{"id":1653,"date":"2011-10-29T11:24:07","date_gmt":"2011-10-29T10:24:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1653"},"modified":"2024-10-04T10:49:02","modified_gmt":"2024-10-04T09:49:02","slug":"die-dunkle-seite-der-aufklarung-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/en\/esotericism\/the-dark-side-of-enlightenment-part-2\/","title":{"rendered":"The Dark Side of Enlightenment Part 2"},"content":{"rendered":"<h5>Die geheime Verschw\u00f6rung<\/h5>\n<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 67\/2011)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Barockzeitalter war das Zeitalter des Absolutismus, was bedeutet: Alle Regierungsgewalt lag ausschlie\u00dflich in den H\u00e4nden des Herrschers. Auf ihn war alles konzentriert, von ihm ging alles aus. Wer politischen Einfluss aus\u00fcben wollte, musste das Vertrauen des Herrschenden gewinnen und diesen dann geschickt beeinflussen. Das leuchtende Vorbild f\u00fcr diese totale Alleinherrschaft bot der franz\u00f6sische K\u00f6nig Ludwig XIV. (1638-1715). Bekannt ist sein Ausspruch:<em> \u201eDer Staat bin ich\u201c<\/em>.<br \/>\nDiese egozentrische Herrschaftsform wurde von vielen kleineren und kleinsten F\u00fcrsten und Herren (in Deutschland gab es vor der franz\u00f6sischen Revolution weit \u00fcber Eintausend selbst\u00e4ndige Herrschaften) nachgeahmt, die genauso souver\u00e4n in einem Prunkschloss regieren wollten, wie der angehimmelte, m\u00e4chtige K\u00f6nig von Frankreich in Versailles.<\/p>\n<h5>Aus der Politik ausgeschlossen<\/h5>\n<p>Damit hatten so gut wie alle gesellschaftlichen Gruppen, alle Eliten, ob hoch oder niedrig, ob arm oder reich, ob verdienstvoll oder unf\u00e4hig, keinerlei Einfluss auf politische Entscheidungen. Selbst der Hochadel durfte nur als Staffage am Hofe dienen. Nur die pers\u00f6nlichen Berater des K\u00f6nigs, die sein Vertrauen genossen, konnten auf dessen Entscheidungen einwirken. Es waren meist speichelleckerische Hofschranzen. Sie beherrschten die h\u00f6fischen Sitten, wussten geschickt Intrigen zu spinnen und die Schw\u00e4chen des Monarchen f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. Solche fragw\u00fcrdigen Berater hatten vor allem ihre pers\u00f6nliche Karriere und das Wohlergehen ihrer Familie im Blick. Nicht zu vergessen der Beichtvater des Herrschers. Oft ein Jesuit der vor allem die Interessen der Kirche und seines Ordens im Blick hatte, und der seinen Oberen zu striktem Gehorsam verpflichtet war.<\/p>\n<p>Die Politik war Geheimpolitik, deren Qualit\u00e4t von der Einsicht des Herrschers und seiner Berater abhing. Die Untertanen hatten ihren Mund zu halten und den Willen des Souver\u00e4ns treu zu erf\u00fcllen. Diese Gesellschaftsform war instabil und korrupt, sie f\u00fchrte zu vielen Kriegen:<br \/>\n<em>\u201eDer H\u00f6hepunkt der absolutistischen Macht ist gleichzeitig die Geburtskonstellation einer neuen <\/em>Elite<em>. So sehr diese auch aus verschiedenen Gruppen bestand, hat sie dennoch ein gemeinsames Merkmal: Alle sind der politischen Entscheidungsfreiheit beraubt, weil der absolutistische Staat allein in der Person des F\u00fcrsten repr\u00e4sentiert ist. Diese politische Herausforderung wird zum verbindenden Element der neuen Elite. In den bestehenden Einrichtungen des absolutistischen Staates fanden etliche Gruppen keinen hinreichenden Platz: so unter anderem der Adel, der zwar sozial anerkannt war, aber ohne politischen Einfluss; die Bank- und Kaufleute, die zwar wirtschaftliche Macht hatten, aber sozial als homini novi (Neureiche) abgestempelt wurden; die Wissenschaftler, vorweg die Philosophen, die zwar sozial ohne rechten Ort, aber von h\u00f6chster intellektuell-kultureller Bedeutung waren. Aus diesen \u00e4u\u00dferst heterogenen Gruppen formierte sich eine neue Schicht\u201c<\/em> (4, S. 118 f.).<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten. Hier finden sie ein unbegrenztes Land, wo sie sich nach Belieben anbauen k\u00f6nnen. Hypochondrische D\u00fcnste, Ammenm\u00e4rchen und Klosterwunder lassen es ihnen an Bauzeug nicht ermangeln.&#8220;\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/em>Immanuel Kant<\/p><\/blockquote>\n<h5>Philosophische Diskussionsrunden<\/h5>\n<p>Kaufleute, Bankiers, Adelige trafen sich an unpolitischen Orten wie an der B\u00f6rse, in Kaffeeh\u00e4usern, Bibliotheken oder in den Akademien, wo die neuen Wissenschaften diskutiert wurden. Verm\u00f6gende B\u00fcrger und Adelige gr\u00fcndeten Klubs, Salons, literarische oder philosophische Zirkel, in denen Wissenschaftler, Philosophen, Literaten, K\u00fcnstler mit neuen Ideen willkommen waren. Damit war auch der Boden f\u00fcr Geheimgesellschaften vorbereitet. Denn nicht alle modernen, aufkl\u00e4rerischen Ideen konnte man immer und \u00fcberall \u00f6ffentlich diskutieren. Zu viele Spitzel waren unterwegs, jederzeit bereit, \u201eStaatsfeinde\u201c zu denunzieren. Rechtssicherheit war Mangelware. In Frankreich als Beispiel konnte der K\u00f6nig einen unliebsamen Zeitgenossen durch einen \u201elettre de cachet\u201c auf unbestimmte Zeit in die Bastille verbannen. Aus zun\u00e4chst rein gesellschaftlichen Treffen wurden Institutionen, die ihre Vorstellungen nur hinter vorgehaltener Hand diskutieren durften und ihre Ziele im Geheimen planen mussten.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Esoterik und Wissenschaft<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: revert;\">Im <em>naturwissenschaftlichen Weltbild<\/em> ist das Prim\u00e4re die Materie (Materialismus). Was wir als Emotion, Empfindung, Seele, Geist bezeichnen gilt als Gehirnfunktion, w\u00e4re also ein Produkt der Materie.<br \/>\n<\/span>F\u00fcr <em>religi\u00f6se Menschen<\/em>, gro\u00dfenteils auch f\u00fcr Vertreter der sogenannten \u201egeheimen Wissenschaften\u201c, oder Esoteriker, steht das Geistige <em>\u00fcber<\/em> der Materie. Das Geistige existierte vor der materiellen Welt und wirkte und wirkt an deren Entwicklung mit. Die feineren Regungen des Menschen, seine inneren Antriebe, sind Ausdruck seines nicht-materiellen Wesenskernes, seines Geistes.<\/p><\/blockquote>\n<h5><strong>Geheimgesellschaften<\/strong><\/h5>\n<p>Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden in ganz Europa Logen, in denen das Neue, die Philosophie der Aufkl\u00e4rung und die Neue Wissenschaft (Naturwissenschaft) diskutiert wurden. Doch dabei blieb es nicht. Die geheimen Gesellschaften verkn\u00fcpfen religi\u00f6se und politische Elemente, umgaben sich mit einem Schleier mystischer und okkulter Geheimnisse, dem \u201eArcanum\u201c (Arcanum (lat.) = das Geheimnis). Im Geheimnis der Logen kann man einem Gegenpol sehen zu den Mysterien der Kirche oder der Geheimdiplomatie der Staaten. Dieser Schleier des Geheimnisvollen diente auch als Tarnung. Aufgekl\u00e4rte Pers\u00f6nlichkeiten wie Fichte, Friedrich der Gro\u00dfe, Goethe, Herder, Lessing (die alle Freimaurer waren) haben sich kaum vom abergl\u00e4ubischen Okkultismus vereinnahmen lassen. Doch manche, weniger Begabte, verfielen in Mystizismus, Schw\u00e4rmerei und Aberglauben. Oder sie lie\u00dfen sich von Hochstaplern blenden, die sich als \u201egro\u00dfe Eingeweihte in die Geheimwissenschaften\u201c pr\u00e4sentierten.<br \/>\nEs ist hier nicht m\u00f6glich, auf die vielen, verschiedenen, geheimnisumwitterten Gruppierungen im Detail einzugehen. Doch die wichtigsten m\u00fcssen wir wenigstens dem Namen nach erw\u00e4hnen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die geheimen Wissenschaften<br \/>\n<\/strong>In der esoterischen Literatur findet man Hinweise auf Geheimgesellschaften, deren Geheimwissen nur auf einem Einweihungsweg weiter gegeben wird. In Mysterienschulen konnte der Einzuweihende angeblich das Weiterleben nach dem Erdentod (durch Ausleibigkeit?) bewusst erleben. Er durfte sich auf das vorbereiten, was ihm nach dem irdischen Ableben begegnet; die Tatsache mehrerer Erdenleben war ihm danach vertraut.<br \/>\nSchriftliche Aufzeichnungen seien verboten und auf Geheimnisverrat st\u00fcnde die Todesstrafe. Damit w\u00e4re der bekannte esoterische Spruch erkl\u00e4rt: <em>\u201eWer redet wei\u00df nicht \u2013 wer wei\u00df redet nicht\u201c.<br \/>\n<\/em>Vor kurzem ist ein nicht leicht lesbares Buch erschienen, in dem die von den geheimen Gesellschaften tradierte, sehr komplizierte, manchmal verworrene, mystische <em>\u201egeheime Geschichte der Welt\u201c <\/em>so weit offen gelegt wird, wie das durch Mythenforschung und Quellenstudium m\u00f6glich scheint (3). Viele, angeblich Jahrtausende alte, zum Teil wohl missverstandene, phantasievolle \u00dcberlieferungen ganz verschiedener Kulturen auf unterschiedlichen Kontinenten werden interpretiert und mit einander in Beziehung gebracht. So entsteht ein vielschichtiges, teilweise konfuses und manchmal widerspr\u00fcchliches Bild der geistigen Entwicklung der Menschheit und ihres esoterischen Wissens.<br \/>\nDiese angeblich sehr alten okkulten Weisheiten sollen von Sumerern, Babyloniern und \u00c4gyptern stammen. Auch in der Bibel sind Spuren davon zu entdecken. Nach dem Sieg des Christentums und dem Verbot der antiken Kulte, wurde die \u00dcberlieferungslinie demnach im Untergrund weitergef\u00fchrt. Heute ist dieses esoterische Wissen durch schwer deutbare Mythen \u00fcberfrachtet, in denen Diesseitiges und Jenseitiges in einander \u00fcber gehen. Allem Anschein nach haben sich auch etliche, kaum aufkl\u00e4rbare Irrt\u00fcmer eingeschlichen.<br \/>\nViele bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten der Geschichte waren angeblich in dieses \u201eanti-wissenschaftliche\u201c Weltverst\u00e4ndnis eingeweiht, das auch Grundlagen der Religionen liefert. Gelegentlich sollen diese Eingeweihten ihr Wissen in verschleierten, symbolischen Darstellung ausgedr\u00fcckt haben, die f\u00fcr Au\u00dfenstehende unverst\u00e4ndlich sind.<br \/>\nVor Jahrhunderten wurde noch manches von diesem Okkultismus \u2013 heute gerne als Spiritualit\u00e4t bezeichnet \u2013 in den Kirchen gepflegt. Die bis heute praktizierten, alten Rituale weisen darauf hin. Dann wurde die sogenannte Spiritualit\u00e4t als Aberglaube aus den Kirchen verbannt; sie konnte sich nur teilweise im Volksglauben erhalten. Heute sind den wenigsten Gl\u00e4ubigen Herkunft und urspr\u00fcngliche Bedeutung der rituellen Handlungen bewusst.<\/p><\/blockquote>\n<h5>Rosenkreuzer<\/h5>\n<p>Ein &#8211; vermutlich fiktiver &#8211; Christian Rosenkreutz (1378-1484)<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_edn1\">[i] <\/a>reist durch viele L\u00e4nder und errang gro\u00dfe Weisheit. Nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, muss er erkennen, das die Welt f\u00fcr die von ihm gew\u00fcnschten Reformen noch nicht reif ist. Er schrieb aber sein Wissen in mehreren B\u00fcchern nieder: Im Jahr 1614 erschien ein B\u00fcchlein mit den Titel &#8222;Allgemeine und Generalreformation der ganzen, weiten Welt&#8220;. Es gilt als die \u00dcbersetzung des Buches &#8222;Ragguaguli di Parnasso&#8220; des italienischen Satirikers Boccalini (1556-1613), enth\u00e4lt aber zus\u00e4tzlich ein Manifest: &#8222;Fama Fraternitatis oder Entdeckung der Bruderschaft des l\u00f6blichen Ordens des RosenCreutzes&#8220;. Dieses erste Manifest machte gro\u00dfen Eindruck und Viele wollten mehr von dieser geheimnisvollen Bruderschaft erfahren.<br \/>\nWie in der \u201eFama Fraternitatis\u201c versprochen, erschien 1615 ein zweites B\u00fcchlein \u201eConfessio Fraternitatis oder Bekenntnis der l\u00f6blichen Bruderschaft des hochgeehrten Rosen Creutzers an die Gelehrten Europas geschrieben\u201c. Die \u201eConfessio Fraternitatis\u201c war eine Entt\u00e4uschung. Au\u00dfer Angriffen gegen den Papst, Mohammed und die Philosophie, oder der Aufforderung, die Weisheit einzelner Meister vergangener Jahrhunderte besser zu n\u00fctzen, hatte sie nicht viel zu bieten.<br \/>\nSchlie\u00dflich erschien im Jahre 1623 die <em>\u201eChymische Hochzeit Christian Rosencreutz. Anno Domini 1459\u201c.<\/em> W\u00e4hrend der oder die Verfasser von \u201eFama Fraternitatis\u201c und \u201eConfessio Fraternitatis\u201c unsicher sind, darf man die \u201eChymische Hochzeit\u201c dem lutherischen Pfarrer Johann Valentin Andreae (1587-1654) zuschreiben, den einige Forscher auch als den Autor von \u201eFama\u201c und \u201eConfessio\u201c ausmachen. Andreae war ein gl\u00e4nzender Gelehrter, dem man mit guten Gr\u00fcnden die Gr\u00fcndung der Rosenkreuzer zutrauen kann (8, S. 349 f.). Was er mit seiner Chymischen Hochzeit bezweckte ist umstritten. Die Vermutungen reichen von einer Weiterf\u00fchrung der Reformation Luthers bis zu einem Ulk, der sich \u00fcber die verbreiteten okkulten Vorstellungen lustig macht.<br \/>\nVor allem die \u201eChymische Hochzeit\u201c bediente die Sehnsucht vieler Menschen nach dem Wunderbaren. Die genannten drei rosenkreutzerischen Schriften wurden zum Ansto\u00df f\u00fcr die Gr\u00fcndung von Logen, bzw. deren Vorstufen im 17. und 18. Jahrhundert.<br \/>\nVerschiedene diskrete Gesellschaften pflegen bis heute die rosenkreutzerischen Taditionen (10).<\/p>\n<h5>Freimaurer<\/h5>\n<p>Die Freimauerei wurde vermutlich von Rosenkreuzern im Jahre 1645 in England gegr\u00fcndet (8, S. 354), doch gilt heute meist der 24. Juni 1717 (Johannistag) als der Gr\u00fcndungstag der spekulativen Maurerei. Zu Anfang des 18.Jahrhunderts entstanden \u00fcberall in Europa Logen der Freimaurer. Diese waren weder kirchlich noch staatlich beeinflusst, sondern stellten eine der neuen, b\u00fcrgerlichen Gesellschaft eigent\u00fcmliche Organisationsform dar. Lessing, selbst Freimaurer und nach seinem Eintritt von der Harmlosigkeit seiner Loge entt\u00e4uscht (4, S. 137), sagt dazu: <em>\u201eIhrem Wesen nach ist die Freimaurerei ebenso alt als die b\u00fcrgerliche Gesellschaft. Beide konnten nicht anders als miteinander entstehen \u2013 wenn nicht gar die b\u00fcrgerliche Gesellschaft nur ein Spr\u00f6ssling der Freimaurerei ist\u201c<\/em> (4, S. 119).<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen hier nicht auf die Logenarbeit, die mystisch-religi\u00f6sen Geheimlehren der Freimaurer eingehen<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_edn2\">[ii]<\/a>. Das angebliche Ziel der Freimaurer ist, den rohen Menschen, den \u201eunbehauenen Stein\u201c, zu polieren und die Maurerbr\u00fcder in die Regionen des Lichtes zu erheben.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Ideengeber der amerikanischen Revolution<br \/>\n<\/strong>Freimauer als Anh\u00e4nger der Philosophie der Aufkl\u00e4rung waren Ideengeber der amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung. An der \u201eBoston Tea Party\u201c, dem Startschuss f\u00fcr die Revolution, waren Freimauer ebenso beteiligt wie an der Grundsteinlegung des Wei\u00dfen Hauses. Auch die Dollarnote (die heutige Ausf\u00fchrung stammt aus dem Jahr 1932) tr\u00e4gt Freimauersymbole, was zu vielen Spekulationen Anlass gibt. Dazu das \u201eFreimaurer-Lexikon\u201c:<br \/>\n<em>\u201eIn der \u201aGreen Dragon-Taverne\u2019 in Boston, die vielfach als Hauptquartier des Befreiungskampfes bezeichnet worden ist, hatte die St. Andrews Lodge ihre Wirkungsst\u00e4tte. Ihre Mitglieder trugen wesentlich zur Boston Tea Party (am 16. Dezember 1773) bei, die den Startschuss zur amerikanischen Befreiung gab. Von den vielen Freimaurern, deren Namen im amerikanischen Befreiungskrieg hellen Klang erhielten, seinen genannt:<br \/>\n<\/em><em>George Washington, James Otis (der als erster vor Gericht die Menschenrechte verk\u00fcndete), Samuel Adams, Alexander Hamilton (der den Grundriss der Vereinigten Staaten entwarf), Patrik Henry (der \u201aRedner der Revolution\u2019), Richter John Marshall, die Generale Nathaniel Greene, Lee, Marion, Sullivan, Lord Stirling, Putnam, Baron Steuben, de Kalb, Lafayette, Montgomery, Jackson, Gist, Knox, Wooster, Ethan Allen&#8230;\u201c (6, S. 611).<br \/>\n<\/em>(In &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 358 &#8222;Wie eine Preissenkung eine Revolution ausl\u00f6ste&#8220; wird eine Merkw\u00fcrdigkeit der Amerikanischen Revolution geschildert, die zur &#8222;Tea-Party&#8220; f\u00fchrte).<em><br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr uns ist bedeutsam, dass Freimaurer Tr\u00e4ger der Ideen der Aufkl\u00e4rung waren. Die Philosophie der Aufkl\u00e4rung wurde richtungweisend f\u00fcr die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung \u2013 die Mehrzahl der Unterzeichner waren Freimaurer \u2013 ist ein Dokument des Denkens der Aufkl\u00e4rung. Ebenso die Schlagworte \u201eFreiheit \u2013 Gleichheit \u2013 Br\u00fcderlichkeit\u201c und die \u201eMenschenrechtsdeklaration\u201c der franz\u00f6sischen Revolution.<\/p>\n<p>Da lag es nahe, den Freimaurern ein von langer Hand geplantes Komplott zum Sturz der franz\u00f6sischen Monarchie anzudichten (2). Die Ger\u00fcchtek\u00fcche kochte. Verschw\u00f6rungstheorien, die den Freimaurern die Abschaffung des Christentums oder das Streben nach Weltherrschaft unterstellen, haben bis heute Konjunktur.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche und viele katholischen F\u00fcrsten sahen in den Freimaurern ihre Todfeinde. Diese wollten ja die Monarchien und die Kirche abschaffen. Sp\u00e4ter machte man die Freimaurer f\u00fcr die Gr\u00e4uel der franz\u00f6sischen Revolution verantwortlich.<\/p>\n<p>Im protestantischen Deutschland gab es die Furcht vor einer Verschw\u00f6rung der Jesuiten mit dem Ziel einer Rekatholisierung. Die Jesuiten standen sogar in Verdacht, sie w\u00fcrden die Logen unterwandern und ihren Zielen dienstbar machen. Evangelische F\u00fcrsten traten in Logen ein und errangen wichtige Positionen. So konnten sie die Logenarbeit kontrollieren und eventuellen Umsturzversuchen entgegenwirken.<\/p>\n<p>Moderne Verschw\u00f6rungstheorien \u00fcber die Freimaurer sind insofern nicht ganz unberechtigt als es, z. B. in Italien, <em>\u201eabweichende Freimaurerlogen (Masoneria derivata)\u201c<\/em> gibt oder gab, <em>\u201edie mit den normalen Freimaurerlogen wenig zu tun haben&#8230;.Sie sind das zentrale Bindeglied zwischen Mafia und der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigt war die Loge P2, deren Existenz in den 80er Jahren bekannt wurde. In ihr waren Politiker, Bankiers, Rechtsextremisten, Unternehmer und Geheimdienste vereint. Eng verbunden war diese Loge mit der sizilianischen Mafia\u201c <\/em>(7, S. 32). Das prominenteste Mitglied der inzwischen aufgel\u00f6sten Geheimloge P2 (Propaganda Due) war angeblich Silvio Berlusconi (9).<\/p>\n<h5>Illuminaten<\/h5>\n<p>Die Ziele dieses Geheimbundes waren von au\u00dfen gesehen denen der Freimaurer \u00e4hnlich. Viele Illuminaten waren auch Freimaurer und d\u00fcrften die selben, von der Aufkl\u00e4rung gepr\u00e4gten Vorstellungen, vertreten haben. Manche Autoren sehen allerdings Freimaurer und Illuminaten als Gegenpole: Die Freimaurer waren demnach mehr idealistisch-ethisch-spirituell gesinnt und strebten nach der Veredelung des Menschen. Die Illuminaten dagegen waren Materialisten, die eine nihilistische Philosophie vertraten. Als sie in Bayern verfolgt wurden, mussten etliche fliehen. Bis heute wird unterstellt, dass sie dann die Freimaurer-Logen unterwanderten und ihre zerst\u00f6rerischen Anliegen in diese einbrachten. So wird behauptet, <em>\u201edas Programm, das 1789 von der franz\u00f6sischen Nationalversammlung in die Tat umgesetzt wurde, sei von den deutschen Illuminaten aufgestellt worden\u201c<\/em> (3, S. 580 f.). Tats\u00e4chlich waren Danton, Desmoulins, Guillotin, Marat, Mirabeau und andere F\u00fchrer der Revolution Freimaurer, aber nicht unbedingt auch Illuminaten.<br \/>\n(In &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 363 \u201eEine Wurzel f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheorien\u201c haben wir den Illuminaten einen eigenen Beitrag gewidmet.)<\/p>\n<h5>Freidenker und Okkultisten<\/h5>\n<p>Im Grunds\u00e4tzlichen waren sich die verschiedenen Geheimgesellschaften \u00e4hnlich. Nicht selten geh\u00f6rten ihre Mitglieder gleichzeitig mehreren geheimen Organisationen an.<br \/>\nIm Vordergrund stand die Philosophie der Aufkl\u00e4rung. Hinzu kamen mystisch-religi\u00f6se Ideen, wie sie z. B. in rosenkreutzerischen Schriften zum Ausdruck kommen.<br \/>\nDieses okkulte Gedankengut der Geheimgesellschaften war von verschiedenen, oft gnostischen Vorstellungen beeinflusst (vgl. Kasten). Vieles davon ist heute noch in der Esoterik zu finden.<br \/>\nIn der Regel waren die geheimen Zirkel nicht konfessionsgebunden (damals f\u00fcr Kleriker ein Sakrileg). Typisch f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung ist, dass Philosophen und Literaten an den Fundamenten der Kirchen r\u00fcttelten und traditionelle Dogmen in Frage stellten. Viele Logenmitglieder, besonders die intellektuell f\u00fchrenden, wie z. B. Goethe, waren eher Freigeister oder Agnostiker als gl\u00e4ubige Christen. Ein f\u00fcr die Kirchen unertr\u00e4glicher Zustand; denn aus deren Sicht konnte nur ein gl\u00e4ubiger Christ ein \u201eanst\u00e4ndiger Mensch\u201c sein.<\/p>\n<p>Wie kam es zum Abdriften ins Okkulte?<\/p>\n<blockquote><p><strong>War Newton ein Eingeweihter?<br \/>\n<\/strong>Die Welt ist komplizierter als wir gemeinhin denken, und mancher ber\u00fchmte Wissenschaftler gilt als heimlicher Esoteriker. Daher sollten wir Barockmenschen, die an das Arkanum glaubten, nicht voreilig als unsinnige Schw\u00e4rmer abtun. Vielleicht muss man ein Phantast sein, um umw\u00e4lzendes Neues zu entdecken. Dazu ein Beispiel neben vielen:<br \/>\nZur Feier des dreihundertsten Geburtstages von Sir Isaac Newton (1643-1727), einem der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten, sagte der bekannte Staatswissenschaftler und National\u00f6konom John Maynard Keynes (1883-1946) bei einer Festansprache:<br \/>\n<em>\u201eEr war der letzte Magier, der letzte Babylonier und Sumerer, der letzte gro\u00dfe Verstand, der auf die sichtbare und geistige Welt mit den gleichen Augen blickte, wie jene, die vor etwas weniger als 10.000 Jahren unser geistiges Erbe aufzubauen begannen\u201c.<br \/>\n<\/em>Newton hinterlie\u00df eine Kiste voller handschriftlicher Aufzeichnungen. Vieles davon \u00fcber Alchemie und Theologie \u2013 teilweise in einer Geheimschrift abgefasst \u2013 und angeblich f\u00fcr die \u201eBruderschaft von Eingeweihten\u201c bestimmt (1, S. 265 f. und <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/buch-und-filmbesprechungen\/newtons-koffer\/\">\u201eNewtons Koffer\u201c<\/a> unter &#8222;Esoterik&#8220;).<\/p><\/blockquote>\n<h5>Esoterische Meister<\/h5>\n<p>Damals wie heute ist vielen Menschen die klare aber kalte Wissenschaft nicht genug; die in jedem Menschen vorhandene religi\u00f6se Sehnsucht verlangt nach Befriedigung.<\/p>\n<p>Bei der Wundergl\u00e4ubigkeit vieler Barockmenschen ist es kaum \u00fcberraschend, dass die eine oder andere Loge sich Alchemie, Astrologie, Nekromantie, Spiritismus, Wahrsagerei usw. widmete. Dabei darf man nicht \u00fcbersehen, dass damals die Naturwissenschaften noch am Anfang ihrer Entwicklung standen. Wissenschaft und Aberglaube gingen nicht selten in einander \u00fcber. So bestand zwischen Astronomie und Astrologie noch kein gro\u00dfer Unterschied (Kopernikus, Kepler und Newton waren Astronomen <em>und <\/em>Astrologen), Chemie und Alchemie waren ziemlich identisch, und die Medizin hatte sich noch kaum vom Mittelalter emanzipieren k\u00f6nnen. Den verbreiteten, von der katholischen Kirche eifrig gest\u00fctzten Wunderglauben konnten sich angebliche Meister der Arcana (von Arcanum = das Geheimnis) zu nutze machen. Ihre Anh\u00e4nger glaubten, dass auch heutige Menschen zu \u00e4hnlichen Wundern bef\u00e4higt w\u00e4ren, wie sie in der Bibel geschildert sind. Wer Rosenkreuzer, Freimaurer, Illuminat wird, bekommt auf diesen Wegen angeblich Zugang zu einem Geheimwissen, mit dem \u201eWunder\u201c zu wirken sind. Vergleichbare Vorstellungen von okkulten Meistern \u2013 im Diesseits oder im Jenseits \u2013 und deren wunderbaren M\u00f6glichkeiten lassen sich noch heute in der Esoterik-Szene entdecken.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Eingeweihten der Barockzeit wie Casanova, Cagliostro, oder der Graf von Saint-Germain, die einst Schlagzeilen machten, werden heute als Hochstapler, Betr\u00fcger, Schwindler abgetan. Wir werden uns mit diesen noch besch\u00e4ftigen. \u00dcber weitere umstrittene Pers\u00f6nlichkeiten dieser Zeit, wie Franz Anton Mesmer (vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/esoterik\/mesmers-magischer-magnetismus\/\">\u201eMesmers magischer Magnetismus\u201c<\/a>) und Karl Freiherr von Reichenbach (vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/esoterik\/der-zauberer-von-cobenzl\/\">\u201eDer Zauberer von Cobenzl\u201c<\/a>,) haben wir an anderer Stelle schon berichtet.<\/p>\n<p>Fortsetzng <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/esoterik\/die-dunkle-seite-der-aufklarung-teil-3\/\">&#8222;Die dunkle Seite der Aufkl\u00e4rung&#8220; Teil 3.<\/a><\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Doucet, Geschichte der Geheimwissenschaften, Wilhelm Heyne, M\u00fcnchen, 1982.<br \/>\n(2) Dumas Alexandre, Joseph Balsamo, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin, 2000.<br \/>\n(3) Black Jonathan, Die geheime Geschichte der Welt, Goldmann, M\u00fcnchen, 2008.<br \/>\n(4) Fischer Michael W., Die Aufkl\u00e4rung und ihr Gegenteil, Duncker &amp; Humblot, Berlin, 1982.<br \/>\n(5) Hagl Siegfried, Spreu und Weizen, Gralsverlag, Purgstall 10 Eggersdorf, 2003.<br \/>\n(6) Lennhoff Eugen\/Posner Oskar\/Binder Dieter A., Internationales Freimaurer Lexikon, Herbig, M\u00fcnchen, 2000.<br \/>\n(7) Roth J\u00fcrgen, Mafialand Deutschland, Eichborn, Frankfurt, 2009.<br \/>\n(8) Seligmann Kurt, Das Weltreich der Magie, Bechterm\u00fcnz, Eltville, 1988.<br \/>\n(9) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia,org\/wiki\/Propaganda_Due\">http:\/\/de.wikipedia,org\/wiki\/Propaganda_Due.\u00a0<\/a><br \/>\n(10) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rosenkreuzer\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rosenkreuzer<\/a><strong>\u00a0 \u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Endnoten:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_ednref1\">[i]<\/a> Manche Esoteriker halten Christian Rosenkreutz f\u00fcr eine historische Pers\u00f6nlichkeit und den Gr\u00fcnder des geheimnisvollen Ordens. Ihm und seiner Bruderschaft werden au\u00dfergew\u00f6hnliche F\u00e4higkeiten zugeschrieben (3, S. 475 f.).<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-admin\/#_ednref2\">[ii]<\/a> N\u00e4heres dazu in (5)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geheime Verschw\u00f6rung (Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 67\/2011) Das Barockzeitalter war das Zeitalter des Absolutismus, was bedeutet: Alle Regierungsgewalt lag ausschlie\u00dflich in den H\u00e4nden des Herrschers. Auf ihn war alles konzentriert, von ihm ging alles aus. Wer politischen Einfluss aus\u00fcben wollte, musste das Vertrauen des Herrschenden gewinnen und diesen dann geschickt beeinflussen. 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