{"id":1133,"date":"2009-05-12T13:28:17","date_gmt":"2009-05-12T12:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1133"},"modified":"2025-02-21T10:14:50","modified_gmt":"2025-02-21T09:14:50","slug":"das-war-der-wilde-westen-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/en\/history\/that-was-the-wild-west-part-3\/","title":{"rendered":"That was the Wild West part 3"},"content":{"rendered":"<h5>\u00dcber die Appalachen<\/h5>\n<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 29\/2003)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die blutige Geschichte des \u201eWilden Westens&#8220; in Nordamerika bietet exemplarisch einen Einblick in den Geisteszustand der Menschheit vor rund 250 Jahren. Getrieben von Eroberungsgel\u00fcsten und &#8211; siehe das einleitende Zitat &#8211; sogar unter Berufung auf den \u201eWillen Gottes&#8220; wurde die Unterwerfung und Ausrottung des indianischen Volkes vorangetrieben &#8211; im l\u00e4ngsten Holocaust der bekannten Menschheitsgeschichte. <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>Ich bin weit davon entfernt, auch nur im Traum annehmen zu k\u00f6nnen, dass Indianer ein Recht auf Land haben k\u00f6nnten, vom dem sie seit Tausenden von Jahren keinen anderen Gebrauch machen als Tiere. Es ist deshalb undenkbar, dass sie einen Anspruch auf Land haben. Im Gegenteil, sie haben jeden vorstellbaren Anspruch auf Land verwirkt, weil sie au\u00dferstande sind, Land zu kultivieren. Sie m\u00fcssen deshalb &#8211; und das ist Gottes Wille &#8211; von diesem Land vertrieben werden. Gottes Wort, dass der Mensch sich die Erde untertan mache, ist eine heilige Verpflichtung. Der Mensch unterscheidet sich als Krone g\u00f6ttlicher Sch\u00f6pfung vom Tier in seiner Kultur und Zivilisation. Indianer haben das Aussehen von Menschen und sie m\u00f6gen auch einer menschlichen Rasse angeh\u00f6ren, aber wie sie uns im Augenblick entgegentreten, erscheinen sie ihrem ganzen Habitus nach eher als Tiere, als teuflische Tiere. Die Torturen, denen sie Gefangene unterwerfen, rechtfertigen allein schon ihre Ausrottung. Und was die Frage nach Friedensvertr\u00e4gen und garantiertem Landbesitz betrifft, so ist dem mit folgender Fragestellung zu begegnen: Wer k\u00e4me schon auf den Gedanken, mit W\u00f6lfen, Klapperschlangen, Jaguaren und Coyoten \u00fcber Garantien f\u00fcr Eigentum an Land zu verhandeln.&#8220;<br \/>\n<\/em>Hugh Henry Brackenridge, 1782 (6, S. 74).<\/p>\n<p><em>\u201eDen Indianern gegen\u00fcber soll immer gr\u00f6\u00dfte Redlichkeit ge\u00fcbt werden; ihr Land und Besitz sollen ihnen nie ohne ihre Zustimmung genommen werden; und sie sollen nie Einbu\u00dfen an ihrem Besitz, ihren Rechten und ihrer Freiheit erfahren, es sei denn durch einen gerechten und gesetzm\u00e4\u00dfigen Krieg, der vom Kongress autorisiert ist; von Zeit zu Zeit sollen jedoch auf Gerechtigkeit und Humanit\u00e4t gegr\u00fcndete Gesetze erlassen werden, um zu verhindern, dass ihnen Unrecht geschieht, und um Frieden und Freundschaft mit ihnen zu erhalten.&#8220;<br \/>\n<\/em>Northwest Ordiance (Nordwest-Verordnung), 1787 von Kongress der USA erlassen um den Indianern Land und Eigentum zu garantieren (5, S. 276).<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend sich die \u201eWei\u00dfen&#8220; in unz\u00e4hligen Schlachten immer mehr ehemaliges Indianerland aneigneten, m\u00fcssen sich die \u201eRoten&#8220; nicht nur gr\u00f6\u00dfte Grausamkeiten gegen\u00fcber ihren Feinden nachsagen lassen, sondern auch eine folgenschwere Uneinigkeit untereinander. Tiefgreifende Stammesfehden verhinderten ein geeintes Auftreten gegen\u00fcber den Eroberern.<\/p>\n<p>Auch als 1776 der amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitskrieg zwischen den Nordamerikanischen Kolonien und England ausbrach, nachdem die nordamerikanischen Staaten sich von der britischen Krone losgesagt hatten, ging die Vertreibung der Indianer weiter. Immer neue Siedler dr\u00e4ngten unaufhaltsam nach Westen &#8211; besonders ins Ohio-Tal &#8211; und lie\u00dfen sich im Indianerland nieder.<\/p>\n<p>Ihr Weg f\u00fchrte nun auch \u201e\u00fcber die Appalachen&#8220;, einen Gebirgszug, der lange Zeit die Grenze zum Indianerland gebildet hatte. Im \u201eCumberland-Gap&#8220; fanden sie einen \u00dcbergang, der die Besiedelung von Kentucky m\u00f6glich werden lie\u00df, einem wildreichen Jagdgebiet mehrerer Indianerst\u00e4mme, das den Wei\u00dfen wie ein \u201eParadies&#8220; erschien. Indessen erstand dem \u201eroten Volk&#8220; ein gro\u00dfer Seher und F\u00fchrer, der neue Wege bereiten wollte &#8211; abseits unn\u00f6tiger Grausamkeiten und selbstzerst\u00f6rerischer Auseinandersetzungen:\u00a0 Der gro\u00dfe <em>Tecumseh. <\/em>(Siehe. u.).<\/p>\n<p>Als 1774 die vereinigten Shawnee, Delawaren, Wyandot und Irkosen am \u201ePoint Pleasant&#8220; (lieblichen Ort), an der M\u00fcndung des gro\u00dfen Kanhawa in den Ohio, im Kampf geschlagen wurden, brach der Widerstand der Indianer gegen den immer st\u00e4rker werdenden Druck der Wei\u00dfen zun\u00e4chst zusammen. Die Roten mussten in dem darauf folgenden Friedenschluss auf Kentucky verzichten.<\/p>\n<h5>Am Beginn der USA<\/h5>\n<p>Im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg Amerikas gegen England verhielten sich die Indianer zun\u00e4chst neutral, da sie diesen Konflikt der Wei\u00dfen nicht verstanden. Sie hatten Vertr\u00e4ge mit dem englischen K\u00f6nig abgeschlossen und wollten diesem \u201egro\u00dfen wei\u00dfen Vater&#8220; treu bleiben. Andererseits forderten sie manche ihrer Freunde auf, den Revolution\u00e4ren zu helfen.<\/p>\n<p>Die Bewohner Neuenglands waren ja selbst gespalten. Ein Teil der Oberschicht war k\u00f6nigstreu, musste fliehen und verlor sein Eigentum. Die meisten w\u00e4hlten Kanada als Asyl und k\u00e4mpften von dort aus gegen die USA. Die Spaltung der Wei\u00dfen \u00fcbertrug sich schlie\u00dflich auf die Indianer, von denen ein Teil f\u00fcr den englischen K\u00f6nig, ein anderer Teil auf der Seite der Vereinigten Staaten stand.<em>. <\/em><\/p>\n<blockquote><p><strong>DANIEL BOONE<br \/>\n<\/strong>Daniel Boone (1734-1820), der <em>J. F. Cooper<\/em> das Vorbild f\u00fcr den Roman \u201eLederstrumpf&#8220; geliefert hat, ist der wohl bekannteste Grenzer, und sein Name mit der Eroberung Kentuckys verbunden.<br \/>\nAn der Grenze aufgewachsen, machte er seine ersten kriegerischen Erfahrungen mit Indianern als Hufschmied und Wagenf\u00fchrer w\u00e4hrend des Krieges gegen Franzosen und Indianer. Dabei h\u00f6rte er von dem Traumland Kentucky mit seinem unersch\u00f6pflichen Wildreichtum. Die Berichte fesselten ihn so sehr, dass er zu den ersten Wei\u00dfen geh\u00f6rte, die dieses Indianerland erforschten, von dem er 1769 sagte:<em> \u201eWir fanden \u00fcberall \u00dcberfluss von Wildtieren aller Arten im ganzen wilden Forst, die B\u00fcffel waren h\u00e4ufiger als K\u00fche in den Siedlungen (&#8230;) v\u00f6llig furchtlos, denn sie wussten nichts von der Gewaltt\u00e4tigkeit der Menschen. Manchmal sahen wir Hunderte in einer Herde, und bei den Salzquellen war ihre Zahl erstaunlich&#8220; <\/em>(1, S. 5).<br \/>\nBei diesen Erkundungsfahrten war er monatelang allein, voller Gl\u00fccksgef\u00fchl in der paradiesischen Landschaft, trotz dauernder Gefahr, von Indianern entdeckt zu werden, die keine Wei\u00dfen in Kentucky duldeten. Zweimal geriet er in indianische Gefangenschaft (1778 ein drittes Mal) und entkam. Er verlor einen Gef\u00e4hrten, einen Bruder und einen Sohn, den Indianer zu Tode folterten. Doch Kentucky und dessen Erschlie\u00dfung lie\u00df ihn nicht los. So baute er, Indianerpfaden folgend, im Fr\u00fchjahr 1775 mit 30 Axtm\u00e4nnern den ber\u00fchmten \u201eWilderness Road&#8220; (Wildnisweg), durch den \u201eCumberland Gap&#8220; *) zum Kentucky-River. Mutige Siedler folgten diesem nur f\u00fcr Fu\u00dfg\u00e4nger und Tragtiere passierbaren Pfad und errichteten noch im gleichen Jahr die ersten befestigten Ansiedlungen tief im Indianerland: Harrodsburg und Boonesburg **) am Kentucky-River. Im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg wurden beide \u201eForts&#8220; von Indianern mit englischer Unterst\u00fctzung angegriffen; da die Belagerer nicht \u00fcber Kanonen verf\u00fcgten, konnten die mit Palisaden gesch\u00fctzten Niederlassungen standhalten.<br \/>\nEine in der Geschichte der Grenze h\u00e4ufig erz\u00e4hlte und auf Abbildungen dargestellte Episode ist die Entf\u00fchrung von Boones Tochter Jamina und zwei ihrer Freundinnen durch Indianer (Juli 1776). Nach zweit\u00e4tiger Verfolgung \u00fcber ca. 60 km durch die Wildnis wurden die M\u00e4dchen von Boone und seinen Gef\u00e4hrten gerettet.<br \/>\nIm letzten wichtigen Gefecht der amerikanischen Revolution geriet eine Streitmacht der Kentuckier bei den \u201eBlue Licks&#8220; (den von Boone entdeckten Salzquellen, die Ende des 19. Jahrhunderts durch ein Erdbeben versiegt sind), in einen Hinterhalt, vor dem <em>Boone<\/em> ausdr\u00fccklich gewarnt hatte. Sie hatten 77 Tote, darunter einen Sohn, einen Neffen und einen Bruder Boones. ***)<br \/>\nAls Kentucky befriedet war, konnte<em> Boone<\/em> seine Anspr\u00fcche auf Land nicht durchsetzen. Ungenau vermessen, \u00fcberlappten sich verschiedene Claims, und ausgerechnet <em>Boone<\/em> ging leer aus. Entt\u00e4uscht verlie\u00df er Kentucky und zog in einen damals noch spanischen Teil Louisianas. Gerne nahm man ihn dort auf, \u00fcberlie\u00df ihm Land, und ernannte ihn zum Friedensrichter. Nahe St. Louis baute er eines der ersten Steinh\u00e4user dieser Gegend, das man heute als Museum besichtigen und einen Eindruck von den handwerklichen F\u00e4higkeiten des alten Grenzers erhalten kann****). Bald darauf traten die Spanier dieses Gebiet an die Franzosen ab, die Boone ebenso achtungsvoll respektierten. Als dann 1803 Lousiana an die USA kam, musste<em> Boone<\/em> erneut um seine Anspr\u00fcche vor Gericht k\u00e4mpfen, doch dieses Mal &#8211; durch Schaden klug geworden &#8211; mit gesicherten Anspr\u00fcchen und der Unterst\u00fctzung eines versierten Anwalts.<br \/>\nNach dem Tod seiner Frau im Jahre 1814 machte sich der 80j\u00e4hrige noch einmal auf eine gro\u00dfe Reise. In Begleitung eines schwarzen Dieners und eines Indianerscouts wanderte er 1815\/16 bis zum Yellowstone (dem heutigen Nationalpark) und weiter zum Gro\u00dfen Salzsee, in dem er wohl den Pazifik vermutete. 1820 starb er in seinem Heim im heutigen Missouri.<br \/>\nDie Entwicklung in dem von ihm erschlossenen Gebiet ging unerh\u00f6rt schnell. Bereits wenige Jahre nach der ersten Besiedelung (1775) des wildreichen Kentucky wurde das Wild knapp. Bald hatte Kentucky 10.000 Einwohner, die meist im Winter \u00fcber den Cumberland-Gap das Gebirge passierten, sofort rodeten und s\u00e4ten, um noch im folgenden Herbst die erste Ernte einzufahren. Dann schossen sie so viel Wild wie m\u00f6glich, um Fleisch als Nahrung und Pelze f\u00fcr den Verkauf zu gewinnen. Im Jahre 1798 z\u00e4hlte man eine Viertelmillion Einwohner (3, S. 499), und die vor kurzem noch so hart umk\u00e4mpfte Grenze war befriedetes Hinterland.<br \/>\n*) Von Tennesse nach Kentucky beim heutigen Middlesboro.<br \/>\n**) Von beiden gibt es Rekonstruktionen, s\u00fcdwestlich bzw. s\u00fcdlich von Lexington, die man besichtigen kann.<br \/>\n***) Das \u201eBlue Licks Battlefield&#8220; ist heute ein Statepark an der US-68, 48 Meilen (ca. 77 km) im Nordosten von Lexington.<br \/>\n****) Am Highway F, bei Defiance, Missouri.<br \/>\n<strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>(1) Andrea, Rolla P. \u201eA True, Brief History of Daniel Boone&#8220;, Vic Printing Co., Old Monroe (MO), 1991.<br \/>\n(2) Baumann, Peter \u201eAuf den Spuren von Coopers Lederstrumpf&#8220;, List, M\u00fcnchen, 1982.<br \/>\n(3) Eckert, Allan W. \u201eFrontiersmen&#8220;, Bantam, New York, 1970.<br \/>\n(4) Gagern, Friedrich v. \u201eDas Grenzerbuch&#8220;, Paul Parey, Berlin, 1927.<br \/>\n(5) Josephy, Alvin M. \u201e500 Nations&#8220;, Fredeking &amp; Thaler, M\u00fcnchen, 1996.<\/p><\/blockquote>\n<p>Den ganzen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg hindurch dr\u00e4ngten weiterhin Siedler, Spekulanten und Agenten von Landnahmegesellschaften nach Westen, in das Land jenseits der Appalachen. Wenn die Indianer sich gegen die Eindringlinge wehrten, machten die Grenzer Intrigen der Engl\u00e4nder verantwortlich und forderten milit\u00e4rische Hilfe an.<\/p>\n<p>Als 1783 der Unabh\u00e4ngigkeitskrieg durch den \u201eFrieden von Paris&#8220; beendet wurde, k\u00fcmmerte sich niemand um die Interessen der Indianer. Die Briten, die versprochen hatten, die Rechte der St\u00e4mme zu sch\u00fctzen, traten Indianerland an die Vereinigten Staaten ab, ohne auf indianische Besitzrechte zu achten; und die Amerikaner betrachteten alles Indianerland als ihr rechtm\u00e4\u00dfiges Eigentum.<\/p>\n<p>Amerikanische Agenten versuchten, den Indianern mit N\u00f6tigung, Bestechung und Gewalt riesige Gebiete abzupressen. Die emp\u00f6rten Indianer griffen nun erneut zur Waffe &#8211; und gewannen Schlachten. Am 3. November 1791 erlitt <em>General St. Clair<\/em> am Wabash-River die gr\u00f6\u00dfte Niederlage, die je Indianer aus eigener Kraft den Amerikanern zugef\u00fcgt haben; 623 Offiziere und Soldaten fielen, w\u00e4hrend die von <em>Little Turtle<\/em> und<em> Blue Jacket<\/em> gef\u00fchrten Indianer nur 21 Tote hatten. Die Indianer glaubten sich am Ziel. Doch 1794 wurden sie von einer neu aufgestellten Armee unter<em> Anthony Wayne<\/em> (1745-1796) geschlagen und mussten harten Friedenbedingungen zustimmen. Das Land, das sp\u00e4ter zum Staat Ohio wurde, ging den Indianern endg\u00fcltig verloren.<\/p>\n<h5><strong>Der Kampf geht weiter<\/strong><\/h5>\n<p>Noch lebten Tausende von Indianern \u00f6stlich des Mississippi. Zwei Jahrhunderte lang hatten sie f\u00fcr ihre Heimat, f\u00fcr das \u00dcberleben ihrer St\u00e4mme gek\u00e4mpft. Viele Gefechte hatten sie gewonnen und die Wei\u00dfen sogar in gro\u00dfen Schlachten gedem\u00fctigt; doch die entscheidenden Siege errangen immer die Wei\u00dfen. Erlitten Indianer eine schwere Niederlage, so wollten sie den Krieg beenden und baten um Frieden. Wurden die Wei\u00dfen vernichtend geschlagen, so stellten sie ein neues Heer auf, in der Regel mit einem f\u00e4higeren General an der Spitze, und konnten den Krieg zuletzt f\u00fcr sich entscheiden.<\/p>\n<p>Vieles h\u00e4tte f\u00fcr die Indianer anders, besser kommen k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie nur erkannt, wer der Feind war, der ihrer aller Lebensgrundlagen bedrohte, h\u00e4tten sie ihre kleinlichen Stammesfehden \u00fcberwunden und zusammengestanden in der Abwehr der f\u00fcr sie alle existenzgef\u00e4hrdenden Bedrohung. Viele H\u00e4uptlinge hatten diese Schw\u00e4che ihres Volkes, uneinig zu sein, erkannt, doch keinem war es gegl\u00fcckt, sie zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Da erstand unter den Indianern ein Genie, der bedeutendste Indianer geschichtlicher Zeit: Der <strong>gro\u00dfe <em>Tecumseh<\/em><\/strong> (1768-1813). Er besa\u00df nicht nur \u00fcberragende F\u00e4higkeiten als Krieger und Seher<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a>, sondern setzte sich auch in \u00fcberragender Weise f\u00fcr die Rettung seines Volkes ein. Das Ziel, f\u00fcr das er sich aufopferte, bestand darin, alle Indianer in einem geschlossenen Abwehrkampf gegen die Wei\u00dfen zu einen, besonders gegen die \u201eLangen Messer&#8220;, die amerikanischen Landr\u00e4uber. <em>Tecumsehs<\/em> Traum war es, 50.000 Krieger ins Feld zu f\u00fchren, und die Amerikaner vor die Wahl zu stellen, entweder Ohio und Kentucky zu r\u00e4umen oder von diesem gewaltigen Indianerheer \u00fcber die Appalachen zur\u00fcckgetrieben zu werden. Er war dabei Realist genug, sich der Hilfe der Engl\u00e4nder zu versichern, die einen zweiten Krieg mit den amerikanischen Kolonien kommen sahen.<\/p>\n<p>Zur Verwirklichung seines gro\u00dfen Planes musste <em>Tecumseh<\/em>, der keiner besonders angesehenen Familie entstammte, sich h\u00f6chstes Ansehen als gef\u00e4hrlicher Krieger, gro\u00dfer Redner und begnadeter Heerf\u00fchrer erwerben. Dann reiste er durch den ganzen \u00f6stlichen Teil Nordamerikas, von den Gro\u00dfen Seen bis hinab nach Florida. Er besuchte so gut wie alle St\u00e4mme \u00f6stlich des Mississippi, einschlie\u00dflich der Sioux in Minnesota, schilderte die von den Wei\u00dfen drohenden Gefahren und entwickelte seine Ideen.<\/p>\n<p>Nicht wenige, vor allem j\u00fcngere Krieger konnte er als \u00fcberzeugte Gefolgsleute gewinnen und sie von der Unsinnigkeit der alten Stammesk\u00e4mpfe \u00fcberzeugen. Bei alten H\u00e4uptlingen, die ihren Einfluss schwinden sahen, und dem gr\u00f6\u00dften Teil der Irokesen sowie den Cherokee blieben seine Anstrengungen ohne Erfolg. Die Creek wurden sogar gespalten: Ein Teil, die \u201ered sticks&#8220; (roten St\u00e4be) k\u00e4mpften gegen die Wei\u00dfen, w\u00e4hrend die \u201ewhite sticks&#8220; (wei\u00dfe St\u00e4be) an der Seite der Amerikaner gegen ihre Stammesbr\u00fcder vorgingen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Grausamkeiten an der Grenze<br \/>\n<\/strong>Die Auseinandersetzungen zwischen Wei\u00df und Rot waren von Hass und Wut durchdrungen.<br \/>\nIndianer behandelten Gefangene oft mit gro\u00dfer Grausamkeit. Bei den Waldindianern \u00f6stlich des Mississippi mussten Gefangene ein schreckliches Spie\u00dfrutenlaufen \u00fcber sich ergehen lassen, das viele nicht \u00fcberlebten. <em>Simon Kenton<\/em> (1755-1836), einer der ber\u00fchmtesten Grenzer, durchlitt bei den Shawnee neun solcher Folterungen bevor er von Freunden freigekauft werden konnte.<br \/>\nAuch ritueller Kannibalismus war keine Ausnahme. Das Herz eines gefallenen, gef\u00fcrchteten Feindes wurde ihm aus der Brust gerissen und noch roh verschlungen. Das Kochen und Essen von brutal ermordeten Gefangenen ist belegt.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p><strong>Der gef\u00fcrchtete Marterpfahl<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: revert;\">Besonders grausam war der Tod am Marterpfahl. Waldindianer banden ihre Opfer an einen Pfahl und r\u00f6steten sie in einem Feuerkreis, der dem Pfahl immer n\u00e4her r\u00fcckte, langsam zu Tode. Man mag das als \u201erituelle Hinrichtung&#8220; werten, doch damit sind solche Scheu\u00dflichkeiten nicht zu entschuldigen, die alle Wei\u00dfen emp\u00f6rten und den Hass auf die \u201eRoten Teufel&#8220; sch\u00fcrten &#8211; allerdings zu einer Zeit, in der auch in Europa die Folter noch ein Mittel der Rechtspflege war.<\/span><\/p>\n<p>Der sp\u00e4ter ber\u00fchmte <em>Tecumseh<\/em> erlebte als F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger auf seinem ersten Kriegszug die Marterung eines Gefangenen. Entsetzt dar\u00fcber hielt er den anwesenden Kriegern, alle \u00e4lter als er, eine flammende Rede, in der er die Marterung scharf verdammte. Alle waren tief beeindruckt und versprachen, in Zukunft keine Gefangenen mehr zu qu\u00e4len. (2 S. 319 f.). Als er sp\u00e4ter selbst Krieger anf\u00fchrte, konnte er &#8211; entgegen aller Tradition &#8211; solche Brutalit\u00e4ten verhindern, und zudem daf\u00fcr sorgen, dass Frauen und Kinder verschont wurden, die sonst bei der Zerst\u00f6rung von Indianerd\u00f6rfern oder wei\u00dfen Siedlungen von beiden Parteien niedergemetzelt wurden.<\/p>\n<p><strong>Scalps<br \/>\n<\/strong>Eine weitere Widerw\u00e4rtigkeit war das Skalpieren der Opfer, das Wei\u00dfe wie Rote betrieben. Wenn Wei\u00dfe gegen Wei\u00dfe k\u00e4mpften (z. B. Engl\u00e4nder gegen Franzosen bei der Eroberung Kanadas, Amerikaner gegen Engl\u00e4nder im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg), standen auf beiden Seiten verb\u00fcndete Indianer. Von den Wei\u00dfen wurden Pr\u00e4mien f\u00fcr Skalpe von Feinden bezahlt, und dadurch die Krieger ermuntert, m\u00f6glichst viele Skalpe zu bringen, die bares Geld wert waren. Auch sp\u00e4ter noch setzten Regierungen Pr\u00e4mien f\u00fcr Indianerskalpe aus (im Apachen-Krieg wurden 1861\/62 100 $ f\u00fcr einen m\u00e4nnlichen, 50 $ f\u00fcr einen weiblichen und 25 $ f\u00fcr einen Kinderskalp geboten; 4, S. 152). Skalpj\u00e4ger sahen das als Aufforderung, wahllos jeden Indianer abzuschlachten. Nicht selten wurden friedliche Indianer Opfer solcher M\u00f6rderbanden. Indianer mussten zu der \u00dcberzeugung kommen, dass die Wei\u00dfen ausnahmslos jeden Indianer ermorden wollten, dem bekannten, <em>General William T. Sherman<\/em> zugeschriebenen, Spruch folgend: <em>\u201eNur ein toter Indianer ist ein guter Indianer&#8220; <\/em>(5, S. 157).<br \/>\nSo nahm der f\u00fcr die Indianer aussichtslose Kampf um ihre Heimat h\u00e4ufig schreckliche Formen an. Auf beiden Seiten gab es elende Schurken und grausame M\u00f6rder, sowie edle Pers\u00f6nlichkeiten, und gerade auch die Indianer hatten wahrhaft gro\u00dfe Menschen in ihren Reihen.<br \/>\n<strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: revert;\">(1) Eckert, Allan W.: \u201eA Sorrow in Our Heart&#8220; Bantam, New York, 1993.<br \/>\n<\/span>(2) do.: \u201eFrontiersmen&#8220; Bantam, New York, 1970.<br \/>\n(3) do.: \u201eThat Dark and Bloody River&#8220;, Bantam, New York, 1999.<br \/>\n4) Gagern, Friedrich v.: \u201eDas Grenzerbuch&#8220;, Paul Parey, Berlin, 1927.<br \/>\n(5) Stammel, H. J.: \u201eIndianer&#8220;, Bertelsmann, G\u00fctersloh, 1977.<\/p><\/blockquote>\n<p>Unterst\u00fctzt wurde Tecumseh von seinem Bruder <em>Tenskwatawa<\/em> (\u201eOffene T\u00fcr&#8220;, 1775-1830), einem Propheten der seine bzw. seines Bruders Anh\u00e4nger durch die Vorhersage einer Sonnenfinsternis beeindruckte. Im Jahre 1805 entstand nahe Greenville (Ohio) \u201eProphetstown&#8220;, eine von <em>Tecumseh<\/em> und<em> Tenskwatawa<\/em> geleitete Mustersiedlung, in der Indianer zur Abstinenz von Alkohol und zu einem von wei\u00dfen Einfl\u00fcssen m\u00f6glichst unabh\u00e4ngigen Leben erzogen wurden.<\/p>\n<p>Als Tecumseh 1811 zu einer gro\u00dfen Reise aufbrach, griff der Gouverneur <em>William Henry Harrisio<\/em>n (1773-1841), sp\u00e4ter der 9. Pr\u00e4sident der USA, \u00fcberraschend Prophetstown am Zusammenfluss von Wabash und Tippecanoe an. <em>Tenskwatawa<\/em> versagte. Er lie\u00df sich gegen ausdr\u00fcckliche Anordnung seines Bruders auf einen Kampf ein, in dem die Indianer zur\u00fcckgetrieben und Prophetstown niedergebrannt wurden. Bei diesem kurzen Gefecht hatten die Wei\u00dfen gr\u00f6\u00dfere Verluste als die Indianer; doch <em>Tenskwatawa<\/em> hatte leichtfertig einen gro\u00dfen Sieg prophezeit, sich selbst blamiert und ein Jahrzehnt m\u00fchevoller Arbeit seines Bruders zum gro\u00dfen Teil zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Als dann im Juni 1812 die Vereinigten Staaten England den Krieg erkl\u00e4rten, um Kanada zu erobern<a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/wp-includes\/js\/tinymce\/plugins\/paste\/blank.htm#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, konnte <em>Tecumseh<\/em> immerhin noch einige Tausend Indianer aufbieten und den Amerikanern schwere Niederlagen beibringen.<\/p>\n<p>Doch dann setzten sich die Amerikaner gegen die Briten durch, deren Marine ein entscheidendes Seegefecht auf dem Erie-See verlor. Den Ausschlag f\u00fcr den Ausgang des Feldzuges gab zun\u00e4chst der Tod von <em>General Isaak Brock<\/em> (1769-1812). Dessen unw\u00fcrdiger Nachfolger, <em>Oberst Henry Proctor<\/em>, lie\u00df die Indianer feige im Stich.<\/p>\n<p>Bei der Schlacht an der kanadischen Themse am 5. Oktober 1813 flohen die Briten und <em>Tecumseh<\/em> fiel. In Kanada wird er heute als der Held gefeiert, der die Eroberung Kanadas durch die Amerikaner verhinderte (4); denn im weiteren Verlauf des Krieges wurden die Amerikaner geschlagen und weit zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, und es blieb schlie\u00dflich bei den alten Grenzen.<\/p>\n<p>Die letzte, vielleicht geringe, vielleicht gro\u00dfe Chance der Indianer war vertan; weitere Tausende, gar Zehntausende von Kriegern auf der Seite <em>Tecumsehs<\/em> h\u00e4tten das Blatt wenden k\u00f6nnen und die Indianer nicht der rigorosen Vertreibungspolitik der Vereinigten Staaten ausgeliefert. Von nun an konnten die Indianer sich nur noch in verzweifelten R\u00fcckzugsgefechten stellen, die ihr unausweichliches Schicksal nicht zu wenden vermochten; es war eine Kette von Vertreibungen im l\u00e4ngsten Holocaust der Geschichte.<\/p>\n<p>Lesen Sie dazu in &#8222;Kurz, knapp, kurios&#8220; Seite 390 &#8222;Eine unglaubliche Ank\u00fcndigung&#8220;.<\/p>\n<p>Fortsetzung <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/geschichte\/das-war-der-wilde-westen-teil-4\/\">Das war der Wilde Westen Teil 4<\/a>.<br \/>\n<strong><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">Literatur:<br \/>\n<\/span><\/span><\/strong><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(1) Augustin, Siegfried: \u201eDie Geschichte der Indianer\u201c, Droemer-Knaur, M\u00fcnchen, 1998.<br \/>\n<\/span><\/span><span lang=\"EN-GB\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt; mso-ansi-language: EN-GB;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(2) Eckert, Allan, W.: \u201eA Sorrow in Our Heart\u201c Bantam, New York.<br \/>\n<\/span><\/span><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(3) Gagern, Friedrich v.: \u201eDas Grenzerbuch\u201c, Paul Parey, Berlin, 1927.<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman;\"><span lang=\"EN-GB\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt; mso-ansi-language: EN-GB;\">(4) Hume, Stephen: \u201eHow Tecumseh saved Canada\u201c, The Ottawa Citicen, 1. <\/span><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\">Juli 1998.<br \/>\n<\/span><\/span><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(5) Josephy, Alvin M.: \u201e500 Nations\u201c, Fredeking &amp; Thaler, M\u00fcnchen, 1996.<br \/>\n<\/span><\/span><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(6) Stammel, H. J.: \u201eIndianer\u201c, Bertelsmann, G\u00fctersloh, 1977.<br \/>\n<\/span><\/span><span lang=\"DE-AT\" style=\"font-size: 11pt; mso-bidi-font-size: 12.0pt;\"><span style=\"font-family: Times New Roman;\">(7) Tucker, Glenn: \u201eTecumseh\u201c, Sch\u00fcnemann, Bremen, 1956.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"margin: 0cm 0cm 0pt;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Appalachen (Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 29\/2003) Die blutige Geschichte des \u201eWilden Westens&#8220; in Nordamerika bietet exemplarisch einen Einblick in den Geisteszustand der Menschheit vor rund 250 Jahren. 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