{"id":1055,"date":"2009-05-06T13:02:16","date_gmt":"2009-05-06T12:02:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/?page_id=1055"},"modified":"2025-02-01T11:24:15","modified_gmt":"2025-02-01T10:24:15","slug":"der-teufel-das-ist-doch-nur-folklore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/en\/history-of-religion\/the-devil-thats-just-folklore\/","title":{"rendered":"The devil, that&#039;s just folklore"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 11\/99)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><em>In unserer Zeit tun sich viele Menschen mit Religionen, mit \u201ereligi\u00f6sen Wahrheiten&#8220; im besonderen, schwer. Allzuviel Missbrauch wurde mit dem religi\u00f6sen Empfinden getrieben. Gro\u00dfe Re\u00adligionsgemeinschaften stellten sich in den Dienst irdischer Herrschaftsideologien und sch\u00e4mten sich nicht, zum Zwecke eigener Machtaus\u00fcbung schreiendes Unrecht zu tolerieren und Verst\u00f6\u00dfe gegen die selbst gelehrten Wertvorstellungen mit theologischen Spitz\u00adfindigkeiten zu rechtfertigen.<br \/>\n<\/em><\/strong><strong><em>Eine religionsgeschichtlich besonders interessante Figur, mit der der \u201emoderne Mensch&#8220; nichts anzufangen wei\u00df, liefert der in der mittelalterlichen Fr\u00f6mmigkeit \u00e4u\u00dferst wichtig genommene \u201eWidersacher&#8220;, der \u201eSatan&#8220; oder \u201eTeufel&#8220;. Siegfried HAGL ging der Frage nach, ob das alles wirklich nur Folklore ist.<\/em><\/strong><\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch bin der Geist, der stets verneint,<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Ist wert, dass es zugrunde geht!<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Drum besser w\u00e4r&#8217;s, dass nichts entst\u00fcnde,<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">So ist denn alles, was ihr S\u00fcnde,<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Zerst\u00f6rung, kurz das B\u00f6se nennt,<br \/>\n<\/em><em style=\"font-size: revert;\">Mein eigentliches Element.&#8220;<br \/>\n<\/em><span style=\"font-size: revert;\">Johann Wolfgang v. Goethe, Faust 1. Teil.<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das b\u00f6se Prinzip<\/strong><\/p>\n<p>Zur Kl\u00e4rung religi\u00f6ser Begriffe geht man gerne zum Ursprung einer \u00dcberlieferung zur\u00fcck und fragt, was die Menschen zur Entstehungs\u00adzeit dieser Lehre darunter verstanden haben m\u00f6gen. Aber so gut wie alle Lehren entwickeln sich. Sie erfahren Ver\u00adf\u00e4lschungen, aber auch Erweiterungen und Vertiefungen, so dass der R\u00fcckgriff zum allerersten Anfang nicht zwangsl\u00e4ufig am weitesten f\u00fchren muss.<\/p>\n<p>Um zum Beispiel dem Ph\u00e4nomen des \u201eFaust&#8220; nahe zu kommen, w\u00e4re der wissen\u00adschaftliche Weg, die alten Volksb\u00fccher zu studieren. Zuletzt k\u00f6nnte man dann vielleicht herausfinden, dass es im 16. Jahrhun\u00addert einen w\u00fcrttembergischen Schwarzk\u00fcnstler namens \u201eGeorg Faust&#8220; gege\u00adben hat, der sich m\u00f6glicherweise bei einem missgl\u00fcckten alchemistischen Experiment selbst in die Luft sprengte.<\/p>\n<p>Man kann allerdings auch einfach Goethes \u201eFaust&#8220; lesen und in diesem Werk einer bis heute un\u00fcbertroffenen Darstellung des suchenden Menschen begegnen; eines Menschen, den es so zwar nie gegeben hat, und der doch Z\u00fcge tr\u00e4gt, die auf Jeden passen.<\/p>\n<p>So unzuverl\u00e4ssig also die Methode auch sein mag, wir blicken hier trotzdem zur\u00fcck und fragen nach dem Ursprung der Mythen vom \u201eb\u00f6sen Geist&#8220;:<\/p>\n<p>Der \u201eWidersacher&#8220; als herausragende Figur mittelalterlicher Volksfr\u00f6mmigkeit taucht in der abendl\u00e4ndischen Geschichte erst relativ sp\u00e4t auf.<\/p>\n<p>Im Alten Testament der Bibel sind \u201eEngel&#8220; h\u00e4ufig, \u201egefallene Engel&#8220; aber kaum erw\u00e4hnt, und der \u201eSatan&#8220; erscheint erst bei Hiob (1,6 und 2,1) und Sacharia (3,1). Der im Buch Hiob erw\u00e4hnte \u201eSatan&#8220; hat dabei \u00c4hnlichkeit mit einem babylonischen D\u00e4mon, der die Menschen bei den G\u00f6ttern anklagt, und auch Goethe hat offensichtlich Hiob gelesen.[1]<\/p>\n<p>Die nichtj\u00fcdische antike Welt kannte einen dem Satan entsprechen\u00adden Begriff kaum. Man sah das Universum von unsichtbaren Wesen\u00adheiten verschiedenster Art bewohnt (G\u00f6ttinnen, G\u00f6tter, Furien, D\u00e4monen, Genien, Geister usw.), die in ihrer spezifischen Art auf die Menschen einwirken. Die dualistische Vorstellung von einer \u201eb\u00f6sen Macht&#8220; im Gegensatz zu einem \u201eGeist des Guten&#8220; findet sich zuerst bei Zoroaster (Zarathustra, zwischen 1500 und 600 v. Chr. vgl. <a href=\"https:\/\/www.siegfriedhagl.com\/religionsgeschichte\/ein-persischer-wahrheitsbringer\/\">&#8222;Religionen der Antike X&#8220;<\/a>), und es ist zu vermu\u00adten, dass dessen Lehre auf Sp\u00e4tjudentum, Christentum und Manich\u00e4is\u00admus eingewirkt hat.<\/p>\n<p>Wie die bei Qumran gefundenen Schriftrollen beweisen, haben Essener im 1. vorchristlichen Jahrhundert Begriffe von einem \u201eSatan&#8220; entwickelt, wie er sich dann im Neuen Testament der Bibel an vielen Stellen findet. Dieser \u201eDiabolos&#8220; (griech. \u201eVerwirrer&#8220;), der sein Pendant unter dem Namen \u201eIblis&#8220; im Islam findet, wurde im Mittelalter zum all\u00adgegenw\u00e4rtigen \u201eVersucher&#8220;, vor dessen Fallstricken den Gl\u00e4ubigen nur strenge Befolgung der kirchlichen Regeln, Beichte und Ablass bewahren konnten.<\/p>\n<p>Kronzeuge f\u00fcr die Berechtigung der mittelalterlichen Teufelsfurcht ist &#8211; wie so oft bei grundlegenden christlichen Glaubenslehren &#8211; der Apostel Paulus, der im Epheserbrief in aller Deutlichkeit auf das Reich der Finsternis als gef\u00e4hrlichstem Feind jedes Christen\u00admenschen hinweist:<\/p>\n<p><em>\u201eDenn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen, sondern mit F\u00fcrsten und Gewaltigen, n\u00e4mlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den b\u00f6sen Geistern unter dem Himmel.&#8220;<\/em> (Eph. 6,12).<\/p>\n<p>Der Offenbarung des Johannes zufolge wird die Macht dieser b\u00f6sen Geister und ihres Meisters erst am Ende der Tage gebrochen, wenn <em>\u201eder Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan&#8220;<\/em> f\u00fcr 1000 Jahre gefesselt wird.<\/p>\n<p>Aus dem apokryphen Buch Henoch stammt die Schilderung vom Engel\u00adsturz, die zusammen mit den autorisierten biblischen Schriften Pate stand f\u00fcr die in vielen Kirchen anzutreffenden Darstellungen des Erzengels Michael, der den aufs\u00e4ssigen Luzifer mitsamt seinem An\u00adhang in die H\u00f6lle hinabwirft. Im Barock wurde dann Michael, der Herr der himmlischen Heerscharen, zum Leitbild der Gegenreformation, zum personifizierten Programm des Kampfes gegen jegliche Ketzerei.<\/p>\n<p>Wie wichtig schon fr\u00fche Christen derartige Lehren nahmen, zeigen alte Taufriten: Im 1. Jahrhundert zum Beispiel musste ein T\u00e4ufling feierlich <em>\u201edem Teufel und seinen Werken&#8220;<\/em> abschw\u00f6ren. Der heidnische Konvertit wurde nur ge\u00adtauft, wenn er vorher zugegeben hatte, dass alle Geister, die er bis\u00adher verehrt oder gef\u00fcrchtet hatte, in Wirklichkeit nichts als D\u00e4monen waren &#8211; feindlich gesonnene Geister, die den einen Gott der G\u00fcte und Gerechtigkeit bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Satan \u00ad- Teufel &#8211; Beelzebub<br \/>\n<\/strong><em>Satan<\/em> (hebr. \u201eWidersacher&#8220;), urspr. jeder Sch\u00e4diger (im Krieg, vor Gericht), seit Sach. 3,1 f. und Hiob 1,6 ff.\/2,1 ff. der Ankl\u00e4ger in der himmlischen Ratsversammlung. Nach dem nichtkanonischen \u201eBuch Henoch&#8220; wurde der <em>Satan <\/em>wegen seines Aufruhrs gegen Gott durch den Erzengel Michael in den Abgrund gest\u00fcrzt. Erst im Sp\u00e4tjudentum und im fr\u00fchen Christentum wird der Satan Widersacher Gottes, der Teufel, mit dem er in der christlichen Tradition weitgehend verschmolz.<\/p>\n<p><em>Teufel <\/em>(aus ahd. tiufal von grch. diabolos, \u201eVerwirrer&#8220;, \u201eVerleumder&#8220;) Der hebr. Satan, in der christl. Glaubens\u00fcberlieferung ein b\u00f6ser Geist, der als oberster Widersacher Gottes auftritt, danach allgemein das als Person gedachte b\u00f6se Prinzip.<\/p>\n<p><em>Religionsgeschichte:<\/em> In den prophet. Universalreligionen gilt der T. als die dem guten Gott entgegengesetzte Macht des B\u00f6sen im Sinne des S\u00fcndhaften (\u201eDiabolos&#8220; im Christentum, \u201eIblis&#8220; im Islam). Im Buddhismus ist \u201eMara&#8220; Repr\u00e4sentant der Unheilsmacht des \u201eDurstes&#8220; (tanha), mehr des unheilvollen Lebenswillens als des ethisch B\u00f6sen. Auch sonst ist die Vorstellung einer wesenhaft b\u00f6sen Macht, die als Gott oder D\u00e4mon personifiziert wird, in der Religionsgeschichte verbreitet. So klagt in der babylonischen Religion ein D\u00e4mon die Menschen bei den G\u00f6ttern an. In \u00c4gypten ist Seth\u2011Typhon dem Teufel verwandt. Die dualistische Vorstellung von einem Tr\u00e4ger b\u00f6ser Macht im Gegensatz zu einem Geist des Guten ist besonders in der Lehre Zarathustras ausgepr\u00e4gt, die hinsichtlich der Vorstellung des Teufels auf Sp\u00e4tjudentum, Christentum und Manich\u00e4ismus eingewirkt hat. Im Neuen Testament ist der Teufel zum Widersacher Gottes schlechthin geworden. Er ist der Oberste der b\u00f6sen Geister (Mk. 3,22; Beelzebub), der \u201eHerr dieser Welt&#8220; (Joh. 12,31), Versucher (Mt. 4,1\u201111), Herr der Todesmacht (Hebr. 2,14). Seine Macht ist durch Christus grunds\u00e4tzlich gebrochen, so dass die Gl\u00e4ubigen ihm Widerstand leisten k\u00f6nnen (l. Petr. 5,8 f.) und nicht dem ewigen Tod verfallen. Seine endg\u00fcltige Vernichtung geschieht aber erst beim Weltenende (Offb. 19 f.).<\/p>\n<p><em>Beelzebub<\/em>, Belzebub (hebr. BA&#8217;al\u2011Zebub \u201eHerr der Fliegen&#8220;), der Stadtgott von Ekron im Lande der Philister (2. K\u00f6n. 1). Im Neuen Testament (Mark. 3,22; Matth. 10,25) ist Beelzebub der Oberste der D\u00e4monen. Den \u201eTeufel mit Beelzebub austreiben&#8220; (Matth. 12, 24\u201127) hei\u00dft, ein Schlimmes durch ebenso Schlimmes ersetzen.<\/p>\n<p align=\"right\"><em>Quelle: Brockhaus Enzyklop\u00e4die, 17. Auflage.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>D\u00e4monen, Teufel, b\u00f6se Geister<\/strong><\/p>\n<p>Auf biblischer Grundlage entstand so im Mittelalter eine umfangreiche Theologie des Widersachers; unter dem Stichwort \u201eD\u00e4monologie&#8220; bis heute ein Bestandteil christlicher Lehren, der allerdings kaum mehr ernst genommen wird. Macht es heute \u00fcberhaupt noch Sinn, sich damit zu besch\u00e4ftigen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst steht jeder Mensch vor der Frage, ob und wie ein himmlischer Diener Gottes, der im vollen Bewusstsein von Gottes Gr\u00f6\u00dfe und All\u00admacht lebt, sich gegen den Allm\u00e4chtigen und seine Vollkommenheit auflehnen kann. Viele Antworten wurden gesucht, unz\u00e4hlige Vermu\u00adtungen ge\u00e4u\u00dfert, um einen Vorgang plausibel zu machen, der sich menschlichem Begreifenk\u00f6nnen von vornherein entzieht. Eine der ansprechendsten aller von Menschen gegebenen Schilderungen stammt von Hildegard von Bingen (1098\u20111179), der gr\u00f6\u00dften Vision\u00e4rin des Mittelalters:<\/p>\n<p><em>\u201eLuzifer, der ob seines Hochmutes aus der himmlischen Herrlichkeit versto\u00dfen wurde, war im Anfang seiner Er\u00adschaffung so vollendet, so gro\u00df, dass er seiner Sch\u00f6nheit und Kraft keinen Mangel versp\u00fcrte. Doch er sah seine Sch\u00f6n\u00adheit und erwog bei sich die Gewalt seiner Kr\u00e4fte und &#8211; ver\u00adfiel dem Stolz. Der redete ihm zu, er solle nur alles be\u00adginnen, was er wolle. Er werde schon fertigbringen, was er beginne. So ersp\u00e4hte der stolze Engel den Platz, den er er\u00adreichen zu k\u00f6nnen glaubte, an dem seine Kraft und Sch\u00f6nheit zur vollen Geltung kommen w\u00fcrde, und er sprach zu sich selber: ,Dort will ich gl\u00e4nzen wie dieser hier.'[<sup>2]<\/sup> Und seine ganze Streitschar stimmte ihm bei und sagte: ,Was <\/em>du<em> willst, wollen auch <\/em>wir<em>&#8218;. Kaum aber gedachte er, vom Stolze aufgeblasen, diesen Wahnwitz auszuf\u00fchren, da erhob sich wie eine feuerspeiende schwarze Wolke der Eifer des Herrn. Die Teufelsbrut zerstob.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Folgt man solchen schwer zu fassenden Erkl\u00e4rungen, so wurde Luzifer\u00a0 nach seinem Sturz zum Versucher, dessen Ver\u00adf\u00fchrungsk\u00fcnsten die Menschheit nicht gewachsen war. Sie lie\u00df sich von dem gefallenen Erzengel auf Irrwege f\u00fchren. Um die Menschheit aus ihren Abirrungen zu befreien, war dann die Sendung des Gottessohnes Jesus erforderlich. F\u00fcr die Endzeit ist schlie\u00dflich noch ein weiterer g\u00f6ttlicher Eingriff prophezeit, der dann erst die endg\u00fcltige Vernichtung des \u00dcbels und die Befreiung von ihm brin\u00adgen wird.<\/p>\n<p>So wurde im mittelalterlichen Weltverst\u00e4ndnis der Kosmos zur B\u00fchne des Kampfes zwischen Licht und Dunkel. Jeder Einzelmensch ist hin\u00adeingewirbelt in diese Jahrtausende alte Auseinandersetzung; er wird gezwungen, Partei zu ergreifen und sich dabei f\u00fcr sein eige\u00adnes Schicksal zu entscheiden. Die Welt ist polarisiert. Folgt man dem j\u00fcdischen Theologen Martin Buber, so ist diese \u201eMoralisierung des Universums&#8220; eine der gro\u00dfen Errungenschaften der j\u00fcdischen Tradition, die sp\u00e4ter von Christentum und dem Islam \u00fcbernommen wurde. Ein Grund, warum Anh\u00e4nger der drei gro\u00dfen monotheistischen Religionen das Universum mit anderen Augen sehen, als Bekenner anderer gro\u00dfer Religionen ?<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe mittelalterliche Entwurf vom weltumspannenden Kampf zwi\u00adschen Recht und Unrecht, zwischen Licht und Finsternis, wurde sp\u00e4\u00adter verengt zu einem kleinlichen Streit zwischen Konfessionen und religi\u00f6sen Gruppen, von denen jede die jeweils andere Seite des \u201eBundes mit satanischen M\u00e4chten&#8220; bezichtigte. Vergessen war das gro\u00dfe Jesus\u2011Wort: <em>\u201eAn ihren Fr\u00fcchten sollt ihr sie erkennen&#8220;<\/em> (Matth. 7,16), und Kreuzz\u00fcge, Ketzerjagden, Inquisition und Hexen\u00adverbrennung schienen zu beweisen, dass Luzifer l\u00e4ngst dabei war, sich zum \u201eHerrn dieser Welt&#8220; aufzuschwingen, der weltliche und kirchliche F\u00fcrsten nach Belieben manipuliert.<\/p>\n<p><strong>Die moderne Schau<\/strong><\/p>\n<p>Noch in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts war die Lehre vom Widersacher ein nicht in Frage gestellter Bestandteil christlichen Reli\u00adgionsunterrichts, und Luzifer galt als pers\u00f6nlich existierend. Diese Sicht wird in den letzten Jahrzehnten nur noch von Rand\u00adgruppen vertreten (in der katholischen Kirche z. B. von dem viel geschm\u00e4hten \u201eEngelwerk&#8220;), w\u00e4hrend eine moderne Theologie, nach dem Vorbild der Psychologie im Satan nur noch eine symbolische Figur sieht. Man folgert, dass ein liebender Sch\u00f6pfer weder ein b\u00f6ses Prinzip zugelassen, noch die H\u00f6lle geschaffen haben kann (due ein Werk der Menschen ist). Der Gedanke, dass sogar ein Erzengel st\u00fcrzen kann, erscheint absurd, und die Vorstel\u00adlung, dass dunkle jenseitige Ebenen die Folge niederer menschlicher Gedanken und Empfindungen seien, wird allenfalls nur von Esoterikern gelehrt.<\/p>\n<p>Unsere Zeit hat sich f\u00fcr einen mehr psychologisch orientierten Ansatz entschieden! Demnach diente der Teufel vor allem als Schreck\u00adgespenst, um Menschen innerlich unfrei zu machen und sie zu unter\u00addr\u00fccken. Es geh\u00f6rt demnach zur notwendigen \u201eBefreiung des Menschen&#8220; von inneren Zw\u00e4ngen, diesen mittelalterlichen Aberglauben zu \u00fcber\u00adwinden. Diese Ansicht vertreten nicht nur einige von der Amtskirche ver\u00adfemte Kleriker wie Eugen Drewermann, sondern auch andere pro\u00adgressive Priester.<\/p>\n<p>Teufelsfurcht ist sicher kein guter Ratgeber, und deren \u00dcber\u00adwindung zweifellos ein Fortschritt.<\/p>\n<p>Wir alle k\u00f6nnten befreit auf\u00adatmen, wenn wir uns sicher w\u00e4ren, dass es sich bei dem \u201eWidersacher&#8220; nur um ein Phantasieprodukt handelt. Sollte es den \u201eDiabolos&#8220;, den \u201eVerwirrer&#8220;, in der Sch\u00f6pfungswirklichkeit aber dennoch geben, dann ist seine totale Leugnung die beste Tarnung, die er sich w\u00fcnschen kann.<\/p>\n<p>Auch hier stehen wir vor der Pilatus\u2011Frage <em>\u201eWas ist Wahrheit&#8220;<\/em>, vor der schon griechische Philosophen kapitulierten, und die auch moderne Theologen nicht schl\u00fcssig zu beantworten wissen. Und so sind wir wieder einmal auf eigene Empfindungen und selbst\u00e4ndiges Suchen zur\u00fcckge\u00adworfen, um zu unserem pers\u00f6nlichen Weltbild zu finden, das die volle Wahrheit nie umfassen, ihr nur n\u00e4her kommen kann. &#8211;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><strong>Das Geheimnis Luzifer<\/strong><\/p>\n<p><em>In der \u201eGralsbotschaft&#8220; bringt Abd-ru-shin eine neue, umfassende Sicht zum \u201eGeheimnis Luzifer&#8220; und erkl\u00e4rt u.a. auch das \u201eLuzifer-Prinzip&#8220;. Die Tiefe dieses Bildes er\u00f6ffnet sich dem Leser erst durch das Studium des Gesamtwerkes in der Reihenfolge der einzelnen Vortr\u00e4ge. Wir zitieren in der Folge Ausz\u00fcge aus dem Vortrag \u201eDas Geheimnis Luzifer&#8220; (Band 2) und weisen darauf hin, da\u00df einige der genannten Begriffe Ihre Kl\u00e4rung erst im gesamten Sch\u00f6pfungsbild erfahren, das sich dem Leser des dreib\u00e4ndigen Werkes nach und nach entrollt.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Ein grauer Schleier ruht \u00fcber allem, das im Zusammenhange mit Luzifer steht. Es ist, als ob alles zur\u00fcckschreckt, den Zipfel dieses Schleiers zu l\u00fcften.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Zur\u00fcckschrecken ist in Wirklichkeit nur das Unverm\u00f6gen, einzudrin\u00adgen in das Reich des Dunkels. Das Nichtk\u00f6nnen aber liegt wiederum ganz einfach in der Natur der Sache, weil auch hier der Menschengeist nicht so weit einzudringen vermag, sondern ihm in seiner Beschaffenheit eine Grenze ge\u00adsetzt ist. Ebensowenig wie er bis zur h\u00f6chsten H\u00f6he gehen kann, so vermag er auch nicht bis zur tiefsten Tiefe zu dringen, wird es auch nie verm\u00f6gen.<\/em><\/p>\n<p><em>So schuf die Phantasie Ersatz f\u00fcr das Fehlende, Wesen in mancherlei Gestalt. Man spricht vom Teufel in den abenteuerlichsten Formen, von dem gefallenen und ausgesto\u00dfenen Erzengel, von der Verk\u00f6rperung des b\u00f6sen Prinzips, und was sonst noch mehr ist. Von dem eigentlichen Wesen Luzifers versteht man nichts, trotzdem der Menschengeist von ihm getroffen und da\u00addurch oft mitten hineingewirbelt wird in einen gewaltigen Zwiespalt, den man mit Kampf bezeichnen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Diejenigen, die von einem gefallenen Erzengel sprechen, und auch die, die von der Verk\u00f6rperung des b\u00f6sen Prinzips reden, kommen der Tatsache am n\u00e4chsten. Nur ist auch hierbei eine falsche Einstellung, die allem ein unrichti\u00adges Bild verleiht. Eine Verk\u00f6rperung des b\u00f6sen Prinzips l\u00e4\u00dft den h\u00f6chsten Gipfel, das Endziel, das Lebendiger\u2011K\u00f6rper\u2011Gewordene alles B\u00f6sen denken, also die Kr\u00f6nung, den vollkommenen Schluss.<\/em><\/p>\n<p><em>Luzifer aber ist umgekehrt der Ursprung des falschen Prinzips, der Ausgangspunkt und die treibende Kraft. Man sollte es auch nicht das b\u00f6se Prinzip nennen, das er bewirkt, sondern das falsche Prinzip. Das Wirkungsgebiet dieses unrichtigen Prinzips ist die stoffliche Sch\u00f6pfung. (&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><em>Luzifer selbst steht au\u00dferhalb der stofflichen Sch\u00f6pfung, wird also nicht mit in die Zersetzung hineingerissen, wie es den Opfern seines Prinzips er\u00adgeht; denn Luzifer ist ewig. Er stammt aus einem Teile des G\u00f6ttlich\u2011Wesenhaften. Der Zwiespalt setzte nach dem Beginn der Entstehung alles Stoffli\u00adchen ein. Ausgesandt, das Geistig\u2011Wesenhafte in dem Stofflichen zu st\u00fctzen und in der Entwicklung zu f\u00f6rdern, erf\u00fcllte er diesen seinen Auftrag nicht in dem Sinne des sch\u00f6pferischen Willens Gottvaters, sondern er w\u00e4hlte an\u00addere als die ihm durch diesen Sch\u00f6pfungswillen vorgezeichneten Wege, aus einem Wollen heraus, das ihm bei seinem Wirken in der Stofflichkeit kam.<\/em><\/p>\n<p><em>Die ihm gegebene Kraft missbrauchend, f\u00fchrte er unter anderem das Prin\u00adzip der Versuchungen ein, an Stelle des Prinzips st\u00fctzender Hilfe, die gleich\u00adbedeutend mit dienender Liebe ist. Dienende Liebe im g\u00f6ttlichen Sinne gemeint, die nichts gemein hat mit sklavischem Dienen, sondern lediglich den geistigen Aufstieg und somit des N\u00e4chsten ewiges Gl\u00fcck ins Auge fasst und dementsprechend handelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Prinzip der Versuchung aber ist gleichbedeutend mit dem Legen von Fallstricken, durch die nicht gen\u00fcgend in sich gefestigte Kreaturen schnell straucheln, st\u00fcrzen und verlorengehen, w\u00e4hrend andere wieder allerdings dabei erstarken in Wachsamkeit und Kraft, um dann machtvoll emporzubl\u00fc\u00adhen zu geistigen H\u00f6hen. Alles Schw\u00e4chliche ist aber von vornherein der Ver\u00adnichtung rettungslos preisgegeben. Das Prinzip kennt keine G\u00fcte, kein Erbarmen; es ermangelt der Liebe Gottvaters, damit aber auch der gewaltig\u00adsten Auftriebskraft und der st\u00e4rksten St\u00fctze, die es gibt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die in der Bibel geschilderte Versuchung im Paradiese zeigt die Wirkung von dem Einsetzen des Luzifer\u2011Prinzips, indem sie bildlich darstellt, wie es durch Versuchung die St\u00e4rke oder Standhaftigkeit des Menschenpaares zu pr\u00fcfen sucht, um dieses bei dem geringsten Schwanken sofort erbarmungslos in den Weg der Vernichtung zu sto\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Standhaftigkeit w\u00fcrde gleichbedeutend gewesen sein mit freudiger Ein\u00adstellung in den g\u00f6ttlichen Willen, der in den einfachen Natur\u2011 oder Sch\u00f6pfungsgesetzen liegt. Und dieser Wille, das g\u00f6ttliche Gebot, war dem Men\u00adschenpaare gut bekannt. Nichtwankendwerden w\u00e4re gleichzeitig eine Befolgung dieser Gesetze gewesen, wodurch der Mensch sich diese erst rich\u00adtig und unbeschr\u00e4nkt nutzbar machen kann und so zum eigentlichen \u00bbHerrn der Sch\u00f6pfung\u00ab wird, weil er \u00bbmit ihnen geht\u00ab. Alle Kr\u00e4fte werden ihm dann dienstbar, wenn er sich nicht entgegenstellt, und arbeiten selbstt\u00e4tig zu seinen Gunsten. (&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><em>Luzifer will nicht in G\u00fcte das allm\u00e4hliche Reifen und Erstarken abwarten, will nicht, wie er sollte, ein liebender G\u00e4rtner sein, der die ihm anvertrauten Pflanzen h\u00fctet, st\u00fctzt und pflegt, sondern mit ihm wurde buchst\u00e4blich \u00bbder Bock zum G\u00e4rtner\u00ab. Er geht auf die Vernichtung alles Schwachen aus und arbeitet in dieser Weise schonungslos.<\/em><\/p>\n<p><em>Dabei verachtet er die Opfer, die seinen Versuchungen und Fallstricken er\u00adliegen, und will, da\u00df sie in ihrer Schw\u00e4che zugrunde gehen sollen.<\/em><\/p>\n<p><em>Er hat auch Ekel vor der Niedrigkeit und der Gemeinheit, die diese gefalle\u00adnen Opfer in die Auswirkungen seines Prinzips legen; denn nur die Men\u00adschen machen diese zu der ekelhaften Verworfenheit, in der sie sich pr\u00e4sen\u00adtieren, und damit fachen sie Luzifer nur um so mehr dazu an, in ihnen Gesch\u00f6pfe zu sehen, welche lediglich Vernichtung verdienen, nicht Liebe und Pflege.<\/em><\/p>\n<p><em>Und zur Durchf\u00fchrung dieser Vernichtung tr\u00e4gt nicht wenig das sich dem Prinzip der Versuchung als nat\u00fcrliche Folge anschlie\u00dfende Prinzip des Sichauslebens bei. Das Sichausleben vollzieht sich in den niederen Regionen des Dunkels, wurde aber bei sogenannter Psychoanalyse von verschiedenen Aus\u00fcbenden bereits irdisch aufgenommen in der Annahme, da\u00df auch auf Erden das Sichausleben reift und befreit.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch welches entsetzliche Elend mu\u00df die Aus\u00fcbung dieses Prinzips auf Erden herbeif\u00fchren! Welches Unheil mu\u00df sie anrichten, weil auf der Erde nicht wie in den Regionen des Dunkels nur Gleichartiges beisammen ist, son\u00addern noch Dunkleres wie Helleres neben\u2011 und miteinander lebt. Man denke dabei nur an das Geschlechtsleben und \u00e4hnliches. Wenn ein solches Prinzip in der Aus\u00fcbung auf die Menschheit losgelassen wird, mu\u00df es am Ende nur ein Sodom und Gomorra geben, aus dem es kein Hinausgleiten gibt, sondern wo nur Schrecken gr\u00f6\u00dfter Art ein Ende bringen kann. (&#8230;)<\/em><\/p>\n<p><em>Die Anwendung dieses liebelosen Prinzips aber mu\u00dfte Luzifer selbstver\u00adst\u00e4ndlich aus der Natur der Sache heraus immer mehr von dem liebenden Willen des allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfers trennen, was die eigene Abschneidung oder Aussto\u00dfung aus dem Lichte brachte und damit den immer tieferen Sturz Luzifers. Ein Sich\u2011selbst\u2011vom\u2011Licht\u2011getrennt\u2011Habender ist Luzifer, was gleichbedeutend ist mit einem Ausgesto\u00dfenen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Absto\u00dfung mu\u00dfte ebenfalls nach den bestehenden Urgesetzen, dem unumst\u00f6\u00dflichen Heiligen Willen Gottvaters erfolgen, weil ein anderes Geschehen nicht m\u00f6glich ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Da nun allein der Wille Gottvaters, des Sch\u00f6pfers aller Dinge, allm\u00e4chtig ist, der auch in der stofflichen Sch\u00f6pfung und deren Entwicklung festwurzelt, vermag Luzifer wohl sein Prinzip in die Stofflichkeit hineinzusenden, die Auswirkungen aber werden sich immer nur in den von Gottvater festgelegten Urgesetzen bewegen k\u00f6nnen und m\u00fcssen sich in deren Richtung formen.<\/em><\/p>\n<p><em>So kann Luzifer durch die Verfolgung seines unrichtigen Prinzips wohl einen Ansto\u00df geben zu f\u00fcr die Menschheit gef\u00e4hrlichen Wegen, er vermag aber nicht, die Menschen zu irgend etwas gewaltsam zu zwingen, sobald sich diese nicht selbst freiwillig dazu entschlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Luzifer kann tats\u00e4chlich nur locken. Der Mensch als solcher steht aber fe\u00adster als er in der stofflichen Sch\u00f6pfung, demnach auch viel sicherer und kraft\u00advoller, als ihn der Einflu\u00df Luzifers je treffen kann. Ein jeder Mensch ist da\u00addurch so gesch\u00fctzt, da\u00df es eine zehnfache Schmach f\u00fcr ihn ist, wenn er sich von dieser im Vergleich zu ihm schw\u00e4cheren Kraft locken l\u00e4\u00dft. Er soll beden\u00adken, da\u00df Luzifer selbst au\u00dferhalb der Stofflichkeit steht, w\u00e4hrend er mit fe\u00adsten F\u00fc\u00dfen in ihm voll vertrautem Grund und Boden wurzelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Luzifer ist gezwungen, zu seinen Prinzipanwendungen nur seine Hilfs\u00adtruppen zu benutzen, die sich aus in den Versuchungen gefallenen Men\u00adschengeistern zusammenstellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Diesen aber ist wiederum jeder nach oben strebende Menschengeist nicht nur vollkommen gewachsen, sondern an St\u00e4rke weit \u00fcberlegen. Ein einziger ernster Willensakt gen\u00fcgt, um ein Heer davon spurlos verschwinden zu las\u00adsen. Vorausgesetzt, da\u00df diese mit ihren Lockungen keinerlei Widerhall oder Anklang finden, an den sie sich klammern k\u00f6nnen. (&#8230;)&#8220;<\/em>\u00a0<strong>Abd-ru-shin<\/strong><\/p>\n<p><strong>Literatur:<br \/>\n<\/strong>Abd-ru-shin &#8222;Im Lichte der Wahrheit&#8220;, Gralsbotschaft, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart.<br \/>\nFischer, W., &#8222;Geschichte des Teufels, Stuttgart, o. J.<br \/>\nHaak, F.W. \u201eSatan, Teufel, Luzifer&#8220;, M\u00fcnchen, 1987.<br \/>\nHildegard von Bingen, \u201eWisse die Wege (Scivias)&#8220;, Salzburg 1965.<br \/>\nPagels, E,. \u201eSatans Ursprung&#8220;, Berlin 1996.<br \/>\nPagels, E., \u201eAdam, Eva und die Schlange&#8220;, Reinbeck 1991.<br \/>\n<strong>Fu\u00dfnoten:<br \/>\n<\/strong><sup>[1] <\/sup>Die doppelz\u00fcngige, zweideutig redende Schlange der Genesis wird noch nicht als Satan bezeichnet.<br \/>\n<sup>[2[ <\/sup>Gemeint ist wohl, dass Luzifer in der Sch\u00f6pfung gl\u00e4nzen wollte, \u201ewie dieser&#8220; (Gott) im ewigen himmlischen Reiche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ver\u00f6ffentlicht in GralsWelt 11\/99) In unserer Zeit tun sich viele Menschen mit Religionen, mit \u201ereligi\u00f6sen Wahrheiten&#8220; im besonderen, schwer. Allzuviel Missbrauch wurde mit dem religi\u00f6sen Empfinden getrieben. 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