabilen Staat ohne Demokratie geben.<\/p>\n<p>Derzeit sind wir alle Zeugen eines Gro\u00dfversuchs, der auf dem R\u00fccken von Milliarden Menschen \u2013 uns selbst eingeschlossen \u2013 ausgetragen wird: den Kampf um die \u00f6konomische Weltherrschaft zwischen dem \u00f6stlichen Kader-Kapitalismus und westlichen Demokratien. Beide Regierungssysteme haben Schw\u00e4chen: zum Beispiel in B\u00fcrokratieabbau, Korruption, Menschenrechten, nachhaltigem Wirtschaften, Naturschutz, organisiertem Verbrechen, parteipolitischen Grabenk\u00e4mpfen, Sozialsystemen, Umweltschutz, Verteilungsgerechtigkeit usw., die sie korrigieren m\u00fcssen, wenn sie im weltweiten Wettbewerb bestehen wollen. Nicht ausgeschlossen, dass dieser Wirtschaftskrieg auf dem \u00f6kologischen, nicht dem \u00f6konomischen Schlachtfeld entschieden wird.<\/p>\n<p>Das von Francis Fukuyama (2) voreilig propagierte \u201eEnde der Geschichte\u201c l\u00e4sst weltweit noch auf sich warten. Nach seiner Meinung sollte, nach dem Fall des Eisernen Vorhanges, der Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft sich weltweit durchsetzen. Noch wei\u00df niemand, welches System am erfolgreichsten sein, und seinen Menschen die besten Lebensbedingungen bieten wird: Die vom Westen propagierte Demokratie \u2013 die sich nicht selten selbst zerfleischt \u2013 mit ihrer \u201eFreiheit\u201c, unter der oft genug nur &#8222;Z\u00fcgellosigkeit&#8220; oder die &#8222;Freiheit der M\u00e4rkte&#8220; verstanden wird; oder ein gem\u00e4\u00dfigter Zentralismus mit zielstrebiger Wirtschaftslenkung unter Beachtung der Menschenrechte \u2013 \u00e4hnlich vielleicht einem &#8222;aufgekl\u00e4rten Absolutismus&#8220;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2\">[ii]<\/a>, wie einst in Europa, jedoch erg\u00e4nzt durch eine angemessene, demokratische Kontrolle?<\/p>\n<p>Vielleicht spielt in dieser Auseinandersetzung auch noch eine (fanatische) religi\u00f6se Komponente mit.<\/p>\n<p>Unsere Zukunft wird spannend! Hoffentlich nicht zu spannend, denn &#8211; wie mein Vater im Dritten Reich sagte &#8211; &#8222;es ist nicht gut in spannenden Zeiten zu leben&#8220;.<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch den Nachtrag unter <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/chinas-niedergang-und-aufbruch\/\">&#8222;China III&#8220;<\/a><strong>. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: revert;\">(1) Der Spiegel, 1\/2011, S. 72 f.<br \/>\n<\/span>(2) Fukuyama Francis, Das Ende der Geschichte, Kindler, M\u00fcnchen 1992.<br \/>\n(3) Hirn Wolfgang, Herausforderung China, Fischer, Frankfurt 2005.<br \/>\n(4) Rudolph J\u00f6rg-M., Wenn China \u00fcber die Welt kommt, Hessische Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Wiesbaden 2005.<br \/>\n(5) Schmidt Helmut, Nachbar China, Econ, Berlin 2006.<br \/>\n<em>www \u2026<br \/>\n<\/em>Die \u201eChicagoer Schule\u201c:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chicagoer_Schule\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chicagoer_Schule<\/a>.<br \/>\nUmweltsituation in China:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umweltsituation_in_der_Volksrepublik_China\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umweltsituation_in_der_Volksrepublik_China<\/a>.<br \/>\nKader-Kapitalismus:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volksrepublik_China#Kader-Kapitalismus\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volksrepublik_China#Kader-Kapitalismus<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1\">[i]<\/a> Das Bruttoinlandsprodukt der USA betr\u00e4gt 14.624 Milliarden US$, das Deutschlands, das weltweit an der vierten Stelle liegt, 3.306 Milliarden US$ (lt. \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung\u201c vom 15. 2. 2011). Die entsprechenden Bev\u00f6lkerungszahlen sind: China: 1350 Millionen, USA: 291 Millionen, Japan: 130 Millionen, Deutschland: 82 Millionen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2\">[ii]<\/a> Die bekanntesten Vertreter des aufgekl\u00e4rten Absolutismus waren Friedrich II. von Preu\u00dfen (K\u00f6nig 1740\u20131786), Katharina die Gro\u00dfe von Russland (Kaiserin 1729\u20131796), Maria Theresia von \u00d6sterreich (Erzherzogin 1740\u20131780), Joseph II. (Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches Deutscher Nation 1765\u20131790). Vgl. dazu <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/der-kaiser-hinter-dem-plug\/\">&#8222;Der Kaiser hinter dem Pflug&#8220;.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 65\/2011) Angesichts der Entwicklungen in China stellt sich die Frage, ob die \u201efreie Marktwirtschaft\u201c noch Zukunft hat. Der Wettbewerb von morgen beginnt in den Schulen und Hochschulen Vor kurzem wurde ich nachdenklich. Bei meiner Klausur im Fach \u201eFahrzeugdynamik\u201c an einer Hochschule schrieb eine kleine Chinesin die mit Abstand beste Arbeit. 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