Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Das Rätsel vom Glozel

(Veröffentlicht in GralsWelt 38/2006) 

 

DAS RÄTSEL VON GLOZEL              

 

“Ich verstehe die rätselhaften, in Stein gemeißelten Worte aus den Tagen vor der Flut.”

Aus einer Inschrift des assyrischen Königs Assurbanipal aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert. (10)

 

Es gibt unzählige zweifelbehaftete archäologische Funde, oft von Laien durch Zufall entdeckt, die sich nur schwer deuten, oder nicht in das von den Professoren aufgestellte Schema einordnen lassen. Häufig werden derartige Entdeckungen unterdrückt, totgeschwiegen, oder als Fälschungen abqualifiziert, obwohl tatsächlich genügend viele rätselhafte Artefakte (Erzeugnisse menschlichen Könnens) in zahlreichen Sammlungen vorzufinden sind, um unser derzeitiges Bild von der Vor- und Frühgeschichte in Frage zu stellen. Wenn auch ein einzelner Fund nicht ausreichen mag, die etablierten Lehren umzustoßen, so sollte doch die Menge der mysteriösen Belege zu denken geben (3).

In der GralsWelt haben wir verschiedentlich berichtet, wie lückenhaft und fragwürdig unser Geschichtsverständnis ist, in dem ganz wesentliche Einschnitte – z.B. die Sintflut-Katastrophe – nicht berücksichtigt sind.

Eine der zahlreichen Fundstätten, die auch 80 Jahre nach ihrer Entdeckung noch wenig bekannt ist, und von der Fachwelt kaum gewürdigt wird, ist Glozel.

Im französischen Departement Allier, im Südosten des Badeortes Vichy (von 1941 bis 1944 Sitz der französischen Regierung), liegt der Weiler Glozel, dessen Name mit einer archäologischen Sensation verbunden ist:

Am 1. März 1924 traf ein junger Mann mit Namen Emile Fradin (geb. 1907) beim Pflügen auf einige Steinquader, die er aus dem Wege schaffen wollte. Zu seiner nicht geringen Überraschung stieß er dabei auf eine Grube mit alten Fundstücken, darunter eine Tafel aus gebranntem Ton mit unbekannten Schriftzeichen. Manche Autoren halten die Fundstelle für eine prähistorische Grabanlage (3, S. 49).

Ausgrabungen eines Hobby-Archäologen

In Vichy praktizierte der Badearzt Dr. Antonin Morlet, der sich in seiner Freizeit als Archäologe betätigte. Eine Besichtigung der Funde von Glozel überzeugte ihn von deren Bedeutung, und er organisierte aus eigenen Mitteln, zusammen mit Fradin, eine kleine Grabung. So kam bald eine Sammlung von verschiedenen Objekten aus Knochen und Stein zusammen, die meisten mit eingeritzten Schriftzeichen. Besondere Aufmerksamkeit erregte eine Schrifttafel aus gebranntem Ton. Von den Aufsehen erregenden Funden wurden Proben nach Paris geschickt.

Als nach einiger Zeit der Direktor des “Musée des Beaux Arts”, Dr. Capitan, in Glozel erschien, um die Glozel-Objekte zu begutachten, schienen diese wissenschaftlich anerkannt. Morlet veröffentlichte eine Arbeit unter seinem und Fradins Namen, die jedoch Capitans Unwillen erregte, der verlangte, daß er als Mitautor genannt werden müßte. Als sich Morlet weigerte, bemühte sich Capitan in der Folge mit allen Mitteln, die Funde von Glozel als Fälschungen darzustellen, und angesehene Archäologen von deren Untersuchung abzuhalten.

Als dann Fradin noch ein kleines Museum einrichtete, in dem er seine Schätze gegen eine geringe Gebühr zeigte, brandmarkten ihn seine professionellen Gegner als Schwindler. Die Funde von Glozel wurden seither als “Fälschung eines Bauern” diffamiert, und Fradin hatte Glück, dass er nicht noch ins Gefängnis wanderte. Für die archäologische Wissenschaft schien der Fall damit erledigt.

Die Suche geht weiter

Doch die Befürworter von Glozel gaben nicht so schnell auf.

1927 fand eine vom “Institut International d’Anthropologie” beauftragte Kommission bei Grabungen vierzehn neue Gegenstände, darunter eine Schrifttafel. Die Ausgräber kamen zu der Schlussfolgerung, dass jemand die Fundstücke vergraben haben müsste.-

Ein Jahr später grub eine andere internationale Kommission, diesmal in völlig intaktem Boden, und stieß auf weitere Artefakte, die nun echt sein mussten. Der zu Unrecht als Fälscher verleumdete Bauer Fradin war damit zwar rehabilitiert, doch für die Professoren in Paris blieben die sensationellen Funde nach wie vor eine Fälschung, gerieten in Vergessenheit.

Neue Techniken geben Aufschluss

Es dauerte bis in die 70er Jahre, bevor die inzwischen auf ca. 2.500 Objekte angewachsenen Funde von Glozel erneut untersucht wurden, diesmal mit moderneren Verfahren.

Altersbestimmungen der Knochen mit der C-14 Methode ergaben eine Zeit bis 15.000 v.Chr., die Mehrzahl der Objekte wurde ins 3. Jahrtausend vor Christus datiert (3, S. 168), während für die Tontafeln mit dem Thermoluminiszenzverfahren ca. 600 v.Chr ermittelt wurde (4, S. 17 f). Die Ergebnisse der Altersbestimmung mit dem Thermoluminiszenzverfahren scheinen allerdings nicht zu den archäologischen Befunden zu passen (3, S., 52). Damit ergab sich ein zusätzliches Problem: War der Fundort von 15.000 bis 600 v.Chr. durchweg besiedelt, oder wie sonst kamen Stücke so unterschiedlichen Alters an den selben Platz? In Gräbern, als bronzezeitliche Sammlung, oder gar als prähistorisches Museum?

Jedenfalls wäre ein Alter von bis zu 17.000 Jahren für die in Glozel gefundenen Schriftzeichen eine archäologische Sensation ersten Ranges, die zum Umschreiben vieler Lehrbücher zwänge.

Wann wurde die Schrift erfunden?

Ein besonders spannendes Problem sind die auf Knochen und Steinen eingeritzten, sogar auf mehreren gebrannten Tafeln zu findenden Schriftzeichen, die es nach den herkömmlichen Theorien auf bis zu 17.000 Jahre alten Stücken nicht geben darf.

Die Erfindung der Schrift begann nach Professorendogmen erst nach der letzten Eiszeit, also in der “neolithischen Revolution”[i], als die sesshaft werdenden Gruppen das Bedürfnis bekamen, ihr Eigentum zu kennzeichnen, Nachrichten zu hinterlassen, astronomische Beobachtungen aufzuzeichnen usw. Diese ersten “Schreiber” entwickelten einfache Bilderschriften, die auch heute noch verständlich sind.

Erst die im vierten Jahrtausend v. Chr. In Südmesopotamien eingewanderten Sumerer erfanden nach verbreiteter Lehrmeinung an der Wende zum 3. Jahrtausend eine teilweise phonetisierte Hieroglyphenschrift, die innerhalb einiger Jahrhunderte zu einer gut brauchbaren Keilschrift[ii] wurde (2, S. 48). Diese sumerische Schrift übernahmen weitere Völker, z.B. Babylonier und Assyrer. Sie gilt als Vorbild für spätere Schriftsysteme. Die erste reine Buchstabenschrift wird erst ins 12. Jahrhundert v. Chr. datiert (4, S. 123).

Die Runen von Glozel

Die in Glozel ausgegrabenen Schriftzeichen stehen nicht für sich allein, sondern auch in Nachbardörfern wurden gleichartige Inschriften gefunden; doch aufgrund der Affäre von Glozel scheuten ihre Finder lange davor zurück, diese Funde publik zu machen (4, S. 81).

Nach Hitz (4, S. 110) handelt es sich bei den rätselhaften “Runen” von Glozel um eine Buchstabenschrift, bestehend aus einem Alphabet mit 22 Konsonanten, die Ähnlichkeiten mit anderen Schriftzeichen, z.B. aus Spanien, Kreta, Zypern aufweisen (5, S. 199). Die Übersetzungsversuche von Hitz (4) sind jedoch ebenso umstritten, wie sich die Experten über die verwendete Sprache uneins sind. (5, S. 190).

Am sensationellsten scheinen die Forschungsergebnisse des Linguisten Kurt Schildmann. Er hat angeblich die Industal-Schrift[iii] übersetzt (7). Dann spürte er Parallelen zwischen dieser, den Texten von Glozel und der Burrows-Cave[iv]-Schrift in Illinois (USA) auf. Schildmann hat für die Fachwelt schwer verdauliche Übersetzungen (8) veröffentlicht, die im Falle ihrer Authentizität unser gesamtes Bild der Vor- und Frühgeschichte revolutionieren würden.

Eine weltweit verbreitete Schrift?

Zahlreich sind die Hinweise, dass den Kulturen der Ägypter, Babylonier usw. eine bisher unbekannte Hochkultur vorausgegangen ist, die viele Spuren hinterlassen hat, wenn auch bis heute die “harten Fakten” fehlen, z.B. in der Form eindeutiger, das heißt allgemein anerkannter Fundstücke, oder gar der Ausgrabung einer wichtigen Stadt aus dieser verwehten Zeit. In der GralsWelt wurde mehrfach von dieser bislang noch hypothetischen Hochzivilisation berichtet, als mögliche Vorgängerin aller bekannten Hochkulturen.

Auch die Schriftzeichen von Glozel scheinen in diesem Zusammenhang mit Überraschungen aufzuwarten: Ihnen ähnliche oder gleiche Runen gibt es angeblich in Indien und auf der anderen Seite des Atlantik!

Folgt man Schildmann (8), so ergibt sich das fast unglaubliche Bild einer weltweit bekannten Sprache (Sanskrit) und Schrift, die vor Jahrtausenden z.B. im heutigen Indien, Frankreich, Portugal, Malta, den Kanaren, Nord- und Südamerika bekannt war. Demnach müsste es eine Weltkultur gegeben haben, die ähnlich weit verbreitet war wie heute die westliche Zivilisation, bis sie in vernichtenden Kataklysmen untergegangen ist, die in den von Schildmann übersetzten Schriften erwähnt sind!

Literatur:

(1) Biaggi, Christina: “Glozel, les Graveurs du Silence”, Editions BGC Toscane, Villars (F), 1994

(2) Földes-Papp: “Vom Felsbild zum Alphabet”, Gondrom, Bayreuth, 1975

(3) Habeck, Reinhard/Katzinger, Willibald: “Unsolved Mysteries”, Vienna Art Center, 2001 (mit Abbildungen von Fundstücken aus Glozel und Burrows Cave)

(4) Hitz, Hans-Rudolf: “Als man noch protokeltisch sprach”, Juris, Zürich, 1986         

(5) Meier, Gert/Zschweigert, Hermann: “Die Hochkultur der Megalithzeit”, Grabert, Tübingen, 1997 

(6) Schildmann, Kurt: “Als das Raumschiff ‘Athena’ die Erde kippte, Indus, Burrows-Cave und Glozel-Texte entziffert”, CTT, Suhl, 1999

(7) Schildmann, Kurt: “Die Entzifferung der Indusschrift”, EFODON, Wessobrunn, 1995

(8) http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/schildm/indus.pdf

(9) http://www.jesus1053.com/12-wahl/12-autoren/13-friedrich/Indus.html

(10) http://www.maltadiscovery.com/german/nachlass

 

[i] Die neolithische Revolution (Neolithikum = Jungsteinzeit) ist der Übergang zur Landwirtschaft, der  (nach den Lehrbüchern) in seinen Anfängen ca. 10.000 Jahre zurückliegt.

[ii] Die Form der Keilschrift ergab sich aus dem verwendeten Schreibmaterial: Die Schriftzeichen wurden mit einer Griffelspitze in Ton eingedrückt, die beschriebenen Tonplatten durch Hitze zu sehr haltbaren Keramikplatten.

[iii] Nach der üblichen Chronologie gab es etwa von 4.000 bis 1.700  v.Chr. im Industal (im “Pandschab” = “Fünfstromland” im heutigen Pakistan) eine Hochkultur (Industal- oder Harappa-Kultur), die (möglicherweise in einer Katastrophe) untergegangen ist.

Vergl.:http://www.religion.orf.at/projekt02/religionen/hindu/re_hi_c_entstehung-anfang.htm

[iv] Im Jahr 1982 fand der Amerikaner Russel Burrows in Illinois ein Höhlensystem, in dem angeblich viele rätselhafte Artifakte aus vorkolumbischer Zeit gefunden wurden. Viele dieser Fundstücke wurden unter der Hand verkauft, die Höhle geheim gehalten. Da eine wissenschaftliche Untersuchung des Fundortes noch nicht erfolgen konnte, gelten die Fundstücke in Fachkreisen als Fälschungen.

Vergl.: http://www.wovoca.com/controversies-burrows-cave.htm    http://www.prairieghost.com/burrows.html   http://www.flavinscorner.com/falling.htm