{"id":1637,"date":"2011-08-26T16:23:23","date_gmt":"2011-08-26T15:23:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com"},"modified":"2024-09-04T11:17:43","modified_gmt":"2024-09-04T10:17:43","slug":"arbeite-um-zu-uberleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/fr\/economie-et-social\/travailler-pour-survivre\/","title":{"rendered":"travailler pour survivre"},"content":{"rendered":"<h5><em>Gibt es eine menschengerechte Industriekultur?<\/em><strong style=\"background-color: transparent; color: inherit; font-family: monospace; font-size: 14px; white-space: pre-wrap; letter-spacing: -0.015em;\">(Ver\u00f6ffentlich in GralsWelt 66\/2011)<\/strong><\/h5>\n<h5>Die \u201eIdylle\u201c der Romantik<\/h5>\n<p>Die Zust\u00e4nde vor der Industrialisierung wurden oft romantisch verkl\u00e4rt. Gem\u00e4lde aus dem 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert zeigen liebenswerte Kleinst\u00e4dte und idyllische Landschaften mit flei\u00dfigen Bauern. Die Umwelt schien intakt, Wildtiere hatten reichlich Lebensraum, das Wort \u201eArtensterben\u201c war unbekannt. Niemand machte sich Sorgen \u00fcber Hungersn\u00f6te in China, Unruhen in Indien oder Erdbeben in Chile. Solche Ereignisse waren weit weg, und in Europa erfuhren die meisten Menschen davon nichts. Doch diese vorindustrielle Idylle hat so nie wirklich existiert.<br \/>\nIn jedem Jahrhundert gab es in Europa Kriege, die ganze Landschaften verw\u00fcsteten. Die nicht direkt Betroffenen litten dennoch unter hohen Steuern, Zwangsrekrutierungen, Nahrungsmangel und Seuchen.<br \/>\nIn den friedlichen Zwischenzeiten war das Leben nur f\u00fcr die Verm\u00f6genden angenehm. Diese verf\u00fcgten \u00fcber reichlich Personal und konnten sich ein bequemes Leben machen. Hoffentlich brauchten sie keinen Arzt; denn die Medizin steckte noch tief im Mittelalter und hatte von Bakterien oder Hygiene keine Ahnung. Die Geburtensterblichkeit war hoch, und der Tod durch Kindbettfieber gef\u00fcrchtet. Allein der Gedanke an eine zahn\u00e4rztliche Behandlung kann einem das Zeitalter des Barock oder der Romantik verleiden.<br \/>\nDie sozialen Ungleichgewichte belasteten am st\u00e4rksten die Armen; deren Leben war schwer: harte Arbeit f\u00fcr das Notwendigste zum \u00dcberleben, miserable Unterkunft, kaum Hilfe bei Krankheiten, der Willk\u00fcr der Gutsherrschaft ausgeliefert, so gut wie keine Rechtssicherheit.<br \/>\nKein Wunder, dass in Europa viele Unbemittelte nach dem Beginn der Industrialisierung die Knochenarbeit in den Fabriken dem Landleben vorzogen. Sie wanderten ab in die Slums der Industriest\u00e4dte oder nahmen sogar das Abenteuer einer Emigration auf sich.<\/p>\n<p>Die alte Standesgesellschaft ging in den Wirren der franz\u00f6sischen Revolution unter. Im 19. Jahrhundert l\u00f6ste eine \u201eKlassengesellschaft\u201c die \u201eStandesgesellschaft\u201c ab. Sp\u00e4testens seit den 1840er Jahren sprach man von \u201earbeitenden\u201c und \u201ebesitzenden\u201c, von \u201eunteren\u201c und \u201eoberen\u201c Klassen.<br \/>\nAnders als die Gutsherren der vorindustriellen Zeit f\u00fchlten sich die Fabrikherren der neuen Epoche in der Regel nicht zur F\u00fcrsorge f\u00fcr ihre Arbeiter verpflichtet. So ging es einem Fabrikarbeiter manchmal sogar schlechter als einem Landarbeiter. Die sozialen Ungleichheiten der nachst\u00e4ndischen Klassengesellschaft schienen manchem Zeitgenossen daher gr\u00f6\u00dfer als in der alten Standesgesellschaft. Der Gesundheitszustand der Fabrikarbeiter war schlecht, ihre Ern\u00e4hrung k\u00e4rglich, ihr Lohn gering und ihre Arbeitszeiten lang.<br \/>\nW\u00e4hrend vor der Industrialisierung Spinnen und Weben meist Heimarbeiten waren, herrschten nun in den maschinisierten Baumwollspinnereien auch f\u00fcr Frauen und Kinder kaum ertr\u00e4gliche Arbeitsbedingungen. Auf individuelle Befindlichkeiten nahmen die Fabrikherrn keine R\u00fccksicht. \u2013<\/p>\n<blockquote><p><strong>Der Abstieg eines Handwerksmeisters<br \/>\n<\/strong>Der Abstieg vom allein verdienenden Handwerksmeister zur Fabrikarbeiterfamilie l\u00e4sst sich sehr deutlich am folgenden Beispiel einer Arbeiterfamilie zeigen:<br \/>\n<em>\u2022 1770 verdiente Johann Nepomuk Schulte als Webermeister in einer Manufaktur 5 Taler Wochenlohn. Damit konnte er eine Familie gr\u00fcnden und ern\u00e4hren. Seine Frau verdiente mit einem kleinen Nebenverdienst 1\/2 Taler.<br \/>\n<\/em><em>\u2022 1820 wurde sein Enkel Johann Nepomuk in der Fabrik nur angenommen, wenn er gleichzeitig eine Frau als \u201eArbeitskraft\u201c mitbrachte. Er verdiente 3,5 Taler, seine Frau 1,5 Taler.<br \/>\n<\/em><em>\u2022 1830 drohte ihm Entlassung, wenn er seine neunj\u00e4hrige Tochter nicht in die Fabrik schickte. Sein Lohn sank auf 3 Taler, seine Tochter erhielt 3\/4 Taler.<br \/>\n<\/em><em>\u2022 1833 wurde sein Lohn auf 2,5 Taler gek\u00fcrzt, der seiner Frau auf 1,25. Zus\u00e4tzlich zu seiner Tochter musste er noch seine beiden j\u00fcngeren Kinder f\u00fcr 1\/2 Taler in die Arbeit schicken.<br \/>\n<\/em><em>Der Familienverdienst zwischen 1770 und 1833 blieb zwar gleich, wurde aber durch die Inflation und die Tatsache verringert, dass die Frau keine Zeit mehr f\u00fcr ihren Gem\u00fcsegarten hatte und ihre Hausarbeit nur noch unter Aufbietung aller Kr\u00e4fte notd\u00fcrftig erledigen konnte. Insgesamt sank das Realeinkommen der Familie, die Wochenarbeitszeit der Familienmitglieder stieg dagegen von 90 auf rund 240 Stunden.&#8220;<br \/>\n<\/em>Quelle: Bernd Hercksen, \u201eVom Urpatriarchat zum globalen Crash?\u201c (2, S. 334 f.).<\/p><\/blockquote>\n<h5>Eine menschengerechte Industriekultur?<\/h5>\n<p>Etwa 30 Kilometer \u00f6stlich von K\u00f6ln liegt der kleine Ort Engelskirchen. Hier kann man in einem denkmalgesch\u00fctzten alten Fabrikgeb\u00e4ude ein kleines Industriemuseum besichtigen, das an die einst florierende Baumwollspinnerei \u201eErmen &amp; Engels\u201c erinnert. Gegr\u00fcndet wurde diese Fertigungsst\u00e4tte im Jahr 1837 von Friedrich Engels sen. (1796\u20131860), dem Vater des bekannten Sozialisten Friedrich Engels jun. (1820\u20131895).<br \/>\nIm Zuge der Textilkrise, ausgel\u00f6st durch den zunehmenden Konkurrenzdruck aus dem fernen Osten, musste die Fabrik 1979 geschlossen werden. Die meisten Maschinen \u2013 vor allem Ringspinnmaschinen, wie sie schon um 1900 liefen \u2013 wurden nach Indien verkauft. Dort werden sie unter etwa den gleichen Arbeitsbedingungen weiter betrieben wie um 1900 in Deutschland.<br \/>\nHeute befinden sich in den denkmalsgesch\u00fctzten Fabrikgeb\u00e4uden das Rathaus der Gemeinde, Wohnungen und eine Dependance des Rheinischen Industriemuseums.<br \/>\nFriedrich Engels jun. sollte den v\u00e4terlichen Betrieb in Engelskirchen fortf\u00fchren. Im Zuge seiner Ausbildung kam er nach Manchester in eine Baumwollspinnerei, an der sein Vater beteiligt war.<br \/>\nDie Zust\u00e4nde in den dortigen Fabriken (heute als &#8222;Manchester-Kapitalismus&#8220; verp\u00f6nt) ersch\u00fctterten ihn so sehr, dass er sich f\u00fcr die Arbeiterschaft einsetzte und zum Kapitalismuskritiker wurde. Zu den Schriften, die ihn ber\u00fchmt (und ber\u00fcchtigt) machten, geh\u00f6ren \u201eKritik der National\u00f6konomie\u201c (1844) und \u201eDie Lage der arbeitenden Klasse in England\u201c (1845), die mit Dantes \u201eInferno\u201c verglichen wurde. \u2013<\/p>\n<blockquote><p><strong>Weh \u00fcber die F\u00fchrer der Nationen<br \/>\n<\/strong><em>&#8222;Weh \u00fcber die F\u00fchrer der Nationen,<br \/>\n<\/em><em>Die Henker im Frack, die M\u00f6rder auf Thronen!<\/em><br \/>\n<em> Sie machen Geschichte, sie spinnen Netze,<\/em><br \/>\n<em> Mit Hilfe der Presse, der feilen Metze.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn faul Republiken und Monarchien,<\/em><br \/>\n<em> Nach Freiheit und Aufkl\u00e4rung wird geschrien,<\/em><br \/>\n<em> Dann hei\u00dft einen schneidigen Krieg erzeugen,<\/em><br \/>\n<em> Der Revolution noch schnell vorzubeugen.<\/em><\/p>\n<p><em>Dann treiben die Hirten die Herden zur Weide,<\/em><br \/>\n<em> Zum Kampffeld hinaus, rum tollt euch im Streite!<\/em><br \/>\n<em> K\u00fchlt euer M\u00fctchen, ein Volk am andern,<\/em><br \/>\n<em> Uns aber lasst den Herrenpfad wandern!<\/em><\/p>\n<p><em>Das t\u00f6tet und w\u00fcrgt uns und wird get\u00f6tet,<\/em><br \/>\n<em> Die ganze Welt ist von Blut schon ger\u00f6tet,<\/em><br \/>\n<em> Sie k\u00e4mpfen verzweifelt, Mann gegen Mann,<\/em><br \/>\n<em> Hat keiner was dem andern getan.<\/em><\/p>\n<p><em>Was hat euch, ihr V\u00f6lker, mit Blindheit geschlagen,<\/em><br \/>\n<em> Wann wird es in euren Gehirnen tagen,<\/em><br \/>\n<em> Wann dringt in eure Seelen das Licht<\/em><br \/>\n<em> Der echten Freiheit, die liebt, nicht ficht?&#8220;<br \/>\n<\/em>Emerenz Meier (1874\u20131928).<\/p><\/blockquote>\n<p>Seither ist viel \u00fcber die Schw\u00e4chen unseres (kapitalistischen) Wirtschaftssystems geschrieben und diskutiert worden. Eine Flut von Berichten und Pamphleten prangerte \u2013 besonders im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert \u2013 die oft desolate Lage der Arbeiter an.<br \/>\nDann haben sich in den Industriel\u00e4ndern politische Parteien und Gewerkschaften der Problematik angenommen. Diese erreichten in daf\u00fcr g\u00fcnstigen Perioden, dass auch die Arbeitnehmer Nutzen aus dem Produktivit\u00e4tsfortschritt zogen.<br \/>\nIn vielen Schwellenl\u00e4ndern fehlen noch Organisationen, die f\u00fcr die Rechte der Arbeiter eintreten.<br \/>\nDie als Hoffnung der Armen propagierte bolschewistische (Miss-)Wirtschaft (vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/wop-bleibt-die-hoffnung\/\">&#8222;Wo bleibt die Hoffnung f\u00fcr die Armen der Welt?&#8220;<\/a>) hat versagt, und der Sieg der kapitalistischen Marktwirtschaft schien nach dem Zusammenbruch des Ostblocks unaufhaltsam.<br \/>\nManche glaubten an eine weltweite Neuauflage des \u201eAmerikanischen Traums\u201c (vgl. \u201e<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/erwachen-aus-unruhiger-nacht\/\">Erwachen aus unruhiger Nacht<\/a>\u201c, hier unter &#8222;Wirtschaft und Soziales&#8220;), einer globalen, freien, schnell wachsenden Wirtschaft, die jedem die Chance gibt, sich seinen F\u00e4higkeiten gem\u00e4\u00df zu entfalten und Wohlstand zu erlangen.<br \/>\nAllerdings lassen die globale Finanzkrise von 2008 und die EURO-Krise des Jahres 2010 erneut Zweifel aufkommen, ob der Kapitalismus in seiner derzeitigen Form zukunftsf\u00e4hig ist. <strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es gab allerdings stets auch Unternehmer mit Sinn f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse ihrer Arbeiter. Die gro\u00dfen technischen Erfinder \u2013 von Watt \u00fcber Stephenson, Siemens, Benz und Daimler bis Bosch \u2013 hatten sich oft aus bescheidenen Anf\u00e4ngen emporgearbeitet und meist auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Belange ihrer Mitarbeiter. Am bekanntesten wurde Henry Ford (1863-1947) mit seinem vielseitigen sozialen Engagement. (Vgl. \u201e<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/ford\/\">Ein total verr\u00fccktes Experiment?<\/a>\u201c, unter &#8222;Wirtschaft und Soziales&#8220;).<br \/>\nDas 19. und beginnende 20. Jahrhundert war daher auch eine Epoche der aufgekl\u00e4rten, sozial denkenden Unternehmerpers\u00f6nlichkeiten, die Fabrikherren <em>und <\/em>Philanthropen waren. Deren vielf\u00e4ltige Ans\u00e4tze zur Schaffung einer humaneren Arbeitswelt werden manchmal unter der unscharfen \u00dcberschrift \u201eutopischer Sozialismus\u201c zusammengefasst.<br \/>\nIn Europa entstanden Mustersiedlungen, die das t\u00e4gliche Leben mit der Fabrikarbeit harmonisch verbinden wollten; zum Beispiel in New Lanark in Schottland.<br \/>\nHier verwirklichte der Philanthrop und Sozialist Robert Owen (1771\u20131858) von 1800 bis 1825 Ideen, die ihrer Zeit um ein Jahrhundert voraus waren. Kinderarbeit und Pr\u00fcgelstrafen wurden abgeschafft. Die Bewohner der Siedlung bekamen ordentliche H\u00e4user, Schulen und Abendkurse, kostenlose Gesundheitsf\u00fcrsorge und Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen. Diese Fabrik arbeitete, auch nachdem Owen sie verlassen hatte, Jahrzehnte lang erfolgreich und fand internationale Beachtung (2).<br \/>\nIn den Jahren von 1825 bis 1828 versuchte Robert Owen seine Ideen in einer weiteren Mustersiedlung in den USA zu verwirklichen. Doch \u201eNew Harmony\u201c in Indiana scheiterte, und Owens Utopie von einer human gestalteten Arbeitswelt konnte nicht zum Vorbild werden f\u00fcr den Rest der Welt. \u2013<\/p>\n<p>Wer etwas von dieser Form einer menschengerecht gestalteten Industriekultur und ihre baulichen Verwirklichung selbst erleben m\u00f6chte, muss nicht gleich nach Schottland reisen. Einen Markstein des industriellen und sozialen Fortschritts kann man im Rahmen einer Italienreise auch in der Lombardei besichtigen.<br \/>\nNicht weit von Bergamo, nahe der E 66 (Ausfahrt Capriate) zwischen Brescia und Mailand, liegt das Dorf Crespi d\u2019Adda mit seinen besonderen st\u00e4dtebaulichen Anlagen. Dieses authentische Modell einer Idealstadt wurde 1995 ein UNESCO Weltkulturerbe. Hier kann man anschaulich erleben, wie sich ein altruistisch denkender Unternehmer des 19. Jahrhunderts eine Industriegesellschaft mit menschlichem Antlitz vorstellte.<br \/>\nDer Gr\u00fcnder der Fabrik, Cristoforo Benigno Crespi (1833\u20131920), errichtete 1878 auf der gr\u00fcnen Wiese eine Textilfabrik f\u00fcr Baumwollverarbeitung. F\u00fcr die Standortwahl war die verf\u00fcgbare Wasserkraft das Flusses Adda entscheidend.<\/p>\n<p>Nach der englischen Gartenstadt-Idee und Vorbildern aus Deutschland, Frankreich, Schottland wurden bis 1920 nach und nach nicht nur Fabrikanlagen gebaut, sondern die Verwirklichung eines idealen Bildes einer Industriekultur angestrebt.<br \/>\nSo entstand, neben den Fertigungsst\u00e4tten und dem Kraftwerk, auch eine Kleinstadt \u2013 ausschlie\u00dflich f\u00fcr Crespi-Mitarbeiter \u2013, die der Eigent\u00fcmer von seinem Schloss aus wohlwollend-patriarchalisch regierte. F\u00fcr alles Notwendige wurde gesorgt: Wohnraum, Schule, Kirche, G\u00e4rten, Gem\u00fcseg\u00e4rten, Gemeinschaftszentrum, Waschhaus, die erforderlichen Dienstleistungen.<br \/>\nZudem war der kleine Ort mit seiner sehenswerten Architektur in vieler Hinsicht wegbereitend: In Crespi gab es die erste \u00f6ffentliche elektrische Beleuchtung Italiens, kostenlose Ausbildung f\u00fcr die Arbeiterkinder, ein kostenloses Hallenbad.<br \/>\nLeider war dieser interessante Versuch, wirtschaftliche und soziale Interessen harmonisch auszugleichen, nicht von Dauer. In der Wirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre beendete ein Konkurs diese Form des Fabrikpaternalismus. Die historische Fabrik konnte noch bis 2005 weiter betrieben werden, bis sie unter dem steigenden Konkurrenzdruck endg\u00fcltig aufgeben musste.<\/p>\n<h5>Siegt das \u201eGesetz des Dschungels\u201c?<\/h5>\n<p>Unternehmen in vielen L\u00e4ndern auf verschiedenen Kontinenten haben sich bem\u00fcht, das Arbeitsleben human zu gestalten. Noch in den 1950er und 1960er Jahren habe ich in Deutschland ein vorbildliches soziales Engagement einer Reifenfabrik erlebt, der ich pers\u00f6nlich viel zu verdanken habe<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1\">[i]<\/a>.<\/p>\n<p>Alle diese sozialen Ans\u00e4tze unterschiedlichster Firmen waren leider nicht von Dauer. Durchgesetzt haben sich \u2013 besonders in der Hochfinanz und in der Gro\u00dfindustrie \u2013 nicht selten die r\u00fccksichtslosesten Akteure mit brutalem Gewinnstreben. Arbeitnehmer werden nur noch als Kostenfaktoren gesehen, deren Wohlergehen und deren Menschenw\u00fcrde den Kapitalisten von heute gleichg\u00fcltig sind.<br \/>\nUnter dem extremen Konkurrenzdruck im Zeitalter der Globalisierung ist kaum noch zu erwarten, dass Unternehmer sich sozial engagieren und sich freiwillig zus\u00e4tzliche (nicht durch Gesetze erzwungene) Soziallasten aufb\u00fcrden. So werden L\u00e4nder und Kommunen immer mehr soziale Aufgaben \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Damit besteht die Gefahr einer \u00dcberforderung der \u00f6ffentlichen Hand, die zur \u00dcberschuldung oder gar zum finanziellen Kollaps der Sozialstaaten f\u00fchren kann[2].<\/p>\n<p>Ein, wenn auch unzureichender Trost in dieser Hinsicht sei uns die Feststellung, dass die derzeitige, weltweite kapitalistische Ausbeutung \u2013 geduldet von entscheidungsschwachen, korrupten und konkursverd\u00e4chtigen Demokraten \u2013 immer noch besser ist als ein Krieg \u2026 der uns hoffentlich erspart bleibt!<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Forrester Viviane, Der Terror der \u00d6konomie, Goldmann, M\u00fcnchen, 1998.<br \/>\n(2) Hercksen Bernd, Vom Urpatriarchat zum globalen Crash?, Shaker Media, 2010.<br \/>\n<strong>www \u2026<br \/>\n<\/strong>Industriemuseum Engelskirchen<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.industriemuseum.lvr.de\/schauplaetze\/engelskirchen\/\">http:\/\/www.industriemuseum.lvr.de\/schauplaetze\/engelskirchen\/<\/a><\/p>\n<p>New Lanark<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.newlanark.org\/gallery.php\">http:\/\/www.newlanark.org\/gallery.php<\/a>.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/New_Lanark\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/New_Lanark<\/a>.<br \/>\nCrespi<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.villaggiocrespi.it\/deu\/index.html\">http:\/\/www.villaggiocrespi.it\/deu\/index.html<\/a>.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crespi_d%E2%80%99Adda\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crespi_d%E2%80%99Adda<\/a>.<br \/>\nFriedrich Engels<br \/>\n<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Engels\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedrich_Engels<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1\">[i]<\/a> In einer werkseigenen Abendschule konnte ich eine Ausbildung zum Gummitechniker absolvieren. Anschlie\u00dfend durfte ich mit einem Firmen-Stipendium an einer Technischen Hochschule Maschinenbau studieren.<br \/>\n[2] Zu den ausufernden Soziallasten lesen Sie den Nachtrag zu <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/abschied-von-der-sozialen-marktwirtschaft\/\">&#8222;Abschied von der (sozialen) Marktwirtschaft&#8220;<\/a> unter &#8222;Wirtschaft und Soziales&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es eine menschengerechte Industriekultur?(Ver\u00f6ffentlich in GralsWelt 66\/2011) Die \u201eIdylle\u201c der Romantik Die Zust\u00e4nde vor der Industrialisierung wurden oft romantisch verkl\u00e4rt. Gem\u00e4lde aus dem 18. und dem beginnenden 19. Jahrhundert zeigen liebenswerte Kleinst\u00e4dte und idyllische Landschaften mit flei\u00dfigen Bauern. Die Umwelt schien intakt, Wildtiere hatten reichlich Lebensraum, das Wort \u201eArtensterben\u201c war unbekannt. 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