Siegfried Hagl - Schriftsteller

Site menu:

Gedanken zum folgenreichsten aller Bücher

(Veröffentlicht 2021)

Vorbemerkung
Einem Deutschen – wie mir – ist es ist eigentlich verboten, etwas Kritisches über die Entstehung des Alten Testamentes der Bibel zu sagen. Denn damit entsteht ungewollt der Anschein, man würde die heutige jüdische Religion, sowie das Judentum als solches, direkt oder indirekt angreifen.
Es ist ja allgemeiner Konsens, dass man in Deutschland die Hebräer[1] nur loben darf:

Die Juden sind unbestreitbar ein überdurchschnittlich intelligentes Volk. Sie haben wesentliche Beiträge geleistet zur europäischen Kultur, z. B. auf den Gebieten Philosophie, Wissenschaft, Kunst.
Die monotheistische jüdische Religion, mit ihrer hebräischen Bibel[2], bildet die Basis für die heute dominierenden Weltreligionen Christentum und Islam.
Es ist daher keine Übertreibung zu behaupten, dass es ohne das Judentum die europäische und damit die Weltkultur in ihrer heutigen Form nicht gäbe.

Doch erlaube ich mir ein paar Anmerkungen zur jüdischen religiösen Überlieferung, mit denen ich auf keinen Fall Juden persönlich oder das moderne Judentum als solches angreifen möchte; auch wenn strenggläubige Juden – die keinerlei Kritik an ihrer Religion dulden – das so interpretieren mögen.
Es sind Gedanken, die man heute nur hinter vorgehaltener Hand flüstern darf. Denn wer – noch so sachlich – auch nur den Anschein eines Zweifels an der jüdischen Überlieferung erregt, wird in unserer derzeitigen, keineswegs immer offenen und toleranten Gesellschaft schnell als Antisemit, Rassist, Rechtsradikaler oder Schlimmeres diffamiert.

Trotz aller Leistungen jüdischer Ärzte, Bänker, Dichter, Forscher, Journalisten, Kaufleute, Komponisten, Künstler, Maler, Musiker, Philosophen, Politiker, Regisseure, Schauspieler, Schriftsteller, Unternehmer, Werbestrategen, Wissenschaftler, wurden und werden Juden oft nicht als selbstverständlicher Volksbestandteil empfunden; nicht einmal in Ländern, in denen sie seit Jahrhunderten friedlich leben.
Woran mag das liegen?

Die Frühgeschichte der jüdischen Religion
Bis vor relativ kurzer Zeit konnte man davon ausgehen, dass Jedermann in Europa und Amerika die Grundzüge der biblischen Geschichte kennt:
Die Schöpfungsgeschichte, die Sündenfallerzählung, die Sintflutsage, die Ägyptischen Plagen, den Exodus, den Empfang der Zehn Gebote durch Moses, die Eroberung des „verheißenen Landes“ durch das „auserwählte Volk“, sowie die wichtigsten Teile des Neuen Testamentes wie das Vaterunser, die Bergpredigt, das letzte Abendmahl und die Kreuzigung.

Die Bibel als Quelle ist leider ein historisch höchst unzuverlässiges Werk.
Neben etlichen – oft missverstandenen – Offenbarungen, Visionen und zeitlosen Weisheiten besteht das Meiste im Alten Testament aus altorientalischen Sagen, altjüdischen Mythen, Aphorismen, theologischer Geschichtsklitterung, Liturgie, Phantasie, Poesie, Pornographie, Propaganda, Prophetie und Theologie. Manches im Widerspruch zu Schöpfungsgesetzen. (Vgl. z. B. Jos. 10,12 und 2. Kön. 1,10).
Vieles ist wohl reine Erfindung machtgieriger Priester, die den strafenden Rachegott als Drohpotential zur Disziplinierung und Unterdrückung ihrer Gläubigen benötigten.

„Weder Moses noch irgendein nationaler Retter konnte die Kinder Israel aus Ägypten herausführen, denn für die Geschichtsforschung hat es keinen Aufenthalt der Israeliten in Ägypten gegeben. Weder Moses noch irgendein nationaler Religionsstifter hat auf dem Berg Sinai die Offenbarung empfangen, denn die biblische Religion ist erst Jahrhunderte nach der angeblichen Stiftung durch Moses entstanden. Es hat auch keinen Josua gegeben, der als Nachfolger von Moses das Verheißene Land eroberte, denn die Archäologie kennt keine kriegerische Landnahme der Israeliten. Ein national-religiöser Dichter hat diese Geschichten erdacht und dem Propheten Moses angedichtet.“ (10, S. 330).

Einigermaßen historisch ist die Gründung eines jüdischen Königreiches unter Saul (1020-1000 v. Chr.)[3] und David (1000-961 v. Chr.). Davids Sohn Salomon (961-931 v. Chr.) ließ den Ersten Tempel in Jerusalem erbauen.
Nach dem Tod des in der Bibel hochgelobten Salomon spaltete sich sein instabiler Staat: In das größere und reichere Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria und das kleine Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem. Beide Königreiche waren zu klein, um sich gegen Angriffe von außen behaupten zu können.
Die Bibel nennt eine Reihe von Namen der Könige beider Reiche und berichtet über Kriege und Wirren dieser Zeit, die für den hier betrachteten Zusammenhang unwesentlich sind[4].

Es folgten tiefe historische Einbruche, die nicht wieder gutzumachen waren:

Die Assyrer eroberten 722 v. Chr. Samaria nach langer Belagerung und zerstörten das Nordreich Israel (2. Kön. 17), dessen Volk deportiert wurde. Seither sind diese „Zehn Stämme“ Israels aus der Geschichte verschwunden. Anscheinend haben sie sich in andere Völker integriert.
Die von den israelitischen „Zehn Stämmen“ gelebte Form der altjüdischen Religion hatte offenbar nicht die Kraft, ihre Gläubigen auch in der Zerstreuung zusammenzuhalten; anders als die später entstandene, der Zeit angepasste, strenge Religion der Judäer[5].
Die Nachfahren der verlorenen „Zehn Stämme“ wurden auf verschiedenen Kontinenten, einschließlich Amerika[6], vergeblich gesucht.
Warum sich der heutige jüdische Staat „Israel“ nennt und nicht „Juda“ – was historisch korrekter wäre – ist ein Geheimnis der modernen Zionisten.

Das Südreich Juda bestand noch weitere 136 Jahre, bis es 586 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems – nun durch die Babylonier – unterging. Die jüdische Elite wurde nach Babylon verschleppt. (Babylonisches Exil, 586-538 v. Chr.; 2. Chronik 36, 17-23).
In Babylon spalteten sich die Juden in einen toleranteren, anpassungsfähigeren Teil und in die strenggläubigen „Zionisten“ mit ihrer Sehnsucht nach der Heimkehr und dem Wiederaufbau des Tempels. (5, S. 564).

Dann vereint ein unerwarteter Glückfall das zerstreute jüdische Volk:
Das Babylonische Reich wird 538 v. Chr. von den Persern unter Kyrus II. (559-529 v. Chr.) erobert. Juda wird eine Provinz des Persischen Großreiches.
Die Perser, Anhänger der monotheistischen Religion Zarathustras[7], sind großzügiger und toleranter als die Babylonier. Den Juden wird die Rückkehr in ihre Heimat gestattet und die Ausübung ihrer Religion erlaubt; sie werden sogar aufgefordert, ihre religiösen Regeln schriftlich festzulegen.

Die Heimkehr der Verbannten
Die nach Babylon verschleppten oder in andere Regionen verstreuten Hebräer kehren aufgrund eines Edikts des Kyros aus dem Jahr 538 v. Chr. zum großen Teil nach Jerusalem bzw. Juda zurück.
Nicht alle mit Begeisterung; denn Babylon war damals die größte Stadt der Welt. Die Perser hatten Babylon zwar trickreich erobert, ließen die Stadt ober unzerstört, und deren Bewohner konnten ziemlich unbelästigt weiterleben. Viele der deportierten Juden hatten in Babylon oder andernorts einen guten Unterschlupf gefunden; die Rückkehr in das zerstörte Jerusalem schien nicht verlockend – außer für Zionisten.
Der jüdische Tempel konnte – deutlich bescheidener – unter dem persischen Statthalter Serubbabel um 525 v. Chr. wieder aufgebaut werden.

In Jerusalem treten dann zwei wichtige Persönlichkeiten auf, deren Leistungen bis heute nachwirken:

Esra:
Der jüdische Schriftgelehrte und Priester erlangte am persischen Hof das Amt eines Art „Staatssekretärs“ für religiöse Angelegenheiten der Juden.
Im Jahr 458 v. Chr. kommt er mit anderen Exilanten nach Jerusalem, um sich im Auftrag des persischen Königs Artaxerxes I. (465-423 v. Chr.) um die religiöse Ordnung zu kümmern. (5, S. 566). Esra ordnete das Priestertum und den Tempeldienst, verkündete die religiösen Gesetze (Esra 7, 11-26) und organisierte die Rückkehr weiterer Juden.
Esra war ein extremer Fanatiker, der zum Beispiel Ehen zwischen Juden und heidnischen Frauen verbietet und die Scheidung solcher Ehen erzwingt[8]. (Esra 10, 1-3).
Man kann in Esra – anders als viele alttestamentliche Heroen wohl eine historische Persönlichkeit – einen mehr diesseits orientierten, bedeutenden Mitbegründer der jüdischen Religion sehen, fast so einflussreich wie der Visionär Moses.
An der Zusammenstellung und der Redaktion des Pentateuch – die fünf Bücher Moses[9] – hatte Esra großen Anteil (5, S. 240), und er war wohl Mitverfasser des Deuteronomiums (5. Buch Moses). Durch und nach Esra erhielten „das Gesetz und die Propheten“ im Großen und Ganzen jene Form, in der sie uns heute noch vorliegen. (5, S. 567).

So gesehen begannen im Jahr 458 v. Chr. die folgenreichsten Veränderungen in der Religion der Judäer, vielleicht sogar die eigentliche Geburt des orthodoxen Judentums (4) mit seiner autoritären Priesterschaft, deren Machtanspruch später von Geistlichen weiterer abrahamitischer Religionen übernommen wurde.

„…die Priester wollten gar nicht Lehrer sein und Helfer, sondern nur Beherrschende.
Als wahre Helfer hätten sie die Menschen erziehen müssen zu innerer Selbständigkeit, Geisteswürde und geistiger Größe, damit sich diese Menschen aus freier Überzeugung in den Willen Gottes einstellen und in Freude darnach handeln.
Die Priester taten das Gegenteil und banden den Geist, damit er ihnen für ihre Erdenzwecke gefügig blieb.“ (2, Band 3, Vortrag 44, Absatz 72 f.).

Nehemia:
Auch Nehemia hatte am persischen Hof eine Vertrauensstellung erlangt; er war sogar Mundschenk des Königs Artaxerxes I. Nehemia kam 445 v. Chr. mit weitreichenden Vollmachten als Statthalter von Juda nach Jerusalem.
Er ließ die eingerissenen Stadtmauern wieder aufbauen, vermutlich mit persischem Geld, und organisierte die Zuwanderung weiterer Judäer nach Jerusalem. (5, S, 566).

So hatten die heimgekehrten Hebräer weitgehend freie Hand zum Wiederaufbau ihrer Stadt und ihrer Religion.

Die Jüdische Religion wird festgeschrieben
Schon im Babylonischen Exil wurden die alten religiösen Schriften gesammelt, redigiert, kopiert und den Erfordernissen der Zeit angepasst.
Gesammelte Texte, vor allem wohl aus der Zeit zwischen 700 bis 400 v. Chr. (5, S. 201), wurden im „Deuteronomium“ – dem 5. Buch Moses – zusammengefasst. Moses kann kaum einen dieser Texte je gesehen haben.
Seither bildet der Pentateuch (die 5 Bücher Moses) als Tora (= Weisung, Gesetz) das Kernstück der jüdischen Religion. Eine Torarolle, geschrieben in hebräischer Sprache, liegt in jeder Synagoge.

In der abgelegenen, kleinen Stadt Jerusalem entstand so im 5. vorchristlichen Jahrhundert eine strenge, autoritäre Religion, die stammesbezogen, also rassistisch und somit rückschrittlich war.
Aus dem universellen Gott der Antike[10] wurde ein Stammesgott; aus dem „auserwählten Volk“, das den anderen Völkern geistig vorangehen sollte, wurde ein auf sich selbst konzentrierter Volksstamm, der sich rassisch und ideologisch strikt abschottete und sich über alle anderen Völker erhaben dünkte; denn sein Gott hatte ihm die Weltherrschaft versprochen.
Und dieses Herrschervolk der verheißenen Zukunft, das sein Gott über alle anderen Völker erheben sollte, war eine kleine Untertanengruppe in einem Großreich.
Ihre staatliche Selbständigkeit sollten die Judäer – abgesehen von einem Jahrhundert labiler Unabhängigkeit unter den Makkabäern (Hasmonäern) – bis ins Zwanzigste Jahrhundert nicht mehr erringen.

Im Alten Testament der Bibel, speziell im Deuteronomium, werden ein Machtanspruch der Priester (5. Mos. 18), und der absolute Vorrang des „auserwählten Volkes“ gegenüber allen anderen Völkern gepredigt. (5. Mos. 2, 32-35; 5. Mos. 7, 1-5, 21-24).
Dort vertretene archaische Gewaltphantasien (4. Mos. 31, 2; 5. Mos. 20, 10-18; Jos. 6, 21; Jos. 8, 24-28; Jos. 11, 12-14 usw.)[11] wurden auch von christlichen Kirchen tradiert und z. B. bei Kreuzzügen, in der Inquisition, bei der Ketzerverfolgung und den Hexenjagden, oder im Kolonialismus praktiziert.
Auch Sklaverei und Rassismus lassen sich biblisch rechtfertigen: (1. Mos. 9, 18-27[12]; 2. Mos. 21, 2-11; 3. Mos. 25, 44)[13].

Propheten des Alten Testamentes widersetzten sich den hasserfüllten Lehren der Schriftgelehrten (z. B. Amos 9, 7; Hosea 6, 6). Meist erfolglos.

„Die Geschichtsdarstellung, die in der Bibel steht – von Abrahams Begegnung mit Gott und seiner Wanderung nach Kanaan über Moses Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei bis zum Aufstieg und Niedergang der Königreiche Israel und Juda –, ist keine wunderbare Offenbarung, sondern ein herausragendes Ergebnis der menschlichen Einbildungskraft. Sie wurde – wie die jüngsten archäologischen Funde schließen lassen – in einem Zeitraum von zwei oder drei Generationen vor beinahe 2600 Jahren entworfen. Entstehungsort war das Königreich Juda, eine hauptsächlich von Schafhirten und Bauern dünn besiedelte Gegend, regiert von einer abgelegenen Königsstadt aus, die inmitten des Berglandes gefährdet auf einem schmalen Kamm inmitten steiler, felsiger Abgründe thronte.” (7, S. 12).

Durch die von Priestern erfundenen Irrlehren wurde auch die Basis für das Kommen von Jesus unterminiert. Denn die tieferen geistigen Erkenntnisse des Judentums, das für die Sendung des Gottessohnes vorbereitet werden sollte, konnten wohl nur noch in kleinen Kreisen – an der Synagoge vorbei – weitergegeben werden:

„Jungfrau Maria, sowieso schon mit allen Gaben ausgerüstet, ihre hohe Aufgabe erfüllen zu können, kam zu bestimmter Zeit durch geistige Führung mit Personen zusammen, die tief eingedrungen waren in die Offenbarungen und Prophezeiungen über den kommenden Messias.“ (2, Band 2, Vortrag 44, Absatz 4).

Die Wirksamkeit bis heute
Die strikte ideologische Abschottung, die scharfe ethnische Trennung, und die Drohkulisse eines „eifersüchtigen Gottes“, der jede Abweichung von der strengen, komplizierten, diesseitsbezogenen Lehre brutal bestraft, erzwangen einen einmaligen Zusammenhalt der gläubigen Juden, der trotz größter Widrigkeiten und brutalster Verfolgungen Jahrtausende überdauert hat.

Im Jahr 70 n. Chr. wurde Jerusalem, und mit ihm der „Tempel des Herodes“[14] zerstört. Die Einwohner Judas wurden in viele Länder zerstreut. Sie mussten fast zwei Jahrtausende lang, ohne eigenen Staat, in der „Diaspora“ überleben und ihrer Religion treu bleiben. Dabei glaubten sie unerschütterlich an die verheißene Rückkehr in ihre Heimat. (5. Mos. 30, 1-10).

Von da an bildeten die von autoritären Rabbinern geleiteten jüdischen Gemeinden, mit ihrer fremdartigen Religion, deren vielen strengen Regeln[15], den dazugehörigen exotischen Ritualen und eigenartigen Festen, sowie der Ritualsprache Hebräisch, unheimliche, integrationsverweigernde, nicht-missionierbare Gruppen, die das Misstrauen ihrer Gastvölker erregten.

Hasserfüllte christliche Prediger nützten dieses verbreitete Misstrauen, oft gepaart mit Neid gegen wirtschaftlich erfolgreiche Juden, um – ganz im Stil des Alten Testamentes – ihre unwissenden Gläubigen zu Pogromen gegen die angeblichen „Jesus-Mörder“ aufzuhetzen.
So gab es seit der Antike bis weit in die Neuzeit in jedem Jahrhundert Diskriminierungen, Vertreibungen, sogar bestialische Ermordungen der meist wehrlosen Juden.
Im Antijudaismus[16] waren sich Katholiken, Orthodoxe und Protestanten einig.

Auch im islamischen Bereich wurden Juden, die nicht zum Islam übertreten wollten, diskriminiert. Seit Mohammeds Zeiten gab es ebenfalls Pogrome und Massenmorde. (1, S. 87).

Zweieinhalb Jahrtausende lang wurden gläubige Juden von autoritären Rabbinern unterdrückt, mit der Furcht vor einem rachsüchtigen Gott gequält, und jeder Rückschlag, jedes Unglück mit einer Strafe Gottes für die Verfehlungen der Gläubigen erklärt.
Immer wieder wurden auch die apokalyptischen Verheißungen für das „auserwählte Volk“ beschworen, die nun endlich in Erfüllung gehen müssten. (Vgl. Dan. 7, 27).
Doch auch die Hasspredigten das Alten Testamentes wurden laufend nachgebetet.
Erst im Zuge der Aufklärung entstand in beiden Lagern – bei Juden und Nichtjuden – eine gewisse Integrationsbereitschaft, die leider im 19. Jahrhundert durch den antisemitischen Rassismus sehr gestört wurde[17].

Ein schwer zu ertragender Zwiespalt zwischen dem angeblichen Erwähltsein und der tatsächlichen irdischen bzw. politischen Situation belastet jeden strenggläubigen Juden seit Jahrtausenden.
Eine gewisse Erleichterung brachte erst die Gründung des Staates Israel auf alttestamentarischer Basis[18]. Leider führte diese Staatsgründung, in einer übervölkerten Region mit zu wenig Wasser, zu neuen politischen und religiösen Spannungen, deren Ausgleich noch gefunden werden muss.

Die seelischen Belastungen durch ihre Religion, und die Diskriminierungen der Juden durch die Gesellschaft in der Diaspora, machten gläubige Juden zu Opfern innerer Unterdrückung und äußerer Gewalt.
Diese andauernden, doppelten Belastungen können nicht ohne Auswirkungen im transzendenten Raum geblieben sein. Liegt hier – im unsichtbaren Bereich der Gedanken- und Empfindungsformen – auch die tiefere Wurzel des Antisemitismus[19] oder besser Antizionismus?

Lösen lassen sich diese seit Jahrhunderten angehäuften Spannungen nur, wenn beide Seiten – Juden und Nichtjuden – ihre Ursächlichkeit an den aufgestauten Verwerfungen erkennen.
Beiderseitige Einsicht in die höchst ideologiebelasteten Zusammenhänge kann dann zum Erkennen der Ursachen und zur Auflösung der Spannungen führen.
Damit würde sich auch das leidige Thema „Antisemitismus“ endlich erledigen, das bisher alle noch so gut gemeinten humanistischen und politischen Apelle überdauert hat; denn mit Argumenten kommt man gegen Emotionen nicht an!
Das wird ein zäher, langwieriger Prozess; doch ein Anfang muss gemacht werden! –

Das Christentum, aus dem Judentum hervorgegangen, übernahm bedenkenlos das Alte Testament mit seiner brutalen Drohkulisse, seinen schrecklichen Grausamkeiten, seinen materialistischen Verheißungen – und seinen vielen Widersprüchen.
Nun sahen Christen sich als die „Auserwählten“ ihres Gottes und leiteten aus dem Alten Testament das Recht ab, sich die Erde gewaltsam untertan zu machen. (1. Mos. 1, 28-29).

Gnostiker und Katharer, die das Alte Testament ablehnten, wurden als Ketzer verfolgt.

Auch in den Koran sind alttestamentarische Vorstellungen eingedrungen, die z. B. Muslime verpflichten, die Welt für den Islam zu erobern – wenn nötig mit Feuer und Schwert. (Vgl. Koran, z. B. 2. Sure, 186-189).

Folgerungen für die Gegenwart
Heute müssen wir uns – ganz im Gegensatz zur Mehrheitsmeinung – mit der Tatsache auseinandersetzen, dass im fünften vorchristlichen Jahrhundert in Jerusalem eine Religion mit einer „Heiligen Schrift“ konzipiert wurde, die unsägliches Unheil in die Welt gebracht hat.

Das Alte Testament enthält einflussreiche Offenbarungen, bedeutsame Visionen, etliche Wahrheitskörner und zeitlose Weisheiten. Es ist aber in weiten Teilen frauenfeindlich, gewaltbereit, grausam, hasserfüllt, menschenverachtend, rachsüchtig, rassistisch und voller Gotteslästerungen. (4. Mos. 31, 2; 5. Mos. 28; 5. Mos. 28, 63; Jos. 10, 8-11; Jos. 10, 40; usw.).
Dunkle Kräfte haben daran entscheidend mitgeschrieben und schlimme feinstoffliche Gebilde entstehen lassen.

Niemand kann wissen, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre ohne das Alte Testament, die vielleicht wirkungsvollste aller Schriften[20].
Hätten sich über Jahrtausende abendländischer Geschichte so viel Gewalt, Unterdrückung, Krieg, Raub, Mord durch „gläubige Christen“ rechtfertigen lassen, ohne die Legitimation durch die „Heilige Schrift“ mit ihren archaischen Lehren des Alten Testamentes, gegen die sich die weit edlere und höhere Lehre von Jesus oft genug nicht durchsetzen konnte?
Denn auch Christen beriefen sich viel zu oft auf das Alte Testament anstatt auf die Ewigkeitsworte des Heilands[21].

Wohl nur aus jahrhundertealter Gewohnheit und geistiger Trägheit, gepaart mit erschreckender Empfindungslosigkeit, ist zu erklären, dass das Alte Testament der Bibel noch heute von Christen in aller Welt undifferenziert als „Wort Gottes“ bezeichnet wird, anstatt große Teile davon als unmenschlich oder gar gotteslästerlich zu verwerfen. (Vgl. den Anhang).

——————————————————————————————————————-

Lesen Sie dazu unter „Merkwürdige Geschichten“ auch den Beitrag „Ein fast vergessenes Genie“.

——————————————————————————————————————

Literatur:
(1) Abdel-Samad, „Der islamische Faschismus“, Droemer, 2014.
(2) Abd-ru-shin „Im Lichte der Wahrheit“, Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart.
(3) Avron Negev, „Archäologisches Bibel-Lexikon“, Hänssler, Neuhausen-Stuttgart, 1991.
(4) Douglas Reed, „Der Streit um Zion“, Verlang der Schelm. Leipzig, 2017.
(5) Heinrich A. Mertens, „Handbuch der Bibelkunde“, Bechtermünz, Augsburg, 1997.
(6) J. A. Thompson, „Hirten, Händler und Propheten“, Brunnen, Gießen, 1996.
(7) Israel Finkelstein, u. a., „Keine Posaunen vor Jericho“, C. H. Beck, München, 2003.
(8) Nelson Beecher Keynes, „Vom Paradies bis Golgatha“ Das Beste, Stuttgart, 1964.
(9) Siegfried Hagl, „Der okkulte Kanzler“, Gräfelfing, 2000.
(10) Wolf Krauss, „Das Moses-Rätsel“, Ullstein, München, 2000.

——————————————————————————————————————-

Endnoten:

[1] Das aus dem Alten Testament stammende Wort „Hebräer“ wird oft verallgemeinernd für Hebräisch Sprechende, also für Menschen jüdischen Glaubens verwendet.

[2] Nicht ganz korrekt wird das Alte Testament als „hebräische Bibel“ bezeichnet. Einige Kapital, wie die Bücher Tobit und Judit, sind jedoch nur in anderen Sprachen (Griechisch oder Latein) überliefert.

[3] Die Zeitangaben und Bibelzitate laut „Einheitsübersetzung“ der Bibel.

[4] Auch dieser Teil der biblischen Geschichte ist – so wie er allgemein gesehen und auch hier zitiert wird – historisch fragwürdig. (Vgl. „Von Engeln bewacht: Die Bundeslade“, ARTE Dokumentarfilm, gesendet am 9. 01. 2021, 20:15 Uhr).

[5] Einwohner des Staates bzw. der Provinz Juda.

[6] Das „Buch Mormon“ des Propheten Joseph Smith von 1827 berichtet von den „Zehn Stämmen“ in Amerika.

[7] Moses war keineswegs der erste Monotheist. Die Religion Zarathustras ist wahrscheinlich älter, und im Ägyptischen Totenbuch, entstanden zwischen 2500 und 2000 v. Chr., heißt es: „Du bist der eine, der Gott, vom Anfang der Zeit an, der Erbe der Unsterblichkeit, selbstgeschaffen und selbstgeboren, du schufst die Erde und machtest den Menschen.“ (4, Seite 7).

[8] Diese Vorschrift hat bis weit in die Neuzeit die jüdischen Gemeinden streng zusammengehalten und ein Aufgehen der Juden in ihren Gastvölkern weitgehend verhindert.

[9] In der Einheitsübersetzung heißen diese „5 Bücher“ Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium.

[10] Vgl. Endnote [7]: „Du bist der eine, der Gott,…“

[11] Man darf davon ausgehen, dass sich diese grauenhaften Massaker so nicht ereignet haben, sondern den Hirnen verdorbener altjüdischer Priester, wohl zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, entsprungen sind. (Vgl. 7 und 10).

[12] Diese Bibelstelle galt lange als Rechtfertigung für die Sklaverei und noch im 20. Jahrhundert als Beleg für die Überlegenheit der „weißen Rasse“ (die Nachfahren von Sem und Japhet) über die „farbigen Völker“ (die Nachkommen von Ham). Kanaan ist der Sohn von Ham.

[13] Etwa zur gleichen Zeit entstand durch Buddha (563-483 v. Chr.) in Indien eine friedlichere spirituelle Lehre.

[14] Der Tempel des Herodes war kein Neubau, sondern ein großzügiger Um- und Erweiterungsbau, der zu den meistbeachteten Bauwerken der Zeit gehörte.

[15] Ein strenggläubiger Jude muss 613 Lebensregeln („Mizwot“) beachten. Diese Gebote wurden angeblich schon von Moses auf dem Berg Sinai empfangen.

[16] Antijudaismus ist die pauschale Ablehnung des Judentums, vorwiegend aus religiösen Motiven.

[17] Ein großartiger Wegbereiter für die Integration der Juden in Europa war der viel zu wenig bekannte und geschätzte Philosoph Moses Mendelssohn (1729-1786). Bekannter ist leider der „Herold des biologischen Rassismus“ und „Erfinder der arischen Herrenrasse“, der französische Graf Joseph Arthur Comte de Gobineau (1816-1882).

[18] Antizionisten behaupten, dass die Vertreibung der Palästinenser nach alttestamentarischen Vorbildern erfolgt sei. Als Beispiel wird dann regelmäßig das angebliche Massaker von Deir Yassin (9. 4. 1948) genannt.

[19] Eine rassisch begründete Ablehnung der Juden, der Antisemitismus, ist Unsinn; denn es gibt keine „jüdische Rasse“. Dagegen hat man sehr wohl das Recht, den religiösen und politischen Zionismus kritisch zu sehen.

Die Judenmorde der Nationalsozialisten entsprangen völkischen Wahnvorstellungen, die erst im 19. Jahrhundert entstanden sind, und die in den Juden – unabhängig von deren Religion – eine minderwertige Rasse sahen. Näheres dazu in 9, S. 104 f.

[20] Mir ist durchaus bekannt, dass Esoteriker in der Bibel nur die Fassade sehen, hinter der die eigentliche, die okkulte Geheimlehre steckt, die Strenggläubige eifrig studieren. Doch hier betrachte ich das Alte Testament so, wie es allgemein gelesen wird. Auch ist von einer geistig inspirierten religiösen Schrift zu erwarten, dass sie in einfachen, verständlichen Worten, ohne Hintergedanken, abgefasst wurde. Vgl. „Philon von Alexandria und die Suche nach dem Sinn“ unter „Religionsgeschichte“.

[21] Massenmorde gab es schon in der Steinzeit, und seither sind Aggression und Gewalt maßgebliche Faktoren der Weltgeschichte; bei so gut wie allen Völkern auf allen bewohnten Kontinenten. Religion und Philosophie lieferten nicht selten die dazu nötigen Ideologien.                                                              

Anhang:

Bibelzitate laut PM, September 2004, Seite 88:

Wenn Sie das Alte Testament heute noch wörtlich nehmen, dann

  • Können Sie sich Sklaven halten (Leviticus = 3. Mose 25,44), allerdings nur Menschen aus den Nachbarländern.
  • Dürfen Sie ihre Tochter als Sklavin verkaufen (Exodus = 2. Mose 21,7).
  • Müssen Sie Ihren Sohn steinigen lassen wenn er flucht (Leviticus 24,16).
  • Werden Sie getötet wenn Sie fremdgegangen sind (Leviticus 20,10).
  • Sind Sie als Frau während der Menstruation unrein, und alles was Sie berühren ebenfalls (Leviticus 15,19-24).
  • Dürfen Sie als Mann keinen Kontakt zu ihrer Frau haben, während sie ihre Periode hat (Leviticus 15,19-24).
  • Müssen Sie dafür sorgen, dass ihre schwulen Bekannten getötet werden (Leviticus 20,13 und 18,22).
  • Müssen Sie ihre Tochter steinigen lassen, wenn sie vorehelichen Sex hatte (Deuteronomium = 5. Mose 22,20-21).
  • Dürfen Sie jeden töten, den Sie am Samstag bei der Arbeit ertappen (Exodus = 2. Mose 35,2).
  • Dürfen Sie nie mehr Scampi oder Muscheln essen (Leviticus 11,10-12).
  • Müssen Sie damit rechnen, getötet zu werden, wenn Sie zu einem Wahrsager oder zu einer Kartenlegerin gegangen sind (Leviticus 20,6).
  • Dürfen Sie sich als Mann ab sofort weder das Kopfhaar abschneiden, noch den Bart stutzen (Leviticus 19,27).
  • Müssen Sie sich beim Kauf eines neuen Outfits genau vergewissern, dass der Stoff nicht aus zwei verschiedenen Fäden gewebt ist (Leviticus 19,19).
  • Und nicht vergessen: Schuhe, Handschuhe, Gürtel und Bälle aus Schweinsleder sind für Sie ab sofort tabu (Leviticus 11,5-8).