Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Die Kosmologie der Dogon

 

(Veröffentlicht in GralsWelt 23/2003)

Welche Verbindung es zwischen einem kleinen afrikanischen Volk von Hirsebauern und Atlantis geben könnte …

 Die Dogon sind ein kleiner Volksstamm von Hirsebauern, die auf kargem Boden in der Republik Mali (Afrika) leben. Ihre Mythologie wurde vor dem Zweiten Weltkrieg von dem französischen Archäologen Marcel Griaule erforscht, und die von ihm berichteten astronomischen Kenntnisse der Dogon von Robert Temple in einem sensationellen Buch verbreitet (4).

Rätselhafte Überlieferungen

Ihrer Legende zufolge bekamen die Dogon vor Jahrtausenden ihr Wissen von „halb-aquatischen Wesen”, die von einem Planeten des Sirius kamen. Ähnlich wie in der ägyptischen Mythologie nimmt der Sirius auch in den Dogon-Mythen eine zentrale Rolle ein. Nur wissen die Legenden der Dogon von einem unsichtbaren Begleiter des Sirus zu berichten, der diesen in 50 Jahren auf einer elliptischen Bahn umkreist. Er soll sehr klein, aber ungeheuer schwer sein, da er aus einem auf der Erde nicht vorhandenen Material besteht, das die Dogon „Sagala” nennen.

Ein Himmelskörper als Sirius-Begleiter existiert tatsächlich. Er wurde im 19. Jahrhundert zuerst vermutet, dann Anfang des 20. Jahrhunderts gesichtet und später auch photographiert. Man bezeichnet diesen Stern heute als „Sirius B” und kann ihn nur mit starken Teleskopen ausmachen, da er von dem helleuchtenden Sirius überstrahlt wird. Sirius B ist ein „weißer Zwerg”, besteht also aus extrem dicht gepackter Materie, ganz wie die Dogon erzählen.

Außer dem Sirius B soll es nach der Dogon-Überlieferung noch einen zweiten, vermutlich recht kleinen Sirius-Begleiter geben, der als winzige Sonne in 100 Jahren den Sirius auf einer Bahn umkreist, die im rechten Winkel zu der des Sirius B steht. Um diesen, bislang unentdeckten zweiten Satelliten des Sirius kreist endlich der Planet, dessen Bewohner einst die Dogon besucht und belehrt haben sollen.

Was noch keinem Autor einfiel …

Damit ist in der Legende der Dogon ein Planetensystem beschrieben, wie es zwar astronomisch grundsätzlich möglich, aber meines Wissens keinem Science-Fiction-Autor eingefallen ist:

Um einen großen, helleuchtenden Fixstern kreisen zwei weitere, kleinere Sonnen, deren Bahnen im rechten Winkel zu einander stehen. Den kleineren, wohl recht lichtschwachen dieser beiden selbstleuchtenden Trabanten des Sirius umkreist endlich noch ein Planet, welcher die Heimat von Menschen sein soll. Ein phantastisches Fixstern-Planeten-System, das seinen Bewohnern ein laufend wechselndes Panorama von Sonnen verschiedener Farben und Größen bieten muß. Zugleich ein spannendes Problem für Astronomen: Kann sich dieser hypothetische Planet in der für alles organische Leben notwendigen Flüssigwasser-Zone, der Biosphäre, befinden? Konnte sein Klima während der für die Entwicklung des Lebens erforderlichen Jahrmilliarden gemäßigt bleiben? Oder war die Entwicklung von Leben unter solchen Bedingungen nicht möglich, und der von den Dogon beschriebenen Planet wäre – wenn nicht ein Gebilde der Phantasie – allenfalls eine Insel im Weltraum, auf welche Leben nur von außen gebracht werden konnte, da die für eine eigenständige Entwicklung notwendige Zeit nicht gegeben ist?

„Götter” aus dem Weltall?

Folgt man Robert Temple, so gibt es babylonische und ägyptische Überlieferungen, die den Mythen der Dogon entsprechen, und sogar Zeichnungen der „Götter aus dem Weltall” (vergl. z. B. 1, S. 117), deren Heimat der Sirius mit seinem einzigartigen System von Trabanten wäre.

Ferner erzählen die Dogon, daß sich die Planeten, ebenso wie die Erde, um ihre eigene Achse drehen und auf elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen. Damit wären sie die einzige bekannte präwissenschaftliche Kultur, welche diese Kenntnisse hat. Außerdem wissen sie, daß der Mond „trocken und tot” ist, Jupiter von vier Monden umkreist wird, der Saturn von einem Ring umgeben ist, und die Milchstraße aus vielen einzelnen Sternen besteht.

Woher haben die Dogen diese verblüffenden Kenntnisse, die durch Beobachtungen mit freiem Auge nicht zu erlangen sind? Von den Bewohnern eines anderen Sternes, von deren Besuch die alten Mythen zu erzählen scheinen?

Von dem schnellfertigen Urteil, daß alles Schwindel sei, können wir nun einmal nicht ausgehen.

Wissenschaftler wie Carl Sagen (3, S. 96) halten es für wahrscheinlich, daß die Dogon ihr astronomisches Wissen einem Europäer verdanken. Vielleicht erzählten sie ihre Mythen einem Besucher aus dem Abendland und forderten diesen dann auf, seinerseits über die Sterne zu sprechen. Floß also europäisches Wissen in die Dogon-Überlieferungen ein? Aber der Europäer sprach doch kaum von einem zweiten – bis heute unentdeckten – Sirius-Begleiter, von dessen Planeten, oder gar davon daß dieser Planet seine Heimat sei …

Woher kommt das Wissen?

Fest steht nur, daß das astronomische Wissen der Dogon ohne leistungsfähige Teleskope nicht zu erlangen ist. Bleibt also offen, woher die Informationen zu ihnen kamen: von Außerirdischen, über einen Europäer des 20. Jahrhunderts, auf übersinnlichem Wege, oder durch Reisende aus Atlantis, die vor Jahrtausenden mit den Dogon in Berührung kamen und von ihren astronomischen Entdeckungen erzählten …

Die Dogon-Priester selbst betonen, sie hätten ihr Wissen unmittelbar von den Göttern (2, S. 49). Dieser übersinnliche Erkenntnisweg ist wohl nicht vorn vornherein auszuschließen, da auch in manchen anderen religiösen Überlieferungen korrekte Aussagen zu finden sind, die dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus sind. Allerdings ist es schwierig zu entscheiden, ob es sich dabei um Reste älteren Wissens einer untergegangenen Hochkultur handelt, die in die religiösen Lehren eingeflossen sind, oder um neuere, übersinnliche Eingaben. Vielleicht sollte man auch bedenken, daß in esoterischen Lehren seit Jahrhunderten von einem uralten Wissen gesprochen wird, das zum großen Teil verloren ging. Viele Esoteriker bemühen sich um die Wiederentdeckung dieser alten Weisheiten, die von einer untergegangenen Kultur stammen könnten. –

Eine Verbindung zu Atlantis?

Nicht weniger wahrscheinlich als die Vermutung außerirdischer Besucher oder die Annahme  übersinnlicher Wahrnehmungen, wäre die Vorstellung, daß Forschungsreisende aus Atlantis – bleiben wir bei diesem Namen für eine unbekannte frühe Hochkultur – auf Schiffen zu den Dogon fanden, die ja nicht immer so weit vom Meer in den Homboribergen von Mali lebten. Da diese Besucher über das Wasser kamen, mochten sie als „aquatische Wesen” erscheinen; die angeblich überlieferten Fisch-Schwänze könnten lange Gewänder gewesen sein, und die Vertrautheit der atlantischen Inselbewohner mit dem Wasser, ihr Baden und Schwimmen, mag bei den aride* Zonen bewohnenden Dogon den Eindruck verstärkt haben, daß es sich um wasserliebende Wesen handle. Die Sirius-Verehrung alter Völker – voran der Ägypter, die das Erscheinen und Verschwinden des Siruis im Zusammenhang mit den Überschwemmungen des Nils sahen -, könnte atlantisches Erbe sein.

Offen bleibt noch, ob der bislang unentdeckte zweite der Sirus-Begleiter mit seinem Planeten existiert. Sollte es ihn geben, stünden wir vor einem nicht mehr wegzudiskutierenden Hinweis, daß die Überlieferungen des kleinen Volkes der Dogon etwas Besonderes sind. 

* aride Zonen sind Trockengebiete.

Literatur:

(1) Aschenbrenner, Klaus: „Die Antiliden”, Universitas, München, 1993

(2) Paturi, Felix R.: „Die großen Rätsel unserer Welt”, ADAC Verlag, München, 1999

(3) Sagan, Carl: „Aufbruch in den Kosmos”, Wilh. Heyne, München, 1982

(4) Temple, Rober K.G.: „Das Sirius-Rätsel”, Umschau, Frankfurt, 1977