Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Die Vernichtung der Templer

(Veröffentlicht in GralsWelt 45/2007)

Zum 13. Oktober 2007

Von unserem Leben seht ihr nur
die Schale, die außen ist.
doch ihr seht nicht die mächtigen
Gebote im Inneren.
(Aus den Ordensregeln der Templer, 5, S. 7)

Vor siebenhundert Jahren, am 13. Oktober 1307, begann überraschend eine von der Obrigkeit inszenierte Verfolgung, die in der Geschichte ziemlich einmalig ist: Philipp IV. (der Schöne), König von Frankreich, und der ihm verpflichtete Papst Klemens V. hatten sich verschworen den Templer-Orden auszurotten.
Beide Institutionen (Kirche und Staat) waren ein Jahrhundert zuvor schon mit größter Grausamkeit gegen die Albigenser in Südfrankreich vorgegangen, weil diese sich von einer korrupten Kirche abwendeten (vgl. „Der Albigenser-Kreuzzug”). Doch nun ging es gegen einen der Kirche verpflichteten christlichen Ritterorden. Auch ihm wurde die schrecklichste Untat vorgeworfen, die das Mittelalter kannte: Ketzerei!
Der Templer-Orden
Etwa im Jahr 1120 gründeten 9 französische Ritter unter der Führung von Hugo von Payens den „Orden der armen Ritter Christi vom Salomonischen Tempel”, bekannt als „Ritter des Tempels von Salomon” oder „Tempelherrn” bzw. „Tempelritter”. Ihr erstes Ordenshaus stand angeblich auf den Grundmauern des Salomonischen Tempels, daher der Name „Tempelritter”. Der Orden wollte für die Sicherheit der Pilger auf Straßen und Wegen sorgen. Dieser Schutz war dringend nötig, denn die christliche Kolonie im Heiligen Land war auf den Pilger-Tourismus angewiesen. Einige Hafenstädte und Jerusalem standen unter christlicher Kontrolle, doch der Landweg, insbesondere die gebirgigen Abschnitte, waren von Wegelagerern bedroht. Hier wollte Hugo von Payens Abhilfe schaffen durch eine neue, von ihm erdachte Organisation: Das Mönchsrittertum.
Die mittelalterlichen Ritterorden schufen eine revolutionäre Verbindung von Mönchtum und Ritterschaft, wie es sie bis dahin in der abendländischen Geschichte nicht gegeben hatte. Möglicherweise orientierten sich die Templer und weitere Ritterorden (wie Johanniter oder Deutscher Orden) an den muslimischen Murabitun (Marabut), fanatischen Kriegern, die in befestigten Klöstern (Ribat) in ständiger Kampfbereitschaft ein ordensähnliches Leben führten. Die Marabitun weihten ihr Leben der Verteidigung ihres Glaubens, und der Tod im Heiligen Krieg (Jihad) bedeutete für sie den Eingang in den siebenten Himmel. Während der Dienst der Marubitun zeitlich begrenzt war, leisteten christliche Ordensritter ein lebenslang verpflichtendes Gelübde.
Die „Armen Ritter Christi” lebten spartanisch, aber ihre Bescheidenheit ist mehr als geistliche Armut im Sinne der Bergpredigt (Matth. 5,3) zu verstehen. Ihr Orden wurde von einem Großmeister geleitet, dem Ritter, Kapläne und dienende Brüder unterstanden. Die Ritter, die Tempelherren, stammten in der Regel aus vermögenden Adelsfamilien, die ihr Eigentum in den Orden einbrachten. Sie waren professionelle Krieger, deren Ausrüstung und Trainingsstand über dem Durchschnitt der sonstigen Ritterschaft lagen.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde der Templer-Orden auf dem Konzil von Troyes (1128) bestätigt. Damit war auch die Kombination Ritter/Mönch anerkannt, die zu traditionellen christlichen Vorstellungen im Widerspruch stand. Der berühmte Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux (1091 – 1153) überwand seine anfängliche Abneigung gegen kämpfende Mönche, arbeitete an der strengen Regel des Templerordens mit, und trat für diesen ein. Von den Rittern wurde der volle Einsatz für den Glauben verlangt; so durfte z.B. ein Templer, der in Gefangenschaft geraten war, nicht freigekauft werden. Ihre muslimischen Gegner töteten daher meist jeden Tempelritter, dessen sie habhaft wurden. Der nur dem Papst unterstellte Orden expandierte rasch, viele junge Adelige aus ganz Europa traten ihm bei, und aus allen Teilen der christlichen Welt flossen ihm reiche Schenkungen zu. Seit 1146 trugen die Tempelritter das berühmte achtspitzige rote Kreuz auf ihren weißen Mänteln. Beim zweiten Kreuzzug (1147 – 49) erwiesen sie sich als disziplinierte Kämpfer von fast tollkühnem Mut, aber auch großer Überheblichkeit.
In Europa schufen die Templer ein einflussreiches Wirtschafts- und Finanzimperium, mit Tausenden von befestigten Niederlassungen (Kommandanturen), die als Schatzhäuser dienten, und einer eigenen Flotte. Sie wurden erfolgreiche Unternehmer, Geldverleiher, Finanziers der Kreuzzüge, und sie sorgten für den sicheren Transport der Pilger. Templer führten dem heutigen Scheck vergleichbare Kreditbriefe ein, die bei ihren Komtureien eingelöst werden konnten und das Risiko eines Geldtransportes minimierten. Fast drei Jahrhunderte lang galt der sagenhaft reiche, mächtigste Orden der christlichen Welt als heimlicher Herrscher Europas.
Als sich der Fünfte Kreuzzug (1228) unter der Leitung von Friedrich II. von Staufen formierte, verbot der Papst Gregor IX. allen Ordensrittern daran teilzunehmen. Der Staufer-Kaiser stand als gefährlichster Feind des Papstes im Kirchenbann. Die Templer waren zutiefst schockiert über diese päpstliche Order, die ihren Daseinszweck in Frage stellte. Ihre Moral verfiel und sie verwickelten sich in innenpolitische Streitigkeiten. Schließlich stürzte sie der endgültige Verlust der letzten Stützpunkte im Heiligen Land (1291) in eine schwere Identitätskrise.
Die Tempelherren hatten die Chance versäumt, sich ein eigenes Reich zu schaffen. Den Johannitern gelang dies auf Rhodos (später als Malteser auf Malta, das sie jahrhundertelang erfolgreich gegen Sarazenen und Türken verteidigten), den Deutschherren in Preußen und Livland. Die Templer hätten Zypern übernehmen können. Doch da ihre Kräfte nicht ausreichten, sich Zypern zu sichern und zugleich in Palästina gegen die Muslime zu kämpfen, verzichteten sie auf das Inselreich.
Der Untergang
Der französische König Philipp IV., stets knapp an Geld, war bei den Templern hoch verschuldet und schmiedete Pläne zu ihrer Vernichtung. Um seine Finanzen aufzubessern, hatte Philipp IV. schon 1291 italienische Kaufleute, die „Lombarden” verhaften lassen und Lösegeld für ihre Freilassung erpresst. 1295 mussten die Juden sich ebenfalls freikaufen; trotzdem wurden sie 1306 aus Frankreich vertrieben. Vor allem begehrte Philipp den Schatz der Templer, die er nur mit dem Einverständnis des Papstes angreifen konnte.
Dazu musste König Philipp IV. zuerst Papst Bonifaz VIII. ausschalten, der ein entschiedener Gegner des nach der absoluten Macht strebenden Philipp war. Wilhelm von Nogaret, der Kanzler Philipps, inszenierte das Attentat von Anagni (1303), das dem Papst das Leben kostete. Danach regierte kurze Zeit der unbedeutende Benedikt XI. Endlich gelang es Philipp einen ihm genehmen Kandidaten auf den Papstthron zu bringen: 1305 wurde der Erzbischof von Bordeaux als Clemens V. in Lyon gekrönt. Wirren in Rom zwangen ihn in Frankreich um Asyl zu bitten, und seine Residenz nach Avignon zu verlegen. Damit war er vom französischen König abhängig.
Nun konnte Philipp sein heimtückisches Vorhaben durchsetzen: In einer gut geplanten, illegalen Überraschungsaktion ließ er am 13. Oktober 1307 die Templer in ganz Frankreich verhaftet. Sie leisteten keinen Widerstand, ließen sich in den Kerker werfen und von der Inquisition verhören, die ihnen so ziemlich alle denkbaren Ketzereien vorwarf:
Verleugnung Christi:
Die Templer sollen an der Erlösung durch den Kreuzestod von Jesus gezweifelt haben. Bei ihren geheimen Aufnahme-Riten (die bei Geheimbünden oft Tabu-Brüche sind ) mussten sie angeblich auf das Kreuz spucken. Möglicherweise waren das Charakterproben, die Auskunft gaben über die Eignung für bestimmte Aufgaben.
Missachtung der Sakramente:
Die Templer bezweifelten angeblich die Wirksamkeit der Sakramente und ließen die Wandlungsworte bei ihren Messen weg. Damit wurden sie in die Nähe der Katharer gerückt, die die kirchlichen Sakramente ablehnten.
Obszöne Praktiken, Magie und Homosexualität:
Die Novizen mussten bei der Initiation angeblich magische Handlungen vornehmen, Geister beschwören, den Meister auf Mund und Rücken küssen, und sich homosexuellen Praktiken hingeben. Homosexualität, in den Augen der Kirche eine schwere Sünde, mag vorgekommen sein, war bei den Ritter-Mönchen aber kaum die Regel.
Absolution durch Laien:
Die Brüder mussten Vergehen gegen die Gemeinschaft in der Kapitelversammlung bekennen und erhielten vom Meister Strafen zugesprochen. Sünden gegen die Gebote Gottes waren wie üblich zu beichten.
In einigen Komtureien hat man anscheinend irdische und geistliche Vergehen nicht streng genug getrennt, so dass bei der einen oder anderen „Sünde” die Strafe vom Ordensmeister verhängt wurde. Diese „Laienabsolution” war nach dem Kirchengesetz ein schweres Vergehen.
Abhaltung heimlicher Versammlungen, in denen ein magisches Haupt verehrt wird:
Dieser bis heute ungeklärte Vorwurf der „Idolatrie” , der Anbetung eines bärtigen Männerkopfes, regt zu Spekulationen an. Die Templer sollen auch eine an diesem Idol geweihte Schnur am Körper getragen haben .
Habgier und Verlust des Heiligen Landes:
Der Vorwurf der Habgier war bei dem geschickten Umgang der Tempelritter mit Geld und ihren wirtschaftlichen Erfolgen zu erwarten. Für den Verlust des Heiligen Landes waren sie nicht verantwortlich.
Erstaunlicherweise gaben viele Templer, darunter ihr Großmeister Jacques de Molay, die Verfehlungen zu; meist unter Folterandrohung oder Folter. Anscheinend hofften sie auf den Papst, da der König von Frankreich nicht über den Orden bestimmen durfte. Als die päpstliche Hilfe ausblieb, widerriefen ab 1309 viele der gefangenen Tempelherren ihre erzwungenen Geständnisse. Dafür wurden 1310 allein in Paris 70 von ihnen als rückfällige Ketzer verbrannt (13).
Nachdem Hunderte von Geständnissen vorlagen, blieb dem Papst keine andere Wahl, als sich vom Templer-Orden abzuwenden, an dessen Schuld er nicht glaubte (13. Nach dem Konzil zu Vienne verfügte er in einer Bulle vom 22. 3. 1312 die Auflösung des Ordens. Ritter, die ihre Schuld gestanden, sollten eine Pension erhalten und konnten in einen anderen Orden eintreten; wer leugnete oder widerrief, musste als rückfälliger Ketzer bestraft werden.
Sieben lange Jahre waren viele Tempelritter in Haft und wurden unter Androhung der Tortur immer wieder vernommen, bis zur endgültigen Urteilsverkündung am 18. 3. 1314. Nun erst widerriefen der Großmeister Jacques de Molay und Gottfried von Charney; wohl wissend, daß ihnen die Höchststrafe drohte. Sie sagten, der Orden sei heilig, und sie hätten allein aus Angst vor der Folter gestanden. Dafür erlitten sie noch am selben Tag den Feuertod.
Auf dem Scheiterhaufen stehend verwünschte Jakob von Molay seine Verfolger und drohte, dass der Papst innerhalb eines Monats, der König noch im selben Jahr vor Gottes Thron gerufen würden. Tatsächlich starb Clemens V., der „verfluchte Papst”, nur einen Monat später, und Philipp IV. erlag im Dezember den Folgen eines Reitunfalls (13). Auch anderen zentralen Figuren der Templer-Prozesse erging es nicht gut: Wilhelm von Nogaret (Verfasser der Anklageschrift und Strippenzieher bei der Ermordung von Papst Bonifaz VIII.) starb noch während des Verfahrens, und die wichtigsten Denunzianten wurden angeblich erdolcht oder starben am Strick.
Außerhalb von Frankreich wurde der Templer-Orden zwar verboten, doch allenfalls milde verfolgt. Templer konnten in andere Ritterorden eintreten, oder sich – wie in Portugal und Spanien – als Christus-Orden umbenennen.
Der Schlag gegen die Templer war in Frankreich zunächst ein voller Erfolg, aber zuletzt doch ein Fehlschlag: Der gewaltige Schatz, die wichtigste Beute, war verschwunden. Philipp hatte ihn einige Jahre zuvor noch selbst gesehen, als er bei einer Rebellion im Tempel Schutz suchen musste. Die reichen Liegenschaften der Templer wurden Eigentum anderer Orden, und der König von Frankreich ging leer aus. Weitkamp (12) führt sogar den wirtschaftlichen Niedergang Europas im 14. Jahrhundert teilweise auf den Wegfall der Templer als Vorläufer einer „europäischen Zentralbank” zurück.
Das Ansehen des Heiligen Stuhles litt. Die vom Konzil zu Vienne heimkehrenden Teilnehmer mussten sich mit der bitteren Wahrheit abfinden, dass „der Papst dem König von Frankreich untertan sei”. Das böse Wort machte die Runde, dass „ein schwacher Papst einem habgierigen König einen ganzen Orden geopfert habe”, der immer treu zum Papst gestanden hatte. (4, S. 185)
Die Templer-Esoterik
Kaum jemand bezweifelt heute, dass die Tempelritter zu Unrecht verurteilt wurden. Aber warum ließen sich die kampfgeübten Ritter wie Schafe zur Schlachtbank führen und setzten sich nur in einem einzigen Fall ernsthaft zur Wehr? Viele Erklärungen werden angeboten. Wir erwähnen eine davon, die den Bogen zur viel diskutierten Esoterik der Tempelherrn spannt:
Die Templer in Schottland
Folgt man Monika Hauf (7), dann plante oder billigte Jakob von Molay höchst persönlich die Beschlagnahme seines Ordens. Nach dem Verlust des Heiligen Landes hatten die Templer ihre Existenzberechtigung verloren. Die Komtureien bestanden aus Veteranen, die immer wieder die alten Geschichten vom Kampf gegen die Ungläubigen erzählten, und jüngeren Ordensbrüdern, die gelangweilt und träge herumlungerten. Die wenigen Ritter, die sich der eigentlichen Aufgabe des Ordens noch verpflichtet fühlten, kämpften in Spanien gegen die Mauren.
Dabei wuchs der Reichtum der Komtureien weiter an, die zwar ihren Sinn, nicht aber ihre Einnahmequellen verloren hatten.
Jakob von Molay, der von den Plänen des Königs erfahren hatte, ließ die Schätze und die wichtigsten Dokumente in Sicherheit bringen und leistete keinen Wiederstand gegen die Zerschlagung des Ordens. Als dann die Nachricht eintraf, dass die von ihm Beauftragten mitsamt den Schätzen in Sicherheit seien, widerreif er seine Geständnisse und sprach die Wahrheit: Die unwürdigen Elemente waren ausgemerzt, Reichtum, Dekadenz und Hochmut wieder durch die ursprünglichen Ideale der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ersetzt.
Der erneuerte Orden wurde dann in Schottland von Peter von Aumont fortgeführt. Dieser hatte sich der Verhaftung entzogen und war geflohen, als Maurer verkleidet. Über Irland kam er nach Schottland, wo er schon 1312, also noch zu Lebzeiten von Jakob von Molay, zum neuen Großmeister gewählt wurde. Die Verkleidung als Maurer wurde dann von den Mönchsrittern als Ritualtracht übernommen. Diese Geschichte erklärt den Ursprung des „Schottischen Ritus” der Hochgradfreimaurerei , und den Anspruch der Freimaurer, in der Nachfolge der Tempelritter zu stehen.
Obwohl so recht niemand an diese Fluchtgeschichte glauben mag, hat sich doch der Gedanke vom Überleben der Templer in Schottland gehalten. Baigent/Leigh (3) untersuchten systematisch mögliche Zufluchtsstätten für die Tempelherren, und sie fanden in Schottland den geeignetsten Platz. Nach außen hin wurden die Templer hier von den Johannitern übernommen. In Schottland gab es aber so viele Templer, dass diese ihre Organisation unter anderem Namen weiterführen und viele Spuren hinterlassen konnten.
Mindestens einmal sind die Ritter sogar noch aus dem Untergrund aufgetaucht: In der Schlacht von Bannockburn stand im Jahre 1314 ein nur 6.000 Mann starkes schottisches Aufgebot 20.000 Engländer gegenüber. Zum Sieg verhalf den Schotten ein überraschender Reiterangriff von Rittern unter der Fahne der Templer!
Der Schatz des Tempels
Einige Jahre vor seinem Angriff auf den Orden musste Philipp IV. vor Aufständischen in Paris fliehen, und – schwer gedemütigt – im Tempel um Asyl bitten. Hier will er den sagenhaften Schatz gesehen haben, der seine Habgier weckte und ihn finstere Pläne schmieden ließ.
Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Templer hätten ihren Schatz noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
Ein wichtiger Teil der Templer-Marine hatte seinen Stützpunkt in La Rochelle an der Biskaya; denkbar ungeeignet für Reisen ins Heilige Land. Von dort soll vor der Verhaftung der Templer eine Flotte ausgelaufen sein, mit dem Schatz an Bord, die dann verschwand (3, S. 115). Fuhr sie nach Portugal, Schottland, Amerika, oder ging sie im Sturm unter?
Gesucht wird dieser Schatz noch heute: In der Burg Gisors (10), in Schottland, in Rennes-le-Chateau (8), in den Pyrenäen, auf der Feste Tomar (6), und wer weiß, wo sonst noch….
Das Templer-Idol
Wie schon gesagt, sollen die Templer den Kopf eines bärtigen Mannes angebetet haben. Im Verständnis der Kirche handelte es sich um ein Götzenbild, das aus unbekannten Gründen „Baphomet” genannt wurde. Bei Befragungen durch die Inquisition wurde der Baphomet mehrfach von Templern erwähnt. In der GralsWelt  haben wir von dem Turiner Grabtuch berichtet, das möglicherweise in den Besitz der Templer kam, die es als heilige Reliquie verehrten. Ob der Baphomet dieses Grabtuch war, ob die Templer aus diesem Grabtuch zu der Ansicht kamen, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe, bleibt Spekulation.
Entdeckung Amerikas?
Die Templer, die eine eigene Flotte und eigene Häfen unterhielten, waren angeblich die besten Schiffbauer und Seefahrer ihrer Zeit, die navigatorische Geheimnisse kannten. In Portugal, dem kleinen Land am Rande Europas, gründeten Templer den Christus-Orden und überstanden so alle Verfolgungen. Später halfen sie mit Ihrem Wissen, ihren Schiffen und ihrem Geld eine Weltmacht auf See aufzubauen. Die Schiffe der portugiesischen und spanischen Entdecker – ob Kolumbus’ oder Vasco da Gamas – trugen das Templerkreuz auf den Segeln.
Manche Autoren trauen den Templern noch mehr zu:
Vielleicht fühlten sie sich in Schottland nicht sicher genug, reisten weiter nach Westen und erreichten eine sicherere Zuflucht in Nordamerika, wo sie ihre Spuren in Rhode Island hinterließen? (10) Mahieu (9) glaubt sogar an regelmäßige Reisen nach Südamerika. Dort holten sie Silber, das es ihnen ermöglichte, den Bau der gotischen Kathedralen zu finanzieren (vergl. „Das Wunder der Kathedralen”). Die Gotik wird immer wieder mit den Templern in Verbindung gebracht, da dieser Baustil etwa zur gleichen Zeit wie die Tempelherren in Erscheinung trat, und nach deren Verschwinden aufgegeben wurde.
Für Frankreich, in dem weit mächtigere Ordensprovinzen versammelt waren als im kleinen Portugal, war die Zerschlagung des Ordens ein schwerer Verlust. Mit ihm ging das navigatorische Wissen der Templer verloren. Die Templer-Flotte hätte im Mittelmeer Seeräuber bekämpfen, und die vordringenden Türken aufhalten können; wie die Malteser, die Malta Jahrhunderte lang erfolgreich verteidigten. Von La Rochelle aus hätten Franzosen, mit dem nautischen Wissen der Templer, die Neue Welt entdecken, Seewege nach Amerika und Indien erschließen, und zur bedeutendsten Seemacht aufsteigen können.
Die geheimen Lehren
Man darf davon ausgehen, dass Templer im Orient mit manchen Gedanken in Berührung kamen, die für einen katholischen Geistlichen Ketzerei der schlimmsten Sorte waren. So werden den Templern immer wieder Verbindungen mit den Katharern und deren Gedanken unterstellt, schon weil die Tempelritter sich am Katharer-Kreuzzug nicht beteiligt hatten. Kontakte und sogar Absprachen von Christen, darunter Templern, mit „Ungläubigen” gab es während der Kreuzzüge nicht selten (vergl. „Der Traum von der Harmonie zwischen Orient und Okzident”). Wahrscheinlich sind einige gebildete Tempelherren, die gute Fremdsprachenkenntnisse hatten, mit verschiedensten gnostischen, katharerischen, islamischen und sonstigen religiösen Lehren, sogar mit den Assassinen (vergl. „Der Alte vom Berge”) in Verbindung gekommen. Vielleicht fanden sie Urkunden, welche die Lehren und die Geschichte der Kirche in neuem Licht erscheinen lassen? Oder entdeckten sie – wie Esoteriker vermuten – alte Geheimnisse, die heute noch in Geheimbünden bewahrt werden? Die Literatur zu diesem Thema ist Legion.
Einige Tempelherren haben vielleicht an der Allgültigkeit der Bibel, der Erlösung durch den Kreuzestod Jesu, oder den Sakramenten gezweifelt. Vermutlich haben sie auch Päpste in Frage gestellt, welche die Idee der Kreuzfahrten verrieten, indem sie zu Ketzer-Kreuzzügen gegen die Albigenser oder Friedrich II. von Staufen aufriefen, anstatt den bedrängten Rittern im Heiligen Land zu helfen. Doch die große Mehrheit der Templer stand treu zur katholischen Kirche und wurde zu Unrecht verurteilt.
Der Mythos von Tempel
In der Esoterik lebt der Mythos der Tempelherren weiter: Rosenkreuzer, Freimaurer, Neu-Templer wie der O.T.O. wollen alte Templertraditionen fortführen, deren Ideen die Weltpolitik massiv beeinflusst haben sollen:
In der amerikanischen Revolution spielten Freimaurer eine wichtige Rolle (3), die sich als Hüter des esoterischen Wissens der Tempelherren verstanden und für die Ideen der Aufklärung eintraten. Während der Französischen Revolution nannten sich die extremen Republikaner „Jakobiner” , und nach der Hinrichtung von Ludwig XVI. ertönte der Ruf „Jacques de Molay, nun bist du gerächt !”.
Literatur
(1) Barber Malcolm, Die Templer, Artemis & Winkler, Düsseldorf 2005
(2) Bauer Martin, Die Tempelritter, Heyne, München 1997
(3) Baigent Michael/Leigh Richard, Der Tempel und die Loge, Lübbe, Bergisch Gladbach 1990
(4) Beck Andreas, Der Untergang der Templer, Herder, Freiburg 1992
(5) Charpentier Louis, Macht und Geheimnis der Templer, Olten 1986
(6) Guinguand Maurice, L’or des templiers, Laffont, Paris 1973
(7) Hauf Monika, Der Mythos der Tempelritter, Walter, Düsseldorf 2001
(8) Lincoln/Baigent/Leigh, Der heilige Gral und seine Erben, Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1984
(8) Mahieu Jacques de, Die Templer in Amerika, Grabert, Tübingen 1979
(10) Séde Gerard de, Die Templer sind unter uns, Ullstein, Berlin 1963
(11) Sippel Hartwig, Die Templer, Bechtermünz, Augsburg 2002
(12) Weitkamp Hans, Das Hochmittelalter, HMZ-Verlag, CH-3652 Hilterfingen
(13) ZDF Expedition, Kreuzzug in die Hölle – Die Tempelritter. Gesendet am 16. Januar 2005 um 19.30 h
(14) http://www.die-templer.de (mit Abbildungen)
(15) http://www.land.salzburg.at/schule/fachbereichsarbeiten/h_templer/templer_fba.htm