Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Wie das Klima Geschichte schreibt

Klimaänderungen haben in der Vergangenheit nicht unwesentlich die Menschheitsgeschichte beeinflußt, so etwa die mittelalterliche Warmzeit und die „Kleine Eiszeit“. Aus diesen Erfahrungswerten wird klar, daß auch die gegenwärtige Erwärmung nicht ohne Folgen bleiben wird. Warum und mit welchen Effekten ändert sich überhaupt das Klima?

Klima und globale Erwärmung

Es wird viel von der globalen Erwärmung gesprochen. Deren Ursache ist nach Ansicht der Mehrzahl der Wissenschaftler der zu hohe Verbrauch von fossilen Brennstoffen mit ihrem Ausstoß an Kohlendioxid. Natürlich gibt es auch Skeptiker, die den Zusammenhang zwischen dem Gehalt von Treibhausgasen in der Luft und den Temperaturen auf der Erde als unbewiesene Hypothese abtun. Neuerdings wird sogar ein Einfluß der kosmischen Strahlung auf die Wolkenbildung und damit auf das Klima (das durchschnittliche Wetter über einen längeren Zeitraum) vermutet.

Schon sehr gering klingende Änderungen können dabei eine große Wirkung zeigen: „Aus unseren Bohrkernproben wissen wir, daß die Temperaturdifferenz zwischen einer Eiszeit und einer Zwischeneiszeit, wie wir sie gerade erleben (also die Temperaturdifferenz zwischen einem vereisten Erdball und einer für menschliche Entwicklung und Landwirtschaft sehr günstigen Erde), gerade einmal fünf bis sechs Grad Celsius beträgt. Ein so geringer Unterschied der globalen Durchschnittstemperatur kann zu sehr großen Veränderungen führen.“ (6, S. 55)

Besorgniserregend ist, daß eine „globale Erwärmung“ zum sich selbst verstärkenden Prozeß werden kann. Höhere Lufttemperatur bringt stärkere Verdunstung und damit höheren Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre. Wasserdampf wirkt als Treibhausgas, erhöht also die Temperatur weiter. Das führt zur Erwärmung der Meere, die dann weniger Kohlendioxid speichern können, sowie zum Tauen der Permafrostböden in der Arktis, die ebenfalls Methan abgeben, das als Treibhausgas etwa 20mal wirksamer ist als Kohlendioxid. Andererseits kann Wolkenbildung die Sonnenstrahlen reflektieren, also abkühlend wirken. Die Zusammenhänge sind kompliziert. Bei einer globalen Erwärmung von mehr als zwei Grad Celsius kann dieser Prozeß angeblich unkontrollierbare, für das Überleben der Menschheit gefährliche Ausmaße annehmen.

Wir wollen uns in diesen Streit der Fachwissenschaftler nicht einmischen. Doch dürfen wir – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – davon ausgehen, daß der Verbrauch von fossilen Brennstoffen auf jeden Fall reduziert werden muß.

Beide Parteien benutzen für ihre Argumente Klima-Statistiken aus der Vergangenheit. Diese scheinen zumindest eines zu beweisen: Das Klima auf der Erde ist keineswegs so gleichmäßig, wie wir meist denken.

Weit zurückliegende Epochen, wie die Zeit der Saurier, mit weit wärmerem Klima wollen wir außer acht lassen. Ebenso den extremen Klimawechsel, der vor 140.000 Jahren den Anstoß zur Entwicklung des Homo sapiens gab, der dann alle anderen Menschenrassen verdrängte oder eliminierte. Doch auch in jüngerer Zeit gab es deutliche Temperaturschwankungen.

Klima-Migranten damals und heute

Vor fünf- bis zehntausend Jahren war es deutlich wärmer als heute. So war damals die Antarktis, zumindest an den Küsten, eisfrei (3 und 7). Auch die Alten Griechen und Römer hatten wohl ein angenehm warmes Klima (8, S. 175). Dafür spricht die leichte Kleidung der römischen Legionäre, die barfuß in Sandalen nach Germanien marschierten, sowie der Anbau von Reben, die von den Römern nach England und bis auf die Isle of Man gebracht wurden.

Die Völkerwanderung könnte dann durch Trockenperioden in Asien ausgelöst worden sein, die möglicherweise auch die Ausbreitung der Pest begünstigten (8, S. 176 f.). Im Mittelalter gab es eine Warmzeit, auf die zu Beginn der Neuzeit die „Kleine Eiszeit“ folgte.

In der ferneren Vergangenheit konnten sich die Menschen an klimatische und sonstige Veränderungen anpassen – sonst hätten sie nicht überlebt; auch wenn Klimaschwankungen zu Instabilitäten wie dem Zusammenbruch von Staaten beigetragen haben (8). Krisen waren häufig ein machtvoller Anstoß, der Entwicklungen förderte oder geradezu erzwang. Einst war die Erde noch nicht übervölkert; sie bot die Möglichkeit, in günstigere Zonen auszuweichen, neues Land urbar zu machen oder sogar neue Kontinente zu erschließen.

Heute ist nach Ansicht der meisten Klimatologen eine Erwärmung der Erde im Gange, die dramatische Auswirkungen befürchten läßt: Trockenheit, extreme Unwetter, Wirbelstürme, Überschwemmungen. Steigende Meeresspiegel könnten Inseln und flache Küsten überfluten; unser Lebensraum würde schrumpfen bei weiter zunehmender Bevölkerung. Millionen Klima-Migranten müßten dann eine neue Heimat finden. Auf mich wirkt wie ein schockierendes Warnsignal, daß die Grenze zwischen dem regelmäßig von Hochwasser heimgesuchten Bangladesh (dem Flächenland mit der höchsten Bevölkerungsdichte von über 1.000 Einwohnern pro Quadratkilometer) und Indien (ca. 350 Einwohner pro Quadratkilometer) mit Elektrozäunen gesichert ist und auf illegale Migranten geschossen wird. (1)

Warum schwankt das Klima?

Über die Ursachen der Temperaturveränderungen auf der Erde wird diskutiert. In Frage kommen:

● veränderte Sonnenaktivität;

● möglicherweise auch Veränderungen der Lichtdurchlässigkeit des interplanetarischen bzw. interstellaren Raumes;

● Einfluß der kosmischen Strahlung und des Sonnenwindes auf die Wolkenbildung und damit das Klima;

● Periodische Schwankungen der Entfernung der Erde von der Sonne aufgrund der Gravitation der verschiedenen Planeten;

● Veränderungen von Meeresströmungen und der Zirkulation der Luft;

● unterschiedliche Bewölkung, erhöhter Wassergehalt der Atmosphäre;

● eine Serie von Vulkanausbrüchen, die mit ihren Staub- und Aschewolken das Sonnenlicht dämpfen;

● Oberflächenveränderungen auf der Erde, z. B. Verschneiung und Vereisung, oder auch Auswirkungen dynamischer, magmatischer Strömungen im Erdinneren auf die Plattentektonik;

● eine veränderte Zusammensetzung der Atmosphäre. Insbesondere die – heute oft als maßgeblich hervorgehobene – Zunahme von Treibhausgasen (Kohlendioxid, Methan usw.) durch menschliche Aktivitäten in Industrie und Landwirtschaft, oder auch durch natürliche Ursachen wie vulkanische Exhalationen;

● Veränderungen in der Vegetation. Nach der Entdeckung Amerikas kamen bis zu 90 Prozent der Ureinwohner durch eingeschleppte Krankheiten ums Leben. Riesige Flächen einst bestellten Landes, vor allem entlang des Mississippi, wurden wieder von Wäldern überwuchert. Diese Wälder speicherten so viel Kohlendioxid, daß sich dadurch die Atmosphäre möglicherweise merklich abkühlte. Das war angeblich eine der Ursachen für die Kälteperioden zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert. (4)

Vom Kläger zum Angeklagten

„Solange es Menschen gibt, leiden sie unter übermäßiger Hitze oder Kälte, Trockenheit oder Nässe, unter Hunger und Durst, Krankheiten und sonstigem Elend. Doch in früheren Zeiten konnten sie dafür Götter und Gestirne anklagen. Heute sind sie selbst die Angeklagten. Ächzten unsere Vorfahren unter den Zumutungen der Natur, so ächzt diese heute unter uns. Das ist ein so existentieller Sprung in der Menschheitsentwicklung, daß viele vor ihm die Augen verschließen und sich und andere mit Sprüchen wie ,Alles schon einmal da gewesen!‘ oder ,Kein Grund zur Aufregung!‘ einzulullen versuchen. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen, daß der Sturm sich wider legen werde.“

Meinhard Miegel (9, S. 75)

Wein in Bayern in der mittelalterlichen Warmzeit

Ein Klimaoptimum im Zeitraum zwischen ca. 900 und 1350 wird als mittelalterliche Warmzeit bezeichnet. Die Ursache für das milde Klima wird in verstärkter Sonnenaktivität, ungewöhnlich geringer Vulkantätigkeit weltweit, Veränderungen in den Meeresströmungen usw. gesucht. Während dieser Warmzeit stieg die Anbaugrenze in den Mittelgebirgen und die Waldgrenze im Hochgebirge um etwa 200 Meter an.

Damals wurde in Nordtirol und sogar in Ostpreußen, Pommern und Südschottland Wein angebaut. In Bayern, heute als typisches Bierland bekannt, trank man vorwiegend Wein.

Die Gletscher und das Packeis gingen zurück, und die Wikinger konnten Island (etwa seit 870) und Grönland (seit 986) besiedeln. Das Polarmeer war in beiden Richtungen schiffbar. Demnach war es wärmer, mit weniger Eis in der Arktis, als heute.

Offene Frage: Wie konnten die derzeit durch die globale Erwärmung höchst gefährdeten Eisbären diese Warmzeit überstehen?

Die Kleine Eiszeit schreibt Geschichte

Seit Anfang des 16. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert folgten deutlich kühlere Perioden, wie zum Beispiel an Hand von Eisbohrkernen und dem Wachsen von Gletschern nachgewiesen werden konnte. Es gab zwar beträchtliche Klimaschwankungen und auch regionale Unterschiede, doch herrschte, den nun schon zahlreicher vorhandenen historischen Quellen zufolge, bis weit nach 1700 das kälteste Regime seit Ende der letzten großen Eiszeit vor ungefähr 12.000 Jahren (7, S. 233). Noch in den 1740er Jahren gab es außerordentlich strenge Winter (2, S. 219).

Die Gletscher wuchsen. Auf Bildern niederländischer Meister (Pieter Bruegel, Hendrick Avercamp u. a.) kann man das fröhliche Treiben auf den damals in jedem Winter lange zugefrorenen Kanälen bewundern. In London gab es „Frostjahrmärkte“ auf der zugefrorenen Themse. Das Eis der Großen Seen in Nordamerika taute manchmal erst im Juni völlig auf. Der Bodensee war öfter ganz zugefroren (im 20. Jahrhundert nur ein einziges Mal, 1963).

Die katastrophalen Folgen des Temperatursturzes

Durch die langen und harten Winter verkürzte sich während der Kleinen Eiszeit die Vegetationsperiode um bis zu zwei Monate. Die Sommer waren oft naß und kalt, das Getreide verfaulte auf den Halmen. Die Folge waren Nahrungsmittelmangel, steigende Lebensmittelpreise und Seuchen.

In manchen Jahren nahmen Mutterkornvergiftungen einen seuchenartigen Charakter an. Bei zu feuchtem Wetter ließ Mehltau (Claviceps purpurea) die Roggenkörner schwarz werden. Einige Gramm dieses vergifteten Korns können tödlich sein. Selbst ein minimaler Anteil im Brotgetreide brachte Gesundheitsschäden, zum Beispiel einen starken Hautauschlag, Antoniusfeuer genannt. Da Mutterkornvergiftungen Halluzinationen auslösen können, sehen manche Historiker darin eine der Ursachen für den Hexenwahn.

Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, wütete fast in jedem Jahrhundert in verschiedenen Schüben. Vielerorts war sie auch der Anlaß zu Pogromen gegen Juden, die als „Brunnenvergifter“ verdächtigt wurden. Die „Große Pest“, die zwischen 1348 und 1350 Europa entvölkerte, gilt in der Regel als Ursache für den wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenbruch der europäischen Gesellschaft. Die Auswirkungen der durch Mutterkornvergiftungen verursachten Krankheiten werden dabei vermutlich oft unterschätzt. In verschiedenen europäischen Regionen starben an diesen beiden Seuchen ein Achtel bis zwei Drittel der Bevölkerung. (8, S. 218)

Abnahme der Bevölkerung

Nach der Völkerwanderung, mit ihren dramatischen Umwälzungen und stark sinkender Einwohnerzahl, war die Bevölkerung Mitteleuropas seit dem 9. Jahrhundert langsam gewachsen. Etwa vom 14. Jahrhundert an sorgten Wetterkapriolen, Epidemien und Hungerkatastrophen für einen Rückgang der Bevölkerung (vgl. „GralsWelt“ 20/2001, „Der 4. Reiter“).

Auch die Siedler auf Grönland gerieten in Not. Ihre Anzahl schrumpfte, bis auf einen kleinen Rest, der vor 1540 von der Pest dezimiert und zuletzt von den Inuit (Eskimos) eliminiert wurde.

Das vorrückende Packeis isolierte Island vorübergehend vom Festland. Im Jahr 1695 war es völlig vom Eis umgeben, so daß viele Monate kein Schiff dort landen konnte. Der Kabeljaufang brach fast zusammen, die isländische Bevölkerung nahm stark ab.

Gewaltige Stürme in der Nordsee führten vom 14. bis ins 18. Jahrhundert zu Überschwemmungen und Landverlusten an den Küsten von Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Schottland und an den Nordseeinseln. Beispielsweise ist im Januar 1362 die sagenumwobene Handelsstadt Rungholt in einer extremen Sturmflut untergegangen.

Soziale Spannungen und Hexenwahn

Hungerkatastrophen und Seuchen verschärften die sozialen Spannungen. Vom 14. bis ins 19. Jahrhundert gab es von Rußland bis England immer wieder Bauernaufstände und Hungerrevolten. Am bekanntesten sind der Unabhängigkeitskampf der Schweizer Eidgenossen und die deutschen Bauernkriege (vgl. „GralsWelt“ 59/2010, „Wenn die Obrigkeit sagt, zwei und fünf sind gleich acht, so mußt du’s glauben!“).

Die Reformation veränderte zwar die Kirchen und deren Ritus, doch die religiösen Ideen der Protestanten wie der Katholiken waren noch tief im mittelalterlichen Denken verhaftet. Niemand verstand die Ursachen von Naturkatastrophen, Mißernten, Hungersnot, Seuchen, Heuschreckenplagen. Doch kannte man die Bibel, mit ihrem reichen Fundus vom „Zorn Gottes“ und dessen Folgen für die Sünder. Auch das Jüngste Gericht beginnt demnach mit Großkatastrophen. Ob Laien oder Kleriker, alle sahen in den Klimaextremen Strafen Gottes für menschliches Fehlverhalten. Als eine typische Sündenbockreaktion während der Kleinen Eiszeit gilt die Hexenverfolgung (5, S. 78). So gab es beispielsweise am 10. Juni 1587 eine Massenverbrennung von Hexen durch die Fürsten von Waldburg-Zeil (2, S. 181).

Revolution in Frankreich

In der Zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schien sich das Klima langsam zu erholen. Doch dann folgte eine der schlimmsten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte. In den Jahren 1783 bis 1784 brach der Vulkan Laki auf Island in einer Serie von Eruptionen aus, die das Weltklima erneut abkühlten. Seine Aschewolken verfinsterten den Himmel. Zudem wurden große Mengen Schwefeloxid bis in die obere Atmosphäre geblasen. Dort verband sich dieses mit Wasser zu Schwefelsäure, die zu winzigen Kristallen gefror. Durch diese langlebigen Vulkanwolken hatten die Jahre 1783–1785 nur sehr kurze Sommer. Ganz Europa litt unter Hungerkrisen.

In Frankreich kam es 1787 und 1788 etwa gleichzeitig zu Agrar-, Wirtschafts- und Sozialkrisen. 1788 brachte extreme Dürre und schwere Hagelstürme. Die ohnehin schon zu geringen Getreideerträge gingen um ca. ein Viertel zurück. Auf einen extrem kalten Winter 1788/89 folgten im Frühjahr Überschwemmungen mit nachfolgenden Viehseuchen. Verzweifelte Menschen revoltierten und überfielen Getreidetransporte. Zu allem Überfluß gab es im Sommer 1789 auch noch zu wenig Regen. Die Wassermühlen konnten kein Getreide mahlen und der Brotpreis stieg weiter. Vor allem die einfache Bevölkerung in Land und Stadt litt unter der wetterbedingten Hungersnot.

„Im Jahrhundert der Aufklärung wurden Hungerkrisen zunehmend als Folge von Mißmanagement verstanden. Die Öffentlichkeit war nicht mehr bereit, Predigten über göttliche Strafen hinzunehmen, sondern verwies auf die strukturellen Defizite und politischen Versäumnisse, die den Ausgleich der Mißernten verhinderten. Warum waren die Straßen so schlecht, daß man nicht schnell Brotgetreide importieren konnte? Warum waren die Vorratshäuser zu klein, um die Armen zu versorgen? Warum waren die vorhandenen Vorratshäuser nicht gefüllt? Warum waren die Ernten zu gering, und warum hatten die königlichen Amtsträger keine Vorsorge getroffen?“ (2, S. 207).

Damit stellte eine Notlage der Bevölkerung die Legitimation der Herrschenden in Frage. Die Philosophie der Aufklärung lieferte im „Zeitalter der Vernunft“ die Theorien, wie eine bessere, eine vom Parlament kontrollierte Administration zu gestalten sei. Neue, vernunftgemäße Ideen galt es zum Wohle des Volkes umzusetzen! Friedlich oder wenn nötig auch mit Gewalt!

So waren Klimaschwankungen und Wetterkapriolen, neben Mißwirtschaft, Finanzkrisen und Niedergang der Religionen, Auslöser für die Französische Revolution. (2, S. 214 und 6, S. 274)

Keine Gewähr für aktuellen Lebensstandard

„Die menschliche Geschichte hat sich in einer sich ständig verändernden Welt abgespielt; diese Veränderungen vollzogen sich zuweilen langsam und manchmal schnell, wobei langfristige Umwälzungen immer durch die auffälligeren Umschwünge einzelner Jahre überdeckt wurden. Die Umwelt wird sich auch weiterhin verändern, teils aufgrund menschlicher Eingriffe mit beabsichtigten oder unbeabsichtigten Auswirkungen und teils durch natürliche Ursachen. Es gibt keine Gewähr dafür, daß langfristig ein gleichbleibender oder gar ein ständig steigender Lebensstandard möglich sein wird. Aber wir sollten uns weiterhin um eine gerechtere Welt bemühen, in der die Armen und Gefährdeten nicht mehr benachteiligt werden.“

H. H. Lamb (8, S. 437)

Die menschliche Abhängigkeit vom Klima

Der moderne Mensch geht davon aus, daß er sich mit seinen technischen Mitteln von den natürlichen Rhythmen unabhängig machen kann. Tag und Nacht, Sonnenschein und Regen, Sommer und Winter, haben für Großstadtmenschen ihre einstige Bedeutung zum großen Teil verloren. Auch die beiden Nahrungsmittelkrisen des 20. Jahrhunderts in Europa (Erster und Zweiter Weltkrieg) sind sogar in Deutschland weitgehend verdrängt. Mißernten und Nahrungsmangel glaubt man in den Industrieländern für überwunden, auch wenn Berichte aus Entwicklungsländern regelmäßig dramatische Bilder von hungernden Menschen liefern, deren Anzahl steigt.

Doch wir sollten nie vergessen, daß die wichtigste Voraussetzung für unsere Lebensqualität, ja für die Existenz der gesamten Menschheit, nach wie vor der lebensfreundliche Zustand unseres Planeten mit seiner belebten Natur ist. Anscheinend geringfügige Klimaschwankungen haben in der Vergangenheit geschichtliche Abläufe beeinflußt – zum Guten wie zum Schlechten! (Vgl. GW 31/2004, „Als Die Sonne erlosch“ und GW 60/2010, „Wie ein Vulkan dem Fahrrad auf die Sprünge half“) Hungerkatastrophen erzeugten regelmäßig auch soziale Spannungen, die sich nicht selten gewaltsam entluden.

Heute ist nicht mehr auszuschließen, daß sich durch zu viele Aktivitäten einer ins Untragbare anwachsenden Übervölkerung die grundlegenden Lebensbedingungen unserer Erde schon in naher Zukunft in einer für uns gefährlichen Weise verändern könnten. Dann wird es schwierig bis unmöglich sein, durch technische Maßnahmen den alten Zustand einer lebensfreundlichen Erde wieder herzustellen, die Pflanzen, Tieren, Menschen seit vielen Jahrmillionen ihre Heimat bietet.

Literatur:

(1) Bayerischer Rundfunk, 2. Programm, Wir sind eure Geiseln, 13.10.2010

(2) Behringer, Wolfgang, Kulturgeschichte des Klimas, C. H. Beck, München 2007

(3) Der Spiegel, Nr. 41/1984

(4) Der Spiegel, Nr. 43/2011

(5) Dillinger, Johannes, Hexen und Magie, Campus, Frankfurt 2007

(6) Friedman, Thomas L., Was zu tun ist, Suhrkamp, Frankfurt 2009

(7) Hapgood, Charles, Die Weltkarten der alten Seefahrer, Zweitausendeins, Frankfurt 1966

(8) Lamb, Hubert H., Klima und Kulturgeschichte, Rowohlt, Hamburg 1982

(9) Miegel, Meinhard, Exit, Ullstein, Berlin 2011

(10) Morris, Ian, Wer regiert die Welt?, Campus, Frankfurt 2011

(11) Pörtner, Rudolf, Die Wikinger-Saga, Droemer-Knaur, München 1974

(12) Winkler, Stefan, Von der „Kleinen Eiszeit“ zum „globalen Gletscherrückgang“, Steiner, Stuttgart 2002

www …

Kleine Eiszeit http://de.wikipedia.org/wiki/kleine_Eiszeit

Mittelalterliche Warmzeit http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalterliche_Warmzeit

Klimaerwärmung http://www.biokurs.de/treibhaus/treibhgl2.htm

Warm- und Eiszeit http://www.zum.de/Faecher/Materialien/beck/13/bs13-73.htm