Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Vom Land der Morgenstille

(Veröffentlich in GralsWelt 9/98)

Der Edle liebt den inneren Wert,
Der Gemeine liebt das Irdische,
Der Edle liebt das Gesetz.
Der Gemeine sucht die Gunst.
KONFUZIUS

Korea, das „Land der Morgenstille”, wird von seinen Bewohnern oft mit Deutschland verglichen. Denn beide Länder, waren bzw. sind noch geteilt als Folge des Zweiten Weltkrieges. Diese Teilung des Landes ist für Koreaner um so bedrückender, als sie von sich sagen können, daß – zumindest im letzten Jahrtausend – von koreanischem Boden nie Kriege ausgegangen sind, sondern daß das kleine, zwischen übermächtigen Nachbarn eingezwängte Land nur immer wieder gezwungen war, sich gegen Angriffe von Außen zu verteidigen.

Wenn wir von Korea sprechen, so ist vor allem das Süd-Korea der Gegenwart gemeint, das offiziell „Republic of Korea” heißt. Vom kommunistischen Norden des Landes wissen wir kaum mehr, als daß er in die Fänge einer brutalen Diktatur geriet, die mit ihrem „Steinzeit-Kommunismus” die Wirtschaft des Landes ruiniert, die Menschen unterdrückt und mehr als 20 Millionen bedauernswerter Einwohner derzeit sogar einer Hungersnot ausliefert. Wie wir heute wissen, können fünf Jahrzehnte sozialistischer Diktatur in der Wirtschaft eines Landes wie in der Psyche der Menschen schlimmere Schäden hinterlassen als der Zweite Weltkrieg.
Der Süden Koreas, flächenmäßig etwas kleiner, aber bevölkerungsmäßig mit 45 Millionen gut doppelt so groß wie der Norden, war nach dem Korea-Krieg (1950 – 1953) ein weitgehend zerstörtes Land ohne eigene Rohstoffe, mit einer sehr arbeitsintensiven Landwirtschaft und wenig Industrie; er wurde zu den ärmsten Ländern der Welt gerechnet.
Heute ist das kleine, übervölkerte Süd-Korea das zehntgrößte Industrieland der Erde; es expandiert auf den Weltmärkten, und selbst im fernen Deutschland sind koreanische Fernseher und Video-Geräte im Supermarkt ebenso selbstverständlich wie koreanische Autos auf den Straßen. Grund genug, sich mit diesem asiatischen „Wirtschaftswunderland” zu beschäftigen.

KOREAS  KULTUR
Die koreanische Kultur war und ist von chinesischen Einflüssen geprägt, und noch heute verweisen Koreaner gerne darauf, daß die gehobene Kultur seinerzeit von China nach Korea und von dort erst nach Japan gelangt sei.
Das Denken vieler Koreaner – besonders der älteren Generation – ist noch von konfuzianischen Wertvorstellungen geprägt.
So spielt das Lebensalter im gesellschaftlichen Leben nach wie vor eine tragende Rolle, und man kann sich nur schwer vorstellen, daß ein junges Paar gegen den Willen der Eltern heiraten würde.
Verbreitete Religionen im abendländischen Sinn sind Christentum und Buddhismus.
Etwa 30 Prozent der Koreaner bezeichnen sich als Christen. Meist sind es verschiedenste protestantische Kirchen, nur etwa drei Prozent Katholiken.
Der Buddhismus überzeugt mit seinem alten Kulturerbe, zum Beispiel seinen reizvollen Tempeln, und wirkt meist unauffällig in der Stille. Sein Einfluß geht – ebenso wie der des Konfuzianismus – tiefer als in der Hektik des stark amerikanisch beeinflußten Alltagslebens bewußt wird.

Auch Überreste sehr alter schamanischer Bräuche haben sich erhalten, von denen ein Besucher meist wenig bemerkt: Wahrsagen, Geisteraustreibung, Orakel sind ebenso Bestandteile der Volkskultur, wie die traditionelle Medizin.
Hat eine Familie Unglück, so zieht man noch heute einen Geomanten zu Rate, der prüft, ob das Grab eines Ahnen falsch postiert ist. Gegebenenfalls muß der Vorfahr umgebettet werden, um die Unglückssträhne zu beenden.

SCHWIERIGE  VERGANGENHEIT
Bei der Betrachtung der koreanischen Geschichte finden wir noch eine Parallele zu Deutschland: Wir Deutschen verweisen gerne auf das Mittelalter mit seiner Hochblüte europäischer Kultur auf deutschem Boden; die Koreaner beginnen ihre Geschichtsbetrachtungen meist mit den „Drei Königreichen” (Schilla, Paekche, Koguryo), aus denen im 8. Jahrhundert das erste vereinte koreanische Königreich erstand.
Vom 4. Jahrhundert an gewann der aus China kommende Buddhismus an Einfluß, bis er zur Staatsreligion wurde. Erste große Kunstwerke – darunter noch heute erhaltene bzw. rekonstruierte bildschöne Tempel, Pagoden, Statuen – entstanden.
Doch auch die Ideen des Konfuzius fanden Eingang, und im 8. Jahrhundert wurde eine Staatsprüfung nach chinesischem Muster in Korea eingeführt.
Man spricht vom „Ersten Goldenen Zeitalter” koreanischer Kultur im Schilla-Königreich, das allerdings im Jahr 935 an seiner eigenen Schwäche zugrunde ging und vom „Koryo” Reich abgelöst wurde, das in einer Atmosphäre ständiger innerer und äußerer Bedrohung eine zweite Blüte koreanischer Kultur schuf. So entstand zum Beispiel die älteste, mit beweglichen Metall-Lettern gedruckte Schrift – das war im 12. Jahrhundert, also drei Jahrhunderte vor Gutenberg!
Im „Zweiten goldenen Zeitalter” des Koryo-Reiches verstanden sich Konfuzianer und Buddhisten nicht; es kam zu vielen Zwistigkeiten. Den Rest gaben dem zerstrittenen Koryo-Königreich die Mongolen, die im 13. Jahrhundert große Teile Koreas eroberten, ausplünderten und das Land tributpflichtig machten.
Als im 14. Jahrhundert die mongolische Macht schwächelte, konnte sich Korea von der mongolischen Oberhoheit befreien, die Verteidigung gegen die gut organisierten japanischen Seeräuber besser koordinieren und eine dringend nötige Landreform durchführen. Die religiösen Streitigkeiten wurden durch Anerkennung des Konfuzianismus als Staatsethik beendet.
In diese „Choson”-Zeit, die bis zur völligen Kolonisierung durch Japan im Jahre 1906 reicht, fällt das „Dritte Goldene Zeitalter” mit Kulturleistungen, auf die das kleine Land noch heute stolz ist:
· Die im Auftrag von König Sejong (Regierungszeit 1418 – 1450) entwickelte Schrift: Eine Buchstaben-Schrift, die nur in Korea geschrieben und gelesen wird. Angeblich ist sie sehr schnell zu erlernen und eignet sich bestens für die koreanische Sprache.
· Ins Jahr 1442 fällt die Erfindung des Regenmessers, der in Europa erst 2 Jahrhunderte später nacherfunden wurde.
· Eine Notenschrift für koreanische und chinesische Musik.
· Nicht zuletzt entstand Koreas Stolz, die berühmten „Schildkröten-Schiffe”. Es handelt sich um die ersten mit Eisen gepanzerten und mit Kanonen bestückten Schiffe, die mehr als 200 Jahre vor „Monitor” und „Merrimac” Korea retteten. (Anm.: „Monitor” (Nordstaaten) und „Merrimac” (Südstaaten) hießen die beiden Panzerschiffe, die einander im amerikanischen Bürgerkrieg 1862 das erste Gefecht zwischen zwei gepanzerten Kanonenbooten lieferten, das unentschieden endete.)
Darauf müssen wir näher eingehen: Im Jahre 1592 weigerte sich Korea, an der Seite Japans über China herzufallen; dafür wurde es von den Truppen des Schoguns Toyotomi Hideyoshi (1536-4598) überrannt und ausgeplündert. Vor allem Kunsthandwerker wurden aus dem weitgehend zerstörten Korea nach Japan verschleppt. Rettung brachten die „Turtle-Ships” des Admirals Yi Sunshin, die die japanischen Flotten schlugen und den Landtruppen den Nachschub abschnitten. So wurde das schon zum großen Teil von den Japanern besetzte Korea durch den „koreanischen Nelson” – der 1598 wie der weithin bekannte englische Admiral Lord Nelson (1758 – 1805) in einer Entscheidungsschlacht fiel – gerettet.
Dem zerstörten Land blieb nur wenig Zeit, zur Ruhe zu kommen. Schon 1636 wurde es in die Kämpfe zwischen Ming und Mandschu in China hineingezogen; es entschied sich für die Seite der Verlierer (die Ming) und mußte sich den Mandschu als Vasallenstaat unterwerfen.

KEINE  MACHT  DEN  „WESTBARBAREN”
Als das Reich der Mandschu im 18. Jahrhundert verfiel, gewann Korea nach und nach seine Selbständigkeit wieder; die Bevölkerung nahm zu und die wirtschaftliche Lage besserte sich.
Doch nun wollte das Königshaus nichts mehr von Ausland wissen, aus dem so viel Unheil gekommen war. Der Handel mit China und Japan durfte sich nur langsam entwickeln; Korea wurde zu einem der für Europäer am schwersten erreichbaren Plätze und mußte sich als „Hermit Kingdom” (Einsiedler-Königreich) verspotten lassen. Kontakte mit dem Westen blieben dementsprechend gering. Zwar strandete 1627 ein niederländisches Schiff in Korea, dessen Kapitän zum Berater des Königshofes ernannt wurde, doch weitere Westkontakte beschränkten sich auf Eindrücke, die am chinesischen Kaiserhof akkreditierte koreanische Gesandtschaften von den dort auftauchenden Europäern gewinnen konnten.
Als sich westliche Einflüsse von Korea nicht mehr völlig fernhalten ließen, reagierte das Königshaus panisch. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden einige hundert Katholiken füsiliert, die von einem aus China kommenden Priester bekehrt worden waren. In China wie in Korea waren sich die Regierenden einig, daß westliche Lehren den konfuzianischen Glauben untergraben und die soziale Ordnung gefährden. Nebenbei sah man in Europäern oder Amerikanern ein der asiatischen Kultur weit unterlegenes Untermenschentum verkörpert. Die Feindschaft gegen alles Fremde ging in Korea so weit, daß ein im Jahre 1866 auf Grund gelaufenes amerikanisches Schiff verbrannt und die Besatzung hingerichtet wurde.
Die verzweifelte Furcht vor dem Ausland richtete sich sogar gegen wohlmeinende Landsleute: Der Geograph Kim Chong-Ho mühte sich zwei Jahrzehnte lang aus eigener Initiative, eine brauchbare Landkarte von Korea zu erstellen. Als nach vielen, mühsamen Wanderungen durch alle Landesteile endlich 22 in Holz geschnittene Druckstempel vorlagen und die Karte gedruckt werden konnte, widmete er eines der ersten Exemplare der Regierung; sicher in der Erwartung, Anerkennung für seine einmalige Leistung und Unterstützung beim Druck zu finden. Doch der Regent ließ ihn (und das in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts!) wegen „Verrats von Staatsgeheimnissen an Ausländer” hinrichten und die Druckstöcke verbrennen.

KOREA  WIRD  KOLONIE
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bedrängten Russen und Japaner das noch in feudalen, konfuzianischen Strukturen lebende Korea. Dieses versuchte noch immer, sich von ausländischen Einflüssen, von europäischer Wissenschaft und Technik „rein” zu halten. Schließlich setzte sich Japan nach Kriegen gegen China und Rußland durch und machte Korea im Jahre 1906 zu seiner Kolonie. Es begann die Zeit der gewaltsamen Unterdrückung alles Koreanischen und der Versuch, japanische Sprache und Kultur mit Gewalt einzuführen. Das ging so weit, daß 1936 die ganze Welt an den Olympiasieg des „Japaners” Kitei-Son im Marathonlauf glaubte, der Kee Chung Son heißt und Koreaner ist. 1988 war er Schlußläufer der Staffel, die das olympische Feuer nach Seoul brachte.
Sicher hat Japan einiges für die Industrialisierung und den Ausbau der Infrastruktur in Korea getan; doch nicht der Koreaner wegen, sondern als Stützpunkt für das japanische Großmachtstreben. Bis heute prägt die Koreaner ein Trauma aus dieser Zeit: Einerseits bewundern sie die wirtschaftlichen Leistungen des ungeliebten Nachbarn als vorbildlich; andererseits sitzen die Demütigungen der Besatzungszeit noch sehr, sehr tief, und der geringste Anlaß genügt, die Emotionen hochkochen zu lassen.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges, die totale Niederlage Japans, brachte für Korea keine volle Befreiung; das Land wurde geteilt. Eine Teilung, die um so bitterer empfunden werden muß, als Korea – anders als Deutschland – keinerlei Kriegsschuld trägt und sich – wie so oft in seiner Geschichte – als Opfer fremder Interessen fühlt.
Doch damit nicht genug: Am frühen Morgen des 25. Juni 1950 fielen gut ausgerüstete nordkoreanische Truppen über den fast wehrlosen Süden her, um die Wiedervereinigung der beiden Koreas unter kommunistischer Herrschaft zu erzwingen. Einer der grausamsten Kriege dieses Jahrhunderts begann. Amerikanische Gefangene wurden von Nordkoreanern brutal niedergemetzelt und die Zivilbevölkerung fiel der befohlenen „Ausrottung des Klassenfeindes” zum Opfer. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte, wurde ermordet, sofern es ihm nicht gelang, sich zu verstecken oder als Partisan in die Wälder zu entkommen.
Daß Süd-Korea gerettet wurde, verdankt es einer UNO-Aktion, die zustande kam, als der sowjetische Gesandte wegen eines Streites um National-China den Sicherheitsrat verlassen hatte und kein Veto einlegen konnte.
Wir brauchen die schreckliche Geschichte des Korea-Krieges nicht weiter zu verfolgen; hier soll Verständnis geweckt werden für die bis heute in Korea spürbaren Ängste vor einem feindlich gesinnten Nachbarn, der sich noch vor einer Generation als Scheusal erwies.

AUFSTIEG  AUS  DEM  NICHTS
Nach dem Korea-Krieg konnte im Süden zunächst langsam, dann mit atemberaubendem Tempo das koreanische Wirtschaftswunder beginnen, das jeden beeindruckt, der das Land besucht und sich seiner Geschichte bewußt ist.
Heute begegnet uns im Süden Koreas ein fleißiges Volk, das seine Heimat sehr liebt und stolz ist auf seine Traditionen. Die Erhaltung ihrer als „einzigartig” bezeichneten Kultur ist den Koreanern wichtig. Dieses Bestreben nimmt nicht selten Züge an, die man bei uns als „rassistisch” abqualifizieren würde. So findet man zum Beispiel in Korea (wie auch in Japan) kaum Verständnis für eine Ehe mit einem Ausländer; denn Kinder aus einer solchen Verbindung gehen der eigenen Kultur leicht verloren.
Hier erweist sich, wie sehr Sprache und Schrift verbinden.
Korea wie Japan haben ihre eigene Sprache und ihre besondere Schrift, die nirgendwo sonst gebraucht wird. Das schafft Zusammengehörigkeitsgefühle, die ein Europäer oder Amerikaner nicht nachvollziehen kann. Selbst im riesigen China wirkt trotz verschiedener Sprachen die gemeinsame Wort-Schrift verbindend.
So schaffen die für Ausländer schwer erlernbaren ostasiatischen Sprachen und Schriftarten automatisch abgegrenzte Gruppen, die ihre Identität als notwendig empfinden und zur Abschottung gegen Ausländer neigen.
Der japanischen Wirtschaft geriet dieser – aus europäischer Sicht – „Rassismus” sogar zum Vorteil: Als der Wirtschaftsboom der 70er und 80er Jahre in Japan zum Mangel an Arbeitskräften führte, wollte und konnte die Industrie nicht auf Gastarbeiter zurückgreifen. So wurde sie frühzeitig zu Rationalisierungsmaßnahmen gezwungen, die sie – zumindest vorübergehend – an die Weltspitze führten, was Rationalisierungstechniken und den Einsatz von Industrie-Robotern betrifft: 1996 gab es weltweit 650.000 Industrie-Roboter, von denen 60 % in Japan installiert waren.
Inzwischen zwingen auch in Korea steigende Löhne (heute etwa auf dem Niveau von Portugal oder Irland, keineswegs mehr der Status eines Entwicklungslandes) zu Rationalisierungen, und lohnintensive Produkte werden längst in Billiglohnländer ausgelagert. Hohe Lohnkosten machen sich keineswegs nur in Deutschland bemerkbar! 

SÜD- UND NORDKOREA IM VERGLEICH
Bevölkerung (Millionen): Südkorea 45/ Nordkorea 20.
Brutto-Sozialprodukt in Milliarden US-$: Süd 484/ Nord  9,6.
Brutto-Sozialprodukt pro Kopf in US-$: Süd: 10.700 / Nord: 481.
Wirtschaftswachstum in %: Süd 7,1/ Nord  – 30
Rüstungsausgaben in % des Brutto-Sozialproduktes: Süd 3,1/ Nord 26

Die Zahlen über Nordkorea sind teilweise nicht sehr zuverlässige Schätzungen!
In Nordkorea nimmt das Brutto-Sozialprodukt seit sechs Jahren laufend ab; 1995 waren nur 30 % der Fabriken in Betrieb.
Der Außenhandel Südkoreas war 1995 126 mal so hoch wie der Nordkoreas, seitdem dürften sich die Zahlen für Nordkorea verschlechtert haben.
Allerdings besitzt die streng kommunistische Diktatur Nordkoreas biologische und chemische Waffen sowie die Möglichkeit, Kernwaffen herzustellen.
Der Export Nordkoreas besteht fast nur aus Waffen, darunter MIG-Kampfflugzeuge und Raketen.

 
Die drastische Abwertung des Won Anfang 1998 brachte bisher keine spürbare Entspannung, da eine Finanzkrise die Wirtschaft lähmt. Ursache sind Korruption und Verfilzung zwischen Regierung, Banken und den großen Konzernen (Cheabols genannt), die leichtfertig investierten. Die Bevölkerung ist tief enttäuscht bis wütend über den Rückschlag, der schon zu Massenentlassungen führte. Andererseits bewährten sich in dieser Krise die „konfuzianischen Tugenden”, als die Bürger Koreas im Januar 1998 165 Tonnen Gold spendeten, um ihr Land vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.
Bei aller Enttäuschung über das Versagen der Verantwortlichen, die Koreaner bleiben ein fleißiges und tatkräftiges Volk, das versuchen wird, die Rückschläge in einer Exportoffensive aufzufangen. Es kann die gegenwärtige Verunsicherung überwinden, wieder mit Mut in die Zukunft blicken, und wird weiter an die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung seiner einzigartigen Kultur glauben.
Als größtes ungelöstes Problem bleibt die Wiedervereinigung der beiden Koreas, vor der man sich im Süden fürchtet: Die Erfahrungen mit der deutschen Einheit sind höchst ernüchternd.
Nordkorea ist in einem weit schlechteren Zustand als es die DDR je war; der Süden ist nicht so leistungsfähig wie die westdeutsche Wirtschaft. Wenn wir in Deutschland schon Probleme mit der Eingliederung von 17 Millionen Bürgern aus den neuen Bundesländern haben (bei einer Population der alten Bundesländer von 65 Millionen), wie sollen 45 Millionen Südkoreaner den Aufbau eines flächenmäßig größeren Landes mit einer Population von mehr als 20 Millionen schaffen?
Hilfreiche Ratschläge sind gesucht!
Doch noch ist es nicht so weit. Ob und wann es zur Vereinigung der beiden Koreas kommt, läßt sich nicht sagen; vermutlich wird viel von der chinesischen Führung abhängen, die Nordkorea halten, aber auch fallen lassen kann.
Bis dahin wird man im Süden Koreas fleißig weiter arbeiten, die Wirtschaft verbessern, in der Politik Fortschritte machen, und die bei einem so schnellen Aufbau unvermeidlichen Verwerfungen in der Sozial- und Umweltpolitik zu mildern suchen.
Wünschen wir den heute Ausländern gegenüber freundlichen und hilfsbereiten Koreanern und ihrem landschaftlich reizvollen, exotischen Land alles Gute!