{"id":2417,"date":"2015-07-29T14:13:03","date_gmt":"2015-07-29T13:13:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=2417"},"modified":"2024-02-19T12:05:48","modified_gmt":"2024-02-19T11:05:48","slug":"die-erste-umsegelung-der-erde-vor-500-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/en\/memorial-days\/the-first-circumnavigation-of-the-earth-500-years-ago\/","title":{"rendered":"The first circumnavigation of the earth 500 years ago"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eSollten sich irrige Ansichten \u00fcber die in der Genesis beschriebene Entstehung der Welt durchsetzen, w\u00fcrden alle g\u00f6ttlichen Versprechungen in nichts zerrinnen und unsere Religion ihr Leben verlieren.\u201c<br \/>\n<\/em>Der reformierte Theologe Peter Martyr (Pietro Mariano) Vermigli (1499-1562). (1, S. 387).<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Neuzeit, sp\u00e4testens seit <em>Kopernikus<\/em> (1473-1543), r\u00fcttelten unz\u00e4hlige astronomische, biologische, geographische Entdeckungen am mittelalterlichen Weltbild, auf dem auch die christlichen Lehren \u2013 zum Teil noch bis heute \u2013 bauen. Doch alle Widerlegungen christlicher Theologien verpufften ohne allzu gro\u00dfe Wirkung \u2013 zum Entsetzten aufgekl\u00e4rter Philosophen und materialistisch denkender Naturwissenschaftler.<\/p>\n<p>Da war der unwiderlegliche Beweis der Kugelgestalt der Erde eigentlich von geringer religi\u00f6ser und philosophischer Bedeutung. Denn schon antiken Philosophen und selbst mittelalterlichen Theologen war die Erde als Kugel vertraut. Auch wenn der eine oder andere Kirchenlehrer, wie beispielsweise<em> Lucius Caecilius Firmius<\/em> (genannt Lactantius, um 250-320), darin einen Widerspruch zur Bibel erkennen wollte.<\/p>\n<p>Nicht so das gemeine Volk. Dieses hatte \u2013 wie auch der <em>Kirchenvater Augustinus<\/em> (354-430) \u2013 Schwierigkeiten mit den Antipoden, den \u201eGegenf\u00fc\u00dflern\u201c. Viele konnten nicht verstehen, warum man nicht sp\u00e4testens am \u00c4quator von der Erdkugel abrutschte und sonst wo hin fiel. Dabei hatten portugiesische Seefahrer im 15. Jahrhundert schon mehrmals den \u00c4quator \u00fcberquert. Doch so ganz konnten viele einfache Menschen noch immer nicht an die Erde als Kugel glauben, bevor eine Reise um die Welt den endg\u00fcltigen Beweis erbrachte.<\/p>\n<h5>Weltmacht Portugal<\/h5>\n<p>Es war das Verdienst vor allem eines Mannes, dass das kleine, arme Portugal im 15. Jahrhundert zur bedeutenden Seemacht aufstieg.<em> Prinz Heinrich<\/em> (1394-1460), sp\u00e4ter \u201eder Seefahrer\u201c genannt, war ein j\u00fcngerer Bruder des regierenden K\u00f6nigs. Prinz Heinrich wird 1415 Herzog von Viseu, Gouverneur der Algarve und Herr \u00fcber Madeira, von dem Holz und wertvolle Baumharze importiert werden. Au\u00dferdem wird er 1420 Administrator des Christusordens. Dieser Orden ist eine Nachfolgeorganisation des in Frankreich verfolgten Templerordens. Wie schon in der Gralswelt erw\u00e4hnt (vgl. &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite143 <span style=\"font-size: inherit;\">&#8222;Die Vernichtung der Templer&#8220;<\/span>)<span style=\"font-size: inherit;\">, verf\u00fcgten die Templer angeblich \u00fcber hervorragende Kenntnisse in Nautik und Schiffbau. Sie sollen sogar regelm\u00e4\u00dfig nach S\u00fcdamerika gesegelt sein. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: inherit;\">Der an der Schifffahrt h\u00f6chst interessierte Prinz Heinrich \u201eder Seefahrer\u201c \u2013 der nie selbst ein Schiff kommandierte \u2013 konnte auf deren Kenntnisse aufbauen, mit deren Verm\u00f6gen nautische Studien f\u00f6rdern und Expeditionen ausr\u00fcsten. Von ihm ausgeschickte Kapit\u00e4ne erforschten nach und nach die K\u00fcsten Westafrikas. Es waren Forschungsreisen auf winzigen Schiffen \u2013 mit dem Templerkreuz auf den Segeln \u2013 in unbekannte Regionen, \u00fcber die wilde Schauergeschichten im Umlauf waren. So war es nicht leicht, Kapit\u00e4ne und Besatzungen zu finden, die auf den legend\u00e4ren Karavellen Abenteuerreisen ins Unbekannte wagten.<\/span><\/p>\n<p>Prinz Heinrich durfte die ph\u00e4nomenalen Erfolge seiner Bem\u00fchungen nicht mehr erleben. Erst knapp drei Jahrzehnte nach seinem Ableben umsegelte<em> Bartholom\u00e4us Diaz<\/em> (1450-1500) im Jahre 1488 die S\u00fcdspitze des afrikanischen Kontinents, und weitere zehn Jahre sp\u00e4ter erreichte<em> Vasco da Gama<\/em> (1468-1524) die Handelsstadt Calicut in Indien.<\/p>\n<h5>Seewege ins Wunderland<\/h5>\n<p>Aus heutiger Sicht war die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus bedeutsamer als die Indienreisen der Portugiesen. Auch Kolumbus hatte ja, im Dienste Spaniens, einen Weg nach Indien gesucht und Zeit seines Lebens nicht erkannt, dass er nicht eine Route nach Asien gefunden, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte.<br \/>\nDoch vom Ende des 15. Jahrhunderts an flossen durch den Gew\u00fcrzhandel gro\u00dfe Reicht\u00fcmer aus dem fernen Osten nach Portugal: Muskatnuss, Parf\u00fcm, Pfeffer, Porzellan, Safran, Seide, Zimt, Zucker. An dem weit gr\u00f6\u00dferen Spanien ging der lukrative Indienhandel ebenso vorbei wie an den anderen seefahrenden Nationen Europas.<\/p>\n<p>Durch den Vertrag von Tordesillas von 1494 wurde mit p\u00e4pstlichem Segen die Welt in portugiesische und spanische Interessensgebiete aufgeteilt. Eine Linie, etwa entlang dem 45. L\u00e4ngengrad, trennte die Einflusssph\u00e4ren der beiden gro\u00dfen Entdeckernationen: die L\u00e4nder im Westen dieses Meridians sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen. So wurde auch Brasilien noch portugiesisch, durch dessen Osten dieser L\u00e4ngengrad l\u00e4uft. Den Spaniern war durch den Vertrag von Tordesillas der \u00f6stliche Seeweg um Afrika nach Indien und zu den Gew\u00fcrzinseln (Molukken) versperrt. Spanische Seekapit\u00e4ne hassten die Portugiesen, weil diese ihnen die \u201ehalbe Welt gestohlen\u201c h\u00e4tten. (Vgl. \u201eEntdecken, Flagge hissen, in Besitz nehmen\u201c, in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 332).<\/p>\n<p>Zwischen den europ\u00e4ischen Nationen waren durch diesen Vertrag Konflikte vorprogrammiert. Denn Engl\u00e4nder, Franzosen, Niederl\u00e4nder wollten sich ebenfalls am \u00dcberseehandel mit Indien und den weiter im Osten liegenden Gew\u00fcrzinseln beteiligen und Handelsstationen gr\u00fcnden, die sp\u00e4ter zu Kolonien wurden. Aus dem friedlichen Handel wurden bald blutige Raubz\u00fcge, bei denen die Europ\u00e4er ihre \u00fcberlegenen Waffen r\u00fccksichtslos einsetzten. (Vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/die-machtvollste-erfindung-der-weltgeschichte\/\">&#8222;Die machtvollste Erfindung der Weltgeschichte&#8220;<\/a>)<\/p>\n<h5>Ferdinand Magellan (1480-1521)<\/h5>\n<p>Der Portugiese <em>Fernao de Magalh\u00e1es<\/em>, der sich im Spanien <em>Magellanes<\/em> nannte, war ein erfahrener Seefahrer, der in seiner Heimat \u2013 wohl zu Unrecht \u2013 in Ungnade gefallen war. So konnte er nicht hoffen, dass ihm sein K\u00f6nig einen Traum finanzieren w\u00fcrde: eine Expedition nach Indien \u00fcber die Westroute, die schon Kolumbus gesucht hatte.<\/p>\n<p>Portugal hatte gerade die \u00f6stliche Seeroute nach Indien er\u00f6ffnet und damit ein Monopol auf den h\u00f6chst gewinntr\u00e4chtigen Gew\u00fcrzhandel errungen. F\u00fcr die spanische Krone war daher ein westlicher Seeweg nach Indien von gr\u00f6\u00dftem Interesse. Der Ostweg war ihr ja durch den Vertrag von Tordesillas versperrt. So verl\u00e4sst der knapp vierzigj\u00e4hrige Magellan kurzerhand sein portugiesisches Heimatland und bietet seine Dienste bei der spanischen Konkurrenz an, wo er einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr seine Pl\u00e4ne begeistern kann. F\u00fcr die Portugiesen war das Verrat. Schlie\u00dflich war Magellan von Adel und hatte \u00fcber Jahrzehnte seinem portugiesischen K\u00f6nig gedient!<\/p>\n<p>Spaniens K\u00f6nig (von 1519-1556 als <em>Karl V.<\/em> auch Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reiches), stellte Magellan f\u00fcr seine k\u00fchne Entdeckerfahrt f\u00fcnf \u00e4ltere Schiffe zur Verf\u00fcgung. Am 20. September 1519 beginnt, mit einer gemischten Besatzung von 270 Mann, die gro\u00dfe Entdeckungsreise. Es war schwer, eine halbwegs geeignete Bemannung zu finden. Die versprochene Heuer war nicht gerade \u00fcppig und das Risiko, nicht zur\u00fcckzukehren, besonders gro\u00df.<\/p>\n<p>Der portugiesische K\u00f6nig Dom Manuel, durch seine Spione bestens informiert, will Magellan zuerst zur R\u00fcckkehr nach Portugal bewegen und dann sogar ermorden lassen \u2013 vergeblich. Zuletzt sendet er Schiffe aus, um die Expedition noch zu stoppen. Doch Magellan entkommt diesen Nachstellungen.<\/p>\n<h5>In 1082 Tagen um die Welt<\/h5>\n<p>Voll Zuversicht nimmt Magellan auf dem Atlantik Kurs nach Westen. Seine Flotte besteht aus dem Flaggschiff Trinidad (120 Tonnen), der San Antonia als gr\u00f6\u00dftem Schiff mit 130 Tonnen, der Concepci\u00f3n (90 Tonnen), der Victoria (90 Tonnen) und der kleinen Santiago (60 Tonnen).<\/p>\n<p>Bald gibt es Spannungen, weil die spanischen Kapit\u00e4ne den Portugiesen Magellan hassen. Der spanische Kapit\u00e4n der San Antonia verweigert ihm den Respekt. Magellan l\u00e4sst ihn gefangen setzten und ernennt einen anderen zum Kapit\u00e4n. Dann kommen St\u00fcrme auf. Einige Besatzungsmitglieder planen eine Meuterei und wollen Magellan sogar ermorden. Doch dieser bleibt gelassen und setzt sich durch.<\/p>\n<p>Anfang Dezember ist Amerika erreicht und die Flotte ankert in einer Bucht, an der sich heute Rio de Janeiro befindet. Es ist portugiesisches Gebiet und die Flotte bricht schleunigst wieder auf, nachdem sie sich mit Wasser und Proviant versorgen konnte.<\/p>\n<h5>Die Magellanstra\u00dfe<\/h5>\n<p>Nun muss eine Passage zum Pazifik (Magellan gab dem bis dahin noch unbekannten Ozean diesen Namen) gesucht werden. Niemand wei\u00df genau, warum Magellan ausgerechnet in einem Inselgewirr eine Durchfahrt suchte. Angeblich gab es in Spanien eine Seekarte, die auf eine solche, fiktive Durchfahrt hindeutete.<\/p>\n<p>Bartholom\u00e4us Diaz hatte auf der Suche nach dem Weg nach Indien das s\u00fcdlichste Kap Afrikas umschifft. Warum suchte Magellan nicht das S\u00fcdkap Amerikas, das heute Kap Hoorn hei\u00dft?<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die Entdeckung der Magellanstra\u00dfe<br \/>\n<\/strong><em>&#8222;Wenn es nicht f\u00fcr den Kapit\u00e4n-General gewesen w\u00e4re, w\u00fcrden wir diese Meerenge nicht gefunden haben, denn wir alle dachten und sagten dass das Wasser von allen Seiten mit Land umschlossen war. Aber der Kapit\u00e4n-General wusste, wohin man segeln musste, und eine gut verborgene Meerenge zu finden. Er hatte sie auf einer Karte gesehen, die sich im Besitz des K\u00f6nigs von Portugal befindet und von einem ausgezeichneten Mann, n\u00e4mlich Martin von Beheim, stammte. Der Kapit\u00e4n-General entsandte zwei Schiffe, die San Antonio und die Conceptione, um zu erforschen, was sich auf der anderen Seite des Kaps de la Baia (d. h. in der Bucht) befand. Wir mit den anderen beiden Schiffen, dem Flaggschiff Trinitade und der Victoria, warteten auf sie in der Bucht. In dieser Nacht kam ein gro\u00dfer Sturm auf, der bis zum Mittag des folgenden Tages andauerte und uns zwang, Anker zu lichten und uns in die Bucht hinunter treiben zu lassen.<br \/>\n<\/em><em>Die beiden anderen Schiffe erhielten Gegenwind und kamen daher nicht um das Kap am Ende der Bucht herum, als sie versuchten zur\u00fcckzusegeln, um uns zu treffen. Sie f\u00fcrchteten daher, auf Grund zu laufen. Aber als sie sich dem Ende der Bucht n\u00e4herten und dachten, dass sie verloren seien, sahen sie eine kleine \u00d6ffnung, die nicht wie eine solche aussah, sondern wie eine scharfe Biegung. Verzweifelt wie sie waren, hielten sie darauf zu und entdeckten so die Meerenge durch Zufall. Als sie diese erkannt hatten, segelten sie weiter und fanden eine Bucht. Und danach fanden sie eine andere Meerenge und eine andere Bucht, die gr\u00f6\u00dfer als die beiden ersten war. Sehr froh kehrten sie sofort zur\u00fcck, um es dem Kapit\u00e4n-General zu sagen. Wir dachten, dass sie Schiffbruch erlitten h\u00e4tten, einmal wegen des starken\u00a0 Sturmes und zum zweiten, weil wir sie zwei Tage lang nicht gesehen hatte&#8230;.Und w\u00e4hrend wir noch zweifelten, sahen wir die beiden Schiffe pl\u00f6tzlich mit vollen Segeln und im Winde wehenden Flaggen uns entgegenkommen. Als sie sich gen\u00e4hert hatten, feuerten sie einige M\u00f6rser ab, und die Besatzung brach in Hurrarufe aus. Wir dankten alle Gott und der Jungfrau Maria und gingen daran, die Meerenge zu erforschen.<\/em><br \/>\nAntonio Pigafetta (4).<\/p><\/blockquote>\n<p>Seine Mannschaft ist nach einer Reise von \u00fcber einem Jahr mutlos. Es kommt zu einer weiteren Meuterei. Die Santiago geht bei einer Erkundungsfahrt verloren und die San Antonio rei\u00dft aus und kehrt heimlich nach Spanien zur\u00fcck. Nun hat Magellan nur noch drei Schiffe.<br \/>\nDoch das Gl\u00fcck des T\u00fcchtigen ist mit ihm. Er findet die nach ihm benannte, 310 Seemeilen (570 km) lange, Magellanstra\u00dfe; bis zum Bau des Panamakanals eine der wichtigsten Seestra\u00dfen der Neuzeit, die auch heute noch regelm\u00e4\u00dfig befahren wird. Durch starke Gezeiten und h\u00e4ufige St\u00fcrme ist sie, besonders f\u00fcr kleinere Schiffe, noch immer gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<h5>Der Pazifische Ozean<\/h5>\n<p>Am 28. November 1520 erreichen die drei verbliebenen Schiffe endlich den gr\u00f6\u00dften aller Ozeane, den zuvor noch kein europ\u00e4isches Schiff durchquert hat. Die Passage durch die Magellanstra\u00dfe hatte 38 Tage gedauert, unter zum Teil schwierigen Wetterbedingungen.<\/p>\n<p>Doch nun meint es das Wetter gut mit den mutigen Seefahrern; das Meer ist so ruhig, dass sie es &#8222;mare pacifico&#8220;, das Stille Meer oder den Stillen Ozean taufen.<\/p>\n<p>Sie sind nun auf dem Weg zu den Gew\u00fcrzinseln, von denen man nur ungef\u00e4hr die geographische Breite kennt. Wie weit diese sagenumwobenen Inseln noch entfernt sein m\u00f6gen, wie breit der Pazifik tats\u00e4chlich ist, ahnt niemand. Die Nahrung wird knapp, die Mannschaft ist nahe am verhungern als man endlich, mehr zuf\u00e4llig auf Land st\u00f6\u00dft: die Marianen.<\/p>\n<p>Die am 6. M\u00e4rz 1721 entdeckte \u201eInsel der Diebe\u201c (vermutlich beim heutigen Guam), an der Eingeborne versuchten ein Beiboot zu stehlen, wird schnell wieder verlassen. Am 16. M\u00e4rz k\u00f6nnen die Entdecker endlich an einer Insel (wohl Homonhon) anladen, wo man sie freundlich, wie in einem S\u00fcdseeparadies empf\u00e4ngt. Dieses Eiland geh\u00f6rt schon zu den Philippinen. Ein Sklave Magellans, der aus Sumatra kommt, kann sich mit den Einheimischen verst\u00e4ndigen. Die Seereisenden aus Europa k\u00f6nnen Handel treiben, die Insulaner zum Christentum bekehren und auf dauerhafte, freundschaftliche Beziehungen hoffen.<\/p>\n<p>Dann leistet der K\u00f6nig einer der Inseln den Europ\u00e4ern Widerstand. Magellan will diese feindlich gesinnten Eingeborenen mit seinen Feuerwaffen einsch\u00fcchtern; doch er sch\u00e4tzt die Situation falsch ein. Acht seiner Seeleute und auch Magellan selbst werden get\u00f6tet. Die Lebensreise des gro\u00dfen Seefahrers endet am 27. April 1521 auf der Insel Macatan. Damit war es auch mit dem friedlichen Zusammenleben mit den Einheimischen und der Christianisierung vorbei.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Magellans Tod<br \/>\n<\/strong><em>&#8222;Wir wehrten uns unserer Haut, so gut wir das vermochten, und zogen uns, st\u00e4ndig fechtend, zur K\u00fcste zur\u00fcck. Aber auch als wir schon im Wasser standen, lie\u00dfen die Insulaner nicht von uns ab. Weiter prasselten ihre Geschosse auf uns nieder. Da sie unseren Befehlshaber kannten, richtete sich ihr Angriff vor allem gegen ihn. Zweimal wurde ihm der Helm vom Kopf gerissen. Aber er wich nicht, obwohl nur noch wenige an seiner Seite k\u00e4mpften.<br \/>\n<\/em><em>L\u00e4nger als eine Stunde dauerte dieser ungleiche Kampf. Magaglianes wich noch immer nicht, und so gelang es einem der Insulaner, ihn mit der Spitze seiner Lanze im Gesicht zu verwunden. Der Generalkapit\u00e4n durchbohrte seinen Gegner sofort mit seiner Lanze, die im K\u00f6rper des Get\u00f6teten stecken blieb. Er wollte nun seinen Degen ziehen, vermochte ihn aber nur noch halb aus der Scheide zu bringen, weil ihm der verwundete rechte Arm kaum mehr gehorchte. Als die Insulaner dies sahen, drangen sie alle auf ihn ein, und einer von ihnen stie\u00df unserem Generalkapit\u00e4n die Lanze so heftig in den linken Schenkel, dass er aufs Gesicht fiel. In demselben Augenblick warfen sich alle Feinde auf ihn und hieben mit ihren Waffen auf ihn ein. So kam unser F\u00fchrer, unser Licht, unsere St\u00fctze, ums Leben.&#8220;<br \/>\n<\/em>Antonio Pigafetta (4).<\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Der weite Weg zur\u00fcck<\/strong><\/h5>\n<p>Von 270 Seeleuten, die in Sevilla aufbrachen, waren nach weiteren K\u00e4mpfen noch 47 am Leben. Diese m\u00fcssen nun versuchen, irgendwie nach hause zu kommen.<\/p>\n<p>Aus Mangel an Mannschaft muss die Concepci\u00f3n aufgegeben werden. Die Stimmung der Seeleute, die auf die beiden verbliebenen Schiffe verteilt werden, n\u00e4hert sich dem Tiefpunkt. Auf der Suche nach den Gew\u00fcrzinseln kreuzen die Victoria und die Trinidad durch das Inselgewirr Indonesiens und erreichen sogar die gesuchten Molukken, wo sie ihre Handelswaren eintauschen und Gew\u00fcrze an Bord nehmen k\u00f6nnen. Hier haben sie wieder das Gl\u00fcck, einem portugiesischen Schiff zu entkommen. Die Trinidad allerdings, die f\u00fcr eine Reparatur zur\u00fcckbleiben muss, wird von den Portugiesen aufgebracht.<\/p>\n<p>Nun scheint endlich die Bahn in die ferne Heimat frei. Doch der Heimweg ist noch lang und schwer. Weiter geht es auf dem letzten Schiff, der Victoria, mit einer Tonnage von 90 Tonnen. Die Spanier m\u00fcssen der von den Portugiesen erschlossenen Route folgen: Um das Kap der Guten Hoffnung und entlang der K\u00fcste Westafrikas.<\/p>\n<p>Wie damals \u00fcblich, wurden alle nautischen Daten streng geheim gehalten, so dass die Spanier nicht auf die Erfahrungen der Portugiesen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Hier fehlte Magellan, der als einziger der Crew schon mit portugiesischen Schiffen in Indien war und sich dort im Kampf ausgezeichnet hatte. Portugiesische St\u00fctzpunkte m\u00fcssen die spanischen Seefahrer meiden. Um nicht zu verhungern, m\u00fcssen sie doch noch auf einer der kapverdischen Inseln Proviant aufnehmen. Diese Inselgruppe wird von den Portugiesen beherrscht, die dreizehn Besatzungsmitglieder verhaften.<\/p>\n<p>Im September 1522 erreicht eine zerlumpte, ersch\u00f6pfte Besatzung, nach einer Seereise von ca. 69.000 km, auf leckem, gerade noch schwimmendem Schiff endlich Sevilla. Von der urspr\u00fcnglichen Besatzung hatten nur achtzehn Mann die ganze Reise um die Erde \u00fcberstanden. Darunter <em>Sebasti\u00e0n Elcano<\/em>, der Kapit\u00e4n der Victoria, und<em> Antonio Pigafetta<\/em>, der Chronist der Reise (4). Die ganze Entdeckungsfahrt hatte zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert.<\/p>\n<h5>Die Bedeutung der ersten Weltumsegelung<\/h5>\n<p>Wirtschaftlich gesehen war die bis dahin gr\u00f6\u00dfte Reise aller Zeiten sogar noch ein Erfolg. Die Victoria brachte von den Molukken 26 Tonnen Gew\u00fcrze heim, die nach Abzug der Kosten, die der Verlust der anderen Schiffe ausmachte, noch einen Reingewinn von 500 Golddukaten brachten (5).<\/p>\n<p>Die geographische und philosophische Bedeutung der Magellan-Expedition ist kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen:<br \/>\n* Zu ersten Mal wurde die Erde umrundet. Damit steht fest: auf einer s\u00fcdlichen Route sind alle Kontinente in beiden Richtungen zu umfahren!<br \/>\n* Bei der R\u00fcckkehr fehlte im Logbuch ein Tag. Die Datumsgrenze wurde deutlich.<br \/>\n* Zum ersten Mal wurde von Europ\u00e4ern der Gro\u00dfe Ozean befahren, der ein Drittel der Erdoberfl\u00e4che bedeckt.<br \/>\n* Es wird un\u00fcbersehbar, dass die von Kolumbus entdeckten \u201eWestindischen Inseln\u201c (Karibik) nicht zu Asien, sondern zu einem eigenen, gro\u00dfen Kontinent geh\u00f6ren. Und dass dieses neuentdeckte \u201eAmerika\u201c weit entfernt ist von der Ostk\u00fcste Chinas, die Marco Polo beschrieben hat. Durch Magellan wird aus einer Welt mit drei Kontinenten (Europa, Asien, Afrika) eine Welt mit vier Kontinenten[1].<br \/>\n* Zum ersten Mal bekam man eine praktisch erfahrene, realistische Vorstellung von der Gr\u00f6\u00dfe unseres Planeten.<br \/>\nZwar hatte <em>Eratosthenes von Kyrene<\/em> schon im 3. Jahrhundert v. Chr. den Erdumfang mit erstaunlicher Genauigkeit ermittelt. Doch das waren theoretische Berechnungen, die nur wenige Astronomen verstanden, und kaum einer nachzupr\u00fcfen vermochte. Erst durch Magellans Weltumrundung waren alle Zweifel durch unwiderlegliche Beobachtungen ausger\u00e4umt: Die Erde ist eine Kugel! Auch ihre lange untersch\u00e4tzte Gr\u00f6\u00dfe ist deutlich geworden. Eine neue \u00c4ra der Menschheitsgeschichte kann beginnen, in der europ\u00e4ische Schiffe alle Meere befahren, und die Erde in beiden Richtungen umrunden. In Magellans Reise kann man schon den ersten Schritt zur Globalisierung sehen.<\/p>\n<p>Die zweite Weltumsegelung gelingt dem Engl\u00e4nder <em>Francis Drake<\/em> (1540-1596) von 1585 bis 1586, also erst ein gutes halbes Jahrhundert sp\u00e4ter!<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu auch in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 332: &#8222;Entdecken, Flagge hissen, in Besitz nehmen&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Endnote:<br \/>\n<\/strong>[1] Der f\u00fcnfte Kontinent \u2013 Australien \u2013 war noch unbekannt. Ebenso die Antarktis.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Durant Will, Kulturgeschichte der Menschheit Band 19, Editions Recontre, Lausanne, o. J.<br \/>\n(2) Die Zeit Geschichte 1\/2011, \u201eDas Zeitalter der Entdecker\u201c, Hamburg.<br \/>\n(3) Kay Bernhard, Der Navigator, Bastei L\u00fcbbe, Bergisch-Gladbach, 2007.<br \/>\n(4) Pigafetta Antonio, Die erste Reise um die Erde, Thienemanns, Stuttgart, 1983.<br \/>\n(5) http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ferdinand_Magellan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSollten sich irrige Ansichten \u00fcber die in der Genesis beschriebene Entstehung der Welt durchsetzen, w\u00fcrden alle g\u00f6ttlichen Versprechungen in nichts zerrinnen und unsere Religion ihr Leben verlieren.\u201c Der reformierte Theologe Peter Martyr (Pietro Mariano) Vermigli (1499-1562). (1, S. 387). 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