Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Japan II: Japans Weg in die Moderne

(Veröffentlicht in Gralswelt 16/2000, Seite 63 f.)

Das „Land der aufgehenden Sonne” machte in der beginnenden Neuzeit einschneidende Entwicklungen durch. Der Kontakt mit Europas christlichen Missionaren, welche der Kolonisierung voranschritten, führte in Japan zum Verbot des Christenrums. Fortan spielten nur noch der Buddhismus und der Konfuzianismus eine bedeutende Rolle.

Die Zeit vom 12. bis ins 16. Jahrhundert war im feudalen Japan eine Epoche der Kriege. Der Kaiser (Tenno) verlor an Autorität und Macht, bis er zuletzt, nur noch aus Tradition respektiert, die Politik kaum mehr beeinflussen konnte. An seiner Stelle herrschte ein Shogun (eine Art Militärgouverneur). Die separatistischen Tendenzen wuchsen, und Unruhen, Aufruhr, lokale Kriege erschütterten das Land. Der Kriegeradel ignorierte machtlose Shogune und hilflose Kaiser, und die verschiedenen militanten Sippen teilten das Land unter sich auf. Im frühen 16. Jahrhundert gab es in Japan etwa 250 Domänen, deren Herrscher sich gegenseitig anfeindeten.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelang es dann einem der Provinzfürsten, mit taktischem Genius, seine Macht auszuweiten und nach einer Kette brillanter Siege fast das ganze Land zu unterwerfen (Oda Nobunaga, 1534-1582). Nach seiner Ermordung führte sein Feldherr Toyotomi Hideyoshi (1536-1598) die Eroberungen fort. Nach Hideyoshis Tod kam es zu den üblichen Machtkämpfen, aus denen Tokugawa Ieyasu (1542-1616) siegreich hervorging. Der Tradition entsprechend, konnten nur Abkömmlinge der Familie Minomato zum Shogun berufen werden; für Tokugawa war es kein Problem, den erforderlichen Stammbaum nachzuweisen und sich 1603 vom Kaiser zum Shogun ernennen zu lassen. Es gelang seinem Geschlecht, diesen Titel über 15 Generationen bis 1867 zu vererben und das Land zu beherrschen. Der Regierungssitz der Tokugawa-Shogune war die Stadt Edo (heute Tokyo), und die Epoche ihrer Regierung wird Edo-Zeit (1600-1867) genannt. Diese zweieinhalb Jahrhunderte schenkten Japan eine einigermaßen friedliche und stabile Entwicklung; verbunden allerdings mit Abschottung nach außen und Mangel an persönlicher Freiheit der Bürger.

Folgenschwere „Missionsarbeit”

Die Seefahrer des 16. Jahrhunderts kamen bis Japan. Im Jahre 1543 landeten Portugiesen, vom Sturm verschlagen, auf der Insel Tanegashima, wo man sie freundlich empfing. Besonders Interesse erregten ihre Musketen, von denen sie einige an die Verwalter der Insel verkauften. Japanische Handwerker begannen sofort die Feuerwaffen nachzubauen, und schon wenige Jahre später fanden diese in lokalen Gefechten ihre erste Bewährungsprobe. Bei den Kämpfen für die Einigung Japans gegen Endes des 16. Jahrhunderts spielten dann Feuerwaffen schon eine tragende Rolle. Bereits Oda Nabunaga (1534-1582) rüstete seine Fußsoldaten mit Musketen aus, und die Schlacht bei Sekinghara (1600), die Tokugawa Ieyasu (1542-1616) den Weg zum Shogunat frei machte, wurde durch Pulver und Blei entschieden.

Nachdem die ersten Seefahrer Japan entdeckt hatten, landeten ab 1545 weitere Reisende, um Handelsbeziehungen anzuknüpfen und zu missionieren. 1549 kam Franz Xaver (1506-1552), ein Mitbegründer des Jesuitenordens, nach Japan. Er lehrte hier zwei Jahre und gründete in Yamaguchi die erste katholische Gemeinde. Weitere Missionare folgten. Die Japaner, am Handel mit Europa interessiert, standen dem Christentum aufgeschlossen gegenüber, und es schien möglich, sie für das Evangelium zu gewinnen.

Dann folgten den Portugiesen 1584 die Spanier, und die Europäer selbst verhinderten die erhoffte Ausbreitung des Christentums: 1494 hatte Papst Alexander VI. die „Neue Welt” zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Eine Linie, etwa entlang dem 46. Grad westlicher Länge, trennte die Einflusssphären der beiden großen Entdeckernationen: Die Länder im Westen dieses Meridians sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen; so wurde zum Beispiel Brasilien portugiesisch. In einem weiteren Vertrag von Saragossa einigte man sich 1529 auf einen entsprechenden Längengrad im Pazifik (etwa bei 135 Grad östlicher Länge), der durch Japan ging. Nun überschnitten sich die Interessengebiete der Portugiesen und der Spanier, beide von den Japanern „südliche Barbaren” genannt. Mit den Iberern kamen Mönchsorden (Jesuiten, Franziskaner, Dominikaner), die untereinander zerstritten waren. Protestantische Niederländer und Engländer (von den Japanern „Rothaarige” genannt) folgten. Diese verschiedenen Gruppen trugen ihre europäischen Fehden nach Japan.

Im Jahre 1600 strandete ein holländisches Schiff vor der japanischen Küste, dessen englischer Steuermann zum Berater Tokugawa Ieyasus wurde (erinnern Sie sich an die Fernseh-Serie „Shogun”?). Nun erfuhren die Japaner von den Hintergründen der europäischen Streitigkeiten und waren über die Aufteilung der Erde durch den Papst empört.

Die anfangs guten Beziehungen zu den Ausländern (zunächst nur Portugiesen) verschlechterten sich. Hideyoshi hatte schon 1587 das Christentum verboten. Zehn Jahre später schuf er die ersten Märtyrer auf japanischem Boden, indem er 20 Japaner und 6 Franziskaner hinrichten ließ. Das Verbot des Christentums wurde 1614 bekräftigt und alle Missionare des Landes verwiesen; denn inzwischen hatten die Japaner von den Niederländern erfahren, dass die Mission der Katholiken eine Vorstufe zur Kolonialisierung bildet.

Die Abschaffung des Christentums stieß auf Widerstand, der 1637 in einem bewaffneten Aufstand japanischer Christen auf Kyushu seinen Höhepunkt fand. 30.000 Christen verteidigten vier Monate lang erbittert die Burg Hara gegen die Armee des Shoguns, bis die Burg erobert und die Verteidiger getötet wurden. Von da an gab es nur noch einzelne „heimliche” Christen.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurden alle Ausländer aus Japan ausgewiesen. Gegen Christen wurde streng vorgegangen, und fast alle Häfen wurden für Europäer geschlossen. Nur die Niederländer, die lediglich Handel getrieben hatten, ohne zu missionieren, wurden weiterhin als Handelspartner geduldet. Während der folgenden zwei Jahrhunderte waren sie die einzigen Vermittler zwischen Europa und Japan. Den Japanern selbst waren Auslandsreisen bei Todesstrafe verboten. Das ostasiatische Land schottete sich ab, und der Außenhandel kam fast zum Erliegen.

Der Konfuzianismus in Japan

Der vielleicht entscheidende Einfluss des Konfuzianismus ist auf dem so wesentlichen Gebiet der Wahrheitssuche. Liebe zum Lernen steht bei ihm höher als Liebe zur Wahrheit. Wehrhaftigkeit, wohlgemerkt, schätzt man als menschliche Tugend sehr und empfiehlt sie, aber sie bildet ja nur die Voraussetzung zu einer tiefen und grundsätzlichen Liebe zur Wahrheit. Sie tritt vielfach in Verbindung mit dem Optimismus auf, Wahrheit könne wirklich gefunden werden. Konfuzius machte den Osten und damit die Japaner zu einem Teil der Erde, in dem die Anstrengung als solche zählt, das Lernen also überaus geschätzt wird.

Obwohl der Osten als kontemplativ gilt, scheint die Wissbegierde des Konfuzius mehr nach außen gericht als auf die intensive Erfassung der Wahrheit in ihm selbst…

Er gab den wesentlichen Denkanstoß in die Richtung emsiger Vielwisserei, die bis heute die Gebildeten Japans von denen des Westens unterscheidet, die durch das Studium der klassischen Sprachen Klarheit der Gedankengänge, Erarbeitung letzter Prinzipien und feste Überzeugungen breit gestreutem, aber nicht zur Überzeugung gewordenen Wissen vorzogen. Der antimetaphysische Ansatz im Buddhismus wird im Konfuzianismus durch die im Grunde agnostische oder skeptische Flucht in die nie endende Anstrengung ergänzt.

Zitat aus Helmut Erlinghagen „Japan”, dtv, München 1976

Das feudale Japan

Die Kontakte zu Europäern, vom 16. Jahrhundert an, brachten manche Neuerungen nach Japan (Feuerwaffen, Spielkarten, Tabak, neue Speisen wie Brot, Kuchen, Konfekt, Pfeffer und weitere Gewürze usw.). Nach der gewaltsamen Einigung des Landes an der Wende von 16. zum 17. Jahrhundert folgte dann eine strikte Diktatur, die weitere Aufstände und den Zerfall des gerade erst geeinten Reiches unmöglich machen sollte. Japan wurde ein autoritärer und zentralistischer Zentralstaat, der unter anderem westliche Einflüsse und das Christentum als Gefahr für seine Regierungsform erkannte.

Der Kaiserhof existierte weiter. Er umfasste den Kaiser, seine Gemahlinnen und Kinder, sowie die Hofaristokratie; insgesamt etwa 140 Familien, die um den heiligen Bezirk im Kaiserpalast zu Kyoto herum angesiedelt waren. Seit dem 14. Jahrhundert konnte der Tenno keinen politischen Einfluss mehr ausüben; er war nur noch ein Legitimitätssymbol zur Ernennung der Shogune. Doch auf typisch japanische Weise wurde die traditionelle Autorität des Kaisers anerkannt, und die eigentlich überflüssige Institution bestand weiter – mit der zunächst unwahrscheinlichen Aussicht, dereinst wieder an Einfluss zu gewinnen. Nachdem Nobunaga und Hideyoshi die politische und militärische Macht der buddhistischen Orden endgültig gebrochen hatten, erhielten die Tempel neue Aufgaben im Dienste der staatlichen Verwaltung.

So musste sich zum Beispiel die Bevölkerung bei ihrem lokalen Tempel registrieren lassen und bei der Einschreibung erklären, dass sie keine Christen wären. Daher ging es den buddhistischen Klöstern gut. Das Christentum als Konkurrent war weggefallen, so dass der Zwang zu Reformen fehlte und der buddhistische Klerus verweichlichte. So verlor diese Religion viel von ihrer Popularität und musste sich Weltabgewandtheit und Aberglauben vorwerfen lassen.

Die Schwäche des Buddhismus half dem Shinto und vor allem dem Konfuzianismus. Etwa seit dem 17. Jahrhundert konnte sich der Konfuzianismus zur führenden Ethik in Japan entwickeln, die auch bei der politischen Wende im 19. Jahrhundert die wichtige Rolle eines geistigen Fundamentes spielte. Bis heute prägen die Lehren des Konfuzius das gesellschaftliche Leben Japans auf subtile Weise.

Große Kriege gab es nach dem 17. Jahrhundert keine mehr. Im Inneren hielt die Zentralgewalt das Land zusammen, und nach außen waren die missglückten Versuche Hideyoshis, Korea zu erobern (1592) und in China einzufallen (1597), die für fast drei Jahrhunderte letzten außenpolitischen Abenteuer.

Die Wirtschaft entwickelte sich, und es entstanden reiche Handelshäuser, deren Namen (wie zum Beispiel Mitsui) teilweise noch heute als Tsaibatsus (=Konzerne japanischer Prägung) den Wirtschaftszeitungen Schlagzeilen liefern. Der Wettbewerb in Japan war hart und bester Kundendienst gefordert. Manche Japan-Kenner sind der Ansicht, dass diese Zeit die japanische Bereitschaft erzwang, alles Erdenkliche für die Zufriedenheit der Kundschaft zu tun.

Leider gab es noch immer Nahrungsmittelknappheit und Hungersnöte. Aus der Edo-Zeit (1600-1867) werden 35 Hungernsnöte berichtet. An schlimmsten waren: Die Kyoho-Hungersnot von 1732/33, verursacht durch Heuschrecken, die fast die gesamte Ernte fraßen; die Tenmei-Hungersnot (1783-1787), ausgelöst durch Unwetter, Kälte und Überschwemmungen; die Hungerkatastrophe von 1833-36, die vor allem die Nordprovinzen heimsuchte. Diese Katastrophen kosteten Hunderttausenden von Menschen das Leben, und im 18. Jahrhundert soll die Bevölkerung deutlich zurückgegangen sein. Die Schätzungen schwanken; im extremsten Fall wird angegeben, dass die japanische Bevölkerung um 1720 30 Millionen betragen haben soll, im 19. Jahrhundert dagegen nur noch zwischen 7 und 19 Millionen.

Trotz dieser Einbrüche florierte die japanische Kultur. Malerei, Dichtung, Theater, Musik und Tanz blühten auf, und es entwickelte sich die später von Europäern so sehr bewunderte japanische Kunst. Auch die Volksbildung nahm zu, und am Ende des 19. Jahrhunderts konnten 43% der Männer und 10% der Frauen lesen. Fundamente für eine Ausbildung der Massen waren gelegt.

Bauernelend

In den verschiedenen japanischen Provinzen bestanden zwischen 80 und 90% der Bevölkerung aus Bauern; sie verkörperten bis ins 19. oder gar 20. Jahrhundert den typischen Japaner. Für die Steuern wurden die Bauern fast ganz alleine herangezogen. Meist zahlten sie in Form von Reis, der wichtigsten Nahrungspflanze. Die Bauern selbst konnten sich den wertvollen Reis nur ausnahmsweise leisten und mussten sich mit billigerem Getreide wie Weizen, Gerste oder Hirse begnügen. Der Jahresablauf des bäuerlichen Lebens richtete sich nach den Erfordernissen des Reisanbaues und der Reisernte. Die Arbeit war schwer und die Steuerlast drückend. Die Tradition empfahl, von der Ernte „vier Teile dem Fürsten und sechs Teile dem Volk”, aber oft genug verlangte der Herr 50% oder gar 70% des Ertrages. Dazu gab es noch eine Fülle anderer Steuern wie: Feldsteuer, Steuer auf Türen und Fenster, eine Steuer auf Töchter, eine Steuer auf Nussbäume usw. usf. Korrupte Beamte überwachten die Eintreibung und legten die Höhe der Steuern oft fast nach Belieben fest.

Kein Wunder, dass es in jedem Jahrhundert Bauernaufstände gab, die blutig niedergeschlagen wurden. Um derartige Erhebungen künftig unmöglich zu machen, ließ Hideyoshi 1588 die Bauern entwaffnen und verbot ihnen, das Land zu verlassen. Trotzdem gab es weiterhin Bauernproteste (aus der Edo-Zeit sind 3.000 Bauernaufstände bekannt), die in wenigen Fällen den Bauern sogar geringe Erleichterungen brachten. Die Anführer die aufständischen Bauern wurden allerdings grundsätzlich hingerichtet. –

Als die ersten Portugiesen in Japan anlegten, war dieses Inselreich keineswegs ein zurückgebliebenes Land. Handwerk und Landwirtschaft standen Europa nur wenig nach, und die schnelle Übernahme der Feuerwaffen bewies das Geschick der Asiaten, ihnen fremde Techniken zu verstehen. Dann schloss Japan seine Außengrenzen. Chinesen, Koreaner und Japaner glaubten ihrem Land am besten zu dienen, indem sie das Eindringen europäischer Ideen abblockten. In Korea wie in Japan dominierte der intellektuelle Einfluss der chinesischen Kultur, und in diesen drei Ländern Ostasiens war man der Überzeugung, dass das Eindringen europäischer Unsitten die konfuzianische Gesellschaftsstruktur untergrabe und den Staat gefährde.

Diese Ansicht begann sich in Japan erst im späten 18. Jahrhundert zaghaft zu ändern. Einmal durch Rückbesinnung auf die eigene Geschichte: Es gab ja Perioden, in denen (zum Beispiel im 16. Jahrhundert) Japan den Europäern gegenüber offen war. Zum anderen durch die Hinwendung zur europäischen Wissenschaft. Einige japanische Gelehrte bekamen von niederländischen Händlern Informationen über Entwicklungen in Europa. Nun begannen sich diese Wissenschaftler nach europäischen Vorbildern mit den Naturwissenschaften und der Medizin zu beschäftigen. Bald erkannten sie die Überlegenheit der westlichen Naturwissenschaften über die traditionellen asiatischen Lehren. Allerdings gerieten durch diese Einsichten die japanischen Wissenschaftler in eine Außenseiterrolle und konnten mir ihren revolutionären Gedanken vorerst nicht durchdringen.

Japonismus

Mit der Öffnung japanischer Häfen und dem Wachsen der Ausländer-Kolonien kamen nach 1854 immer mehr Amerikaner und Europäer nach Japan und lernten japanische Kunst und Kultur kennen. Reporter, Reiseschriftsteller und Fotografen veröffentlichten ihre Eindrücke in den Heimatländern. Das Interesse für japanische Kunst wurde in Europa angeregt durch eine Londoner Ausstellung im Jahre 1862, die Holzschnitte und Bücher aus der Sammlung Sir Rutherford Alcock zeigte. 1867 folgte eine Ausstellung in Paris, die auch japanisches Kunsthandwerk einschloss und 100 „ukiyoe” (Holzschnitte, Blockholzdrucke) von Hiroshige und anderen vorstellte. Vor allem diese „ukiyoe” fanden die besondere Aufmerksamkeit von Künstlern und Intellektuellen. Ihre Lebendigkeit in Zeichnung und Farbgebung, die übertriebene Perspektive, die ungewohnte Bildkomposition und die Fülle der Alltagsszenen übten große Anziehungskraft aus.

Nach Collcutt, M./Jansen, M./Kamakura, I.: „Japan”, Christian Verlag, München 1989

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet das Shogunat unter zunehmenden Druck. Innere Reformen waren ausgeblieben, und von außen wurde die Öffnung der japanischen Häfen verlangt. Russland zum Beispiel forderte 1778 und 1802 Handelsniederlassungen auf Hokkaido und 1804 in Nagasaki. Die Antwort der japanischen Regierung war 1825 die Vertreibung aller ausländischen Schiffe, wodurch sich der Druck aus Europa und Amerika nur noch erhöhen musste.

Die Niederlage Chinas im Opiumkrieg (1840-42) war für die japanische Führung ein schwerer Schock. Es war nun abzusehen, dass sich Japan nicht für alle Zeit westlichen Einflüssen verschließen könne. Einige der Feudalherren begannen sogar, westliche Technologien einzuführen. Doch der Kaiserhof wie das Shogunat fürchteten sich vor den zu erwartenden Umwälzungen und wollten das Unvermeidliche hinauszögern. –

Im Jahre 1848 hatten die USA – lange vom Pazifik abgeschnitten – Kalifornien erworben, und ihr Interesse an Japan nahm zu; denn Nagasaki wurde als Zwischenstation für den Seeweg von San Francisco nach Shanghai gebraucht. So erschien im Juli 1853 eine Flotte von Dampfschiffen unter Leitung des Admirals Perry vor Uraga und zwang das Shogunat, einen Brief an den Kaiser entgegenzunehmen. In einem Jahr wollte die amerikanische Flotte wiederkommen und die Antwort erfahren. Den Japanern blieb keine andere Wahl: Sie mussten ihre Häfen öffnen und Amerikaner und Europäer ins Land lassen…

Für Japan begann eine turbulente Zeit innenpolitischer Machtkämpfe, die bis zum Bürgerkrieg gingen. Verschärft wurde die Situation noch durch Missernten (1866-69) und eine Inflation. Schließlich besann man sich in Japan auf die alten Traditionen: Das Tokugawa-Shogunat wurde nach 267 Jahren beendet. Der Tenno erhielt einen großen Teil seiner einstigen Macht zurück, und das Kaiserreich erhielt 1889 eine Verfassung, welche die Alleinherrschaft des „göttlichen Kaisers” legalisierte.

Mit einem Kraftakt ohnegleichen schaffte Japan in atemberaubender Geschwindigkeit den Sprung von einem Feudalstaat mittelalterlicher Prägung zu einer modernen Industrienation. Dass dieser Neuankömmling auf dem internationalen Parkett seinen Part in Konzert der Großmächte mitspielen wollte und konnte, sollten sich nur allzu bald zeigen. Japan wurde zum Vorbild für alle farbigen Rassen, denn es bewies, dass Asiaten (und vermutlich alle anderen Völker) zu den gleichen (oder vielleicht sogar größeren) Leistungen fähig sind wie die oft beneideten, in vielen Teilen der Welt aber auch verhassten Europäer und Amerikaner. So trugen die Japaner ungewollt zum Ende des Kolonialismus bei und stellten den im 19. Jahrhundert unangefochtenen Führungsanspruch der Europäer und Amerikaner in Frage.