{"id":1580,"date":"2011-03-01T14:38:30","date_gmt":"2011-03-01T13:38:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com"},"modified":"2026-01-05T11:55:37","modified_gmt":"2026-01-05T10:55:37","slug":"leitbilder-auf-dem-prufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/fr\/economie-et-social\/principes-directeurs-sur-le-banc-dessai\/","title":{"rendered":"\u00c9nonc\u00e9s de mission sur le banc d&#039;essai"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 63\/2011)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>Religi\u00f6ser Fanatismus, Skepsis gegen\u00fcber der Wissenschaft, Finanz- und Wirtschaftskrisen: Ein Blick auf die sich wandelnden Leitbilder zeigt, wo die Wurzeln f\u00fcr die heutigen Probleme liegen und weshalb nun dringend ein Umdenken erforderlich ist.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir zur\u00fcckblicken auf die europ\u00e4ische Geschichte, dann wurden die jeweils ma\u00dfgeblichen Welt- und Menschenbilder von Autorit\u00e4ten aus verschiedenen elit\u00e4ren Gruppen bestimmt. Deren Sichtweisen waren recht unterschiedlich.<\/p>\n<p>In unserem Geschichtsbewusstsein gelten die Jahrhunderte des fr\u00fchen Mittelalters \u2013 die Zeit nach dem 4. Jahrhundert<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1\">[i]<\/a> \u2013 in Mitteleuropa als ein \u201edunkles Zeitalter\u201c. Die hochentwickelte griechisch-r\u00f6mische Zivilisation brach in den St\u00fcrmen der V\u00f6lkerwanderung zusammen, das r\u00f6mische Weltreich zerbrach in viele kleinere Herrschaften. Der technische und zivilisatorische Stand Europas fiel um Jahrhunderte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf allen Gebieten \u2013 von der Baukunst bis zum Schiffbau, vom Landbau bis zum Kriegswesen \u2013 blieb man hinter dem zu r\u00f6mischer Zeit bereits Erreichten zur\u00fcck. Der Lebensstandard und die Sicherheit der durch Kriege und Seuchen stark geschrumpften Bev\u00f6lkerung lagen weit unter dem fr\u00fcheren Niveau.<\/p>\n<p>Rom \u2013 einst das Zentrum eines der gr\u00f6\u00dften und langlebigsten Weltreiche der Geschichte \u2013 war nur noch eine Kleinstadt, auf deren Kapitol Schafe weideten. Einige Bedeutung behielt die einstige \u201eHauptstadt der Welt\u201c (Goethe) noch als Sitz eines Bischofs, der als \u201eNachfolger Petri\u201c die Leitung der Kirche beanspruchte.<\/p>\n<p>Mit dem Sieg des Christentums \u00fcber die vielf\u00e4ltigen, oft erstarrten religi\u00f6sen Kulte der Antike setzte sich in Europa eine neue Ethik, ein neues soziales Paradigma durch. Der mittelalterliche Mensch litt unter den harten, deprimierenden Lebensbedingungen. In innerer Emigration trachtete er nach einem Leben im Einklang mit einem h\u00f6heren Zweck; in letzter Konsequenz nach der Hingabe an Gott, in dessen Dienst der hilflose, kleine Mensch sich stellen sollte. <span style=\"font-size: inherit;\">Um dem geistigen Ziel der Erl\u00f6sung seiner Seele n\u00e4her zu kommen, musste man heidnischen Br\u00e4uchen abschw\u00f6ren und vielen Annehmlichkeiten entsagen. Alles \u201eIrdische\u201c wurde abgewertet und der tiefere Sinn des Seins gesucht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: inherit;\">Dementsprechend war der sogenannte mittelalterliche Mensch weniger am \u00e4u\u00dferen, am technisch-zivilisatorischen Fortschritt interessiert. Stattdessen sollten Askese, Mystik, Religion, Theologie ihm den Zugang zur Wahrheit und zu einem gl\u00fccklichen nachtodlichen Sein im Paradies \u00f6ffnen. So gaben im Mittelalter Eremiten, M\u00f6nche, Priester und Vision\u00e4re, die \u201eSpezialisten f\u00fcr das Spirituelle und das Transzendente\u201c, den Ton an.<\/span><\/p>\n<h5>Die Ursachen anhaltender Spannungen<\/h5>\n<p>Es dauerte fast ein Jahrtausend, bis wieder Philosophen, Juristen und \u00d6konomen nach der geistigen F\u00fchrung dr\u00e4ngten, nachdem die Theologen sich im Gestr\u00fcpp der religi\u00f6sen Spekulationen verlaufen und den Kontakt zur echten Spiritualit\u00e4t, zum wahren Christentum, verloren hatten.<br \/>\nWar dieser schleichende Wechsel vom spirituellen zum intellektuellen Bewusstsein ein Abstieg, oder &#8211; wie man heute meist meint &#8211; ein notwendiger Fortschritt?<br \/>\nF\u00fcr diese Entwicklung wurden die Bezeichnungen <em>Humanismus<\/em> und <em>Renaissance<\/em> gew\u00e4hlt.<br \/>\nVom Ende des 17. Jahrhunderts an bis ins 19. Jahrhundert konnten dann Naturwissenschaftler in zunehmendem Ma\u00dfe die Leitbilder setzten und zusammen mit den Philosophen das <em>Zeitalter der Aufkl\u00e4rung<\/em> pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Der \u00dcbergang von der einen F\u00fchrungselite zu der n\u00e4chsten (Theologen \u2013 Philosophen \u2013 Juristen \u2013 Naturwissenschaftler \u2013 \u00d6konomen) ging nicht reibungslos vonstatten, sondern die jeweils herrschenden Meinungsf\u00fchrer versuchten ihren althergebrachten Status zu konservieren.<\/p>\n<p>Auch haben nicht etwa die moderneren Welt- und Menschenbilder die \u00e4lteren abgel\u00f6st, sondern die \u00e4ltere Weltschau blieb \u2013 wenigstens teilweise \u2013 weiter erhalten. Da sich \u00e4ltere und neuere Weltanschauungen \u2013 zum Beispiel Astronomie mit Astrologie, Philosophie mit Theologie, Evolutionsbiologie mit biblischer Sch\u00f6pfungslehre, naturwissenschaftliche Weltbilder mit der traditionellen religi\u00f6sen Weltschau \u2013 nicht vereinbaren lassen, kam und kommt es zu gesellschaftlichen, politischen und religi\u00f6sen Spannungen.<\/p>\n<p>Heute erleben wir in Europa beispielhaft die intensive Begegnung einer im Mittelalter stehen gebliebenen Religion \u2013 dem Islam \u2013 mit den neuzeitlichen Grundprinzipien s\u00e4kularer Staaten. K\u00fcnftige Historiker werden voraussichtlich umfangreiche Studien schreiben \u00fcber die Auseinandersetzungen zwischen dem modernen, naturwissenschaftlich-technischen Denken und traditionsverhafteten Vorstellungen, wie sie sich in allen Religionen finden.<\/p>\n<p>Doch schauen wir uns die Ideengeschichte im gro\u00dfen \u00dcberblick an: <strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Theologie:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Religionen, insbesondere monotheistische Bekenntnisse, beruhen meist auf Gr\u00fcndern, die entweder durch Offenbarungen neue geistige Erkenntnisse\u00a0 bringen, oder durch vorbildliches pers\u00f6nliches Verhalten zu einem spirituellen Leitbild f\u00fcr ihre Anh\u00e4nger werden.<br \/>\nDahn ist es die Aufgabe jeder Religionsgemeinschaft, die Weisheitslehren des Gr\u00fcnders den nachfolgenden Generationen unverf\u00e4lscht zu \u00fcberliefern.<\/p>\n<p>Daher sind Religionen konservativ. Sie wollen Lehren, Traditionen, Liturgien erhalten. \u00c4nderungen \u2013 auch Weiterentwicklungen \u2013 sto\u00dfen auf Widerst\u00e4nde. Man kann den Eindruck erhalten, Religionen, besonders die monotheistischen, st\u00fcnden der Wahrheitssuche entgegen. Denn welcher Mensch darf sich anma\u00dfen, die Weisheit einer Gr\u00fcnderpers\u00f6nlichkeit zu hinterfragen oder gar Offenbarungen aus h\u00f6chsten H\u00f6hen \u2013 die Grundlagen der Offenbarungsreligionen \u2013 in Frage zu stellen?<br \/>\nDass die \u00dcberlieferungen unzuverl\u00e4ssig und deren, oft spitzfindige Auslegungen zweifelhaft sein k\u00f6nnten, wird nur sehr ungern einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Dieser religi\u00f6s begr\u00fcndete Konservatismus strahlt aus auf die Gl\u00e4ubigen, deren Leben und ihre Gesellschaftsstrukturen. Das l\u00e4sst sich deutlich im Bewusstsein des mittelalterlichen Menschen erkennen. Dieser war \u201etraditionsgelenkt\u201c. Er wollte alles so weiter machen, wie es sich in der Vergangenheit bew\u00e4hrt hatte, und hielt fest am \u201eguten, alten Recht\u201c. Neuerungen wurden mit Skepsis oder Feindschaft betrachtet. Herrschaftsstrukturen, wie die Monarchie, galten als gottgegeben, und \u201evon Gott gegeben\u201c war das st\u00e4rkste autoritative Argument. So blockierten zum Beispiel die traditionsgebundenen Handwerksz\u00fcnfte technische Innovationen. \u00d6konomische und gesellschaftliche Entwicklungen konnten nur m\u00fchsam voranschreiten.<\/p>\n<p><strong><em>Philosophie:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Durch die Kreuzz\u00fcge erfuhr man in Mitteleuropa von vergessenen antiken Schriften, die im arabischen Raum bewahrt wurden. Ein weiterer Wissenstransfer erfolgte an der Wende vom Altertum zur Neuzeit<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2\">[ii]<\/a> durch Wissenschaftler, die vor oder nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) nach Westen flohen und ihr Wissen und ihre Schriften mitbrachten.<\/p>\n<p>Dann entdeckten die gro\u00dfen Seefahrer bislang unbekannte Kontinente und er\u00f6ffneten neue Handelsrouten nach Asien. Eine F\u00fclle neuer Erkenntnisse \u00fcberflutete das Abendland, der Blick wurde weiter, und das Bewusstsein der Eliten ver\u00e4nderte sich. Die Schw\u00e4chen der Kirche wurden angeprangert, und l\u00e4ngst f\u00e4llige Reformen lie\u00dfen sich nicht mehr unterdr\u00fccken; auch nicht mit Gewalt. In den Wissenschaften verlor die Theologie ihre f\u00fchrende Stellung, die nun \u2013 im Humanismus und der Renaissance \u2013 von der Philosophie \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n<p>Logik, kritisches Denken, belegbare Beweise erhielten erneut die Bedeutung, die sie schon in der vorchristlichen Antike hatten. Die Vernunft war wieder gefragt, als wichtigstes Mittel zur Erkenntnis. Wunder konnten nicht l\u00e4nger Argumente ersetzen. Die etablierten Religionen und ihr Wahrheitsgehalt wurden grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt. Zu M\u00e4rtyrern wurden nun Gegner der Kirche \u2013 nicht, wie in den ersten Jahrhunderten, ihre Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis entwickelte sich die <em>Philosophie der Aufkl\u00e4rung<\/em>. Die von ihr vertretenen logischen Denkstrukturen \u00f6ffneten in einem langen, m\u00fchsamen Prozess auch einen neuen Zugang zum Naturverst\u00e4ndnis. Wege wurden offen f\u00fcr die \u201eneue Wissenschaft\u201c, die zun\u00e4chst Naturphilosophie hie\u00df und sp\u00e4ter Naturwissenschaft.<\/p>\n<p>Die rein intellektuellen Ideen von Philosophen aus der Zeit der Aufkl\u00e4rung bestimmen bis heute unsere Rechtssysteme: von der Amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung, \u00fcber das Bekenntnis zur Demokratie, die Menschenrechtsdeklarationen der franz\u00f6sischen Revolution und der UNO, der UN-Charta, bis zu den Verfassungen moderner Staaten. Ein Gottes-Bezug, ein Hinweis auf \u00fcbergeordnete Sch\u00f6pfungsgesetze scheint nicht mehr erforderlich. Religiosit\u00e4t und Spiritualit\u00e4t werden zu praxisfernen Randerscheinungen, zum \u00fcberfl\u00fcssigen Spielfeld von Religionen und Sekten.<\/p>\n<p>Christliche Religionsgemeinschaften bezeichnen manchen, dieser heute selbstverst\u00e4ndlichen &#8211; genaugenommen religionsfernen &#8211; Grundlagen f\u00fcr unsere Lebensgestaltung gelegentlich als \u201echristliche Grundwerte\u201c. Sie lieben es nicht, daran erinnert zu werden, dass gerade die Kirchen diese Ideen \u2013 die sie heute gerne vereinnahmen m\u00f6chten \u2013 Jahrhunderte lang erbittert bek\u00e4mpften. \u00c4hnlich wie einst christliche Kirchen lehnt heute der fundamentalistische Islam die modernen Rechtsaufassungen ab und besteht auf dem islamischen Recht, der Scharia, als der gottgegebenen Grundlage f\u00fcr die irdische Lebensgestaltung. Doch auch der Islam wird einer ihm gem\u00e4\u00dfen \u201eorientalischen Aufkl\u00e4rung\u201c nicht dauerhaft ausweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Naturwissenschaft:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenige Jahrhunderte systematischer, logischer Forschung brachten ungeahnte Fortschritte. Astronomie, Biologie, Chemie, Geologie, Medizin, Physik erm\u00f6glichen tiefe Einblicke in das Universum, den Aufbau der Materie, das Weben der Natur. Die Entwicklung und die Struktur unseres Universums sind im Gro\u00dfen bekannt. Sogar der Aufstieg des Lebens, die Entstehung der kompliziertesten Strukturen, die unsere Welt hervorgebracht hat, scheint aus darwinistischer Sicht entschl\u00fcsselt.<\/p>\n<p>So entstand durch Beobachtungen, Messungen und Berechnungen ein auf das materiell Nachweisbare gerichtetes, geschlossenes Weltbild, dessen \u00dcberzeugungskraft alle vergleichbaren Ideen der Menschheitsgeschichte \u00fcbertrifft. In Universit\u00e4ten aller Kontinente werden Studierenden aller Konfessionen dieselben exakten Wissenschaften gelehrt; eine noch nie da gewesene globale Vereinheitlichung.<\/p>\n<p>Doch damit sind die Vorbehalte religi\u00f6ser Gemeinschaften, deren Theologien oft weit von einander entfernt sind, gegen die modernen, wissenschaftlichen Lehren nicht ausger\u00e4umt. Beispielsweise ist die Evolutionstheorie nicht in Einklang zu bringen mit w\u00f6rtlichen Auslegungen heiliger B\u00fccher, auf deren uneingeschr\u00e4nkter G\u00fcltigkeit religi\u00f6se Fundamentalisten nach wie vor beharren. Viele religi\u00f6se Menschen verschiedenster Konfessionen sind nicht gl\u00fccklich \u00fcber die Dominanz des materialistischen, naturwissenschaftlichen Weltbildes und vermissen darin ethische Werte und die Spiritualit\u00e4t. \u2013<\/p>\n<p>Offenbarungsreligionen neigen zum bedingungslosen Festhalten an ihren \u00dcberlieferungen. Die Priester fast aller Religionen \u2013 nicht nur der monotheistischen \u2013 tun sich schwer mit neuen Erkenntnissen und Entwicklungen; mit dem wissenschaftlichen Fortschritt, der sich oft nicht in die \u00fcberkommenen Denkstrukturen einf\u00fcgen l\u00e4sst. Vielen Priestern ist auch zu wenig bewusst, dass Spiritualit\u00e4t, die religi\u00f6se Erfahrung sich nicht in ein altes, vielleicht l\u00e4ngst \u00fcberholtes, jedenfalls unlebendiges, dogmatisches Konzept pressen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Starres Festhalten an dogmatischen Vorurteilen trug zum Niedergang christlicher Kirchen bei, die den Durchbruch der Naturwissenschaften verhindern wollten. Religi\u00f6ser Dogmatismus blockiert noch heute in manchen L\u00e4ndern den Weg in eine offene Gesellschaft. Die religi\u00f6sen Leiter verschiedenster Glaubensgemeinschaften wollen oft nicht wahr haben, dass keine noch so wertvolle \u00dcberlieferung vor Missverst\u00e4ndnissen oder gar Missbrauch sicher ist!<\/p>\n<p>Die in der Gralsbotschaft \u201eIm Lichte der Wahrheit\u201c von Abd-ru-shin (<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/im-lichte-der-wahrheit\/\">Buchbesprechung<\/a>) vermittelte Einsicht, dass auch Offenbarungen ihre Form wandeln und dem zeitbezogenen menschlichen Verst\u00e4ndnis Rechnung tragen m\u00fcssen, ist leider noch nicht Allgemeingut. Ganz abgesehen davon, dass jegliche religi\u00f6se \u00dcberlieferung durch irrende Menschen tradiert, von Gl\u00e4ubigen mit begrenzter Einsicht interpretiert und in die Tat umgesetzt wird. Wer von (religi\u00f6ser) \u201eWahrheit\u201c spricht, sollte wissen, dass sich Wahrhaftiges widerspruchsfrei auf allen Ebenen menschlicher Einsicht bew\u00e4hren muss.<\/p>\n<p><strong><em>\u00d6konomie:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auch die moderne Wirtschaft erhebt den Anspruch der\u00a0 wissenschaftlichen Korrektheit. Sie orientiert sich noch an Ideen aus der Zeit der Aufkl\u00e4rung und des 19. Jahrhunderts. Ob es um die \u201efreie Wirtschaft\u201c, den \u201efreien Handel\u201c oder die sozialistische Planwirtschaft geht, die materialistischen Leitlinien daf\u00fcr wurden im 18. und 19. Jahrhundert vorgegeben und manchmal in den Rang von Naturgesetzen erhoben. Damals war die Erde nicht \u00fcberv\u00f6lkert, weiteres wirtschaftliches Wachstum schien problemlos m\u00f6glich, Rohstoffe gab es reichlich, und keine \u00f6kologische Katastrophe drohte.<\/p>\n<p>Heute werden diese Ideen von manchen Wirtschaftswissenschaftlern genauso dogmatisch vertreten wie Glaubenss\u00e4tze. Dazu geh\u00f6rt die \u00dcberzeugung, dass moderne \u00d6konomie mit Freihandel und unbehindertem Kapitalverkehr in der Lage seien, ideale Zust\u00e4nde auf unserem Planeten zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Die immer wieder gemachte Erfahrung, dass derartige Heilsversprechen \u2013 ob religi\u00f6s, politisch oder \u00f6konomisch begr\u00fcndet \u2013 nie ein Paradies, aber regelm\u00e4\u00dfig eine H\u00f6lle auf Erden geschaffen haben, wird verdr\u00e4ngt. Auch wenn \u00dcberv\u00f6lkerung, Umweltzerst\u00f6rung, Globalisierungsverluste, Finanzkrisen, Aufst\u00e4nde, B\u00fcrgerkriege, Kriege und sonstige Instabilit\u00e4ten noch so deutlich aufzeigen, dass wir nicht auf einem \u00fcberlebensfreundlichen, vernunftgem\u00e4\u00dfen, ethisch vertretbaren Wege sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Kalten Krieges wurden im Westen die derzeitigen finanzpolitischen und \u00f6konomischen Exzesse noch durch politische R\u00fccksichten gebremst. Es galt, im Wettstreit mit dem internationalen Kommunismus, der Welt zu beweisen, dass die kapitalistische, freie Wirtschaft<em> allen<\/em> ihren B\u00fcrgern nachhaltigen Wohlstand bringt, nicht nur den Kapitaleignern.<\/p>\n<p>Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem kapitalistisch gepr\u00e4gten wirtschaftlichen Aufbruch Chinas, Indiens, Russlands und vieler weiterer L\u00e4nder, fallen soziale R\u00fccksichten weg, und der ber\u00fcchtigte \u201eRaubtierkapitalismus\u201c hat freie Bahn<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn3\">[iii]<\/a>. Die Ethik \u2013 gleich welcher Religion \u2013 konnte nirgends wirksam gegensteuern.<\/p>\n<p>Ernsthaften Widerstand gegen die um sich greifende soziale Vernachl\u00e4ssigung, wie Aufst\u00e4nde oder gar Revolutionen, scheinen die Exponenten des reinen Kapitalismus trotz Finanz- und Wirtschaftskrise und trotz einer Milliarde vernachl\u00e4ssigter, gar hungernder Menschen, (vorerst?) nicht zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<h5>Wiederholen sich Entwicklungen des Mittelalters?<\/h5>\n<p>So unanfechtbar das derzeitige naturwissenschaftliche Weltbild scheinen mag, hat es doch die anderen, die \u00e4lteren Weltbilder nicht verdr\u00e4ngen k\u00f6nnen. Denn zu vieles im sogenannten wissenschaftlichen Weltbild wird einfach ausgeklammert. Und vielen Menschen bieten die klaren, korrekten, aber wertfreien, kalten Aussagen der Wissenschaften keine Hilfestellung bei Entscheidungen, die das Menschliche betreffen. Wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen das Verantwortungsbewusstsein des Menschen zu wenig an. Sie wecken in ihm keine Begeisterung, zu einer besseren Welt beizutragen. Mit den Ergebnissen von Messreihen allein wird das menschliche Innenleben, das nach Sinngebung trachtet, nicht angesprochen.<\/p>\n<p>Deshalb verschwinden die religi\u00f6sen, mystischen, transzendenten, nach h\u00f6herer Einsicht suchenden Bestrebungen nicht. Heute erlangen sie neuen Zuspruch, auch au\u00dferhalb der traditionellen Kirchen und Religionen; zum Beispiel in dem, was wir als Esoterik bezeichnen. Sowohl das fundamentalistische Christentum als auch Neureligionen finden Zulauf, nicht nur im angels\u00e4chsischen Sprachraum<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn4\">[iv]<\/a>, vom fundamentalistischen Islam ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Es scheint nicht ausgeschlossen, dass nach einer schweren Krise \u2013 wie einst im Mittelalter \u2013 wieder eine Abwendung vom diesseitigen, vom rein wissenschaftlichen Denken Auferstehung feiern kann, wenn man sich von unheilvollen \u00f6konomischen und politischen Entwicklungen \u00fcberrollt f\u00fchlt, f\u00fcr die das materialistische, wissenschaftliche Denken verantwortlich gemacht wird.<\/p>\n<p>Man kann in dieser Entwicklung eine Wiederholung sehen. Bei Griechen und R\u00f6mern war logisches Denken auf gutem Wege, mythische Weltbilder, erstarrte religi\u00f6se Lehren, Aberglauben und unbegr\u00fcndbare Vorurteile zu verdr\u00e4ngen. Dann zerbrachen die antiken Staaten, vieles Wissen ging verloren. In dem mit diesen Umw\u00e4lzungen verbundenen Leid und der gro\u00dfen Not wandten sich die Menschen nach innen. Die von der grausamen, irdischen Welt Entt\u00e4uschten fing das Christentum auf, indem es ihnen ein besseres Sein im Jenseits verhie\u00df.<\/p>\n<p>Ein Jahrtausend musste vergehen, bis eine R\u00fcckbesinnung auf das Denken der Antike die Wege zur \u201eneuen Wissenschaft\u201c, der Naturwissenschaft, \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Doch neuerdings k\u00f6nnte das Ansehen der Wissenschaften wieder in Mitleidenschaft gezogen werden. Verbreitet ist in den Industriel\u00e4ndern bereits ein tiefes Misstrauen gegen Technokraten, B\u00fcrokraten, \u00d6konomen, Banker und Politiker. Dazu ein ausgepr\u00e4gter Skeptizismus gegen\u00fcber dem undifferenzierten Gebrauch der Technik. Deren nicht immer sinnvolle Anwendungen werden f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsexplosion, Naturzerst\u00f6rung, Klimakatastrophe, Artensterben, Umweltsch\u00e4den usw. verantwortlich gemacht. Der Bau technischer Anlagen, die Einf\u00fchrung neuer Technologien, wird mit Misstrauen verfolgt und nicht selten massiv behindert<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn5\">[v]<\/a>. Die vorgeblichen Segnungen der modernen \u00d6konomie geraten durch S\u00fcnden der Gro\u00dfbanken und gro\u00dfer Konzerne ins Zwielicht. Im \u00fcberragenden Einfluss des Finanzkapitals wird eine der Ursachen f\u00fcr die rigorose Politik der Nationalstaaten gesehen, die Kriege und B\u00fcrgerkriege in Kauf nimmt oder gar anzettelt. Der Glaube an eine ersprie\u00dfliche Zukunft ist bei vielen Menschen ins Wanken geraten.<\/p>\n<p>Darf man in der Technikm\u00fcdigkeit und der Politikverdrossenheit unserer Zeit, in der Hinwendung zur \u00d6kologie, zu naturvertr\u00e4glicher Landwirtschaft, zu \u201egr\u00fcner\u201c \u00d6konomie, zu naturnaher Medizin, zu Religionen oder zur Esoterik, eine Parallele zur Abwendung vom Diesseitigen im Mittelalter sehen?<\/p>\n<p>Dieser Vergleich geht zu weit. Die mystische mittelalterliche Denkweise mit ihrer Hinwendung zum christlichen Lebenswandel entstand aus chaotischen Zust\u00e4nden nach dem katastrophalen Zusammenbruch der antiken Strukturen. Unsere kapitalistische \u00d6konomie dagegen funktioniert so einigerma\u00dfen, zumindest in den Industriel\u00e4ndern, noch. Viele glauben, dass sie nach der \u00dcberwindung des Finanzcrashs von 2008 wieder florieren wird. Hoffentlich l\u00e4sst sich dann auch die vielerorts, selbst in reichen Industriel\u00e4ndern wie den USA, drohende Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme \u00fcberwinden, die keine Volkswirtschaft hinnehmen darf<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn6\">[vi].<\/a><\/p>\n<blockquote><p><strong>Die Voraussetzungen f\u00fcr gesunden Wettbewerb<br \/>\n<\/strong>Wenn wir heute mit den Leistungen unserer Regierenden unzufrieden sind, oder \u00fcber Finanz- und Wirtschaftskrisen erschrecken, die genau besehen ein moralischer Bankrott der Verantwortlichen sind, mag es n\u00fctzlich sein, zur\u00fcckzublicken und zu fragen, wie sich die Initiatoren der Sozialen Marktwirtschaft diese vorgestellt haben. Wir sind gut beraten, deren Gedanken nicht als l\u00e4ngst \u00fcberholte, kindliche Vorstellungen abzutun, die nicht in unsere moderne Zeit passen:<\/p>\n<p>Prof. Dr. Wilhelm R\u00f6pke (1899\u20131966), Lehrer Ludwig Erhards und einer der drei geistigen V\u00e4ter der Sozialen Marktwirtschaft, schrieb 1958 in seinem Buch \u201eJenseits von Angebot und Nachfrage\u201c:<br \/>\n<em>\u201eKein Lehrbuch der National\u00f6konomie kann die Bedingungen ersetzten, auf denen das Ethos der Marktwirtschaft ruhen muss. Selbstdisziplin, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Fairness, Ritterlichkeit, Ma\u00dfhalten, Gemeinsinn, Achtung vor der Menschenw\u00fcrde des anderen, feste sittlichen Normen \u2013 das alles sind die Dinge, die die Menschen bereits mitbringen m\u00fcssen, wenn sie auf den Markt gehen und sich im Wettbewerb mit einander messen. Sie sind die unentbehrlichen St\u00fctzen, die vor Entartung bewahren. Familie, Kirche, echte Gemeinschaften und \u00dcberlieferung m\u00fcssen sie damit ausstatten. Die Menschen m\u00fcssen unter Bedingungen aufwachsen, die solche moralischen \u00dcberzeugungen beg\u00fcnstigen<\/em>.<em>\u201c<br \/>\n<\/em>(aus: Ehrhardt B\u00f6decker, \u201ePreu\u00dfen und die Wurzeln des Erfolges\u201c, Olzog, M\u00fcnchen, 2005, Seite 116)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Der Egoismus der Reichen bedroht die Armen <\/strong><\/p>\n<p>Im 21. Jahrhundert m\u00fcssen sich die Folgen eines doppelten exponentiellen Wachstums immer deutlicher auswirken: Die Menschheit w\u00e4chst exponentiell und der Verbrauch pro Kopf w\u00e4chst exponentiell. Die Ressourcen der Erde reichen f\u00fcr diese verschwenderische \u00dcberlastung schon heute nicht mehr aus, und das Ende dieser Misswirtschaft ist vorprogrammiert.<\/p>\n<p>Ernste Warnsignale sind die Zunahme der Hungernden in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern, steigende Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me, der Anstieg der Energie-, der Rohstoff- und der Lebensmittelpreise. Im Moment sind diese Preise durch die Wirtschaftskrise etwas eingebrochen. Doch daraus sollte man nicht auf das Ende der Verknappung schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Eine wesentliche Rolle spielt, keineswegs nur in unterentwickelten Nationen, \u201ebad governance\u201c<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn7\">[vii]<\/a>: Unf\u00e4hige, korrupte Regierungen, die \u2013 manchmal von fehlgeleiteter Entwicklungshilfe unterst\u00fctzt \u2013 ihre L\u00e4nder in den Ruin treiben. Besonders in den Entwicklungsl\u00e4ndern \u00f6ffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich mehr und mehr. L\u00f6sungen, die der gesamten Bev\u00f6lkerung zugute kommen k\u00f6nnten \u2013 nicht nur einer korrupten Oberschicht \u2013, werden oft nicht einmal gesucht, geschweige denn angegangen.<\/p>\n<p>Einige Entwicklungsl\u00e4nder sind schon zusammengebrochen, und weitere L\u00e4nder \u2013 selbst in Europa \u2013 n\u00e4hern sich dem Bankrott oder der Unregierbarkeit. Dass die USA, die derzeitige F\u00fchrungsmacht der westlichen Welt, im 21. Jahrhundert ebenso zusammenbrechen k\u00f6nnten, wie im 20. Jahrhundert das britische Weltreich und die Sowjetunion, h\u00e4lt derzeit kaum jemand f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die moderne Globalisierung<br \/>\n<\/strong><em>\u201eEine Unerh\u00f6rtheit geschah, mit der so keiner gerechnet hatte: Ein Weltarbeitsmarkt ist entstanden, der sich t\u00e4glich ausweitet und das Leben und Arbeiten von Milliarden Menschen sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert. \u00dcber ein unsichtbares Leitungssystem sind Menschen, die sich nicht kennen und zum Teil nicht einmal von der Existenz des jeweils anderen Landes wissen, mit einander verbunden: Asien; Amerika und die beiden H\u00e4lften Europas r\u00fcckten zusammen, bilden nun einen Weltmarkt f\u00fcr alles, was handelbar ist. Die Finanzexperten pumpen das Kapital durch den Wirtschaftskreislauf, die Kaufleute schicken ihre Waren umher und auf dem Weltarbeitsmarkt stehen sich erstmals Milliarden einfacher Menschen gegen\u00fcber. Das eben unterscheidet die heutige Globalisierung von den fr\u00fchen Handelsnationen, den Kolonialimperien und dem Industriekapitalismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts: Zum ersten Mal in der Geschichte hat sich ein weitgehend einheitliches Wirtschaftssystem herausgebildet, das ausnahmslos alle Produktionsfaktoren umfa\u00dft: Kapital, Rohstoffe und die menschliche Arbeitskraft werden heute gehandelt wie fr\u00fcher Silber und Seide.\u201c<br \/>\n<\/em><em>Gabor Steingart <\/em>(aus \u201eWeltkrieg um Wohlstand\u201c, Piper, M\u00fcnchen, 2007, Seite 174)<\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Entschlossenes Handeln ist gefragt!<\/strong><\/h5>\n<p>Viele Fakten zeigen, dass eine bessere Einsicht Not tut:<br \/>\n\u2022 Unsere derzeitige <em>Wirtschaftsweise<\/em> versagt, denn sie leitet die Welt\u00f6konomie in eine Sackgasse. Menschengerechtere \u00f6konomische Modelle sind dringend n\u00f6tig.<br \/>\n\u2022 Die von den<em> Religionen<\/em> vermittelten, moralischen Grunds\u00e4tze werden nicht hinreichend angewendet oder gelten als \u00fcberholt. So fehlen ethische Mindeststandards, zum Beispiel f\u00fcr Regierungen, f\u00fcr Arbeitsbedingungen, f\u00fcr die soziale Sicherheit, f\u00fcr das Geldwesen, oder in der Wirtschaft.<br \/>\n\u2022 Die Ideen der <em>Philosophen <\/em>und<em> Juristen<\/em> , zum Beispiel die Erkl\u00e4rung der allgemeinen Menschenrechte, wurden zur Grundlage der UNO. Diese kann sich aber in der Praxis gegen nationalstaatlichen Egoismus, religi\u00f6se oder rassistische Vorurteile, rigorose oder gar kriminelle Gewaltherrscher nicht durchsetzen.<br \/>\n<em>\u2022 Naturwissenschaftler<\/em> erkennen die \u00f6kologischen Folgen der \u00f6konomischen und der populationsdynamischen Fehlentwicklungen, doch bewirken k\u00f6nnen sie wenig.<br \/>\n<em>\u2022 \u00d6konomen <\/em>und<em> Finanzexperten <\/em>halten zum gro\u00dfen Teil an fragw\u00fcrdigen Hypothesen fest, die nur einer Minderheit nutzen. Selbst nach der Welt-Finanzkrise gibt es noch gro\u00dfen Widerstand gegen strengere Kapitalmarkt-Kontrollen und ethische Mindeststandards f\u00fcr das Geld(un)wesen. Die moderne Globalisierung gilt als alternativlos und unumkehrbar, obwohl es noch nie eine menschliche Ma\u00dfnahme oder Entscheidung gegeben hat, die man nicht auch anders h\u00e4tte durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<br \/>\n\u2022 Die<em> Politik <\/em>will vor allem gute Wahlergebnisse, ersch\u00f6pft sich im tagespolitischen Parteiengez\u00e4nk und gibt dem Druck von Lobbygruppen oft nach. Von der weltweit verbreiteten Korruption gar nicht zu sprechen. Demokratische Politiker, die alle vier Jahre wiedergew\u00e4hlt werden wollen, haben kaum die Kraft zum gro\u00dfen Wurf, zur Durchsetzung langfristig angelegter Reformen, die der Bev\u00f6lkerung nicht sofort vermittelbar sind. Unter \u00e4u\u00dferem Druck wird sogar gegen den klaren Mehrheitswillen (Abschaffung der D-Mark) und gegen die wirtschaftliche Vernunft (Aufnahme der PIIGS-Staaten<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn8\">[viii]<\/a> in den Euroraum) regiert. Das Volk, der \u201eSouver\u00e4n\u201c, muss diesem Treiben hilflos zusehen und die Zeche bezahlen.<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir waren alle durch die t\u00e4glichen Probleme so abgelenkt, da\u00df wir nie die Gelegenheit hatten, die gesamte Situation zu untersuchen und eine dementsprechende Politik auszuarbeiten, sondern stattdessen von einer Aufregung zur n\u00e4chsten lebten.\u201c<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">James Ramsay Macdonald (1866\u20131937), britischer Premierminister von 1931 bis 1935. <\/span><span style=\"font-size: revert;\">(Zitiert aus: Gabor Steingart, \u201eWeltkrieg um Wohlstand\u201c, Piper, M\u00fcnchen, 2007, Seite 287)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Kaum jemand hat den Mut, das alles auszusprechen. Denn wer die Problemlage schildert, muss sich nach L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen fragen lassen. Wirksame Ma\u00dfnahmen gegen Bev\u00f6lkerungsexplosion, Umweltzerst\u00f6rung, Artensterben, Rohstoffmangel, eine au\u00dfer Rand und Band geratene \u00d6konomie, verantwortungslose Finanzspekulationen, \u00dcberschuldung der Staaten, Einflussnahmen von Lobbyisten auf staatliche Regeln, korrupte Regierungen und ausufernde organisierte Kriminalit\u00e4t<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn9\">[ix]<\/a> verlangen nach entschlossenem Handeln. Die erforderlichen Ma\u00dfnahmen sind im Prinzip bekannt, lassen sich aber vorerst nicht durchsetzen.<\/p>\n<p>Doch mehr und mehr Menschen wird bewusst, dass wir im 21. Jahrhundert nicht so weiter wursteln k\u00f6nnen wie im von Katastrophen gesch\u00fcttelten 20 Jahrhundert. Dieser Einsicht werden sich auch Regierungen hoffentlich nicht dauerhaft verweigern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/wirtschaftskrise-und-weltverschworung\/\">&#8222;Wirtschaftskrise und Weltverschw\u00f6rung&#8220;<\/a><\/p>\n<p><strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1\">[i]<\/a> In der Regel sieht man in der Teilung des R\u00f6mischen Reiches in Ost- und Westrom (395) den Beginn des Mittelalters. Etwa gleichzeitig (384) wurde das Christentum im R\u00f6mischen Reich zur Staatsreligion.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2\">[ii]<\/a> F\u00fcr den Beginn der Neuzeit werden verschiedene Daten genannt: Die Eroberung von Konstantinopel (1453), die Entdeckung Amerikas (1492) oder Luthers 95 Thesen (1517).<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref3\">[iii]<\/a> Vgl. den Kasten \u201eMonetarismus oder Menschenrechte?\u201c in &#8222;<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wirtschaft-und-soziales\/start-ins-21-jahrhundert\/\">Der Start ins 21. &#8222;Jahrhundert<\/a>&#8220; unter &#8222;Wirtschaft und Soziales&#8220;.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref4\">[iv]<\/a> Vgl. \u201eDer Spiegel\u201c Nr. 18\/2008, Seite 38.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref5\">[v]<\/a> Dieser Technik-Skeptizismus findet sich vor allem in entwickelten L\u00e4ndern, w\u00e4hrend in unterentwickelten L\u00e4ndern noch ein naiver Glaube an die M\u00f6glichkeiten der modernen Technik und \u00d6konomie vorherrscht.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref6\">[vi]<\/a> Vgl. \u201eDer Spiegel\u201c, Nr. 15 vom 12. 4. 2010, Seite 84 f.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref7\">[vii]<\/a> Bad governance = Schlechte Regierungsf\u00fchrung. Das Versagen der Steuerungs- und Regelungssysteme eines Staates oder einer Gemeinde.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref8\">[viii]<\/a> PIIGS = Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Die wirtschaftlich schwachen S\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten, die mit dem Wirtschaftswachstum der Nordeurop\u00e4ischen Staaten nicht mithalten k\u00f6nnen und in der Vergangenheit ihre Landesw\u00e4hrung laufend abwerten mussten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref9\">[ix]<\/a> \u201eDas organisierte Verbrechen macht sich weltweit breit und hat sich zu einer der f\u00fchrenden wirtschaftlichen und bewaffneten M\u00e4chte entwickelt.\u201c So Antonio Maria Costa, Leiter des UN-B\u00fcros f\u00fcr Drogen- und Verbrechensbek\u00e4mpfung (UNODC) in Wien zur Ver\u00f6ffentlichung des UN-Berichtes \u201eGlobalisierung des Verbrechens\u201c am 17. 6. 2010.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 63\/2011) Religi\u00f6ser Fanatismus, Skepsis gegen\u00fcber der Wissenschaft, Finanz- und Wirtschaftskrisen: Ein Blick auf die sich wandelnden Leitbilder zeigt, wo die Wurzeln f\u00fcr die heutigen Probleme liegen und weshalb nun dringend ein Umdenken erforderlich ist. 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