{"id":186,"date":"2009-03-24T17:16:36","date_gmt":"2009-03-24T16:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=186"},"modified":"2025-12-28T13:07:40","modified_gmt":"2025-12-28T12:07:40","slug":"die-manichaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/fr\/histoire-religieuse\/les-manicheens\/","title":{"rendered":"Religions de l&#039;Antiquit\u00e9 IX : Les Manich\u00e9ens"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong><span style=\"color: #888888;\">(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 41\/2006)<\/span><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>DER\u00a0 KAMPF ZWISCHEN\u00a0\u00a0LICHT\u00a0 UND\u00a0 FINSTERNIS<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Vor etwa drei Jahrtausenden verbreitete sich, von Persien ausgehend, eine neue religi\u00f6se Idee: Es war die Vorstellung vom Kampf der Kr\u00e4fte des Guten gegen die M\u00e4chte der Finsternis, vom dem &#8211; so weit wir wissen &#8211; als erster der persische Religionsgr\u00fcnder <em>Zarathustr<\/em>a (griech. Zoroaster, vgl. &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/ein-persischer-wahrheitsbringer\/\">Ein persischer Wahrheitsbringer<\/a>&#8222;) gesprochen hat. Seither hat diese K\u00fcndung des <em>Zarathustra<\/em> das religi\u00f6se Empfinden unz\u00e4hliger Menschen gepr\u00e4gt und viele Religionen beeinflusst, darunter das Christentum.<\/p>\n<p>Bis heute sprechen z.B. Chiliasten[1] unterschiedlicher religi\u00f6ser Bekenntnisse vom bevorstehenden Endkampf des Lichtes gegen die Finsternis und erwarten das Harmageddon (Armageddon) f\u00fcr die n\u00e4here Zukunft. Selbst politische Entscheidungen bleiben von dieser Erwartungshaltung nicht immer unbeeinflusst.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wird oft von &#8222;manich\u00e4ischen Vorstellungen&#8220; oder vom &#8222;Manich\u00e4ertum&#8220; gesprochen, was f\u00fcr uns der Anlass ist, auf die manich\u00e4ische Religion einzugehen, die von Religionswissenschaftlern als die vielleicht typischste Auspr\u00e4gung der Gnosis angesehen wird.<\/p>\n<p><strong>MANI,\u00a0 MANES,\u00a0 MANICH\u00c4US\u00a0 (216-276)<\/strong><br \/>\nDer im s\u00fcdlichen Babylon geborene Religionsstifter wuchs in einer j\u00fcdisch-christlichen Sekte auf. Im Alter von 12 und von 24 Jahren hatte er Berufungsvisionen, in denen ihm ein \u00fcberirdisches Wesen Einblicke in die Zusammenh\u00e4nge der Welt vermittelte.<\/p>\n<p><em>Mani<\/em> l\u00f6ste sich daraufhin von seiner Sekte und verbreitete seine Lehre vom &#8222;Vater der Gr\u00f6\u00dfe&#8220; und dessen Dienern (den &#8222;Aiones&#8220;), die im Gegensatz zum &#8222;Vater der Finsternis&#8220; mit seinen Anh\u00e4ngern (den &#8222;Archonten&#8220;) stehen. Er predigte und missionierte in Indien und Persien.<\/p>\n<p>Der <em>Perserk\u00f6nig Schapur I.<\/em> (242-273) f\u00f6rderte<em> Mani<\/em>, der allerdings bei dessen Nachfolger<em> Bahram I<\/em>. (274-277) in Ungnade fiel. Auf Betreiben zoroastrischer Priester wurde <em>Mani<\/em> in Persien der Magie angeklagt und starb im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><em>Mani<\/em> sah sich als Glied in einer Kette von Propheten, die immer wieder auf die Erde gelangen, der Menschheit Offenbarungen bringen, und zur Erl\u00f6sung aus spiritueller Finsternis verhelfen: z.B. <em>Abraham, Zoroaster, Buddha, Jesus, Mani&#8230;<\/em><\/p>\n<p>In typisch gnostische Weise war auch bei <em>Mani<\/em> die Erkenntnis (Gnosis) die Voraussetzung f\u00fcr die Erl\u00f6sung, nicht wie bei vielen Christen &#8222;allein der Glaube&#8220;.<br \/>\nSp\u00e4ter verstanden sich Manich\u00e4er als die &#8222;wahren Christen&#8220;, die in der Tradition des &#8222;Lichtapostels&#8220; <em>Christus<\/em> stehen, dessen Werk von<em> Mani<\/em> vollendet wurde.<br \/>\nMani betonte, <em>&#8222;dass er als einziger der Religionsstifter die Wahrheiten unverschl\u00fcsselt und ohne in Gleichnissen zu reden in eigenen Schriften niedergeschrieben habe. Daher sei seine Religion die einzige, die nicht durch falsches Verst\u00e4ndnis verf\u00e4lscht werden k\u00f6nne.&#8220;<\/em> (6).<\/p>\n<p>Er stiftete eine neue Religion, die alle \u00e4lteren Religionen zusammenfassen sollte, und schrieb sein theologisches System selbst nieder. Er sagte:<\/p>\n<p><em>&#8222;Die Schriften und die Weisheit und die Apokalypsen und die Parabeln und die Psalmen von allen fr\u00fcheren Kirchen haben sich in allen Orten versammelt und sind hinzugekommen zu meiner Kirche und haben sich hinzugesellt zu der Weisheit, die ich offenbart habe. Wie ein Wasser sich hinzugesellen wird zu einem anderen Wasser und sie zu vielen Gew\u00e4ssern werden, so auch haben sich die alten B\u00fccher meinen Schriften hinzugesellt und sind eine gro\u00dfe Weisheit geworden, derengleichen nicht verk\u00fcndet worden ist unter allen alten Geschlechtern.&#8220;<\/em> (6).<\/p>\n<p>Um<em> Manis<\/em> Leben ranken sich viele Legenden. So soll er von einer Jungfrau geboren worden sein, hatte als Gefolgschaft angeblich zw\u00f6lf J\u00fcnger und trieb D\u00e4monen aus. Sein M\u00e4rtyrer-Tod im Gef\u00e4ngnis wird von seinen Anh\u00e4ngern symbolisch als &#8222;Kreuzigung&#8220; gedeutet.<\/p>\n<p><em>Mani<\/em> hat umfangreiche Schriften hinterlassen, die an verschiedenen Fundstellen zum gro\u00dfen Teil gesichert werden konnten. Bis heute sind sie nur teilweise entziffert und \u00fcbersetzt. <em>Mani<\/em> ist also einer der wenigen Religionsstifter der Antike, deren Schriften zum gro\u00dfen Teil, zumindest fragmentarisch, erhalten sind; dennoch sind sie (au\u00dferhalb der Religionswissenschaft) weitgehend unbekannt geblieben.<\/p>\n<p><strong>DER \u00a0MANICH\u00c4ISMUS <\/strong><br \/>\nEine Grundfrage f\u00fcr jeden religi\u00f6sen Menschen ist die Frage nach dem Ursprung des B\u00f6sen. Viele Religionen haben sich entweder f\u00fcr ein dualistisches oder ein monistisches Weltbild entschieden. F\u00fcr polytheistische Religionen ist dieser Unterschied oft nicht entscheidend; f\u00fcr Monotheisten aber kann es eigentlich nur einen Gott geben, der gut, vollkommen, allm\u00e4chtig ist. Dann allerdings dr\u00e4ngt sich die Frage auf, wie ein guter und allm\u00e4chtiger Gott das B\u00f6se zulassen kann; oder hat er es vielleicht sogar selbst erschaffen?<\/p>\n<p>Die Antwort ist dann z.B., dass ein abgefallener Engel das B\u00f6se in die Welt brachte. Nach der Vorstellung mancher Gnostiker ist es ein Bruder von <em>Jesus,<\/em> der fehlging, oder dem Unrecht getan wurde. (Vgl. 1, S. 55).<\/p>\n<p>Seit Urzeiten finden sich im Zoroastrismus, im Zervanismus, in der Gnosis verschiedene Erkl\u00e4rungen, die in der Regel davon ausgehen, dass in der Welt ein &#8222;gefallener Engel&#8220; oder ein &#8222;b\u00f6ser Gott&#8220; herrscht, von dem die irdische Welt erl\u00f6st werden muss.<\/p>\n<p><em>Mani<\/em> lehrte einen extremen Dualismus, \u00e4hnlich wie Marcion (85-ca. 140). Demnach gab es von Anfang an zwei gegens\u00e4tzliche Prinzipien: Den <em>&#8222;guten, gro\u00dfen Vater, der im Lichtland wohnt&#8220;<\/em>, und den<em> &#8222;F\u00fcrst der Finsternis, der in der Finsternis wohnt&#8220;<\/em>. Letzterer ist nach Ansicht mancher Gnostiker kein anderer als <em>Jahwe<\/em>, der Gott des Alten Testamentes.<\/p>\n<p>Die Sch\u00f6pfung der Welt und des Menschen geschah, als die Finsternis das Licht angriff. In dem Kampf zwischen Licht und Finsternis geriet Lichtsubstanz in die Dunkelheit und vermischte sich mit ihr. Zum endg\u00fcltigen Sieg des Lichtes muss diese Lichtsubstanz vom Dunkel getrennt und in die Lichtwelt zur\u00fcckgeleitet werden.<br \/>\nDer Mensch ist demnach ein Wesen, das einen materiellen, vom Dunkel geschaffenen K\u00f6rper, und einen Lichtkern besitzt. Diesen Lichtkern gilt es zu befreien. Dazu helfen Gesandte aus dem Lichtreich, Einsicht (Gnosis), weltabgewendetes Streben und Askese.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie sp\u00e4ter die Katharer, waren auch die Manich\u00e4er in zwei Klassen geteilt: Die Elekti (Auserw\u00e4hlten) und die Katechumen (Laien). Die Auserw\u00e4hlten hatten keinen Besitz, lebten streng z\u00f6libat\u00e4r und vegetarisch, tranken keinen Alkohol, arbeiteten nicht und widmeten sich ausschlie\u00dflich dem Gebet und der Belehrung (6). Die radikale Verwerfung alles Fleischlichen als Werk des B\u00f6sen gab dem Manich\u00e4ismus extrem puritanische Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Manich\u00e4er sahen die Entwicklung der Welt in drei Stufen: Die Zeit des Anfanges, in der die beiden Prinzipien (Licht und Finsternis) getrennt waren; die Zeit der Vermischung; und die dritte Zeit, in der der Anfangszustand wieder hergestellt ist. Der Mensch, der in der finsteren, materiellen Welt einen Hort des Lichtes darstellt, soll in der Zeit der Vermischung zur Trennung der beiden Prinzipien beitragen. Dazu verhilft ihm strenge Askese, damit seine (Licht-)Seele den Kreislauf der Wiedergeburt durchbrechen und sich wieder mit dem G\u00f6ttlichen (von dem es einst ausgegangen ist) vereinen kann.<\/p>\n<p>Viele, teils komplizierte Mythen ranken sich um die Vermischung von Licht und Dunkel, die Entstehung des Menschen, und den Vorgang der Auseinandersetzung zwischen Licht und Dunkel. Da die Manich\u00e4er offen waren f\u00fcr andere religi\u00f6se Lehren, entwickelte sich ihre Religion in unterschiedlichen Regionen verschieden: Nicht nur christliches Gedankengut, auch j\u00fcdische, buddhistische usw. Ideen drangen in das Manich\u00e4ertum ein.<\/p>\n<p>Im 4. Jahrhundert ist dieses Religionsverst\u00e4ndnis in Rom, Dalmatien, Gallien, Spanien, Nordafrika, \u00c4gypten nachweisbar. Die Lehren Manis breiteten sich bis nach China aus, und im 8. Jahrhundert wurde der Manich\u00e4ismus im Reich der Uiguren sogar zur Staatsreligion, so dass man wegen dieser Ausbreitung \u00fcber weite Teile der damals bekannten Welt vom Manich\u00e4ertum als Weltreligion spricht. Verfolgungen durch Christen, Muslime, Buddhisten, verdr\u00e4ngten den Manich\u00e4ismus, der bis zum 14. Jahrhundert fast ganz verschwand.<\/p>\n<p><strong>WIRKUNG\u00a0 UND\u00a0 BEDEUTUNG <\/strong><br \/>\nVerschiedene sp\u00e4tantike religi\u00f6se Bewegungen, die sich mit christlichen Gedanken vermischten, ihren Ursprung jedoch in vorchristlichen Zeiten haben, werden zusammenfassend als Gnosis bezeichnet. Die Gnosis war relativ frei und undogmatisch, nahm aber in ihrer typischsten und am weitesten verbreiteten Auspr\u00e4gung bei den Manich\u00e4ern die konkrete Form einer kodifizierten Religion an.<\/p>\n<p>Viele der gnostischen oder manich\u00e4ischen Gedanken sind in das Christentum eingedrungen. Der Prolog des Johannes-Evangeliums (Joh. 1,1 &#8211; 1,18) ist typisch gnostisch, Kirchenv\u00e4ter wie<em> Clemens von Alexandria<\/em> (ca. 150-215) oder <em>Origenes<\/em> (185-254) standen der Gnosis nicht ablehnend gegen\u00fcber, und <em>Augustinus<\/em> (354-430) war Manich\u00e4er, bevor er sich dem Christentum zuwendete.<\/p>\n<p>Wenn im Mittelalter &#8222;Ketzer&#8220; zu bek\u00e4mpfen waren, in der Neuzeit Reformatoren die Kirche spalteten, oder Neu-Religionen auftraten, waren regelm\u00e4\u00dfig manich\u00e4ische bzw. gnostische Ideen im Spiel. Ideen, welche die Kirche zum Teil selbst aufgegriffen hatte. Sp\u00e4ter war sie dann peinlich bem\u00fcht zu vertuschen, aus wie vielen, auch heidnischen Quellen sich die christliche Theologie zusammenf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Die grundlegende Frage nach dem Ursprung des B\u00f6sen und dem Weg zur Erl\u00f6sung hat die abendl\u00e4ndische Kultur seit zwei Jahrtausenden gepr\u00e4gt; Religion, Philosophie, Kunst setzten sich in vielf\u00e4ltiger Form damit auseinander. Die auch in der Bibel (z.B. in der Johannes-Apokalypse) \u00fcberlieferte Prophetie vom Kampf des Guten gegen das B\u00f6se hat religi\u00f6se, manchmal sogar politische Leitlinien geliefert, und die Abwertung von Gegnern als &#8222;Heiden&#8220;, \u201eFrevler&#8220;, \u201eL\u00e4sterer&#8220;, &#8222;Kreuzritter&#8220;, &#8222;Ketzer&#8220;, &#8222;Ungl\u00e4ubige&#8220;, &#8222;Untermenschen&#8220;, &#8222;Feinde des Glaubens&#8220; oder &#8222;Achse des B\u00f6sen&#8220; blieb bis ins 21. Jahrhundert aktuell.<\/p>\n<p>Fortsetzung <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/ein-persischer-wahrheitsbringer\/\">&#8222;Religionen der Antike&#8220; X<\/a>.<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/weshalb-last-gaott-das-alles-zu\/\">&#8222;Weshalb l\u00e4sst Gott das alles zu?&#8220;<\/a> unter &#8222;Religionsgeschichte&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endnote:<br \/>\n<\/strong>[1] Chiliasten (von griech. chiliasmos = tausend) auch Millenarismus (von lat. mille = tausend) glauben an die Wiederkunft Christi und das Errichten seines tausend Jahre w\u00e4hrenden Reiches.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Hagl, Siegfried, Spreu und Weizen, Gralsverlag, Eggersdorf, 2003.<br \/>\n(2) Rudolph, Kurt, Die Gnosis, Vandenhoeck &amp; Ruprecht, G\u00f6ttingen 1977.<br \/>\n(3) Widengren, Geo, Der Manich\u00e4ismus, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1977.<br \/>\n(4) http:\/\/www.goetter-und- mythen.de\/ps14.htm.<br \/>\n(5) http:\/www.heiligenlexikon.de\/index.htm?.Glossar\/Manichaeismus.htm.<br \/>\n(6) http:\/\/www.uni-muenster.de\/Philologie\/Iaek\/Mani.html#P6.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 41\/2006) DER\u00a0 KAMPF ZWISCHEN\u00a0\u00a0LICHT\u00a0 UND\u00a0 FINSTERNIS Vor etwa drei Jahrtausenden verbreitete sich, von Persien ausgehend, eine neue religi\u00f6se Idee: Es war die Vorstellung vom Kampf der Kr\u00e4fte des Guten gegen die M\u00e4chte der Finsternis, vom dem &#8211; so weit wir wissen &#8211; als erster der persische Religionsgr\u00fcnder Zarathustra (griech. 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