{"id":117,"date":"2009-03-21T14:29:11","date_gmt":"2009-03-21T13:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=117"},"modified":"2023-07-15T10:01:54","modified_gmt":"2023-07-15T09:01:54","slug":"das-mithras-mysterium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/it\/storia-religiosa\/il-mistero-di-mitra\/","title":{"rendered":"Religioni dell&#039;antichit\u00e0 VII: Il mistero mitraico"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\">(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 39\/2006)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Bei Ausgrabungen r\u00f6mischer Altert\u00fcmer fand man vielerorts, auch in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, Mithr\u00e4en, also dem Mithras geweihte Kultst\u00e4tten<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>. Zum Beispiel kann man auf dem Hallberg bei Saarbr\u00fccken eine Mithrasgrotte besichtigen; die Saalburg bei Bad Homburg (Taunus) und das Kurpf\u00e4lzische Museum in Heidelberg besitzen rekonstruierte Mithr\u00e4en.<\/p>\n<p><em>&#8222;H\u00e4tte eine t\u00f6dliche Krankheit das Christentum in seinem Wachstum aufgehalten, w\u00e4re die Welt Mithras-gl\u00e4ubig geworden.\u201c<\/em> Mit diesen Worten beschrieb der franz\u00f6sische Religions-Historiker <em>Renan<\/em> (1823\u20131892) eine in vieler Hinsicht bemerkenswerte antike Religion, die auch das Christentum mit gepr\u00e4gt haben d\u00fcrfte: den Mithras-Kult.<\/p>\n<p>Doch \u00fcber den einst im R\u00f6mischen Reich weit verbreiteten \u201eMithras-Kult\u201c ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig bekannt. Originale Schriften der Mithras-Gemeinden sind nicht erhalten, so dass man auf \u00c4u\u00dferungen der Apologeten angewiesen ist, also auf Schriftsteller der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, die das Christentum gegen heidnische Kulte verteidigen und die \u00dcberlegenheit des Christentums beweisen wollten.<\/p>\n<p>Weitere Hinweise kamen durch Ausgrabungen. Die unterirdisch angelegten Mithr\u00e4en wurden von Christen zerst\u00f6rt, manchmal Kirchen dar\u00fcber gebaut. Ein typisches Beispiel bietet der Wallfahrtsort Monte San Angelo im Gargano (Italien). Hier gibt es eine H\u00f6hlenkirche, die f\u00fcr ein Mithras-Heiligtum geeignet war<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a>.<\/p>\n<p>Gelegentlich wurden solche ehemaligen Mithras-Kultst\u00e4tten auch mit Unrat aufgef\u00fcllt und zugemauert \u2013 und dadurch unbeabsichtigt der Nachwelt erhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr fr\u00fche Christen war der Mithras-Kult ein besonderes \u00c4rgernis, mehr als andere Mysterienreligionen, da er viele \u201echristliche\u201c Elemente enthielt, von denen die Kirche nicht zugeben wollte, dass sie von einem \u00e4lteren Kult \u00fcbernommen waren.<\/p>\n<p><strong>Eine orientalische Mysterienreligion<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eMysterien\u201c werden antike Geheimkulte bezeichnet, die besonders vom 7. vorchristlichen bis zum 4. nachchristlichen Jahrhundert verbreitet waren. Typisch f\u00fcr diese Kulte waren ein Schweigegebot, durch das Einzelheiten des Kultes geheim gehalten wurden, und die Verhei\u00dfung des Heils an die Eingeweihten. (1, S. 24).<\/p>\n<p>Um den Gott Mithra ranken sich altiranische und indische Mythen aus dem 2. Jahrtausend vor Christus. Der Name Mithra oder Mitra hatte angeblich die Bedeutung von \u201eVertrag\u201c. Er geh\u00f6rte also zu einem Gott, der Garant sein sollte f\u00fcr Treu und Glauben zwischen den Menschen. Sp\u00e4ter wurde er als Mithras zum K\u00e4mpfer f\u00fcr das Gute, schlie\u00dflich zum Gott des Lichtes, zu dem heldenhaften, unbesiegbaren Sonnengott, dem K\u00e4mpfer gegen das B\u00f6se und die Finsternis.<\/p>\n<p>Vor\u00fcbergehend von dem zoroastrischen Ahura Masda als Hauptgott verdr\u00e4ngt, wurde Mithra unter <em>Ataxerxes II.<\/em> (405\u2013385 v. Chr.) wieder in den Kult der Iraner integriert.<\/p>\n<p>Der Kult des Mithras, mit zoroastrischen und griechischen Vorstellungen vermischt, entwickelte sich zu einer Mysterien-Religion, die im ersten vorchristlichen Jahrhundert Griechenland erreichte und sich dann im R\u00f6mischen Reich ausbreitete. Vieles spricht daf\u00fcr, dass der Mithras-Kult auf eine Gr\u00fcnder-Pers\u00f6nlichkeit zur\u00fcckgeht. (6, S. 109). Der Mysterienforscher <em>Bruno Jakobs<\/em> vermutet sogar, dass sich der orientalische Gott einem unbekannten Stifter offenbarte, der daraufhin einen neuen Mythos formte und die Riten und die Tempelarchitektur festlegte. (3, S. 54). Demnach w\u00fcrde es sich um eine Offenbarungs-Religion handeln.<\/p>\n<p>Der Mythologie zufolge wurde Mithras aus einem Felsen in einer H\u00f6hle geboren. Der Fels symbolisiert die Erde, die Decke der H\u00f6hle den Himmel, so dass er als Mittler zwischen Himmel und Erde gilt. Auf Abbildungen wird Mithras als \u201eStiert\u00f6ter\u201c dargestellt.<\/p>\n<p>Diese heldische Figur wurde im R\u00f6mischen Reich der ersten nachchristlichen Jahrhunderte der Gott der Legion\u00e4re, aber auch der Beamten, also der Oberschicht.<\/p>\n<p><strong>Die T\u00f6tung des Ur-Stiers<\/strong><\/p>\n<p>Die (rituelle) T\u00f6tung des Ur-Stieres ist ein sehr altes, vielleicht schon aus dem Neolithikum, also der Jungsteinzeit stammendes Motiv, das vielfach gedeutet werden kann. Beim Mithras-Kult hatte diese T\u00f6tung, die sogenannte Taurobolie, zentrale Bedeutung.<\/p>\n<p>Geh\u00f6rte also zum Mithras-Kult die rituelle T\u00f6tung eines Stieres? Erfolgte gar die Taufe eines Initianten, eines \u201eEinzuweihenden\u201c, wie manche vermuten, mit Stierblut? Das kultisches Mahl nach der T\u00f6tung des Stieres w\u00e4re dann ein Nachklang an uralte \u201eJ\u00e4germahle\u201c nach gegl\u00fcckter Jagd, welche die Teilnehmer der Jagdgesellschaft enger miteinander verbinden und die Seelen der get\u00f6teten Tiere rituell vers\u00f6hnen sollten. Allerdings eignen sich die ausgegrabenen Kultst\u00e4tten kaum zur Schlachtung eines so gro\u00dfen Tieres.<\/p>\n<p>Moderne Forscher suchen daher astronomische oder astrologische Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Eine Annahme sieht in der Taurobolie ein Symbol f\u00fcr den \u00dcbergang vom Stier-Zeitalter zum Zeitalter der Fische. Der griechische Astronom <em>Hipparch<\/em> entdeckte im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, dass die Erdachse taumelt und sich dementsprechend die Lage des Fr\u00fchlingspunktes zum Fixsternhimmel ver\u00e4ndert; eine Entdeckung, die seinerzeit vielleicht nicht weniger sensationell war, als sechzehn Jahrhunderte sp\u00e4ter die Theorie des <em>Kopernikus.<\/em> Denn aus der Sicht der Alten konnte nur eine ungeheure Macht den gesamten Sternenhimmel verschieben, der m\u00e4chtigste aller G\u00f6tter, der am Himmel im Sternbild Perseus abgebildete \u201eStiert\u00f6ter\u201c. Dieser bewegte demnach die Weltachse und lie\u00df damit ein neues Zeitalter beginnen. Dieser unbekannte Gott erhielt aus mysteri\u00f6sen Gr\u00fcnden den Namen Mithras. Er war ein Lichtgott, ein Sonnengott, auch der h\u00f6chste Gott, dem christlichen Gott bereits \u00e4hnlich. (3, S. 22 f.).<\/p>\n<p>Eine andere Deutung sieht in der Stier-T\u00f6tung die \u00dcberwindung des Winters. Der sterbende Stier w\u00e4re dann das Verschwinden des am Winterhimmel deutlich sichtbaren Sternbildes Stier, das am Fr\u00fchlingsanfang durch die gr\u00f6\u00dfere Tagesl\u00e4nge unsichtbar wird. Damit w\u00e4re Mithras der \u00dcberwinder des Winters, der Herrscher \u00fcber die Jahreszeiten, siegreicher Lichtgott und Gott der Fruchtbarkeit, der Landwirtschaft, der Ern\u00e4hrung (3, S. 53).<\/p>\n<p><strong>Die Grade der Einweihung<\/strong><\/p>\n<p>In Mysterienreligionen musste ein Initiand verschiedene Grade der Einweihung durchlaufen. Bei den Anh\u00e4ngern des hierarchisch aufgebauten Mithras-Kultes waren das sieben Grade: Rabe, Verlobter, Soldat, L\u00f6we, Perser, Sonnenl\u00e4ufer, Vater (Priester). Der \u201eSonnenl\u00e4ufer\u201c (Heliodromus) ist identisch mit dem \u201eMorgenstern\u201c (Lucifer) sowie dem \u201eFackeltr\u00e4ger\u201c Cautes, und er l\u00e4uft dem Sonnengott Sol (Helios) auf seiner Bahn voraus. Der \u201eVater\u201c wird auch als \u201eAdler\u201c bezeichnet, \u201eder zum Schauen Gottes emporsteigt\u201c (2, S. 54). Hier findet man eine Parallele zum Christentum, das im Mittelalter dem Evangelisten Johannes den Adler zuordnete, weil in ihm \u201eder Geist am h\u00f6chsten fliegt\u201c.<\/p>\n<p>Dem jeweiligen Grad der Einweihung waren Planeten als Schutzg\u00f6tter zugeordnet (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Mond, Sonne, Saturn). Eine besondere Priesterschaft gab es anscheinend nicht, und den Kult in den zahlreichen Mithr\u00e4en leiteten wohl Angeh\u00f6rige des h\u00f6chsten Grades.<\/p>\n<p>Der Einzuweihende musste sich vermutlich mit Geheimnissen, die dem Grad seiner Einweihung entsprachen, vertraut machen und sich Pr\u00fcfungen unterziehen: Feuer-, Wasser-, Mut- und Fasten- Proben, von denen es nur unklare Vorstellungen gibt. Der Eingeweihte durfte dann die seiner Einweihungsstufe entsprechende Kleidung und eine Maske (mit Tierkopf?) tragen.<\/p>\n<p><strong>Kleine, unterirdische Kultst\u00e4tten<\/strong><\/p>\n<p>Da Mithras in einer H\u00f6hle geboren wurde, waren die Mithr\u00e4en kleine, unterirdische Kultst\u00e4tten, in der Regel f\u00fcr kaum mehr als 40 M\u00e4nner. Sie waren rechteckig, die Decken oft mit Sternen, Tierkreiszeichen und astronomischen Symbolen geschm\u00fcckt. Meist an der Stirnseite (wo in Kirchen der Altar steht) befand sich in jedem Mithr\u00e4um ein Kultbild. Im Zentrum des Kultbildes ringt Mithras einen Stier nieder und t\u00f6tet ihn mit einem Kurzschwert. Mithras tr\u00e4gt persische Kleidung mit Hosen, Mantel (Tunika) und einer kegelf\u00f6rmigen M\u00fctze mit nach vorne fallender Spitze, phrygische M\u00fctze genannt<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>. An beiden Seiten stehen die \u201eDadophoren\u201c (Fackeltr\u00e4ger) Cautes (Lucifer) und Cautopates (Hesperus)<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a>, welche die steigende oder sinkende Sonne, Geburt und Tod, Tag und Nacht, bzw. Hoffnung oder Leid symbolisieren. Zwischen ihnen ist Mithras, der Anfang und Ende verbindet. Cautes tr\u00e4gt (meist) eine erhobene Fackel als Symbol f\u00fcr die aufgehende Sonne, und Cautopates eine gesenkte Fackel, welche die absteigende Sonne symbolisiert. Derartige Kultbilder finden sich im gesamten Verbreitungsgebiet des Mithras-Kultes, von Syrien bis Britannien, von Nordafrika bis Germanien.<\/p>\n<p>Die Gemeindemitglieder trafen sich regelm\u00e4\u00dfig zu Andachtsstunden, in denen den h\u00f6heren Graden ein kultisches Mahl mit Wein (Blut des Stieres?) und Brot gereicht wurde. Neben dem Kultmahl gab es Freundschaftsmahle, bei denen auch Fleisch gegessen wurde.<\/p>\n<p>In keinem Mithr\u00e4um durfte das heilige Element des Wassers fehlen. Oft standen Mithr\u00e4en in der N\u00e4he von Quellen, deren Wasser in Becken aufgefangen wurde.<\/p>\n<p><strong>Die verleugneten Parallelen zum christlichen Kult<\/strong><\/p>\n<p>Der Mithras-Kult zeigt auffallend viele Parallelen zum christlichen Kult. Hans<em> Koepf<\/em> schreibt dazu: <em>\u201eDer Grund des Hasses der Christen auf Mithras war offensichtlich: Es gab schon eine Religion, die viele Glaubenswahrheiten, die als spezifisch christlich galten, schon vor der christlichen \u00c4ra hatte, und deren Kultbilder daher f\u00fcr die christliche Bildwelt auch ,vor-bildlich\u2018 waren. Deshalb versuchten die Christen, auf der einen Seite ihre verunsicherten Gl\u00e4ubigen durch die etwas anachronistische Hypothese zu beruhigen, der ,Satan\u2018 habe den ,Heiden\u2018 schon vor Christi Geburt christliche Heilsweisheiten ,verraten\u2018, auf der anderen Seite aber trachteten sie auch danach, alle sichtbaren Spuren des Mithraskultes auszul\u00f6schen, was ihnen \u2013 fast \u2013 gelungen w\u00e4re\u201c<\/em> (4, S. 9).<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Gl\u00e4ubigen war Mithras der gro\u00dfe, den Au\u00dfenstehenden unbekannte Gott, auf den schon viele Attribute zutrafen, die auch Christus zugeschrieben werden:<\/p>\n<p>&#8211; Mithras galt als Lichtgott und Erl\u00f6ser, der den Gl\u00e4ubigen ewiges Leben verspricht.<\/p>\n<p>&#8211; Er war der K\u00e4mpfer gegen das B\u00f6se und die Finsternis.<\/p>\n<p>&#8211; Sein Geburtstag wurde am 25. Dezember gefeiert.<\/p>\n<p>&#8211; Der Sonntag als christlicher Feiertag (im Gegensatz zum j\u00fcdischen Sabbat) ist auch der Tag des Sonnengottes Sol \u2013 Helios, dem Mithras gleichgesetzt wurde.<\/p>\n<p>&#8211; Die Dreiheit Mithras, Cautes, Cautopates erinnert and die christliche Trinit\u00e4t.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>&#8211; Zwischen <em>Cautes<\/em> und <em>Cautopates<\/em>, zwischen Anfang und Ende, steht <em>Mithras<\/em>, der Himmel und Erde verbindet, ganz im biblischen Sinn: <em>\u201eIch bin das Alpha und das Omega, der erste und der letzte, der Anfang und das Ende.\u201c<\/em> (Offb. 21, 13)<\/p>\n<p>Im kultischen Mahl der Mithrasgl\u00e4ubigen sahen Christen eine blasphemische L\u00e4sterung des Abendmahls.<\/p>\n<p>Bis heute aber tradieren christliche Bilder Themen aus dem Mithraskult. <em>Hans Koepf<\/em>: <em>\u201eSo wurde aus einem den Stier niederzwingenden Mithras der Ritter Georg, der einen Drachen als Symbol des ,B\u00f6sen\u2018 t\u00f6tet \u2013 nat\u00fcrlich eine Fehlinterpretation des Stieropfers\u201c<\/em> (4, S. 75).<\/p>\n<p><em>St. Nikolaus<\/em> (angeblich Bischof von Myra in Kleinasien, der heutigen T\u00fcrkei) erscheint als ,Weihnachtsmann\u2018 oft hoch zu Ross, in den Mithrasfarben Wei\u00df (Wasser) und Rot (Feuer) gekleidet und tr\u00e4gt die typische Mithrasm\u00fctze. (4, S. 68).<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a><\/p>\n<p>Auch die Schlange, die sich im Paradies um einen Baum ringelt, ein Symbol f\u00fcr Luzifer, findet man im Mithras-Kult, in dem sie den \u201eLauf der Zeiten\u201c symbolisierte.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Es lassen sich fast beliebig viele \u00c4hnlichkeiten zwischen Mithras-Kult und Christentum finden, die nahelegen, dass christliche Kulte aus fr\u00fcheren Traditionen und Lehrmeinungen zusammengesetzt sind, dass das Christentum in diesem Sinn also eine eklektizistische Religion ist.<\/p>\n<p>Leider wissen wir kaum etwas von der mithreischen Liturgie, vom Ablauf der Tempelfeiern und den gesprochenen Texten. Um 1900 fand <em>Albrecht Dieterich<\/em> (2) in einem alten Zauberbuch einen Text, den er als Mithras-Liturgie interpretierte. Diese einzige erhaltene Liturgie eines antiken Mysterienkultes ist jedoch umstritten.<\/p>\n<p>Im dritten Jahrhundert war der Mithras-Kult weit verbreitet, doch nach der F\u00f6rderung des Christentums durch Konstantin den Gro\u00dfen (280\u2013337) zerst\u00f6rten fanatische Christen, vom Jahr 312 an, fast alles, was an diesen Kult erinnerte. Den Mithras-Gl\u00e4ubigen wurde zum Verh\u00e4ngnis, dass<em> Licinius<\/em> (308\u2013324) beim Kampf um den Kaiserthron unter dem Zeichen des Sonnengottes in die Entscheidungsschlacht gegen <em>Konstantin<\/em> gezogen war. (1, S. 177). Mit der Armee des Licinius unterlag auch der mit der Sonne verbundene Mithras gegen Christus, und die Ablehnung des Mithras-Kultes und die Verfolgung seiner Anh\u00e4nger wurde ein politisches Konzept.<\/p>\n<p>Zwar setzte sich <em>Julianus Apostata<\/em> (Julian der Abtr\u00fcnnige, R\u00f6mischer Kaiser von 361 bis 363) noch einige Jahre f\u00fcr Religionsfreiheit und die Wiederbelebung der alten Kulte ein; doch unter den auf <em>Julian<\/em> folgenden Kaisern begann eine intensive und blutige Verfolgung aller heidnischen Religionen, die auch zur v\u00f6lligen Ausrottung des Mithras-Kultes f\u00fchrte. (1, S. 177).<\/p>\n<p>Zum schnellen Untergang der Mithras-Religion trugen wahrscheinlich folgende Gr\u00fcnde bei:<\/p>\n<p>&#8211; Sie war eine Mysterien-Religion, deren Lehren geheim waren. Von Einweihungsstufe zu Einweihungsstufe wurden (schwere?) Proben verlangt, die vermutlich manchen abschreckten.<\/p>\n<p>&#8211; Da Frauen ausgeschlossen waren, konnte der Mithras-Kult keine Volksreligion werden.<\/p>\n<p>&#8211; Anscheinend waren die verschiedenen Mithr\u00e4en selbst\u00e4ndig, zu keiner gro\u00dfen Organisation zusammengef\u00fcgt, so dass sie dem Ansturm des Christentums keinen geschlossenen Widerstand leisten konnten.<\/p>\n<p>&#8211; Der Mithras-Kult war eine Religion der Elite. Seine Basis war zu schmal, um gegen das Christentum standzuhalten, das sich f\u00fcr Arme und Sklaven einsetze und Frauen aufnahm, die allerdings bald (wenn auch nicht von Anfang an) vom Priesteramt ausgeschlossen blieben.<\/p>\n<p>Fortsetzung <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/der-grosste-aller-ketzer\/\">&#8222;Religionen der Antike&#8220; VIII<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>(1) Clauss Manfred, Mithras Kult und Mysterien, C.H. Beck, M\u00fcnchen 1990.<\/p>\n<p>(2) Dieterich Albrecht, Eine Mithras-Liturgie, Teubner, Stuttgart 1966.<\/p>\n<p>(3) Jacobs Bruno, Die Herkunft und Entstehung der r\u00f6mischen Mithrasmysterien, Universit\u00e4tsverlag Konstanz, 1999.<\/p>\n<p>(4) Koepf Hans, Mithras oder Christus, Jan Thorbecke, Sigmaringen 1987.<\/p>\n<p>(5) Pr\u00f3nay Alexander v., Mithras und die geheimen Kulte der R\u00f6mer, Aurum, Freiburg 1989.<\/p>\n<p>(6) Merkelbach Reinhold, Mithras, Hain, Meisenheim, 1984.<\/p>\n<p>(7) Wamser Ludwig, Die R\u00f6mer zwischen Alpen und Nordmeer, Philipp von Zabern, Mainz 2000.<\/p>\n<p>(8) http:\/\/www.gunnet.de\/museum\/content\/roemer\/mithras1.html.<\/p>\n<p>(9) http:\/\/www.koenigsbrunn.de\/kb\/Mithraeum\/Mithraskult.htm.<\/p>\n<p>(10) http.www.mitglied.lycos.de\/Querbeet\/referate\/mithraskult.html.<\/p>\n<p>(11) http:\/\/www.2726.rapidforum.com\/topic=101687810596.<\/p>\n<p>(13) http:\/\/www.well.com\/user\/davidu\/mithras.html (mit Abbildungen.<\/p>\n<p>(14) http:\/\/www.zum.de\/Faecher\/G\/BW\/Landeskunde\/rhein\/geschichte\/roemer\/text_mithras\/text. htm,<\/p>\n<p>(15) <a href=\"http:\/\/www.2.salzburg-online.at\/h\">http:\/\/www.2.salzburg-online.at\/h<\/a><\/p>\n<p>eitzmann\/limesstrasse\/dadophoren.htm,<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a><strong>Endnoten:<\/strong><\/p>\n<p>[i] Vgl. Winfried Katholing, Heilige St\u00e4tten der Heiden und Ketzer, Aschaffenburg 1999,<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\"><\/a>\u00a0[ii] Der Entstehungslegende zufolge spielte bei der Entdeckung der H\u00f6hle ein Stier eine wichtige Rolle, der Ankl\u00e4nge an das Mithras-Kultbild nahe legt.,<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\"><\/a>\u00a0[iii] Phrygien = historische Landschaft auf der westlichen Hochebene Anatoliens. Die M\u00fctze wurde von Phrygiern und Persern getragen, und r\u00f6mische Sklaven erhielten sie als Symbol der Freilassung. In der franz\u00f6sischen Revolution wurde sie als Jakobinerm\u00fctze zum Freiheitssymbol.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\"><\/a>\u00a0[iv] Lucifer ist hier der Morgenstern, Hesperus der Abendstern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\"><\/a>\u00a0[v] Religionswissenschaftler kennen etliche \u201eG\u00f6ttertriaden\u201c, die Dreiteilungen gem\u00e4\u00df der indoeurop\u00e4ischen Ordnung entsprechen. Zum Beispiel fr\u00fchr\u00f6misch Jupiter (juristische Oberherrschaft), Mars (kriegerische Kraft), Quirinus (Fruchtbarkeit und wirtschaftliche Prosperit\u00e4t); ab dem 4. Jahrhundert (vermutlich unter etruskischem Einflu\u00df) dann Jupiter, Juno, Minerva (vgl. Elsas, Christoph \u201eReligionsgeschichte Europas\u201c, Wissensch. Buchgesellschaft, Darmstadt 2002). Bei den \u00c4gyptern Sobek, Hathor, Chons. In Indien Brahma, Schiwa, Wischnu usw.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\"><\/a>\u00a0[vi] Nach anderen Quellen war der \u201eWeihnachtsmann\u201c urspr\u00fcnglich wei\u00df gekleidet und erhielt seinen roten Rock erst im 20. Jahrhundert von einem Coca-cola-Reklamezeichner.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\"><\/a>\u00a0[vii] Hans Koepf schreibt dazu: \u201eEin mithrisches Zeitsymbol ist die gekr\u00f6nte Schlange, die sich um einen Baumstamm rollt und so den ,Lauf der Zeiten\u2018 symbolisieren soll. Motivisch kommt diese Schlange schon auf antiken Reliefs vor, auf denen die Taten des Herakles dargestellt sind (\u2026) In v\u00f6lliger Verkennung der urspr\u00fcngliche Zusammenh\u00e4nge machten die Christen aus dieser Schlange die Symbolfigur des Satans, der sich beim sogenannten S\u00fcndenfall um den ,Baum der Erkenntnis\u2018 windet. (4, S. 44).<\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 39\/2006) Bei Ausgrabungen r\u00f6mischer Altert\u00fcmer fand man vielerorts, auch in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, Mithr\u00e4en, also dem Mithras geweihte Kultst\u00e4tten[i]. Zum Beispiel kann man auf dem Hallberg bei Saarbr\u00fccken eine Mithrasgrotte besichtigen; die Saalburg bei Bad Homburg (Taunus) und das Kurpf\u00e4lzische Museum in Heidelberg besitzen rekonstruierte Mithr\u00e4en. &#8222;H\u00e4tte eine t\u00f6dliche Krankheit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-117","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-religionsgeschichte"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Religionen der Antike VII: Das Mithras-Mysterium &#8211; SiegfriedHagl.com<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/it\/storia-religiosa\/il-mistero-di-mitra\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"it_IT\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Religionen der Antike VII: Das Mithras-Mysterium &#8211; SiegfriedHagl.com\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 39\/2006) Bei Ausgrabungen r\u00f6mischer Altert\u00fcmer fand man vielerorts, auch in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz, Mithr\u00e4en, also dem Mithras geweihte Kultst\u00e4tten[i]. 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