Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Kommt die Apokalypse der Religionen?

 

Die weltbekannte Ikone der grünen Bewegung, Greta Khunberg, konnte im September 2019 vor der UNO einen höchst emotionalen Vortrag halten, in dem sie sofortiges Umdenken und schleunigstes Handeln forderte, um die durch unseren rücksichtslosen Umgang mit den natürliche Ressourcen drohenden Katastrophen noch abzuwenden. Im Vordergrund stand dabei die umstrittene[i] menschengemachte Klimaänderung.

Die „Klima-Gretl“ fand die volle Zustimmung der alternativen Szene und erhielt sogar den alternativen Nobelpreis.

Die von  ihr initiierte Bewegung „Fridays for Future“ ist eine grandiose Propaganda-Aktion, die Greta bestimmt nicht alleine inszenieren konnte. Dieser Hype brachte in vielen Ländern der Welt demonstrierende Schüler auf die Straße. Meist solche aus guten Verhältnissen, die nur Wohlstand kennen und einen Schulstreik für eine gute Sache als Happening lustig finden. Hätten „Saturdays for Future“ ähnlich großen Zulauf gefunden?

Deutlich härter ist die „Extinction Rebellion“, die den Weltuntergang beschwört. Sie geht entschiedener vor, zögert nicht, Straßen zu blockieren, den Verkehr stellenweise lahmzulegen und unsere Demokratie in Frage zu stellen.

Von den Medien werden solche Vorlagen gerne aufgegriffen und zu Massenphänomen aufgeblasen, die breite Beachtung finden, Politiker unter Druck setzen und politische Schnellschüsse provozieren.

 

Leider sind solche drastischen Warnungen vor anrollenden Umweltkatastrophen – mit oder ohne natürlichen oder menschengemachten Klimawandel – sehr berechtigt, kommen aber mindestens ein halbes Jahrhundert zu spät.

Während der 50er und 60er Jahre wäre vielleicht noch Zeit gewesen, gegenzusteuern.

Damals glaubten die Bewohner der Industrienationen, sie könnten für alle Zeit – bei stetig steigendem Wohlstand – ein schönes, modernes Leben genießen und alle Wohltaten der naturwissenschaftlich-technischen Zivilisation in Anspruch nehmen. Wer wollte schon die „Kollateralschäden“ für die Umwelt sehen, die nur wenigen Spezialisten aufzufallen begannen. Während meines Studiums, in den 60er Jahren an einer Technischen Hochschule, hörte ich davon nichts.[ii]

Daher dachte auch ich seinerzeit wie fast alle und wurde erst nachdenklich, als mir nach und nach wichtige Informationen zufielen:

 

* 1962 veröffentlichte Rachel Carson „Silent Spring“.

„Der Stumme Frühling“ mit dem befürchteten Vogelsterben war aus heutiger Sicht der Ausgangspunkt der weltweiten Umweltbewegungen. [iii]

 

* 1968 erschien „The Population Bomb“ von Paul Ehrlich.

Die „Bevölkerungsexplosion“ wurde zunächst kaum ernst genommen. In etlichen Ländern, wie Ägypten und Indien, gab es dann Versuche, das ausufernde Bevölkerungswachstum einzudämmen, die bald wieder eingestellt wurden. Nicht zuletzt weil Religionen, voran christliche Kirchen und der Islam, die dafür nötigen Maßnahmen entschieden ablehnen. Nur in China zeigte die strikt durchgesetzte Ein-Kind-Politik Wirkung. Andernfalls wäre das rasante Wirtschaftswachstum der Volksrepublik nicht möglich geworden.

Ansonsten galt das „Prinzip Hoffnung“: Durch steigenden Wohlstand, bessere Ausbildung vor allem der Frauen, Frauenrechte und verbesserte Gesundheitsversorgung sollte die Geburtenrate zurückgehen, und sich die Bevölkerung auf einem erträglichen Niveau einpendeln. Derzeit wächst die Weltbevölkerung noch um 80 Millionen pro Jahr und soll bis 2050 10 Milliarden erreichen.

 

* 1972 publizierte der Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“.

Damit sollte sich die Erkenntnis durchsetzen, dass in einem begrenzten Lebensraum unbegrenztes Wachstum nicht dauerhaft möglich sein kann. Ökonomen und Politiker wollen das bis heute nicht wahrhaben, obwohl die NASA schon 1969 Bilder der Erde – von Mond aus gesehen – veröffentlichte, die jedem die Begrenztheit und Verletzlichkeit unseres Planeten anschaulich vor Augen führen.

Auch wurde vom Club of Rome schon damals davor gewarnt, dass möglicherweise das Wachstum nicht durch Rohstoffknappheit, sondern durch Umweltzerstörung gebremst würde.

 

* 1975 folgte der Bestseller „Ein Planet wird geplündert“ von Herbert Gruhl, den ich noch persönlich kannte. Der Bundestagsabgeordnete der CDU, Dr. Herbert Gruhl, wurde vom Bundeskanzler Helmut Kohl abgelehnt. So verließ Gruhl die CDU und wurde zum Gründer der grünen Bewegung in Deutschland, die zunächst als „Grüne Aktion Zukunft“ auftrat.

Ein Kanzler mit Weitblick hätte Herbert Gruhl zum Umweltminister ernannt und den begabten Redner mit einem bescheidenen Budget durch die Lande reisen und Vorträge halten lassen. Dann wäre die CDU die modernste Partei geworden und „Die Grünen“ gäbe es nicht.

 

* 1984 konnte man in „Der Spiegel“ vom 13. 8. „Die mörderischen Folgen des Mitleids“ von Hoimar von Ditfurth lesen. Eine erschütternde Abrechnung mit unserem Weltretter-Ego und den entsprechenden NGOs.

Viele weitere Berichte zeigten und zeigen, dass die „Entwicklungshilfe“ meist wirkungslos bleibt oder gar schädlich ist. Ein paar kleine Erfolge werden groß herausgestellt und die großen Katastrophen verharmlost.

Niemand will hören, dass man nur dann erfolgreich helfen kann, wenn die Bevölkerung des notleidenden Landes selbst entschlossen an Verbesserungen arbeitet und sich nicht als unschuldiges Opfer versteht, das passiv abwartend auf die ihm zustehende Hilfe rechnen darf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab man Afrika bessere Entwicklungschancen als den vom Krieg schwer heimgesuchten ostasiatischen Ländern. Afrika war damals mit 200 Millionen dünn besiedelt und verfügte über so gut wie alle wichtigen Rohstoffe.

Das dichtbesiedelte Südkorea – als Beispiel für Ostasien – war nach dem Koreakrieg (1953) weitgehend zerstört. Es war das ärmste Land Asiens und hatte so gut wie keine Rohstoffe. Mit seiner intelligenten und fleißigen Bevölkerung schaffte es durch harte Arbeit schon in den 80er Jahren, mit damals 40 Millionen Einwohnern, den Aufstieg zum zehntgrößten Industrieland. Im Verlauf mehrerer längerer Aufenthalte konnte ich persönlich dieses eindrucksvolle Wachstum hautnah erfahren.

 

* Neuerdings steht im Vordergrund die Vermeidung von „Fluchtursachen“: Arbeitslosigkeit, Armut, Bodenzerstörung, Bürgerkrieg, Entwaldung, Gewalt, Jugendarbeitslosigkeit, Klimawandel, Korruption, Kriege, Naturkatastrophen, schlechte Regierungen, Übervölkerung, Unterdrückung.

Wer will diese vielfältigen Verwerfungen in vielen Ländern auf welche Weise abschaffen?

Zum Beispiel in Afrika, mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen, die sich bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird? Durch den angedachten „Marshallplan für Afrika“?[iv]

Wer in der lägst unkontrollierbar gewordenen Bevölkerungsexplosion die wichtigste Ursache für ökologische, ökonomische und politische Katastrophen sieht, wird als Rassist beschimpft.

Aber bei Politikern kommen unbequeme Fakten selten an, während haltlose Illusionen fleißig gepflegt werden.

 

* Von der „Überlastung der Erde“ kann man seit Jahrzehnten hören. Etwa seit 1998 hat die „Wissenschaft von der Tragfähigkeit der Erde“ den Namen Pherologie (von pherein = tragen).

Eine der ersten deutschsprachigen Arbeiten dazu veröffentlichte Wolfram Ziegler 1979.[v]

Allgemein bekannt sind heute der (viel zu hohe) „Ökologische Fußabdruck“ und der „Overshoot Day“.

Letzterer sagt, an welchem Tag des Jahres wir alles verbraucht haben, was die Erde in einem Jahr produzieren kann. 2019 war dieser „Weltüberlastungstag“ am 29. Juli, für Deutschland allein am 3. Mai. Den Rest des Jahres leben wir demnach von der Substanz. Oder: Die Weltbevölkerung verbraucht derzeit durchschnittlich das 1,75-fache dessen, was die Erde uns zur Verfügung stellen kann. Um alle Erdbewohner mit dem Wohlstand der USA zu beglücken, wären rechnerisch fünf Erden erforderlich. (wikipedia). Doch das scheint in der internationalen Politik niemand zu interessieren.

Warum hört hier keiner auf die Wissenschaft, die doch beim angeblich menschengemachten Klimawandel so wichtig zu nehmen ist? Liegt es an der Interessenlage des Großkapitals?

 

* Unzählige weitere Publikationen und Informationen zum Thema Umwelt wurden verbreitet, sodass heute das Wort „Ökologie“ in aller Munde ist. Längst gibt es zaghafte, oft wirkungslose Ansätze für den Umwelt- und Naturschutz, meist von Außenseitern initiiert und von Politikern nur zögerlich umgesetzt.

Nach wie vor leiden die Ökosysteme, die lebenserhaltenden natürlichen Kreisläufe des „Raumschiffs Erde“, unter einem doppelten exponentiellen Wachstum, unter dem sie früher oder später zusammenbrechen müssen: Die Weltbevölkerung wächst exponentiell und der Verbrauch pro Kopf wächst exponentiell. Diesem doppelten Wachstumsdruck kann die Natur nicht dauerhaft standhalten. Denn Wirtschaftswachstum ohne zusätzliche Umweltbelastungen hat es bisher noch nie gegeben und wird es auch in Zukunft kaum geben.

 

* Seit kurzem sollen 82 Millionen in Deutschland Lebende (1,1 % der Weltbevölkerung, die für 2,3 % des von Menschen erzeugten CO2 verantwortlich sind), als Vorbild für den Rest der Welt, den Klimawandel aufhalten. Mit Investitionen von vielen Milliarden Euro will man die Verbrennung von fossilem Kohlenstoff beenden und auf Kernenergie verzichten. Im günstigsten Fall wird durch diesen gigantischen Aufwand die Erwärmung der Erde um einige hundertstel Grad vermindert, aber unsere Wirtschaft möglicherweise in eine schwere Krise gestürzt. Wer von den restlichen 98,9 % der Weltbevölkerung wird uns auf diesem riskanten Weg folgen?

 

* Mein Buch „Die Apokalypse als Hoffnung“ erschien 1984 bei Droemer-Knaur. Hier wird eine der ältesten und verbreitetsten religiösen Ideen, die „Apokalypse der Religionen“, der „Apokalypse der Ökologen“ gegenübergestellt.

Die „Apokalypse der Religionen“ wird seit drei Jahrtausenden erwartet[vi]. Ob sie kommen kann oder kommen wird, ist Glaubenssache.

Die „Apokalypse der Ökologen“  – der Zusammenbruch der Naturkreisläufe –  steht uns mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in der Mitte des 21. Jahrhunderts bevor, sofern sie nicht doch noch abgewendet werden kann durch unvorhersehbare Ereignisse (neue Technologien, bislang unbekannte Energiequellen, sonstige überraschende Wendungen[vii]), aber kaum durch politische Entscheidungen.

Vielleicht sind auch die beiden Apokalypsen identisch, ohne dass uns das bewusst wird?

 

 

[i] Das EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) bestreitet in einer Reihe von Vorträgen entschieden, dass die Klimaänderung durch Verbrennung von fossilem Kohlenstoff menschengemacht sei. Das als „Klimarat“ von der Politik anerkannte IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) musste sich schwere Angriffe auf seine Glaubwürdigkeit gefallen und sogar Fälschungen vorwerfen lassen. (Vgl. Internet).

[ii] Über Gefahren der Kernenergie wurde damals in einschlägigen Vorlesungen nicht gesprochen. Und die längst als klimaschädlich verbotenen FCKWs galten als ideale Kühlmittel.

[iii] Es gab Vorläufer, z. B. das wenig bekannte Buch „Die Erde rächt sich“ von William Vogt (Nest-Verlag, Nürnberg, 1950), oder

Annie France´-Harrar „Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not“, Bayerischer Landwirtschaftsverlag, München, 1950.

Das befürchtete Vogelsterben wird spätestens seit 2019 sichtbar, vielleicht bedingt durch das Insektensterben.

[iv] Die in Sambia geborene bekannte Ökonomin Dambisa Moyo schrieb in der Preußischen allgemeinen Zeitung vom 21.11.2017: „…im Zeitraum der letzten 50 Jahre [wurde] über eine Billion Dollar als Hilfsleistungen für Afrika überwiesen.“ …„Doch geht es den Afrikanern durch die mehr als eine Billion Dollar tatsächlich besser?“ Sie plädiert für einen schrittweisen Ausstieg aus dem bisherigen System. In ihrem Bestseller “Dead aid: why aid is not working and how there is another way for Africa” führt sie ihre Gedanken weiter aus.

“Deutschland erhielt [durch den Marshallplan] 2,5 % des damaligen, durch den Krieg niedrigen BIP. In den 1990er Jahren erhielt Afrika südlich der Sahara Entwicklungshilfe von mehr als 12 % des BIP.” (Asfa-Wassen Asserate “Die neue Völkerwanderung”, Propyläen, S. 179).

[v] Ziegler, W.: „Ansatz zur Analyse der durch technisch-zivilisierte Gesellschaften verursachten Belastung von Ökosystemen. – Diss. 1979, in Bayer. Landwirtschaftliches Jahrbuch, Heft 8/1979, – S. 899 – 948.

[vi] Die erste Ankündigung eines Weltgerichtes stammt von Zarathustra aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.

[vii] Optimisten sind der Meinung, dass wir mit Sonnenenergie aus Wasser, Kohlenstoffdioxid und Stickstoff fast grenzenlose Mengen von Nahrungsmitteln produzieren könnten. Auf Nahrungspflanzen und Nutztiere könnten wir dann verzichten. Sollte es durch die Klimaänderung zu heiß werden, könnten wir uns in klimatisierte Städte zurückziehen. Energie liefert die Sonne ja für alle Ansprüche genug! (Nicht viel mehr als 1 % der Sonneneinstrahlung auf die Erde wird für die mit Abstand größte Produktion verbraucht, für die Photosynthese der Pflanzen. Der Rest steht uns theoretisch zur Verfügung.)