{"id":1347,"date":"2009-11-04T15:16:16","date_gmt":"2009-11-04T14:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1347"},"modified":"2023-07-13T13:26:41","modified_gmt":"2023-07-13T12:26:41","slug":"japans-weg-in-die-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/fr\/recit\/le-chemin-du-japon-vers-la-modernite\/","title":{"rendered":"Japon II\u00a0: la route du Japon vers la modernit\u00e9"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in Gralswelt 16\/2000, Seite 63 f.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das \u201eLand der aufgehenden Sonne&#8220; machte in der beginnenden Neuzeit einschneidende Entwicklungen durch. Der Kontakt mit Europas christlichen Missionaren, welche der Kolonisierung voranschritten, f\u00fchrte in Japan zum Verbot des Christenrums. Fortan spielten nur noch der Buddhismus und der Konfuzianismus eine bedeutende Rolle.<\/p>\n<p>Die Zeit vom 12. bis ins 16. Jahrhundert war im feudalen Japan eine Epoche der Kriege. Der Kaiser (Tenno) verlor an Autorit\u00e4t und Macht, bis er zuletzt, nur noch aus Tradition respektiert, die Politik kaum mehr beeinflussen konnte. An seiner Stelle herrschte ein Shogun (eine Art Milit\u00e4rgouverneur). Die separatistischen Tendenzen wuchsen, und Unruhen, Aufruhr, lokale Kriege ersch\u00fctterten das Land. Der Kriegeradel ignorierte machtlose Shogune und hilflose Kaiser, und die verschiedenen militanten Sippen teilten das Land unter sich auf. Im fr\u00fchen 16. Jahrhundert gab es in Japan etwa 250 Dom\u00e4nen, deren Herrscher sich gegenseitig anfeindeten.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts gelang es dann einem der Provinzf\u00fcrsten, mit taktischem Genius, seine Macht auszuweiten und nach einer Kette brillanter Siege fast das ganze Land zu unterwerfen (Oda Nobunaga, 1534-1582). Nach seiner Ermordung f\u00fchrte sein Feldherr Toyotomi Hideyoshi (1536-1598) die Eroberungen fort. Nach Hideyoshis Tod kam es zu den \u00fcblichen Machtk\u00e4mpfen, aus denen Tokugawa Ieyasu (1542-1616) siegreich hervorging. Der Tradition entsprechend, konnten nur Abk\u00f6mmlinge der Familie Minomato zum Shogun berufen werden; f\u00fcr Tokugawa war es kein Problem, den erforderlichen Stammbaum nachzuweisen und sich 1603 vom Kaiser zum Shogun ernennen zu lassen. Es gelang seinem Geschlecht, diesen Titel \u00fcber 15 Generationen bis 1867 zu vererben und das Land zu beherrschen.<\/p>\n<p>Der Regierungssitz der Tokugawa-Shogune war die Stadt Edo (heute Tokyo), und die Epoche ihrer Regierung wird Edo-Zeit (1603-1867) genannt. Diese zweieinhalb Jahrhunderte schenkten Japan eine einigerma\u00dfen friedliche und stabile Entwicklung; verbunden allerdings mit Abschottung nach au\u00dfen und Mangel an pers\u00f6nlicher Freiheit der B\u00fcrger.<\/p>\n<h5>Folgenschwere \u201eMissionsarbeit&#8220;<\/h5>\n<p>Die Seefahrer des 16. Jahrhunderts kamen bis Japan. Im Jahre 1543 landeten Portugiesen, vom Sturm verschlagen, auf der Insel Tanegashima, wo man sie freundlich empfing. Besonderes Interesse erregten ihre Musketen, von denen sie einige an die Verwalter der Insel verkauften.<\/p>\n<p>Japanische Handwerker begannen sofort die Feuerwaffen nachzubauen, und schon wenige Jahre sp\u00e4ter fanden diese in lokalen Gefechten ihre erste Bew\u00e4hrungsprobe. Bei den K\u00e4mpfen f\u00fcr die Einigung Japans gegen Endes des 16. Jahrhunderts spielten dann Feuerwaffen schon eine tragende Rolle. Bereits Oda Nabunaga (1534-1582) r\u00fcstete seine Fu\u00dfsoldaten mit Musketen aus, und die Schlacht bei Sekinghara (1600), die Tokugawa Ieyasu (1542-1616) den Weg zum Shogunat frei machte, wurde durch Pulver und Blei entschieden.<\/p>\n<p>Nachdem die ersten Seefahrer Japan entdeckt hatten, landeten ab 1545 weitere Reisende, um Handelsbeziehungen anzukn\u00fcpfen und zu missionieren. 1549 kam Franz Xaver (1506-1552), ein Mitbegr\u00fcnder des Jesuitenordens, nach Japan. Er lehrte hier zwei Jahre und gr\u00fcndete in Yamaguchi die erste katholische Gemeinde. Weitere Missionare folgten. Die Japaner, am Handel mit Europa interessiert, standen dem Christentum aufgeschlossen gegen\u00fcber, und es schien m\u00f6glich, sie f\u00fcr das Evangelium zu gewinnen.<\/p>\n<p>Dann folgten den Portugiesen 1584 die Spanier, und die Europ\u00e4er selbst verhinderten die erhoffte Ausbreitung des Christentums: 1494 hatte Papst Alexander VI. die \u201eNeue Welt&#8220; zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Eine Linie, etwa entlang dem 46. Grad westlicher L\u00e4nge, trennte die Einflusssph\u00e4ren der beiden gro\u00dfen Entdeckernationen: Die L\u00e4nder im Westen dieses Meridians sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen; so wurde zum Beispiel Brasilien portugiesisch. In einem weiteren Vertrag von Saragossa einigte man sich 1529 auf einen entsprechenden L\u00e4ngengrad im Pazifik (etwa bei 135 Grad \u00f6stlicher L\u00e4nge), der durch Japan ging.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberschnitten sich die Interessengebiete der Portugiesen und der Spanier, beide von den Japanern \u201es\u00fcdliche Barbaren&#8220; genannt. Mit den Iberern kamen M\u00f6nchsorden (Jesuiten, Franziskaner, Dominikaner), die untereinander zerstritten waren. Protestantische Niederl\u00e4nder und Engl\u00e4nder (von den Japanern \u201eRothaarige&#8220; genannt) folgten. Diese verschiedenen Gruppen trugen ihre europ\u00e4ischen Fehden nach Japan.<\/p>\n<p>Im Jahre 1600 strandete ein holl\u00e4ndisches Schiff vor der japanischen K\u00fcste, dessen englischer Steuermann zum Berater Tokugawa Ieyasus wurde (erinnern Sie sich an die Fernseh-Serie \u201eShogun&#8220;?). Nun erfuhren die Japaner von den Hintergr\u00fcnden der europ\u00e4ischen Streitigkeiten und waren \u00fcber die Aufteilung der Erde durch den Papst emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die anfangs guten Beziehungen zu den Ausl\u00e4ndern (zun\u00e4chst nur Portugiesen) verschlechterten sich. Hideyoshi hatte schon 1587 das Christentum verboten. Zehn Jahre sp\u00e4ter schuf er die ersten M\u00e4rtyrer auf japanischem Boden, indem er 20 Japaner und 6 Franziskaner hinrichten lie\u00df. Das Verbot des Christentums wurde 1614 bekr\u00e4ftigt und alle Missionare des Landes verwiesen; denn inzwischen hatten die Japaner von den Niederl\u00e4ndern erfahren, dass die Mission der Katholiken eine Vorstufe zur Kolonialisierung bildet.<\/p>\n<p>Die Abschaffung des Christentums stie\u00df auf Widerstand, der 1637 in einem bewaffneten Aufstand japanischer Christen auf Kyushu seinen H\u00f6hepunkt fand. 30.000 Christen verteidigten vier Monate lang erbittert die Burg Hara gegen die Armee des Shoguns, bis die Burg erobert und die Verteidiger get\u00f6tet wurden. Von da an gab es nur noch einzelne \u201eheimliche&#8220; Christen.<\/p>\n<p>Anfang des 17. Jahrhunderts wurden alle Ausl\u00e4nder aus Japan ausgewiesen. Gegen Christen wurde streng vorgegangen, und fast alle H\u00e4fen wurden f\u00fcr Europ\u00e4er geschlossen. Nur die Niederl\u00e4nder, die lediglich Handel getrieben hatten, ohne zu missionieren, wurden weiterhin als Handelspartner geduldet. W\u00e4hrend der folgenden zwei Jahrhunderte waren sie die einzigen Vermittler zwischen Europa und Japan. Den Japanern selbst waren Auslandsreisen bei Todesstrafe verboten. Das ostasiatische Land schottete sich ab, und der Au\u00dfenhandel kam fast zum Erliegen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Der Konfuzianismus in Japan<br \/>\n<\/strong><em>&#8222;Der vielleicht entscheidende Einfluss des Konfuzianismus ist auf dem so wesentlichen Gebiet der Wahrheitssuche. Liebe zum Lernen steht bei ihm h\u00f6her als Liebe zur Wahrheit. Wehrhaftigkeit, wohlgemerkt, sch\u00e4tzt man als menschliche Tugend sehr und empfiehlt sie, aber sie bildet ja nur die Voraussetzung zu einer tiefen und grunds\u00e4tzlichen Liebe zur Wahrheit. Sie tritt vielfach in Verbindung mit dem Optimismus auf, Wahrheit k\u00f6nne wirklich gefunden werden. Konfuzius machte den Osten und damit die Japaner zu einem Teil der Erde, in dem die Anstrengung als solche z\u00e4hlt, das Lernen also \u00fcberaus gesch\u00e4tzt wird.<\/em><br \/>\n<em>Obwohl der Osten als kontemplativ gilt, scheint die Wissbegierde des Konfuzius mehr nach au\u00dfen gerichtet als auf die intensive Erfassung der Wahrheit in ihm selbst&#8230;<\/em><br \/>\n<em>Er gab den wesentlichen Denkansto\u00df in die Richtung emsiger Vielwisserei, die bis heute die Gebildeten Japans von denen des Westens unterscheidet, die durch das Studium der klassischen Sprachen Klarheit der Gedankeng\u00e4nge, Erarbeitung letzter Prinzipien und feste \u00dcberzeugungen breit gestreutem, aber nicht zur \u00dcberzeugung gewordenen Wissen vorzogen. Der antimetaphysische Ansatz im Buddhismus wird im Konfuzianismus durch die im Grunde agnostische oder skeptische Flucht in die nie endende Anstrengung erg\u00e4nzt.&#8220;<\/em><br \/>\nZitat aus Helmut Erlinghagen \u201eJapan&#8220;, dtv, M\u00fcnchen 1976.<\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Das feudale Japan <\/strong><\/h5>\n<p>Die Kontakte zu Europ\u00e4ern, vom 16. Jahrhundert an, brachten manche Neuerungen nach Japan (Feuerwaffen, Spielkarten, Tabak, neue Speisen wie Brot, Kuchen, Konfekt, Pfeffer und weitere Gew\u00fcrze usw.). Nach der gewaltsamen Einigung des Landes an der Wende von 16. zum 17. Jahrhundert folgte dann eine strikte Diktatur, die weitere Aufst\u00e4nde und den Zerfall des gerade erst geeinten Reiches unm\u00f6glich machen sollte. Japan wurde ein autorit\u00e4rer und diktatorischer Zentralstaat, der unter anderem westliche Einfl\u00fcsse und das Christentum als Gefahr f\u00fcr seine Regierungsform erkannte.<\/p>\n<p>Der Kaiserhof existierte weiter. Er umfasste den Kaiser, seine Gemahlinnen und Kinder, sowie die Hofaristokratie; insgesamt etwa 140 Familien, die um den heiligen Bezirk im Kaiserpalast zu Kyoto herum angesiedelt waren.<br \/>\nSeit dem 14. Jahrhundert konnte der Tenno keinen politischen Einfluss mehr aus\u00fcben; er war nur noch ein Legitimit\u00e4tssymbol zur Ernennung der Shogune. Doch auf typisch japanische Weise wurde die traditionelle Autorit\u00e4t des Kaisers anerkannt, und die eigentlich \u00fcberfl\u00fcssige Institution bestand weiter &#8211; mit der zun\u00e4chst unwahrscheinlichen Aussicht, dereinst wieder an Einfluss zu gewinnen. Nachdem Nobunaga und Hideyoshi die politische und milit\u00e4rische Macht der buddhistischen Orden endg\u00fcltig gebrochen hatten, erhielten die Tempel neue Aufgaben im Dienste der staatlichen Verwaltung.<br \/>\nSo musste sich zum Beispiel die Bev\u00f6lkerung bei ihrem lokalen Tempel registrieren lassen und bei der Einschreibung erkl\u00e4ren, dass sie keine Christen w\u00e4ren. Daher ging es den buddhistischen Kl\u00f6stern gut. Das Christentum als Konkurrent war weggefallen, so dass der Zwang zu Reformen fehlte und der buddhistische Klerus verweichlichte. So verlor diese Religion viel von ihrer Popularit\u00e4t und musste sich Weltabgewandtheit und Aberglauben vorwerfen lassen.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4che des Buddhismus half dem Shinto und vor allem dem Konfuzianismus. Etwa seit dem 17. Jahrhundert konnte sich der Konfuzianismus zur f\u00fchrenden Ethik in Japan entwickeln, die auch bei der politischen Wende im 19. Jahrhundert die wichtige Rolle eines geistigen Fundamentes spielte. Bis heute pr\u00e4gen die Lehren des Konfuzius das gesellschaftliche Leben Japans auf subtile Weise.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Kriege gab es nach dem 17. Jahrhundert keine mehr. Im Inneren hielt die Zentralgewalt das Land zusammen, und nach au\u00dfen waren die missgl\u00fcckten Versuche Hideyoshis, Korea zu erobern (1592) und in China einzufallen (1597), die f\u00fcr fast drei Jahrhunderte letzten au\u00dfenpolitischen Abenteuer.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft entwickelte sich, und es entstanden reiche Handelsh\u00e4user, deren Namen (wie zum Beispiel Mitsui) teilweise noch heute als Tsaibatsus (=Konzerne japanischer Pr\u00e4gung) den Wirtschaftszeitungen Schlagzeilen liefern. Der Wettbewerb in Japan war hart und bester Kundendienst gefordert. Manche Japan-Kenner sind der Ansicht, dass diese Zeit die japanische Bereitschaft erzwang, alles Erdenkliche f\u00fcr die Zufriedenheit der Kundschaft zu tun.<\/p>\n<p>Leider gab es noch immer Nahrungsmittelknappheit und Hungersn\u00f6te. Aus der Edo-Zeit (1603-1867) werden 35 Hungernsn\u00f6te berichtet. An schlimmsten waren: Die Kyoho-Hungersnot von 1732\/33, verursacht durch Heuschrecken, die fast die gesamte Ernte fra\u00dfen; die Tenmei-Hungersnot (1783-1787), ausgel\u00f6st durch Unwetter, K\u00e4lte und \u00dcberschwemmungen; die Hungerkatastrophe von 1833-36, die vor allem die Nordprovinzen heimsuchte. Diese Katastrophen kosteten Hunderttausenden von Menschen das Leben, und im 18. Jahrhundert soll die Bev\u00f6lkerung deutlich zur\u00fcckgegangen sein. Die Sch\u00e4tzungen schwanken; im extremsten Fall wird angegeben, dass die japanische Bev\u00f6lkerung um 1720 30 Millionen betragen haben soll, im 19. Jahrhundert dagegen nur noch zwischen 7 und 19 Millionen.<\/p>\n<p>Trotz dieser Einbr\u00fcche florierte die japanische Kultur. Malerei, Dichtung, Theater, Musik und Tanz bl\u00fchten auf, und es entwickelte sich die sp\u00e4ter von Europ\u00e4ern so sehr bewunderte japanische Kunst. Auch die Volksbildung nahm zu, und am Ende des 19. Jahrhunderts konnten 43% der M\u00e4nner und 10% der Frauen lesen. Fundamente f\u00fcr eine Ausbildung der Massen waren gelegt.<\/p>\n<h5>Bauernelend<\/h5>\n<p>In den verschiedenen japanischen Provinzen bestanden zwischen 80 und 90% der Bev\u00f6lkerung aus Bauern; sie verk\u00f6rperten bis ins 19. oder gar 20. Jahrhundert den typischen Japaner. F\u00fcr die Steuern wurden die Bauern fast ganz alleine herangezogen. Meist zahlten sie in Form von Reis, der wichtigsten Nahrungspflanze. Die Bauern selbst konnten sich den wertvollen Reis nur ausnahmsweise leisten und mussten sich mit billigerem Getreide wie Weizen, Gerste oder Hirse begn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Jahresablauf des b\u00e4uerlichen Lebens richtete sich nach den Erfordernissen des Reisanbaues und der Reisernte. Die Arbeit war schwer und die Steuerlast dr\u00fcckend. Die Tradition empfahl, von der Ernte \u201evier Teile dem F\u00fcrsten und sechs Teile dem Volk&#8220;, aber oft genug verlangte der Herr 50% oder gar 70% des Ertrages. Dazu gab es noch eine F\u00fclle anderer Steuern wie: Feldsteuer, Steuer auf T\u00fcren und Fenster, eine Steuer auf T\u00f6chter, eine Steuer auf Nussb\u00e4ume usw. usf. Korrupte Beamte \u00fcberwachten die Eintreibung und legten die H\u00f6he der Steuern oft fast nach Belieben fest.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass es in jedem Jahrhundert Bauernaufst\u00e4nde gab, die blutig niedergeschlagen wurden. Um derartige Erhebungen k\u00fcnftig unm\u00f6glich zu machen, lie\u00df Hideyoshi 1588 die Bauern entwaffnen und verbot ihnen, das Land zu verlassen. Trotzdem gab es weiterhin Bauernproteste (aus der Edo-Zeit sind 3.000 Bauernaufst\u00e4nde bekannt), die in wenigen F\u00e4llen den Bauern sogar geringe Erleichterungen brachten. Die Anf\u00fchrer die aufst\u00e4ndischen Bauern wurden allerdings grunds\u00e4tzlich hingerichtet. &#8211;<\/p>\n<p>Als die ersten Portugiesen in Japan anlegten, war dieses Inselreich keineswegs ein zur\u00fcckgebliebenes Land. Handwerk und Landwirtschaft standen Europa nur wenig nach, und die schnelle \u00dcbernahme der Feuerwaffen bewies das Geschick der Asiaten, ihnen fremde Techniken zu verstehen.<\/p>\n<p>Dann schloss Japan seine Au\u00dfengrenzen. Chinesen, Koreaner und Japaner glaubten ihrem Land am besten zu dienen, indem sie das Eindringen europ\u00e4ischer Ideen abblockten. In Korea wie in Japan dominierte der intellektuelle Einfluss der chinesischen Kultur, und in diesen drei L\u00e4ndern Ostasiens war man der \u00dcberzeugung, dass das Eindringen europ\u00e4ischer Unsitten die konfuzianische Gesellschaftsstruktur untergrabe und den Staat gef\u00e4hrde.<\/p>\n<p>Diese Ansicht begann sich in Japan erst im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert zaghaft zu \u00e4ndern. Einmal durch R\u00fcckbesinnung auf die eigene Geschichte: Es gab ja Perioden, in denen (zum Beispiel im 16. Jahrhundert) Japan den Europ\u00e4ern gegen\u00fcber offen war. Zum anderen durch die Hinwendung zur europ\u00e4ischen Wissenschaft. Einige japanische Gelehrte bekamen von niederl\u00e4ndischen H\u00e4ndlern Informationen \u00fcber Entwicklungen in Europa.<\/p>\n<p>Nun begannen sich diese Wissenschaftler nach europ\u00e4ischen Vorbildern mit den Naturwissenschaften und der Medizin zu besch\u00e4ftigen. Bald erkannten sie die \u00dcberlegenheit der westlichen Naturwissenschaften \u00fcber die traditionellen asiatischen Lehren. Allerdings gerieten durch diese Einsichten die japanischen Wissenschaftler in eine Au\u00dfenseiterrolle und konnten mit ihren revolution\u00e4ren Gedanken vorerst nicht durchdringen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Japonismus<br \/>\n<\/strong>Mit der \u00d6ffnung japanischer H\u00e4fen und dem Wachsen der Ausl\u00e4nder-Kolonien kamen nach 1854 immer mehr Amerikaner und Europ\u00e4er nach Japan und lernten japanische Kunst und Kultur kennen. Reporter, Reiseschriftsteller und Fotografen ver\u00f6ffentlichten ihre Eindr\u00fccke in den Heimatl\u00e4ndern. Das Interesse f\u00fcr japanische Kunst wurde in Europa angeregt durch eine Londoner Ausstellung im Jahre 1862, die Holzschnitte und B\u00fccher aus der Sammlung Sir Rutherford Alcock zeigte. 1867 folgte eine Ausstellung in Paris, die auch japanisches Kunsthandwerk einschloss und 100 \u201eukiyoe&#8220; (Holzschnitte, Blockholzdrucke) von Hiroshige und anderen vorstellte. Vor allem diese \u201eukiyoe&#8220; fanden die besondere Aufmerksamkeit von K\u00fcnstlern und Intellektuellen. Ihre Lebendigkeit in Zeichnung und Farbgebung, die \u00fcbertriebene Perspektive, die ungewohnte Bildkomposition und die F\u00fclle der Alltagsszenen \u00fcbten gro\u00dfe Anziehungskraft aus.<br \/>\nNach Collcutt, M.\/Jansen, M.\/Kamakura, I.: \u201eJapan&#8220;, Christian Verlag, M\u00fcnchen 1989<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet das Shogunat unter zunehmenden Druck. Innere Reformen waren ausgeblieben, und von au\u00dfen wurde die \u00d6ffnung der japanischen H\u00e4fen verlangt. Russland zum Beispiel forderte 1778 und 1802 Handelsniederlassungen auf Hokkaido und 1804 in Nagasaki. Die Antwort der japanischen Regierung war 1825 die Vertreibung aller ausl\u00e4ndischen Schiffe, wodurch sich der Druck aus Europa und Amerika nur noch erh\u00f6hen musste.<\/p>\n<p>Die Niederlage Chinas im Opiumkrieg (1840-42) war f\u00fcr die japanische F\u00fchrung ein schwerer Schock. Es war nun abzusehen, dass sich Japan nicht f\u00fcr alle Zeit westlichen Einfl\u00fcssen verschlie\u00dfen k\u00f6nne. Einige der Feudalherren begannen sogar, westliche Technologien einzuf\u00fchren. Doch der Kaiserhof wie das Shogunat f\u00fcrchteten sich vor den zu erwartenden Umw\u00e4lzungen und wollten das Unvermeidliche hinausz\u00f6gern. &#8211;<\/p>\n<p>Im Jahre 1848 hatten die USA &#8211; lange vom Pazifik abgeschnitten &#8211; Kalifornien erworben, und ihr Interesse an Japan nahm zu; denn Nagasaki wurde als Zwischenstation f\u00fcr den Seeweg von San Francisco nach Shanghai gebraucht. So erschien im Juli 1853 eine Flotte von Dampfschiffen unter Leitung des Admirals Perry vor Uraga und zwang das Shogunat, einen Brief an den Kaiser entgegenzunehmen. In einem Jahr wollte die amerikanische Flotte wiederkommen und die Antwort erfahren. Den Japanern blieb keine andere Wahl: Sie mussten ihre H\u00e4fen \u00f6ffnen und Amerikaner und Europ\u00e4er ins Land lassen&#8230;<\/p>\n<p>F\u00fcr Japan begann eine turbulente Zeit innenpolitischer Machtk\u00e4mpfe, die bis zum B\u00fcrgerkrieg gingen. Versch\u00e4rft wurde die Situation noch durch Missernten (1866-69) und eine Inflation. Schlie\u00dflich besann man sich in Japan auf die alten Traditionen: Das Tokugawa-Shogunat [1603-1867] wurde nach 264 Jahren beendet. Der Tenno erhielt einen gro\u00dfen Teil seiner einstigen Macht zur\u00fcck, und das Kaiserreich erhielt 1889 eine Verfassung, welche die Alleinherrschaft des \u201eg\u00f6ttlichen Kaisers&#8220; legalisierte.<\/p>\n<p>Mit einem Kraftakt ohnegleichen schaffte Japan in atemberaubender Geschwindigkeit den Sprung von einem Feudalstaat mittelalterlicher Pr\u00e4gung zu einer modernen Industrienation. Dass dieser Neuank\u00f6mmling auf dem internationalen Parkett seinen Part in Konzert der Gro\u00dfm\u00e4chte mitspielen wollte und konnte, sollten sich nur allzu bald zeigen.<\/p>\n<p>Japan wurde zum Vorbild f\u00fcr alle farbigen Rassen, denn es bewies, dass Asiaten (und vermutlich alle anderen V\u00f6lker) zu den gleichen (oder vielleicht sogar gr\u00f6\u00dferen) Leistungen f\u00e4hig sind wie die oft beneideten, in vielen Teilen der Welt aber auch verhassten Europ\u00e4er und Amerikaner. So trugen die Japaner ungewollt zum Ende des Kolonialismus bei und stellten den im 19. Jahrhundert unangefochtenen F\u00fchrungsanspruch der Europ\u00e4er und Amerikaner in Frage. &#8211;<\/p>\n<p>Fortsetzung <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/asien-den-asiaten\/\">Japan III<\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 58 &#8222;Eine drastische Abr\u00fcstung&#8220; und Seite 332 &#8222;Entdecken, Flagge Hissen, in Besitz nehmen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in Gralswelt 16\/2000, Seite 63 f.) Das \u201eLand der aufgehenden Sonne&#8220; machte in der beginnenden Neuzeit einschneidende Entwicklungen durch. Der Kontakt mit Europas christlichen Missionaren, welche der Kolonisierung voranschritten, f\u00fchrte in Japan zum Verbot des Christenrums. Fortan spielten nur noch der Buddhismus und der Konfuzianismus eine bedeutende Rolle. 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