Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Die große Flut

(Veröffentlicht in GralsWelt 35/2005)

                                       

Die Sintflut-Sage gehört zu den bekanntesten biblischen Geschichten, und Jahrhunderte lang zweifelte niemand am Wahrheitsgehalt dieser Überlieferung. Erst seit infolge der Aufklärung wissenschaftliches Denken zum gültigen Maßstab wurde, begannen Bibelkritiker auch die Sintflutüberlieferung strenger zu untersuchen. Wie nicht anders zu erwarten, stießen sie auf Ungereimtheiten und Unmöglichkeiten, die den biblischen Bericht in Frage stellen.

Weltweit, bei Völkern aller Kontinente, gibt es über 250 überlieferte Flutgeschichten (10), so dass man geneigt sein möchte, eine stein- oder bronzezeitliche globale Katastrophe zu vermuten, die mehr oder weniger die gesamte Erde erfasste. In den Gralswelten 23 bis 26/2002 haben wir von einer vorgeschichtlichen Zivilisation gesprochen, die wahrscheinlich in einem Kataklysmus untergegangen ist, der mit dem Sintflutgeschehen identisch sein dürfte. Heute wollen wir uns mit der in der Bibel geschilderten Sintflut befassen. Wie schon gesagt, enthält der biblische Bericht, der Ähnlichkeiten mit einer älteren Schilderung im Gilgamesch-Epos hat, nur eine von vielen Sintflutsagen; doch ist die Bibel nun einmal das verbreitetste und bekannteste aller Bücher, weshalb wir uns darauf beziehen.

Eine lokale Überlieferung ?

Als man im 18. Jahrhundert begann, die Bibel kritisch zu betrachten, fragte man bald auch nach der Zuverlässigkeit des Sintflutberichtes.

Am einleuchtendsten schien die Annahme einer lokalen Flut, die große Teile biblischer Länder heimgesucht, doch keineswegs die ganze Erde in Mitleidenschaft gezogen hat.

Eine Überflutung des Zweistromlandes

Als Sir Charles Leonhard Woolley (1880-1960) bei seinen Grabungen in Ur auf eine Lehmschicht stieß, offensichtlich die Ablagerung einer großen Überflutung, schien diese Frage beantwortet: Es war nur eine lokale Flut, die ein großes, doch begrenztes Gebiet im Zweistromland verheerte. Diese Entdeckung hatte allerdings einen Schönheitsfehler: Sie passte zeitlich nicht zur biblischen Chronologie und die Suche musste weitergehen (1, S. 64).

Schwarzes Meer

Eine große Überflutung vor rund 7.500 Jahren muss es im Bereich des Schwarzen Meeres, damals noch ein Binnenmeer, gegeben haben. Durch einen weltweiten Anstieg der Ozeane brach eine Landbrücke am Bosporus und gewaltige Flutmassen überschwemmten die seichteren Partien des heutigen Meeres, vom Bosporus bis Odessa, sowie das Gebiet des heutigen Asowschen Meeres. Der Spiegel des Schwarzen Meeres stieg um 150 m und viele neolithische Bauern mussten fliehen oder ertranken in den Fluten. Eine traumatische Erfahrung, die den Ursprung der Sintflutsagen bildet ? (3, S. 138 u. 4).

Die weltweite Überflutung

Die auf den ersten Blick einleuchtende Erklärung einer nur lokalen Flut konnte viele Menschen, die an der Bibel als “Wort Gottes” festhalten wollen, nicht zufrieden stellen. Denn in der Bibel steht etwas anderes: “So brachen alle Quellen der gewaltigen Urflut auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich” (1. Mose, 7, 11). Schließlich “bedeckte das Wasser alle hohen Berge, die es unter dem Himmel gibt. Das Wasser war fünfzehn Ellen über die Berge hinaus angeschwollen und hatte sie zugedeckt” (1. Mose 7, 19-20). Also doch eine weltumspannende Katastrophe?

Da fragt man natürlich, woher die ungeheuren Wassermassen gekommen, und wo sie nach der Flut geblieben sind.

Bibelgläubige Fundamentalisten und Kreationisten haben dazu eine Fülle von Erklärungen zusammengetragen, die wir uns zum Teil ansehen wollen:

Wasser(dampf) in der Atmosphäre

Von verschiedenen fundamentalistischen Gruppierungen wird unterstellt, dass sich große Wassermengen in hohen Atmosphärenschichten befanden, als Dampf oder Eis. Diese Annahme würde bedeuten, dass der Atmosphärendruck auf der Erde wesentlich höher war, und nur diffuses Licht zur Erde drang, die vor der Sintflut ein anderes Klima hatte als heute. Beides wird tatsächlich von manchen Kreationisten gefordert.

Aus physikalischer Sicht müssten diese riesigen Dampfmengen beim Kondensieren große Wärmemengen abgeben, die die Atmosphäre überhitzen würden. Eis, das aus einer Umlaufbahn abstürzt, würde ebenfalls große Energiemengen zuführen und verheerende Zerstörungen anrichten.

Unterirdisches Wasser

Der englische Geologe Horace Woodward meinte im 19. Jahrhundert: “Die Erde enthält einen sphärischen Kern aus Wasser, der von einer dicken Erdschicht umgeben ist. Aus diesem Kern stammt das Wasser der Meere und der Quellen. Irgendwann in vorgeschichtlicher Zeit entstand aus noch ungeklärter Ursache eine Spalte in der Oberfläche unseres Planeten: ungeheure Wassermassen entwichen mit unvorstellbarer Wucht und vernichteten einen großen Teil der Menschheit” (8, S. 35). Die Vermutung Woodwards ist längst als geologisch und physikalisch unhaltbar widerlegt.

Komet

Auch der Einschlag eines Eiskometen wurde vermutet. Ein Komet, der genug Eis enthält, um die ganze Erde viele Meter hoch mit Wasser zu bedecken, müsste verheerende Schäden anrichten, die alles höhere Leben auslöschen.

Glatte Erdoberfläche

Viele Flutmodelle gehen davon aus, dass die Erde zunächst weder hohe Berge noch tiefe Täler besaß. Erst mit der Flut wurden Berge aufgetürmt und Ozeanbecken abgesenkt, in denen das Flutwasser sich sammeln konnte. Nach dieser Annahme, die allen landläufigen geologischen Erkenntnissen wiederspricht, “formten sich Berge nicht in Hunderten von Jahrmillionen, sondern in Stunden. Kohle, Öl, Erdgas entstanden nicht in Hunderten von Jahrmillionen, sondern in Monaten. Der Grand Canyon entstand nicht in Millionen von Jahren, er entstand in Wochen” (11).

Sonstige kreationistische Modelle

Streng bibelgläubige Kreationisten und Fundamentalisten haben noch weitere Modelle entwickelt, die Erklärungen für das biblische Sintflutgeschehen liefern sollen. Alle diese Modelle lassen sich mit den physikalischen, geologischen, archäologischen Kenntnissen unserer Zeit nicht oder nur sehr schwer vereinbaren. Man muss also – will man an der wörtlichen Wahrheit der Bibel festhalten – unsere derzeitigen, sicher nicht endgültigen Forschungsergebnisse grundsätzlich in Frage stellen (wie z.B. Zillmer in 9), oder unerklärliche Ereignisse fordern, die man getrost als “Wunder” bezeichnen kann.

Ein großer Kataklysmus

Vieles spricht dafür, dass in der Bibel, sowie in Hunderten weiteren Berichten vieler Völker von einer großen Flut, die Erinnerung an eine (oder sogar mehrere, vergl. 8) Weltkatastrophe enthalten ist, die alle Teile der Erde tangierte. Dieser Kataklysmus zerstörte vermutlich eine vorsintflutliche Hochkultur und vernichtete wahrscheinlich über 90 % aller Menschen und entsprechend viele Pflanzen und Tiere. Die Überlebenden mussten auf niedrigem Niveau erneut beginnen. Manches Wissen war bewahrt und einige Werkzeuge gerettet, die heutigen Archäologen Rätsel aufgeben, wenn sie höher entwickelte Geräte inmitten primitiverer Artefakte entdecken. Wir haben in der GralsWelt schon verschiedentlich solche rätselhaften Funde erwähnt. Ist aus diesen ersten nachsintflutlichen Jahrhunderten die esoterische Lehre überliefert, dass es altes, verschollenes Wissen wiederzuentdecken gelte?

Als Ursache für die “Sintflut” kommen nach heutigem Wissen vor allem zwei mögliche Katastrophen in Betracht.   

Impakt

In der Gralswelt 23-26/2002 “Die Atlantissaga I – IV) haben wir von dem Atlantis-Mythos berichtet und gezeigt, dass vieles dafür spricht, dass es vor den uns bekannten Hochkulturen bereits eine oder gar mehrere Zivilisationen geben hat, die zu Leistungen fähig waren, die wir frühestens in der Antike, oder gar erst in der Neuzeit für möglich halten.

Der Untergang dieser Hochkultur wird oft auf einen Impakt, also den Einschlag eines Kometen oder Asteroiden, zurückgeführt. In der Gralswelt 26/2002 haben wir dieses Szenario ausführlich geschildert.

Ausbruch eines Großvulkans

In der Erdgeschichte ist es mehrmals zu Vulkanausbrüchen von unvorstellbarem Ausmaß gekommen. Die historischen Vulkanausbrüche, z.B. Vesuv, Tambora, Krakatau, Mont Pelé oder Mount St. Helens, sind nicht damit zu vergleichen (vgl. Kasten). Der Ausbruch eines Großvulkans zerstört nicht nur riesige Landschaften, verheert ganze Kontinente, sondern überzieht die Erdatmosphäre mit seinem Auswurf, der die Sonne verfinstert und über Jahre hinweg in “vulkanischen Wintern” alles Leben, zu Lande und im Meer, gefährdet. Diese vernichtenden Schäden sind durchaus mit den Folgen eines Impakts zu vergleichen. Heute ist der berühmte Yellow-Stone-Park in den USA ein brisantes vulkanisches Gebiet, das sich in einem Großausbruch entladen könnte.

Die Sintflut

Niemand weiß genau, was die Sintflut war und wie sie abgelaufen ist. Vieles spricht jedoch dafür, dass die Erde (zumindest einmal) zu einer Zeit, in der längst Menschen lebten, von einer globalen Katastrophe heimgesucht wurde. Mindestens eine Hochzivilisation wurde zerstört. Die Erinnerung an eine verwehte Kultur hat sich in vielen Völkern erhalten. Man spricht von einem “goldenen Zeitalter”, vom “alten Wissen” das es wiederzuentdecken gelte, oder sucht – bislang vergeblich – an vielen Orten auf allen Kontinenten nach Spuren dieser untergegangenen Kultur.

Große Vulkanausbrüche:

In geschichtlicher Zeit:

Vulkan:                                Auswurf in Kubikkilometern

Vesuv (79, ca. 3.360 Tote)                            ?

Tambora (1815, ca. 92.000 Tote)               100

Krakatau (1883, ca. 36.400 Tote)                18

Laki (Island) 1873/74 ca. 10.000 Tote)       14,7

Mount St. Helens (1980, 64 Tote)                  2

Zum Vergleich:

Vorgeschichtliche Großvulkanausbrüche:

Yellowstone (vor 2 Mio Jahren)           2.500

                   (vor 0,6 Mio Jahren)       1.000                         (nach 7)

Literatur:

(1) Barthel, Manfred “Was wirklich in der Bibel steht”, Econ, Düsseldorf, 1987

(2) Caduff, Gian Andrea “Antike Sintflutsagen”, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986

(3) Der Spiegel, Nr. 1/1997, Spiegelverlag, Hamburg

(4) Pitman, Walter /Ryan, William “Sintflut”, Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach, 1999

(5) Kottmann, Albrecht “Die Kultur vor der Sintflut”, Verlag aktuelle Texte, Heiligkreuztal, 1992

(6) Tollmann, Alexander und Edith “Und die Sintflut gab es doch”, Droemer-Knaur, München, 1993

(7) “Welt am Sonntag”, Nr. 31 vom 5. 8. 2001, Hamburg

(8) Zanot, Mario “Die Welt ging dreimal unter”, Weltbild, Augsburg, 1991

(9) Zillmer, Hans-Joachim “Irrtümer der Erdgeschichte”, Langen Müller, München 2001

(10) “Die Sintflut”, Film des WDR, gesendet am 15. Juli 2002 

(11) http://www.creationscience.com/onlinebook/

(12) http://www.geocities.com/diesintflut/

(13 http:/www.talkorigins.org/faqs/faq-noahs-ark.html#flood