Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Ein Reformator in turbulentert Zeit

Zum 600. Todestag von Jan Hus

„Ich schäme mich nicht, mich verdammen und verbrennen zu lassen, das ist vor den Menschen keine größere Schande als Widerruf.“ – Mit diesen Worten ging der tschechische Reformator Jan Hus vor 600 Jahren für seine Überzeugung in den Tod. Doch seine weitreichende Wirkung wurde damit nur noch verstärkt …

Schismen, Schwarzer Tod und Häresie

Das Spätmittelalter, also die Zeit von 1300 bis 1517, war eine Epoche der Unsicherheit und der Krisen. Schismen (Kirchenspaltungen) und Zerwürfnisse hat es in den christlichen Kirchen viele gegeben; schon bei den frühen Christen, wie man in der Bibel im ersten Brief an die Korinther nachlesen kann. Dann die Spaltung, die das Große („Orientalische“) Schisma genannt wird: die Trennung der einen Kirche in die zwei Kirchen von Westrom und Ostrom. Im Spätmittelalter folgte noch eine der größten Krisen der katholischen Kirche seit ihrem Bestehen: das Abendländische Schisma der Jahre 1378 bis 1417. Unter dem politischen Druck der Fürsten konnten sich die Kardinäle bei der Papstwahl nicht einigen. Gespalten in zwei Gruppen wählten sie zwei Päpste – einen in Avignon und einen in Rom –, die dann je etwa die Hälfte der katholischen Christenheit regierten. Ein 1409 nach Pisa einberufenes Konzil setzte beide Päpste ab und wählte einen neuen Papst. Da keiner der amtierenden Päpste seine Absetzung akzeptierte, gab es nun drei Päpste! Aus der „verruchten Dualität“ der Päpste war eine „von allen verfluchte Dreiheit“ geworden.

Die Große Pest der Jahre 1347–1352 führte zu einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe mit weitreichenden Folgen. Im Jahr 1348 gab es zu allem Übel noch eine Erdbebenkatastrophe in Kärnten. Es kam zu Adelsaufständen und Bauernrevolten. Fast überall in Europa war fortwährend Krieg: Kriege der Päpste und der Könige, Bürgerkriege, Fehden der Ritter, Raubzüge von Räuberbanden.

Die Uneinigkeit der Kirchenführung war nur ein Ausdruck der Zerstrittenheit der europäischen Nationen, in denen sich das nationalstaatliche Bewusstsein heranbildete. Die spirituelle Einheit durch eine gemeinsame Religion verlor an Bedeutung.

Durch diese Missstände wurde das Auftreten von Kirchenkritikern, Reformatoren, Ketzern oder Häretikern geradezu provoziert. Die wichtigsten Reformatoren waren gelehrte Theologen: John Wyclif (um 1325–1384) in England, Jan Hus (um 1370–1415) in Tschechien, Martin Luther (1483–1546) in Deutschland, Ulrich Zwingli (1484–1531) in Zürich, Jean Calvin (1509–1564) in Genf, John Knox (1514–1572) in Schottland. Sie stellten die Autorität der katholischen Kirche in Frage. Zuletzt waren die Abspaltungen anglikanischer, lutherischer und sonstiger „protestantischer“ Gemeinden nicht mehr aufzuhalten; nicht einmal mit Mord und Krieg.

Einer dieser Reformatoren, Jan (oder Johannes) Hus, hat am 6. Juli 2015 seinen 600. Todestag; ein Anlass, sich mit ihm und seinen Zielen zu beschäftigen.

Ein gefährlich aufgeschlossener Student

Jan Hus lebte und wirkte während der Zeit der größten Erniedrigung der katholischen Kirche. Er wurde kurz vor dem Beginn des abendländischen Schismas in Husinec (Hussinetz, Bezirk Prachatice, Tschechien) geboren und erlebte dessen Ende im Jahre 1417 nicht mehr. Was wussten die Menschen in Böhmen von dem Schisma? Die meisten werden kaum die Namen der zehn Päpste und Gegenpäpste gekannt haben, die regierten oder den Anspruch erhoben zu regieren. Aber die Spaltung der Kirche rührte doch alle an: Kirchen, Klöster, Städte, Regierungen. Mit Bann und Interdikt (Einstellung kirchlicher Handlungen als Strafe für Vergehen gegen das Kirchenrecht) wurden nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Städte in ihrem Wirtschaftsleben bedroht. Dann gab es radikale religiöse Gemeinschaften wie die „Grubenheimer“. Diese lebten in Erdgruben, predigten Armut, verwarfen das Priestertum der Geweihten sowie die kirchliche Hierarchie und lehnten jegliche Tötung ab. Sie wurden dafür verdammt, verfolgt, verbrannt.

Wir wissen nicht, inwieweit der junge Jan Hus von solchen Strömungen tangiert wurde. Der begabte Junge konnte auf die Lateinschule gehen, sich dann als armer Student im „Goldenen Prag“ emporarbeiten. Böhmen war damals das einzige Königreich im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“. In der Kaiserstadt Prag residierten zeitweise der Deutsche König bzw. Römische Kaiser und der König von Böhmen.

Um die Jahrhundertwende erhielt Hus die Priesterweihe, wurde Hochschullehrer und Prediger. Nach seinen eigenen Worten war er kein Student, der undifferenziert alles übernahm: „Von den frühesten Anfängen meiner Studien an habe ich mir zur Regel gemacht: Wenn ich eine gesündere, bessere Ansicht in irgendeiner Frage unterscheiden kann, ganz gleich worüber, so gebe ich fröhlich und demütig die frühere auf. Denn ich weiß, die Dinge, die ich gelernt habe, sind das wenigste im Vergleich zu dem, was ich nicht weiß.“ (3, S. 142). Keine ungefährliche Überzeugung in einer Zeit der Orthodoxie, die mit Hilfe der staatlichen Macht alle Abweichler erbittert bekämpfte.

Unliebsamer Volksprediger und Sprachförderer

Vom Jahr 1402 an predigte Jan Hus in tschechischer Sprache in der Bethlehemkapelle der Prager Altstadt. Beliebt waren damals Predigten gegen Luxus, Modetorheiten, Pomp, Völlerei. Hus wetterte auch gegen den hohen Klerus mit seinem Leben in Reichtum und gegen die niederen Kleriker, die nach einträglichen Pfründen strebten und für jede geistliche Handlung rücksichtslos Gebühren eintrieben. Damit bewegte er sich auf dem zeitüblichen Terrain und fand Anerkennung. Er wurde Synodalprediger und Beichtvater der Königin Sophie von Bayern.

Hus’ eigene Lebensführung war bescheiden, niemand konnte ihm nachsagen, dass er seine inzwischen angesehene Stellung missbrauchte, um sich zu bereichern.

Seine Predigten wurden immer unbekümmerter. Er verlangte Reformen, griff die Kirche und den Klerus an, wie auch die weltlichen Herren, die Beamten, die Reichen, die Mächtigen. So machte er sich bei einflussreichen Kreisen unbeliebt und geriet zwischen die Fronten der politischen Parteien.

Dann wurden in Prag die Lehren Wyclifs verdammt, seine Bücher mußten verbrannt werden. Auch Hus, der vieles von Wyclif übernommen hatte, geriet ins Visier der Bischöfe. Seine Predigten in der Bethlehemkapelle wurden von Spitzeln belauscht, die ihn denunzierten.

Im Jahre 1408 verbot der Erzbischof von Prag Hus zu predigen und Messen zu lesen. 1410 traf ihn der Kirchenbann des römischen Papstes Johannes XXIII.1, und im Februar 1411 wurde Hus aus Prag ausgewiesen. Doch er predigte weiter, beim Volk beliebt und sogar durch Demonstrationen unterstützt, bis er 1412 fliehen musste.

Der eigentlich theologische Streit um die Lehren von Wyclif und Hus wurde auf die Straße getragen. Auch die schon lange schwelenden Differenzen zwischen Deutschen und Tschechen eskalierten, es kam zu Demonstrationen und Volksaufständen. Der in tschechischer Sprache predigende Reformator Hus wurde in diese Auseinandersetzungen hineingezogen.

Nach seiner Flucht aus Prag fand Hus zunächst Unterschlupf auf der Ziegenburg in Südböhmen und dann auf der Burg Krokav in Mittelböhmen. Schließlich ging er nach Husinec, seinem Geburtsort. Er verfasste mehrere Werke und viele Pamphlete und leistete einen wesentlichen Beitrag zur tschechischen Schriftsprache. Auch wirkte er an einer Bibelübersetzung in die Landessprache mit. So wurde er zu einem wichtigen Förderer des tschechischen Nationalbewusstseins. Er zog auch als Wanderprediger durchs Land und fand zahlreiche Anhänger.

Vom Konzil zum Scheiterhaufen

Die desolaten Zustände der Kirche ließen Gelehrte, Kleriker, aber auch Menschen aus dem Volk nach „Reformen an Haupt und Gliedern“ rufen. So musste Papst Johannes XXIII., der Hus gebannt hatte, auf Drängen von Kaiser Sigismund (1410–1437) eine allgemeine Kirchenversammlung nach Konstanz einberufen.

Als das vier Jahre andauernde Konzil 1414 zu tagen begann, amtierten drei Päpste: Johannes XXIII., Gregor XII. und Benedikt XIII. Da keiner sein Amt aufgeben wollte, wurden sie alle drei abgesetzt und ein neuer Papst berufen: Martin V. (1417–1431).

Die ersehnten Kirchenreformen blieben im politischen Ränkespiel auf der Strecke. Dafür wurden Wyclif und seine Lehren postum verdammt und mit größter Härte gegen die „hussitische Ketzerei“2 vorgegangen. Der Bann gegen Hus blieb bestehen.

Jan Hus und sein Mitstreiter, der weitgereiste, hochgelehrte Hieronymus von Prag (um 1379–1416) erschienen vor dem Inquisitionsgericht in Konstanz, um sich gegen die ihnen zur Last gelegten Häresien zu verteidigen. Der Kaiser, der religiösen Frieden in Böhmen wünschte, hatte Hus freies Geleit zugesichert. Allerdings konnte er sich gegen die theologischen Spitzfindigkeiten der Kardinäle nicht durchsetzen, die einem Ketzer keinerlei Rechte zubilligen wollten. Hieronymus wurde als Gefangener vorgeführt.

Vor dem Gericht verteidigten sich Hus und Hieronymus geschickt. Sie weigerten sich zu widerrufen, um dadurch ihr Leben zu retten. Hus wurde am 6. Juli 1415 in Konstanz „auf dem Brühl“ (zwischen Stadtmauer und Graben) zusammen mit seinen Schriften auf dem Scheiterhaufen verbrannt; Hieronymus am 30. Mai 1416.

Ausbruch der Hussitenkriege

Die Nachricht von Hus’ Flammentod löste in Böhmen einen Aufstand aus. Als der böhmische König Wenzel (1376–1419), ein Bruder des Kaisers Sigismund, die Anhänger von Hus aus kirchlichen und staatlichen Ämtern ausschließen wollte, kam es am 30. Juli 1419 zum „ersten Prager Fenstersturz“, bei dem Hussiten das Rathaus stürmten und einige Ratsherren aus dem Fenster warfen. Hunderte Edelleute und die Prager Universität protestierten gegen die Konzilsbeschlüsse. Im Jahre 1420 formulierten die Hussiten die „Vier Prager Artikel“. Deren Hauptforderungen waren: Verabreichung des Abendmahls in beiderlei Gestalt, Verbot des Pfründenschachers, freie Verkündigung des Wortes Gottes, Einziehung des übermäßigen Reichtums der Priester und Mönche.

Papst Martin V., der neue Papst, rief zu einem Kreuzzug auf gegen die böhmischen Ketzer, und Kaiser Sigismund rückte mit einem Reichsheer gegen Prag vor.

Fast über Nacht stampften die Hussiten eine Armee aus dem Boden und fanden einen genialen Anführer: den schon sechzigjährigen, einäugigen Ritter Jan Ziska (um 1360–1424). Dieser schuf die erste geschulte, disziplinierte Truppe des Mittelalters, in der eiserne Manneszucht herrschte und Vergehen streng bestraft wurden.3 Ziskas Heer legte Feldbefestigungen und Wagenburgen an und verwendete erstmals Feuerwaffen in der offenen Feldschlacht.

Das war etwas völlig Neues gegenüber den zeitüblichen lose zusammengerufenen „Aufgeboten“ unter ihren Adels- oder Städtebannern. Solche Aufgebote waren nur kurzfristig zusammenzubekommen, stritten sich oft untereinander oder liefen als Söldner davon, wenn die Löhnung ausblieb. Mit Plünderung, Raub, Mord und Schändung waren sie der Seite, die sie angeheuert hatte, oft ebenso gefährlich wie dem Feind. Die Unzulänglichkeit der Wehrorganisation des Reiches wurde deutlich und auch die Einsicht, dass die Hussiten mit Waffengewalt nicht zu überwinden waren. Auch Ziskas Armee sengte und mordete, aber auf Befehl und in ganz bestimmter Zielgebung. Davongelaufen ist ihm niemand. (3, S. 393)

Nach zwei unglaublich anmutenden Niederlagen im „Hussiten-Kreuzzug“ ging Kaiser Sigismund 1421 mit frischen Kräften erneut gegen die Ketzer vor. Als ein falscher Alarm im „Zweiten Kreuzzug“ das bevorstehende Erscheinen des böhmischen Volksheeres meldete, ergriffen die Kaiserlichen die Flucht, ohne auch nur einen der anrückenden Gegner gesehen zu haben! Weitere Niederlagen des kaiserlichen Heeres folgten.

Von ihren Erfolgen gegen drei Kreuzzugsheere berauscht, zogen die Hussiten durch Landstriche von Bayern, Böhmen, Brandenburg, Franken, Mähren, Österreich, Sachsen und Schlesien. Sie plünderten die Klöster, massakrierten die Mönche, zwangen der Bevölkerung die „Prager Artikel“ auf. Mit den in Böhmen lebenden kirchentreuen Deutschen gingen sie besonders unbarmherzig um. (2, S. 295) Im Jahr 1433 drangen sie bis zur Ostsee vor. (1, S. 83)

In diesen Jahren, von 1419–1436, herrschte das Chaos und ruhte die königliche Gewalt. Dann kam es zu Streitigkeiten zwischen zwei Flügeln der Hussiten: den gemäßigten „Ultraquisten“ oder „Calixtinern“ (Kelchbrüdern) und den radikalen Taboriten. Auf dem Konzil von Basel (1431–1449) wurden den gemäßigten Hussiten einige Zugeständnisse gemacht, und diese kehrten in den Schoß der katholischen Kirche zurück. Die Radikalen wurden 1434 in der Schlacht bei Lipan vernichtend geschlagen.

Die „Tschechoslowakische Hussitische Kirche“, die sich auf die Traditionen von Jan Hus beruft, erstand erst 1919/20 durch Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche.

Überraschung in der Ketzerstadt Tabor

Der Italiener Enea Silvio Piccolomini (1405–1464), Literat, Humanist, einflussreicher Berater des Kaisers, Verfasser einer „Geschichte Böhmens“, späterer Papst Pius II., bereiste Böhmen um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Er besuchte auch Tabor in Südböhmen, die verrufene Keimzelle der großen Wirren, in der 1420 hussitische Extremisten einen kurzlebigen Gottesstaat errichtet hatten. Auch nach ihrer Niederlage von 1434 war eine radikale Fraktion der Hussiten noch in Tabor aktiv: die Taboriten. In Tabor stand Eneo eine Überraschung bevor:

„Er fand eine arbeitsame Stadt unter ihrem Magistrat, der sich vom Kaiser Sigmund auch die ausdrücklichen Privilegien einer ‚königlichen Stadt‘ hatte verschreiben lassen. Der Gottesdienst war taboritisch. Der alte Taboritenbischof Nikolaus Biskupek lebte noch; er hatte alle Fährnisse überstanden; einige der alten Kämpfer und Stürmer waren ebenfalls den Stürmen und Morden entgangen und gaben bereitwillig Auskunft. Die Einwohner waren gottesfürchtig und gebildet, wie Enea mit Verwunderung konstatierte; jeder kannte seine Bibel, auch die Frauen und Kinder konnten lesen, wie in seinem Italien nur seine Freunde, die Humanisten. Am meisten erstaunte den Besucher das friedliche Zusammenleben der verschiedensten Bekenntnisse und Richtungen. Er hatte so viel von den wilden und furchtbaren Sekten der Böhmen gehört, den Verbrennungen und Ermordungen, mit denen sie verfolgt wurden. Hier auf Tabor, so stellte er fest, waren sie alle vorzufinden, sogar die berüchtigten Adamiten, die Nikolaiten, die Pikarden, dazu Ketzer aus weiter Welt, aus Frankreich und Skandinavien, Polen. Man duldete sie, sie lebten zusammen, ohne sich zu behelligen. Der künftige Papst Pius II. verwunderte sich gebührend über solches Treiben.“ (3, S. 450 f.)

Dieser positive Eindruck von Tabor mit seinen „Ketzern“ vermochte Enea Silvios Vorurteile nicht hinreichend zu widerlegen. Denn als Papst Pius II. (1458–1464) verfügte er die Aufhebung der den Hussiten im Baseler Konzil gewährten bescheidenen Privilegien.

Die Bedeutung des Reformators Hus

Durch sein Theologiestudium war Hus mit den Thesen von Wyclif vertraut, die er zum großen Teil übernahm. Der in England längst in die Kritik geratene, aber zu seinen Lebzeiten nicht als Ketzer verurteilte Wyclif war in Prag zunächst noch nicht verboten. Wie Wyclif war auch Hus kein Mystiker, sondern ein nüchterner Denker, der sich nicht im Dschungel theologischer Irrlichter und Schlinggewächse verlaufen wollte.

Hus kämpfte leidenschaftlich für eine Reform der verweltlichten Kirche mit ihrem Reichtum, gegen das Lasterleben vieler Priester und Mönche, gegen den Ablass-Schwindel. Er trat für die Gewissensfreiheit ein und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen; im Gegensatz zu der Amtskirche, die dem Papst das letzte Wort zubilligte. Hus vertrat auch die später im Protestantismus so einflussreiche Lehre von der Prädestination. Er wollte, dass in den Kirchen die Landessprache gesprochen würde.

Im 16. Jahrhundert hieß es aus katholischer Sicht: „Wyclif erzeugte den Hus, der Hus den Martin Luther.“ (3, S. 450) Luther selbst schrieb, nachdem er im Oktober 1519 ein Traktat Hussens gelesen hatte: „Wir sind alle Hussiten, ohne es gewusst zu haben, schließlich auch Paulus und Augustinus …“ (4, S. 287)

Hus gehört also zu den bedeutendsten Reformatoren. Deren berechtigte Forderungen konnten geistliche und irdischer Herrscher zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch zurückdrängen oder in Blut ersticken. Ein Jahrhundert später war dann die von den meisten Menschen als überfällig empfundene religiöse Erneuerung eines erstarrten Kirchenchristentums nicht mehr aufzuhalten.

Literatur:

(1) Baethgen, Friedrich, Schisma und Konzilszeit, Handbuch der deutschen Geschichte, Band 6, DTV, München 1999

(2) Durant, Will, Kulturgeschichte der Menschheit, Band XVII, Von Wycliff zu Luther, Editions Rencontre, Lausanne o. J.

(3) Friedenthal, Richard, Jan Hus, Piper, München 1987

(4) Hilsch, Peter, Johannes Hus, Pustet, Regensburg 1999

(5) Seibt, Ferdinand, Jan Hus, Oldenbourg, München 1997

(6) Wikipedia-Enzyklopädie, Artikel „Hussitenkriege“, „Jan Hus“, „Tschechoslowakische Hussitische Kirche“

Fußnoten:

1 In der offiziellen Papstliste taucht dieser Papst nicht auf, so dass es einen zweiten Johannes XXIII. (1958–1963) gab, der das zweite vatikanische Konzil einberief.

2 Die Anhänger von Hus wurden „Hussiten“ genannt.

3 Im Altertum, zum Beispiel in Griechenland und Rom, hatte es längst disziplinierte Truppen gegeben, wie sie das Mittelalter dann kaum noch kannte.