Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Weltbevölkerungstag am 11. 7. 2006

Am 11. Juli ist wie in jedem Jahr wieder der „UNO-Weltbevölkerungstag“.*)

Dazu gibt es regelmäßig Kommentare und politische Reden, die sich meist darin gleichen, dass sie der eigentlichen Problematik ausweichen: Denn neben Umweltzerstörung und Klimawandel ist die Übervölkerung die vielleicht gefährlichste Bedrohung der Menschheit. Für Umweltzerstörung und Klimakatastrophe ist vor allem der zu hohe Energie- und Rohstoffverbrauch verantwortlich, der wiederum mit einer steigenden Bevölkerungszahl wächst. Da bisher noch niemand einen Weg gefunden hat, diesem Problem zu steuern, weicht man meist aus und versucht sich mit optimistischen Zukunftserwartungen zu trösten.

Wie sehen die Fakten aus?

  • Die Weltbevölkerung beträgt derzeit ca. 6,3 Milliarden Menschen und wächst weiter.
  • Das Wachstum hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar verlangsamt, doch auf hohem Niveau. Derzeit wird die jährliche Bevölkerungszunahme auf 1,14 % bis 1,9 % geschätzt. Bleiben wir an der unteren Grenze, dann würde die Weltbevölkerung um 72 Millionen Menschen pro Jahr (6 Millionen pro Monat oder 200.000 pro Tag) zunehmen; etwa 95 % dieses Wachstums findet in Entwicklungsländern statt.
  • Alle diese Menschen benötigen Trinkwasser, Nahrung, Kleidung, Wohnung, Heizung, Verkehrswege, Schulen, Krankenhäuser, Arbeitsplätze usw.
  • Nach den Schätzungen der UNO könnte sich die Weltbevölkerung bis 2050 zwischen 7 und 11 Milliarden einpendeln.
  • Wie groß ist nun Tragfähigkeit der Erde? Hier gehen die Schätzungen weit auseinander und schwanken zwischen einer Milliarde und 1.000 Milliarden Menschen (1), so dass sich jeder einen ihm genehmen Wert aussuchen kann! Ein gerne genannter mittlerer Bereich liegt zwischen 7,7 und 12 Milliarden, und er würde mit der oben genannten UNO-Schätzung harmonieren. Allerdings gibt es auch Ökologen, die vor zu optimistischen Annahmen warnen, schon die heutige Population für zu hoch halten, und z. B. folgende Daten angeben:

Lebensstandard                                                Maximale Tragfähigkeit:

Wie in der Dritten Welt                                               4,5 Milliarden

Wie in Europa:                                                            2,2 Milliarden

Wie in den USA                                                           1,1 Milliarden             (2)

Mit dieser umstrittenen Schätzung werden wir auf ein oft verdrängtes Problem aufmerksam: Die Tragfähigkeit der Erde hängt nicht zuletzt von den materiellen Ansprüchen der Menschen ab! Es wird Zeit darüber nachzudenken, wie wir uns eine gerechte Verteilung der zu erwirtschaftenden Güter vorstellen, um allen Bewohnern dieser Erde ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen!

Bei weiter steigender Bevölkerung werden wir auch lieb gewordene Gewohnheiten hinterfragen müssen, die zu viele Ressourcen in Anspruch nehmen: Energieverbrauch in der Industrie und im privaten Haushalt (Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung), Individualverkehr, Flugreisen, vermeidbare Transporte, Fleischnahrung, alkoholische Getränke usw.

In der Gralswelt haben wir uns verschiedentlich mit diesem Weltproblem befasst, von dessen Lösung (oder Nicht-Lösung) die Zukunft unseres Planeten abhängt. (Vgl. GW 43/2007 „Wie viel Mensch verträgt die Erde“, GW 43/2007 „Warum wir in die Bevölkerungsfalle stolpern“, GW Sonderheft 18/2006 „Aus dem Kreislauf geraten“.)

*) Am 11. Juli 1987 überschritt die Weltbevölkerung nach UN-Berechnungen die Zahl von 5 Milliatrden.

Literatur:

(1) Gleich Michael u.a., Life Counts, Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin, 2002.

(2) http://www.ecopo.ch/A2BULLETINS/bulletins1999.html