Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Die Suche nach Noahs Arche

(Veröffentlicht in GralsWelt 34/2004)
Zu den populärsten Inhalten der Bibel gehört die Erzählung von Noahs Arche. Seit Jahrhunderten wird nach der Arche gesucht, und immer wieder will man sie im Araratgebirge gesichtet oder Holzreste von ihr gefunden haben. In verschiedenen Publikationen sind derartige Funde von Balken abgebildet (z.B. in 3). Im Verständnis bibelgläubiger Christen wäre die Auffindung der Arche ein wichtiger Beweis für die Zuverlässigkeit der Bibel. Moderne Christen neigen allerdings manchmal dazu, die Sintflutsage und den Bau der Arche symbolisch zu deuten, sofern sie diesen biblischen Bericht noch ernst nehmen.
War die Rettung mit der Arche möglich ?
Jeder Abendländer kennt von Kind an die Geschichte von der Arche, in der Noah sich und seine Familie vor der Sintflut retten, und von allen Landtieren je ein Paar an Bord nehmen konnte, damit menschliches und tierisches Leben nach der Großen Flut wieder möglich wurde. Allzu viele praktische Schwierigkeiten lassen aus heutiger Sicht ein derartiges Unterfangen, mit den für Noah verfügbaren Mitteln einer bronzezeitlichen Kultur, undurchführbar scheinen:
* Für die Größe der Arche nennt die Genesis (1. Buch Mose 6,14 – 16) 300 x 50 x 30 Ellen (die biblische Elle wird auf 44 bis 61 cm geschätzt). Rechnet man mit 46 cm für die Elle, so ergeben sich ungefähr 137 m Länge (so lang wie ein Fußballfeld), fast 23 m Breite (halb so breit wie ein Fußballfeld) und über 13 m Höhe (1, S. 154 und 3, S. 171 kommen zu etwas größeren Werten). Ein Schiff dieser Größe zu bauen verlangt eine große Werft und eine ausreichende Anzahl von Fachkräften. Auch wenn Noah angeblich ein Jahrhundert Zeit hatte, war das mit ihm und seiner Familie allein nicht zu machen.
Das Verhältnis Länge zu Breite der Arche von 6 : 1 ist ein annehmbarer Wert für ein hochseegängiges Schiff (moderne Öltanker haben etwa 7 : 1). Was die Größe betrifft, so wurde die Arche erst im 19. Jahrhundert erreicht und übertroffen. Das größte, ganz aus Holz gebaute Schiff aus historischer Zeit war die 1853 von Stapel gelaufene Great Republik, eine Viermastbark von 99 m Länge und 16,2 m Breite. Ab 1858 befuhr die Meere dann zum ersten Mal ein größeres Wasserfahrzeug als die biblische Arche: die Great Eastern, 211 m lang, 25,2 m breit, und fünfmal so groß wie der bislang größte Dampfer.
* War genug Platz für Menschen, Tiere, Trinkwasser und Nahrung ?
Bleibt man bei den oben genannten Abmessungen, dann scheinen (vergl. 1, S. 158) 13.600 Tonnen Zuladung möglich. Kreationisten (5) haben das genau ausgerechnet, und sind überzeugt, daSS es genug Platz gab für alle wichtigen Wirbeltierarten, sowie für Futter und Wasser. Unbeantwortet bleibt m. W. die Frage, wie es Noah geschafft hat, alle unentbehrlichen (nach 5 ca. 10.800) Tiere paarweise einzufangen und auf die Arche zu treiben. Hier müssen Engel geholfen haben, denen nichts unmöglich ist (leider haben diese die einmalige Chance vertan, die Arche von Ungeziefer zu säubern). Mittelalterliche Theologen, die nur wenige hundert Tierarten kannten, sahen dieses Problem nicht so gravierend, so wenig, wie ihnen bewusst war, dass es ferne Kontinente und verschiedene Klimazonen gibt, die für Noah kaum zugänglich waren. Auch kann die Arche kaum ein für alle Tiere zuträgliches Klima geboten haben.
Kreationisten helfen sich mit der Annahme, dass vor der Sintflut andere geologische und klimatische Verhältnisse herrschten. In der GralsWelt sind wir bei dem Thema “Die große Flut” darauf eingegangen.
* Ebenso offen ist, wie man genügend haltbaren Proviant (angeblich nur vegetarisch, 1, S. 184) an Bord schaffen, und das Trinkwasser lange genug frisch halten konnte; zwei Notwendigkeiten, die im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch zu lösen waren (in der GralsWelt wurde über die Katastrophe der Franklin Expedition berichtet, ausgelöst durch mangelhafte Konserven).
* Die Versorgung dieses Riesenzoos durch die kleine Mannschaft (nach der Bibel nur Noah und seine Familie, insgesamt 8 Menschen) und die Entsorgung der Fäkalien scheinen nur schwer möglich. Angeblich haben die Tiere eine Art “Winterschlaf” gehalten und waren friedlich (1, S. 178 f.; auf ein Wunder mehr oder weniger kommt es nicht an), sonst wären die 370 Tage, die Noah mitsamt seiner Menagerie in der Arche verbracht haben soll (1, S. 187) nicht zu überstehen gewesen.
Streng bibelgläubige Christen sind noch heute überzeugt, daß Noah alle diese Probleme und noch viele mehr “mit Gottes Hilfe” gelöst hat, sonst gäbe es ja weder uns noch das vielfältige Tierleben auf dem Erdenplan.
Moderne, wissenschaftlich arbeitende Exegeten können es sich nicht so leicht machen. Sie stimmen meist darin überein, daß sich die Menagerie der Arche auf die “nützlichen Tiere”, das heißt auf die Haustiere beschränkte, die Noah brauchte, um nach der Katastrophe mit seiner Familie zu überleben (3, S. 173). Damit bleibt allerdings offen, wie die übrigen Tiere (und Pflanzen ?) die große Flut überlebten.

“Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben Paare mit, und von allen unreinen Tieren je ein Paar, auch von den Vögeln des Himmels je sieben Männchen und Weibchen, um Nachwuchs auf der ganzen Erde am Leben zu erhalten. Denn noch sieben Tage dauert es, dann lasse ich es vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die Erde regnen und tilge von Erdboden alle Wesen, die ich gemacht habe.” (1. Mose, 7, 2-4).
Nach (5) ergibt das 10.800 Individuen, die nach dieser Untersuchung in der Arche genügend Platz fanden. Um sie innerhalb von sieben Tagen a.  24 h auf die Arche zu verladen, blieben pro Individuum 56 Sekunden Zeit.
Nach (10) mußten insgesamt 15.746 Tiere verladen werden, so daß für die Verladung eines Exemplares im Durchschnitt 38 Sekunden zur Verfügung standen.

Berichte von der Arche
Der Ararat, der Bibel zufolge Noahs Landeplatz, ist ein freistehendes Gebirgsmassiv, dessen höchster Gipfel, der Große Ararat, 5.156 m misst. Er ist ab 4.000 m mit bis zu 60 m dicken, teilweise stark zerklüfteten Gletschern bedeckt; nur der Kleine Ararat (4.030 m) wird in warmen, trockenen Sommern schneefrei. Das Gebirge am Dreiländereck Türkei, Iran und der ehemaligen Sowjetrepublik Armenien, das die Perser Kuhi Nor (Berg Noahs) nennen, ist schwer zugängliches militärisches Sperrgebiet und gilt als Partisanenregion, so dass Expeditionen nur selten den Ararat besteigen und erforschen können. Auch hüllt der Berg sich oft in Nebel, oder wird von Schneestürmen heimgesucht, die seine spaltenreichen Gletscher gefährlich machen.
Seit mehr als zwei Jahrtausenden, beginnend im 7. vorchristlichen Jahrhundert, gibt es außerbiblische Berichte, daß die Arche auf dem Ararat zu finden sei. Im Altertum und Mittelalter galt das als Tatsache, und nicht wenige Beobachter wollen sie im Laufe der Jahrhunderte gesichtet haben. Reisende wie Marco Polo (1254-1324) berichten von der Arche, und Piloten des 2. Weltkrieges haben sie angeblich gesehen. Aus der Luft ist eine schiffsähnliche Struktur zu erkennen, die als die verschüttete Arche gedeutet wird, obwohl sie nach neueren Untersuchungen eine Geländeformation sein dürfte (8). Seit 1856 soll die Arche dreiundzwanzigmal von insgesamt 200 Menschen gesichtet worden sein (1, S. 271).
Kann man die Arche finden ?
Verschiedene Augenzeugen, auch aus dem 20. Jahrhundert, wollen bis zu der Arche vorgedrungen sein, und ein riesiges, teilweise im Eis eingeschlossenes Schiff aus nächster Nähe betrachtet haben.
Im Jahre 1917 soll, aufgrund von Flugzeugbeobachtungen, sogar eine militärische Expedition im Auftrag des Zaren die Arche aufgefunden und vermessen haben; die Aufzeichnungen gingen dann in den Wirren der Revolution verloren, so dass sich nicht mehr klären lässt, was diese Expedition entdeckt hat.
Mehrmals wurden alte Balken aus dem Gletschereis des Ararat geborgen, die angeblich von einem Wasserfahrzeug aus Noahs Zeiten stammen könnten. So hat z.B. Fernand Navarra (3 u. 8) während 4 Suchexpeditionen zwischen1952 und 1969 aus dem Eis des Ararat in 4.300 m Höhe mehrere bearbeitete Balkenstücke geborgen, deren Alter auf 5.000 Jahre geschätzt wird. Auch Wyatt (4) will Überreste der Arche gefunden habe. Wie nicht anders zu erwarten, fehlt es nicht an Skeptikern, die sämtliche Funde als Irrtum oder Schwindel abtun (9).
Was ist von diesen Berichten zu halten ?
Die Sage von der Arche, keineswegs nur in der Bibel, sondern auch im Gilgamesch-Epos berichtet, hat möglicherweise einen wahren Kern.
Die überraschendste Hypothese kommt von Prof. Hans Hirtemann (6), der in der Arche ein Unterseeboot vermutet, und sie dementsprechend am Fuß des Ararat und nicht in den Höhenlagen sucht.
Wahrscheinlicher scheint ein Zusammenhang mit der Großen Flut, einem Gemeinschaftserlebnis der Menschheit, von dem Sagen der Völker aller Kontinente berichten.
In der Gralswelt haben wir über Atlantis und seine vermutete Hochzivilisation gesprochen, die in einem Kataklysmus unterging. Nicht ausgeschlossen, dass einige Schiffe der Atlanter (die vermutlich große Seefahrer waren) die Katastrophe durch eine Kette günstiger Umstände überstanden, und irgendwo glücklich landeten. Besatzung und Passagiere befanden sich nach der Flut im menschen- und tierleeren Niemandsland und mussten mit bescheidenen Hilfsmitteln um ihr Überleben kämpfen. Ein Schiff mit seiner Ausrüstung war dann ein nicht zu unterschätzendes Startkapital. Möglicherweise landete eines am Ararat, und vielleicht war Eriwan eine der ersten Siedlungen der nachsintflutlichen atlantischen Gemeinde mit ihrem “Kapitän” Noah, dessen Frau in Marend (Aserbeidschan) begraben liegen soll (1, S. 100), während sein eigenes Grab im Libanongebirge, unweit Damaskus, verehrt wird (1, S. 101).
Nicht unwahrscheinlich, dass einige Haustiere an Bord waren, aus denen spätere Sagen den biblischen Riesenzoo machten.

Literatur:
(1) Balsinger, Dave “Die Arche Noah”, Econ, Düsseldorf 1979
(2) Berlitz, Charles “Die Suche nach der Arche Noah”, Droemer-Knaur, München 1991
(3) Navarra, Fernand “Ich fand Noahs Arche”, Schondorf 1978
(4) www.biblerevolutions.org/ronwyatt/noahsark1.htm
(5) www.evangelium.de/wissenschaft/kreation /Arche.htm
(6) www.hirtemann.de/theorien/sintflut.htm
(7) www.kjp.ch/texte/Arche/arche-4.htm
(8) www.noahsarksearch.com/Expeditions.htm
(9) www.sceptic.com/02.4.lippard-ark-hoax.html
(10) www.talkorigins.org/faqs/faq-noahs-ark.htm/
(11) www.wort-und-wissen.de/disk/d93-2.html
(12) Video: “Noahs Arche, überraschende Funde am Berg Ararat”, Häussler-Verlag, Bestell-Nr. 203.618 VHS