{"id":146,"date":"2009-03-21T18:23:01","date_gmt":"2009-03-21T17:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=146"},"modified":"2022-01-24T14:15:39","modified_gmt":"2022-01-24T13:15:39","slug":"die-religion-der-nordamerikanischen-indianer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/es\/historia-religiosa\/la-religion-de-los-indios-norteamericanos\/","title":{"rendered":"La religi\u00f3n de los indios norteamericanos"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\">(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 33\/2004).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die ersten europ\u00e4ischen Einwanderer nach Nordamerika waren weder Ethnologen noch Religionswissenschaftler und dementsprechend an Sitten, Gebr\u00e4uchen, Mythen, religi\u00f6sen Vorstellungen der Indianer nur in so weit interessiert, als es f\u00fcr den Handel mit Indianern bzw. (bei Missionaren) f\u00fcr die Bekehrung n\u00fctzlich war.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verstanden Europ\u00e4er und Amerikaner unter &#8222;Religion&#8220; bis ins 19. Jahrhundert nur das Christentum. Selbst mit der Anerkennung der j\u00fcdischen Religion hatten christliche Theologen Probleme, der Islam wurde verteufelt, und Naturreligionen als Abg\u00f6tterei oder Teufelswerk abgetan.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\"><em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\"><span style=\"font-size: 16pt; mso-bidi-font-size: 10.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">&#8222;Bruder! H\u00f6re zu. Du sagst, dass du gesendet seiest, uns zu belehren, wie wir den Gro\u00dfen Geist auf eine Weise anbeten sollen, die ihm wohlgef\u00e4llt; und wenn wir die Religion nicht annehmen, die ihr Wei\u00dfen uns lehrt, werden wir im k\u00fcnftigen Leben ungl\u00fccklich sein. Du sagst, dass du Recht hast, und wir verloren sind. Woher wei\u00dft du, dass das wahr ist? Wir erfahren, dass eure Religion in einem Buch aufgeschrieben ist. Sollte sie sowohl f\u00fcr uns wie f\u00fcr euch bestimmt sein, warum hat der Gro\u00dfe Geist sie nicht uns gegeben; und nicht nur uns, sondern warum gab er nicht unseren Vorfahren die Kenntnis von diesem Buch und die Mittel, es recht zu verstehen? Wir wissen nur, dass du uns dar\u00fcber berichtest. Wie sollten wir wissen, wem wir glauben d\u00fcrfen, nachdem wir so oft von den Wei\u00dfen hintergangen wurden?&#8220;<br \/>\n<\/span><\/span><\/em><span lang=\"EN-GB\" style=\"font-size: 16pt; mso-bidi-font-size: 10.0pt; mso-ansi-language: EN-GB;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(Der Seneca <em style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">Red Jacket<\/em>, ca. 1756-1830; 8, S. 45)<\/span><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Keine gute Ausgangslage f\u00fcr die Erforschung indianischer religi\u00f6ser Ideen, die sich von den Vorstellungen der Christen sehr unterschieden.<\/p>\n<p>Als sich dann die Wei\u00dfen ernsthafter f\u00fcr die religi\u00f6sen Vorstellungen der Indianer zu interessieren begannen (so recht eigentlich erst im 19. Jahrhundert), waren bereits christliche Weltbilder in die indianische Mythenwelt eingedrungen, und das Urspr\u00fcngliche lie\u00df sich vom aus dem Christentum \u00dcbernommenen kaum mehr trennen. Hinzu kamen die Sprachprobleme und die sich daraus ergebenden Missverst\u00e4ndnisse, die unvermeidlich sind, wenn verschiedene Kulturkreise mit unterschiedlichen Wertvorstellungen sich begegnen.<\/p>\n<p>Zudem gab es allein in Nordamerika etwa 500 indianische St\u00e4mme, Hunderte von Indianersprachen, und entsprechend viele Auspr\u00e4gungen der transzendenten Welterfahrung, so dass man von der nordamerikanischen Indianerreligion kaum verallgemeinernd sprechen darf. Es kann also nur versucht werden, einige grundlegende Vorstellungen aufzusp\u00fcren, die von den meisten indigenen V\u00f6lkern in Nordamerika mehr oder weniger geteilt wurden.<\/p>\n<h5>EINE ANIMISTISCHE NATURRELIGION<\/h5>\n<p>F\u00fcr einen Indianer war die ganze Natur belebt: Gesteine, Pflanzen, Tiere und Menschen. Sich selbst sah er als Teil der Natur, beanspruchte also keine besondere Stellung. Dementsprechend war er bestrebt, sich in das Zusammenspiel der Naturkr\u00e4fte einzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Die Zeit spielte in der indianischen Mythologie keine gro\u00dfe Rolle &#8211; anders als im Christentum mit seiner Heilsgeschichte.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist der Indianer eng verbunden mit seinem Land, mit heiligen Orten, wo sich das \u00dcbernat\u00fcrliche t\u00e4glich neu manifestiert und zur pers\u00f6nlichen Erfahrung wird. Diese transzendenten Erlebnisse des Einzelnen sind teilweise ortsgebunden, beanspruchen keine universelle G\u00fcltigkeit. Aus der Verehrung des Landes entstand &#8211; wahrscheinlich erst unter dem Einfluss der Wei\u00dfen &#8211; das heute verbreitete Bild von &#8222;Mutter Erde&#8220; (und &#8222;Vater Himmel&#8220;), das historisch nachweisbar zum ersten Mal in den Reden <em>Tecumsehs <\/em>(1768-1813) auftaucht.<\/p>\n<p>Alle Dinge durchdrang ein unpers\u00f6nlicher Geist oder eine Kraft, etwa wie eine heilige oder g\u00f6ttliche Essenz. Bei den Sioux hie\u00df diese, allen nordamerikanischen Indianern bekannte, Kraft &#8222;Wakonda&#8220;, bei den Irokesen &#8222;Orenda&#8220; (3, S. 79); beide Begriffe wurden mit &#8222;Gott&#8220; \u00fcbersetzt, obwohl &#8222;Gro\u00dfes Geheimnis&#8220; den indianischen Vorstellungen n\u00e4her k\u00e4me. Man erkennt die \u00c4hnlichkeit dieses &#8222;Kraftglaubens&#8220; (Dynamismus) mit alten Lehren Asiens, die eine \u00fcberall wirkende &#8222;neutrale Hauptkraft&#8220; (1) als &#8222;Mana&#8220;, &#8222;Dharma&#8220; usw.(vgl. 4, S. 19) bezeichnen.<\/p>\n<h5>DIE WELT DER GEISTER<\/h5>\n<p>Indianische Mythen berichten vom Ursprung der Welt und des Menschen, sowie von Geistern &#8211; guten und b\u00f6sen, gro\u00dfen und kleinen -, die \u00fcberall in der Natur wirken.<\/p>\n<p>Der Mensch bestand aus drei Teilen: K\u00f6rper, Seele und &#8222;Schatten&#8220; (manchmal f\u00e4lschlich &#8222;Geist&#8220; genannt). Die Seele lebte nach dem Erdentod weiter. Der Schatten blieb in der N\u00e4he seines Begr\u00e4bnisplatzes und nahm am Dasein der Lebenden Teil. Dieser Schatten scheint dem &#8222;Astralleib&#8220; der heutigen Esoterik zu entsprechen.<\/p>\n<p>Viele St\u00e4mme glaubten an die Wiedergeburt, sowohl von Menschen- wie von Tierseelen. Nicht ganz klar ist, ob sich der Schatten aufl\u00f6st, und nur die Seele wieder inkarniert, oder ob sich Seele und Schatten zur erneuten Inkarnation zusammenf\u00fcgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Doch darf man von einer Indianerreligion keine ausgearbeitete Theologie verlangen, und nicht selten ist es weiser, in religi\u00f6sen Fragen vieles offen, in der Schwebe zu halten, als unsichere Meinungen als Wahrheit festzuschreiben.<\/p>\n<p>An der Spitze der Hierarchie der Geister stand angeblich ein &#8222;Sch\u00f6pfergott&#8220;, der &#8222;Gro\u00dfe Gute Geist&#8220;, der viele Namen hatte. Dieses oberste der Geistwesen ist dem christlichen Gott \u00e4hnlich. Indianerforscher vermuten, dass sich hier indianische und christliche Anschauungen vermischten. In Berichten aus dem 17. Jahrhundert wird das Wort der Algonquinsprache &#8222;Manitu&#8220; sowohl mit &#8222;Gott&#8220; wie mit &#8222;Teufel&#8220; \u00fcbersetzt (3, S.74). Es wurde mehr allgemein f\u00fcr Geister oder etwas Besonderes, Bewundernswertes, auch als eine Art Allkraft verwendet; erst sp\u00e4ter fand der Christengott sein indianisches Pendant im &#8222;Gro\u00dfen Guten Geist&#8220;.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Widersacher: Ein Oberster der b\u00f6sen Geister, mit Luzifer vergleichbar, entstand wahrscheinlich erst unter christlichem Einfluss.<br \/>\nBei den Shawanos z.B. war es &#8222;Megissowon&#8220; (7, S. 14), der mit seinem Gefolge aus &#8222;Anamaqkiu&#8220; (den D\u00e4monen der Tiefe) Winter, Sturm und Unheil \u00fcber Mensch und Natur brachte.<\/p>\n<p>Als der gro\u00dfe <em>Tecumseh<\/em> mit Hilfe seines Bruders (dem Propheten <em>Ten-squa-ta-wa, <\/em>der lange Jahre unter Grenzern verbracht hatte) eine panindianische Allianz bildete und zum Kampf gegen die Landr\u00e4uber aufrief, wurden die Wei\u00dfen zu Megissowons Kindern, die mit Feuerwasser die Indianer verderben und sie mit Lug, Trug und Gewalt aus ihrem Land vertreiben. (Vgl. &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 390 &#8222;Eine unglaubliche Ank\u00fcndigung&#8220;).<\/p>\n<h5>DER MEDIZINMANN<\/h5>\n<p>Der &#8222;Medizinmann&#8220; oder auch die &#8222;Medizinfrau&#8220; (keine gl\u00fcckliche Bezeichnung f\u00fcr diese &#8222;Schamanen&#8220;) stand in uralten schamanistischen Traditionen, die m\u00f6glicherweise aus einer Zeit stammen, bevor fr\u00fche Einwanderer \u00fcber die Behringstra\u00dfe nach Amerika kamen.<\/p>\n<p>Bis heute finden sich Schamanen oder Zauberer in vielen Regionen, z.B. in Afrika und Asien, als H\u00fcter vision\u00e4rer Traditionen, wie sie in vor- und fr\u00fchgeschichtlicher Zeit vermutlich in allen Kulturen anzutreffen waren.<\/p>\n<p>Bei der Einordnung des Medizinmanns unter die Schamanen sind die Meinungen der Ethnologen allerdings geteilt, und mache begrenzen das Schamanentum auf Eurasien. Denn Medizinmann (oder afrikanischer Zauberer) und Schamane gleichen sich zwar in den \u00e4u\u00dferen Erscheinungen bzw. Verhaltensweisen, doch die Inhalte ihrer Religionen unterscheiden sich:<\/p>\n<p>In Asien zwingen &#8222;die Geister&#8220; einen Auserw\u00e4hlten durch Erkrankung und das Erleben einer rituellen T\u00f6tung Schamane zu werden (vgl.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/schamaninnen-in-korea\/\">&#8222;Schamaninnen in Korea&#8220;<\/a>\u00a0unter &#8222;Buchbesprechungen&#8220;). Inhalt dieser schamanistischen Religion im engeren Sinne sind Ahnenkult, Kontakte zu Naturwesen und zu ungeborenen Seelen.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Medizinmann (zumindest bei den Algonquin) fehlte diese Zwangsberufung durch die Geister, und das entscheidende Element seiner Religion war &#8222;Manitu&#8220;, die bereits erw\u00e4hnte Allkraft, zu der er Kontakt aufnehmen sollte.<\/p>\n<p>Der indianische Medizinmann war Vision\u00e4r, Wahrsager, Heiler, H\u00fcter der Mythen und Traditionen. Er sollte den Kontakt zur &#8222;Welt der Geister&#8220;, oder zum &#8222;Manitu&#8220;, aufrecht erhalten, hellsehend sein und wissen, wo Wild aufzufinden war, wie sich das Wetter entwickeln w\u00fcrde, ob dem Stamm Gefahren drohten und wie diese abzuwenden seien.<\/p>\n<p>In manchen, besonders den sesshaften St\u00e4mmen, gab es neben dem Medizinmann noch das erbliche Priesteramt. Auch Indianer kannten also den Unterschied zwischen Priester und Prophet:<br \/>\n<em>&#8222;W\u00e4hrend durch die Priester der Mensch zu Gott spricht, spricht durch die Propheten Gott zu den Menschen&#8220;<\/em> (3, S. 132).<\/p>\n<p>Als Wei\u00dfe das Indianerland \u00fcberfluteten, halfen dem Medizinmann weder die alten Mythen, noch das Manitu, oder die Geister der Verstorbenen. Den aus Europa eingeschleppten Seuchen waren die indianischen Heilkundigen ebenso hilflos ausgeliefert wie ihre christlichen Priester-Kollegen in Europa der gro\u00dfen Pest des 14. Jahrhunderts.<\/p>\n<h5>DIE WELT DER TR\u00c4UME<\/h5>\n<p>Ein Indianer kannte keine Trennung von Dies- und Jenseits. Tr\u00e4ume und Visionen sollten ihm zu Kontakten zum \u00dcbersinnlichen verhelfen. Traumerfahrungen waren dementsprechend f\u00fcr einen Indianer wichtig, und bei manchen V\u00f6lkern galten Tr\u00e4ume als Offenbarungen, durch die \u00fcberirdische Wesen lebensnotwendiges Wissen vermittelten (3, S. 115).<\/p>\n<p>Solche Offenbarungs-Tr\u00e4ume wurden auch aktiv gesucht, z.B. durch Fasten oder Rituale, teilweise (z.B. bei den Sioux) wurde mit Payote<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> nachgeholfen, um in Trance zu fallen.<\/p>\n<p>Der folgende Tatsachenbericht soll zeigen, wie ernst ein Indianer seine Tr\u00e4ume nahm:<\/p>\n<p>Der Chippewa <em>Wawatam<\/em> hatte im Jahr 1758 eine Vision, in der er einen ihm unbekannten Engl\u00e4nder sah und den Auftrag erhielt, den fremden Wei\u00dfen wie seinen eigenen Sohn anzunehmen. Drei Jahre sp\u00e4ter begegnete Wawatam tats\u00e4chlich diesem Engl\u00e4nder: Es war der H\u00e4ndler <em>Alexander Henry<\/em>. Wawatam nahm den erstaunten Wei\u00dfen wie ein eigenes Kind in seine Familie auf und rettete ihm w\u00e4hrend des Pontiac-Krieges mehrmals das Leben. (2).<\/p>\n<h5>GEBETE, OPFER, ZEREMONIEN<\/h5>\n<p>Wie in allen alten Kulturen galten auch bei Indianern Gebete und Opfer als Kommunikationswege zum \u00dcbersinnlichen. Bei manchen St\u00e4mmen gab es rituelle Spruchformeln &#8211; unseren Zauberspr\u00fcchen vergleichbar &#8211; die teilweise geheim waren und vererbt wurden. Geopfert wurden Gegenst\u00e4nde (z.B. Muschelschalen, Schmucksteine), Pflanzen (besonders Tabak), Tiere (Hunde, Teile erlegter Tiere beim Jagdopfer) und auch Menschen.<\/p>\n<p>Gleich anderen Naturv\u00f6lkern hatten Indianer Zeremonien f\u00fcr besondere Lebensabschnitte. Beim Erwachsenwerden als Beispiel mussten m\u00e4nnliche Jugendliche durch strenges Fasten zu vision\u00e4ren Erfahrungen gelangen, und dabei ihrem Schutzgeist begegnen. Danach erhielten sie einen neuen Namen.<\/p>\n<p>In so gut wie ganz Nordamerika hatte das Kalumet<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> rituelle Bedeutung (vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/das-war-der-wilde-westen-teil-1\/\">&#8222;Das war der wilde Westen&#8220; Teil 1<\/a>, unter &#8222;Geschichte&#8220;).<\/p>\n<p>Ackerbauern war der Regen- oder Fruchtbarkeitszauber wichtig.<\/p>\n<p>Ein bei vielen St\u00e4mmen praktiziertes Ritual war der Sonnentanz. Er besteht aus tagelangen T\u00e4nzen um einen Zeremonialpfahl, ohne Essen und Trinken (manchmal noch mit schmerzhaften Selbstfolterungen), bis die T\u00e4nzer in Trance fallen und halluzinieren.<\/p>\n<p>Der Tod war f\u00fcr Indianer der \u00dcbergang in eine anderen Daseinsform, von der aus sich der Abgeschiedene erneut als Mensch inkarnieren konnten.<\/p>\n<p>Einige St\u00e4mme, z.B. die Navaho, f\u00fcrchteten die Seele eines Verstorbenen, begruben Tote m\u00f6glichst schnell und zerst\u00f6rten deren Eigentum.<\/p>\n<p>Im \u00f6stlichen Waldland g\u00f6nnte man dem Abgeschiedenen einen l\u00e4ngeren Zeitraum, sich vom Diesseits zu l\u00f6sen, und brachte ihm noch Nahrung und Tabak ans Grab. Erst nach einem oder mehreren Jahren gab man ein Abschiedsfest, um die Seele endg\u00fcltig von dieser Welt zu trennen.<\/p>\n<p>Die viel zitierten &#8222;Ewigen Jagdgr\u00fcnde&#8220;, als der Aufenthaltsort der Verstorbenen, sind kaum eine origin\u00e4re indianische Vorstellung. Sie entspringen wahrscheinlich christlichen Einfl\u00fcssen.<\/p>\n<h5><strong>SINNKRISEN<\/strong><\/h5>\n<p><em>&#8222;Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erz\u00e4hlten Ojibwa und Ottawa die Geschichte von einem christlichen Indianer, der nach seinem Tod an der Pforte zum Himmel von Petrus abgewiesen wurde, weil er ein Indianer war, und dem als Christ der Zugang zu den ewigen Jagdgr\u00fcnden versperrt blieb. Notgedrungen auf die Erde zur\u00fcckgekehrt, legte er sein Christentum ab, weil er kein Wei\u00dfer werden konnte.&#8220;<\/em> (3, S. 193).<\/p>\n<p>In dieser Fabel einer untergehenden Kultur liegt die ganze Tragik der Indianer: Aus der \u201eSteinzeit\u201c herausgerissen, wurde ihnen keine Chance gelassen, sich anzupassen.<\/p>\n<p>Den \u00fcberm\u00e4chtigen Eindringlingen, die ihre Kultur zerst\u00f6rten, konnten Indianerv\u00f6lker nicht Stand halten. H\u00e4uptlinge wie Medizinleute wussten keinen Rat, und die Geister schwiegen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Indianer gab es keine Zukunft: Bekehrten sie sich zum Christentum oder wurden sie Farmer, um in Frieden zu leben, wurden sie von anderen Indianern verachtet, gar bek\u00e4mpft (wie die Mohikaner von den Irokesen), oder von wei\u00dfen Siedlern und der Armee vertrieben, ermordet, ausgerottet (wie die &#8222;F\u00fcnf Zivilisierten St\u00e4mme&#8220;; vgl. &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 404\u00a0 &#8222;Ein kaum bekannter Genius&#8220;).<\/p>\n<p>Zuletzt, als nach <em>Tecumsehs<\/em> Tod und der Zwangsumsiedlung in Reservate (meist in kargen, f\u00fcr Wei\u00dfe unbrauchbare Landschaften), auch die letzten Versuche zur Befreiung vergebens gewesen waren, traten noch Propheten auf, die mit irrationalen Vermischungen von indianischen und christlichen Mythen eine bessere Zukunft versprachen, auf die ein Indianer im 19. Jahrhundert aber nur im Jenseits hoffen konnte.(Vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/das-war-der-wilde-westen-teil-6\/\">&#8222;Das war der wilde Westen&#8220;, Teil 6<\/a>, unter &#8222;Geschichte&#8220;).<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Abd-ru-shin: &#8222;Im Lichte der Wahrheit&#8220;, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart.<br \/>\n(2) Eckert, Allan W.: &#8222;The Conquerors&#8220;, Bantam, New York, 1981.<br \/>\n(3) Feest, Christian: &#8222;Beseelte Welten&#8220;, Herder, Freiburg , 1998.<br \/>\n(4) Hagl, Siegfried: &#8222;Spreu und Weizen&#8220;, Gralsverlag, Purgstall, 2003.<br \/>\n(5) Hetmann, Frederik: &#8222;Die Erde ist unsere Mutter&#8220;, Herder, Freiburg, 1998.<br \/>\n(6) La Farge, Oliver: &#8222;Die gro\u00dfe Jagd&#8220;, Walter, Olten 1961.<br \/>\n(7) Steuben, Fritz: &#8222;Gro\u00dfer H\u00e4uptling Tecumseh&#8220;, Franckh&#8217;sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1966.<br \/>\n(8) Vanderwerth, W. C.: &#8222;Indian Oratory&#8220;, University of Oklahoma, 1971.<br \/>\n(9) http:\/\/home.t-online.de\/home\/gymbarntrup\/re\/natur.html.<br \/>\n<strong>Endnoten:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Payote (Payoti) ist ein kleiner, stachelloser Kaktus mit psychedelischer Wirkung<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Die bei Ritualen verwendete Tabakpfeife<\/p>\n<div id=\"edn2\" style=\"mso-element: endnote;\"><\/div>\n<hr size=\"1\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 33\/2004). Die ersten europ\u00e4ischen Einwanderer nach Nordamerika waren weder Ethnologen noch Religionswissenschaftler und dementsprechend an Sitten, Gebr\u00e4uchen, Mythen, religi\u00f6sen Vorstellungen der Indianer nur in so weit interessiert, als es f\u00fcr den Handel mit Indianern bzw. 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