{"id":1426,"date":"2010-01-29T12:26:58","date_gmt":"2010-01-29T11:26:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1426"},"modified":"2025-01-21T13:29:47","modified_gmt":"2025-01-21T12:29:47","slug":"mehr-immer-mehr-noch-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/it\/economico-sociale\/piu-sempre-di-piu-anche-di-piu\/","title":{"rendered":"Sempre di pi\u00f9, di pi\u00f9, di pi\u00f9..."},"content":{"rendered":"<h5>Der falsche Ansatz unserer Wirtschaft<\/h5>\n<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt Themenheft 3\/1999)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das grenzenlose Wachstum (nicht nur) der Wirtschaft wird heute als unumg\u00e4nglich angesehen. Dabei ist das Streben nach \u201eMehr, immer mehr, noch mehr\u201c zum Selbstzweck geworden, kaum jemand fragt noch nach dem Sinn dieses \u2013 im Hinblick auf die Beschr\u00e4nktheit unseres \u00d6kosystems eigentlich h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen \u2013 Gedankens. Wir beleuchten die Hintergr\u00fcnde dieser folgenschweren Utopie des 20. Jahrhunderts.<\/strong><\/p>\n<p>Das heute als unumg\u00e4nglich angesehene Wachstum der Wirtschaft ist eine relativ junge Erscheinung. Viele Jahrtausende lang nahm die Bev\u00f6lkerung nur langsam zu, und die Basis des Lebens blieb ziemlich gleich. Der Gro\u00dfvater konnte seine Erfahrungen den Enkeln weitergeben, und deren Wissen war f\u00fcr ihre Enkel noch genauso wertvoll, wie es vordem f\u00fcr sie selbst gewesen war. Handwerkliche F\u00e4higkeiten oder die Kenntnis der Geographie konnte man \u00fcber Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hinweg mit gleichem Gewinn von Generation zu Generation weitervermitteln wie zeitlose menschliche Erfahrungen. So begegneten auch fr\u00fchere Kulturen den alten Menschen mit Achtung; verk\u00f6rperten diese doch einen Erfahrungsschatz, auf den man bei Bedarf zur\u00fcckgreifen konnte.<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Noch gilt das Wachstum der j\u00e4hrlich produzierten Warenmenge als das wichtigste Kriterium f\u00fcr eine gesunde Wirtschaft. Aber es k\u00f6nnte in naher Zukunft der Zeitpunkt kommen, zu dem eine Abnahme dieser Warenmenge dem Wohl der Menschheit dienlicher w\u00e4re als die Zunahme und zu dem man sorgf\u00e4ltig wird unterscheiden m\u00fcssen zwischen den Waren, die unbedingt notwendig sind, und den anderen, die man auch gut entbehren kann.&#8220;\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/em>Werner Heisenberg (1901-1976)<\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Warum Wachstum? <\/strong><\/h5>\n<p>Ganz anders in unseren Tagen, wo Alte den Augen der Jugend als l\u00e4stige Figuren erscheinen, die in Heime abgeschoben werden. Alte Menschen k\u00f6nnen sich oft kaum noch dem Stra\u00dfenverkehr anpassen und tragen zum Produktionsprozess nichts bei.<\/p>\n<p>Die \u201efortschrittliche\u201c Entwicklung geht \u00fcber Menschen hinweg, die gerade noch mit Telefon und Fernsehen umzugehen gelernt haben, aber vor den Geheimnissen der Computer zur\u00fcckschrecken. Wir leben eben in einer Zeit sich beschleunigender Entwicklungen. Laufend erscheinen neure Ideen und neue Produkte auf dem Markt, und wer nicht zur\u00fcckbleiben, aus dem Rennen geworfen werden will, muss sich anpassen und auch im Verhalten mit Neuerungen Schritt halten.<\/p>\n<p>Ob der Mensch dabei gl\u00fccklicher wird, ob die Erfindungen ihm zum Segen gereichen, diese Frage stellt sich in dem Rennen aller gegen alle nicht: es ist eben, wie es ist, und Fortschritt muss sein&#8230;<\/p>\n<p>M\u00fcssen technischer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum wirklich sein? Moderne Wissenschaftstheorien, Unternehmer, Politiker sagen eindeutig ja. Die Begr\u00fcndungen f\u00fcr dieses Ja sind vielschichtig.<\/p>\n<p><em>\u201eDas \u00f6konomische Wachstum ist ein Mittel zur Erreichung unterschiedlicher Ziele. Ein primitiver Grund, das Wachstum zu w\u00fcnschen, ist der allgemeine Lebensstandard der Bev\u00f6lkerung. Ein Land, dessen Output pro Kopf jedes Jahr um 3% w\u00e4chst, verdoppelt seinen Lebensstandard alle 24 Jahre.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn1\">[i]<\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums ist zu einem regelrechten Glaubenssatz geworden, der mit dogmatischer Kompromisslosigkeit vertreten wird:<\/p>\n<p><em>\u201eJede Ma\u00dfnahme, jede Handlung, die die Versorgung mit immer mehr und immer besseren G\u00fctern st\u00f6rt oder vielleicht st\u00f6ren k\u00f6nnte, wird mit dem gleichen instinktiven Abscheu zur\u00fcckgewiesen, mit dem der Gl\u00e4ubige die Gottesl\u00e4sterung oder der kriegerisch Gesinnte den Pazifismus verwirft.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn2\"><em>[ii]<\/em><\/a><em>. <\/em><\/p>\n<p>Die Frage nach Sinn und Zweck explosionsartig voranschreitender wirtschaftlicher Expansion ist so gut wie verboten; denn Wachstum ist zum Selbstzweck geworden:<\/p>\n<p><em>\u201eDie \u201aEntwicklung&#8216; dieses Wirtschaftssystems wurde nicht mehr durch die Frage: <\/em>Was ist gut f\u00fcr den Menschen? <em>Bestimmt, sondern durch die Frage: <\/em>Was ist gut f\u00fcr das Wachstum des Systems? <em>Die Sch\u00e4rfe diese Konfliktes versuchte man durch die These zu verschleiern, dass alles, was dem Wachstum des Systems (oder auch nur eines einzigen Konzerns) diene, auch das Wohl der Menschen f\u00f6rdere. Dieses Konstrukt wurde durch eine Hilfskonstruktion abgest\u00fctzt, wonach genau jene menschlichen Qualit\u00e4ten, die das System ben\u00f6tigt \u2013 Egoismus, Selbstsucht, Habgier \u2013 dem Menschen angeboren seien; sie sind somit nicht dem System, sondern der menschlichen Natur anzulasten. Gesellschaften, in denen Egoismus, Selbstsucht und Habgier nicht existieren, wurden als \u201aprimitiv\u2019, ihre Mitglieder als \u201akindlich\u2019 abqualifiziert. Man weigerte sich zuzugeben, dass diese Merkmale nicht <\/em>nat\u00fcrliche Triebe<em> sind, die von der Industriegesellschaft ben\u00f6tigt werden, sondern das <\/em>Produkt <em>gesellschaftlicher Bedingungen. <\/em><\/p>\n<p><em>Von Bedeutung ist nicht zuletzt ein weiterer Faktor: Das Verh\u00e4ltnis des Menschen zur Natur wurde zutiefst feindselig. Als \u201aMissgeburt\u2019 der Natur \u2013 zwar aufgrund unserer Existenzbedingungen Teil der Natur, aber dank unserer Vernunft diese transzendierend \u2013 haben wird unser existenzielles Problem zu l\u00f6sen versucht, indem wir die messianische Vision der Harmonie zwischen Menschheit und Natur aufgaben und uns diese untertan machten, bzw. f\u00fcr unsere eigenen Zwecke umgestalteten, bis aus der Unterjochung der Natur mehr und mehr deren Zerst\u00f6rung geworden war. Unser Eroberungsdrang und unsere Feindseligkeit haben uns blind gemacht f\u00fcr die Tatsache, dass die Natursch\u00e4tze begrenzt sind und eines Tages zur Neige gehen k\u00f6nnen, und dass sich die Natur gegen den Raubbau des Menschen zur Wehr setzt.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn3\"><em>[iii]<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Fragt man nach Ursachen der verbreiteten Wachstums-Ideologie, so erf\u00e4hrt man, dass es unsere W\u00fcnsche sind; wir scheinen ausschlie\u00dflich Konsum und Vergn\u00fcgen zu wollen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie prim\u00e4ren Antriebskr\u00e4fte de wirtschaftlichen Wachstums sind auf Seite der Nachfrage zu suchen; es ist das st\u00e4ndig wirksame Streben, mehr und mehr Bed\u00fcrfnisse oder verfeinerte Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Zum Teil handelt es sich darum, dass f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse des Zuwachses an Bev\u00f6lkerung Sorge getragen werden muss. Aber abgesehen davon, zeigt die Nachfrage sehr starke Tendenzen zur Expansion, denn die Bed\u00fcrfnisse sind bei den meisten Menschen praktisch uferlos.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn4\"><em>[iv]<\/em><\/a><em>. <\/em><\/p>\n<p>Wachsende Bev\u00f6lkerung und steigende Forderungen der Verbraucher w\u00e4ren also die wichtigsten Antriebe. Doch das ist nicht alles. Die wirtschaftliche Expansion ist auch sehr angenehm. So kommen die Verantwortlichen auch gegen besseres Wissen in Versuchung, die Produktion unbeschr\u00e4nkt voranzutreiben. Diese Meinung vertritt z. B. John Kenneth Galbraith:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn das Wirtschaftssystem als Ganzes w\u00e4chst, werden auch die Firmen im allgemeinen expandieren. Zu den Aufstiegsm\u00f6glichkeiten innerhalb der Firma kommen zus\u00e4tzliche Chancen in anderen Firmen. Da so viele einflussreiche Leute im Wachstum der Firmen und in dem damit verbundenen Wachstum der Wirtschaft ihren Vorteil sehen, w\u00e4re es \u00fcberraschend, wenn sie nicht eine positive Einstellung zum Wirtschaftswachstum h\u00e4tten. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass Wirtschaftswachstum zu einem gesellschaftlichen Ziel von so hohem Rang geworden ist. Was zum Wachstum der Wirtschaft beitr\u00e4gt und damit zum pekuni\u00e4ren Wohlstand der Technostruktur, wird somit immer wieder als gemeinschaftsbezogene Tugend bei allen \u00f6ffentlichen Gelegenheiten gepriesen.\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn5\"><em>[v]<\/em><\/a><em>. <\/em><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Politiker diese Ansicht \u00fcbernahmen und meinten, sie in praktische Politik umsetzen zu sollen; entsprechen sie doch damit dem W\u00e4hlerwillen wie der von Experten vertretenen Lehrmeinung. So hat z. B. die Regierung der Bundesrepublik Deutschland es fertiggebracht, sich einer naturgesetzlichen Unm\u00f6glichkeit zu verpflichten:<\/p>\n<p><em>\u201eBund und L\u00e4nder haben bei ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Ma\u00dfnahmen die Erfordernisse des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu beachten. Die Ma\u00dfnahmen sind so zu treffen, dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilit\u00e4t des Preisniveaus, zu einem, hohen Besch\u00e4ftigungsgrad und au\u00dfenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.\u201c <\/em>(\u00a7 1 des \u201eGesetzes zur F\u00f6rderung der Stabilit\u00e4t und des Wachstums der Wirtschaft\u201c vom Mai 1967).<\/p>\n<p>\u201eStetiges&#8220; (?) und \u201eangemessenes\u201c (?) Wirtschaftswachstum ist in den Augen von Politikern und Unternehmern unverzichtbar, wenn nicht Wirtschaft und Politik \u2013 die man h\u00e4ufig mit dem Leben schlechthin verwechselt \u2013 aus den Fugen geraten sollen. Nicht zuletzt l\u00e4sst sich auch die Verschuldung vieler Staaten ohne Wachstum (und Inflation?) kaum mehr zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p>In dieser allgemeinen \u00dcberzeugung von der Notwendigkeit des Wachstums gehen die mahnenden Stimmen unter, und Versuche, die Wachstums-\u00d6konomie durch eine Umwelt-\u00d6konomie zu ersetzen, bleiben bestenfalls Sandkastenspiele f\u00fcr fortschrittliche Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Man kann sogar h\u00f6ren, dass jemand, der sich gegen Wachstum um jeden Preis ausspreche, kein Demokrat sei. Das wird damit begr\u00fcndet, dass Demokratien zusammenbrechen m\u00fcssten, wenn das gewohnte Wachstum der Wirtschaft nicht l\u00e4nger durchzuhalten sei. Ob sich die Prediger solcher Gedanken dar\u00fcber im klaren sind, dass sie damit die Demokratie als Versto\u00df gegen Naturgesetze ausweisen?<\/p>\n<p>Denn unausweichliche Gegebenheiten lassen wirtschaftliche Expansion &#8211; wie jede Expansion &#8211; nur f\u00fcr begrenzte Zeitr\u00e4ume zu, und wer die Demokratie an das Wirtschaftswachstum koppelt, stempelt demokratische Regierungsformen zu Eintagsfliegen f\u00fcr Sch\u00f6nwetter-Perioden.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu dieser verbreiteten Meinung ist aus meiner Sicht noch nicht bewiesen, dass die Mehrheit so uneinsichtig bleiben muss, Unm\u00f6glichen zu fordern. Es wird allerdings Zeit, der \u00d6ffentlichkeit auch von verantwortlicher Seite zu sagen, das es <em>Grenzen des Wachstums <\/em>gibt und dass wir eine <em>Gleichgewichtswirtschaft <\/em>anstreben m\u00fcssen, welche auf die nat\u00fcrlichen Kreisl\u00e4ufe einer begrenzten Erde und ihre nicht unendlich gro\u00dfe Regenerationsf\u00e4higkeit R\u00fccksicht nimmt.<\/p>\n<h5><strong>Stoppt uns ein Naturgesetz? <\/strong><\/h5>\n<p>Zahlreiche Ver\u00f6ffentlichungen versuchen seit Jahrzehnten, darauf aufmerksam zu machen, dass die Erwartung eines grenzenlosen Wachstums unrealistisch ist. In den meisten F\u00e4llen wird zu Recht darauf hingewiesen, dass unsere Welt, das \u201eRaumschiff Erde\u201c, begrenzt sei, dass es auch nicht \u00fcber unendliche Ressourcen (=Rohstoffquellen) verf\u00fcge, und wir dementsprechend haushalten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die <em>nicht-erneuerbaren <\/em>Bodensch\u00e4tze m\u00fcssen sogar f\u00fcr alle Menschen und alle vorstellbare Zeit reichen. Sie bilden sich \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur in geologischen Zeitr\u00e4umen neu.<\/p>\n<p>Auch die erneuerbaren Energie- und Rohstoffquellen der Natur, wie das Pflanzenwachstum, stehen uns nur so lange zur Verf\u00fcgung, wie wir die Regenerationsf\u00e4higkeit ihrer Kreisl\u00e4ufe nicht nachhaltig sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>So ist nicht schwer zu beweisen, dass <em>exponentielles Wachstum<\/em><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_edn6\"><em>[vi]<\/em><\/a> &#8211; das als Grundlage unseres Wohlstandes gilt &#8211; nur vor\u00fcbergehend m\u00f6glich ist. Denn fortlaufendes Wachstum tendiert dazu, \u00fcber alle Grenzen hinauszuschie\u00dfen und zuletzt in ein Chaos zu m\u00fcnden. Das veranschaulicht schon das alte <em>Seerosen-Gleichnis: <\/em><\/p>\n<p><em>In einem Gartenteich w\u00e4chst eine Seerose, die ihre Gr\u00f6\u00dfe jeden Tag verdoppelt. Noch 29 Tagen bedeckt sie erst die H\u00e4lfte des Teiches. Wie lange dauert es, bis sie den ganzen Teich \u00fcberwuchert hat?\u201c <\/em><\/p>\n<p>Mit dieser Fang-Frage will man Kinder zu der falschen Antwort verleiten, dass es noch weitere 29 Tage dauern werden, bis der ganze Teich bedeckt sei. Und so denken wir auch oft genug. Gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig kennen wir n\u00e4mlich nur lineares Wachstum, und es bedarf einiger \u00dcbung, die Eigenschaften der Exponentialfunktion lebendig in unser Vorstellungsverm\u00f6gen zu rufen; z. B. dass die Seerose zwar lange 29 Tage braucht, um nur die H\u00e4lfte des Teiches zu bedecken, aber nach <em>einem<\/em> weiteren Tag das ganze Gew\u00e4sser erobert haben wird!<\/p>\n<p>In dieser kleinen Geschichte liegt auch das Wissen von den Grenzen des Wachstums: Wenn der ganze Teich erst \u00fcberwuchert ist, muss die weitere Zunahme zwangsl\u00e4ufig aufh\u00f6ren; aber jeder wei\u00df, dass durch das Zuwachsen auch des Gleichgewicht des Lebensraumes Teich nachhaltig gest\u00f6rt ist. Es muss zu drastischen Ver\u00e4nderungen kommen, die jedes Lebewesen in diesem \u00d6kosystem (=Lebensgemeinschaft) tangieren. Nicht viel anders ist es derzeit auf unserer Erde, die von einer Menschenlawine \u00fcberflutet wird.<\/p>\n<h5><strong>Unhaltbarkeit der Utopie vom grenzenlosen Wachstum <\/strong><\/h5>\n<p>So offensichtlich diese Tatsachen sind, so oft von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen wurde, und so unerbittlich die Fakten der Mathematik auch sein m\u00f6gen: Bis heute ist es nicht gelungen, die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, vor allem aber die Verantwortungstr\u00e4ger, von der <em>Unhaltbarkeit der Utopie vom grenzenlosen Wachstum <\/em>zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Diese Wachstums-Fiktion hat das 20. Jahrhundert wesentlich gepr\u00e4gt, und alles spricht daf\u00fcr, dass wir diese Utopie in der Form eines falschen Glaubenssatzes auch noch in das 21. Jahrhundert hin\u00fcbernehmen werden. [vii]-<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/okologie\/wie-sehr-wir-unsere-erde-uberlasten-2\/\">Wie sehr wir unsere Erde \u00fcberlasten<\/a>&#8220; unter &#8222;\u00d6kologie&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref1\">[i]<\/a> Richard G. Lipsey: \u201eEinf\u00fchrung in die positive \u00d6konomie\u201c, Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln, 1971, Seite 794.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref2\">[ii]<\/a> Geoffrey Gorer: \u201eThe Americans\u201c, London 1968, zitiert nach (5) Seite 137.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref3\">[iii]<\/a> Erich Fromm: \u201eHaben oder Sein\u201c, DVA, Stuttgart, 1976, Seite 17\/18.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref4\">[iv]<\/a> Alexander Mahr: \u201eVolkswirtschaftslehre\u201c, Springer, Wien, 1959, Seite 322.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref5\">[v]<\/a> John Kenneth Galbraith: \u201eGesellschaft im \u00dcberfluss\u201c, Droemer, M\u00fcnchen, 1959, Seite 124 f.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=3241-1141#_ednref6\">[vi]<\/a> Bei exponentiellen Wachstum nimmt der Zuwachs, der bereits angesammelten Menge entsprechend, laufend zu, so dass die \u201eExponentialkurve\u201c fr\u00fcher oder sp\u00e4ter alle Grenzen \u00fcberschreitet. Einen solchen fortlaufenden Zuwachs \u2013 wie er im Seerosenbeispiel veranschaulicht wird \u2013 strebt unsere Wirtschaft an.<br \/>\n[vii] Die &#8222;gro\u00dfe Beschleunigung&#8220; begann mit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg in den 1950er Jahren. Seither schie\u00dfen die Kurven f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswachstum, Industrieproduktion, Rohstoffverbrauch, Umweltzerst\u00f6rung usw. steil nach oben.<br \/>\nUm 1950 wird auch der Beginn des &#8222;Anthropoz\u00e4ns&#8220; datiert, des Zeitalters in dem der Mensch die nat\u00fcrliche Entwicklung beeinflusst und unverwischbare Spuren hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag 2023:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem materillen Wachstum nimmt auch das rein irdische (leider nicht auch das geistige) <strong>Wissen<\/strong> der Menschheit in einem Tempo zu, dem niemand mehr folgen kann:<br \/>\n&#8222;Das l\u00e4sst sich anschaulich anhand des Anwachsens menschlichen Wissens darstellen: W\u00e4hrend es im Jahr 1950 noch 50 Jahre dauerte, das Wissen zu verdoppeln, dauerte es 30 Jahre sp\u00e4ter, im Jahr 1980, nur noch sieben und 2010 nur noch vier Jahre. Im jetzigen Jahrzehnt verdoppelt sich das menschliche Wissen in nur 73 Tagen.&#8220;<br \/>\n(Aus &#8222;The Pioneer Expert vom 12. 12. 2023).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der falsche Ansatz unserer Wirtschaft (Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt Themenheft 3\/1999) Das grenzenlose Wachstum (nicht nur) der Wirtschaft wird heute als unumg\u00e4nglich angesehen. 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