Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Die erste Umsegelung der Erde vor 500 Jahren

„Sollten sich irrige Ansichten über die in der Genesis beschriebene Entstehung der Welt durchsetzen, würden alle göttlichen Versprechungen in nichts zerrinnen und unsere Religion ihr Leben verlieren.“

Der reformierte Theologe Peter Martyr (Pietro Mariano) Vermigli (1499-1562) (1, S. 387)

In der Neuzeit, spätestens seit Kopernikus (1473-1543), rüttelten unzählige astronomische, biologische, geographische Entdeckungen am mittelalterlichen Weltbild, auf dem auch die christlichen Lehren – zum Teil noch bis heute – bauen. Doch alle Widerlegungen christlicher Theologien verpufften ohne allzu große Wirkung – zum Entsetzten aufgeklärter Philosophen und materialistisch denkender Naturwissenschaftler.

Da war der unwiderlegliche Beweis der Kugelgestalt der Erde eigentlich von geringer religiöser und philosophischer Bedeutung. Denn schon antiken Philosophen und selbst mittelalterlichen Theologen war die Erde als Kugel vertraut. Auch wenn der eine oder andere Kirchenlehrer, wie beispielsweise Lucius Caecilius Firmius (genannt Lactantius, um 250-320), darin einen Widerspruch zur Bibel erkennen wollte.

Nicht so das gemeine Volk. Dieses hatte – wie auch der Kirchenvater Augustinus (354-430) – Schwierigkeiten mit den Antipoden, den „Gegenfüßlern“. Viele konnten nicht verstehen, warum man nicht spätestens am Äquator von der Erdkugel abrutschte und sonst wo hin fiel. Dabei hatten portugiesische Seefahrer im 15. Jahrhundert schon mehrmals den Äquator überquert. Doch so ganz konnten viele einfache Menschen noch immer nicht an die Erde als Kugel glauben, bevor eine Reise um die Welt den endgültigen Beweis erbrachte.

Weltmacht Portugal

Es war das Verdienst vor allem eines Mannes, dass das kleine, arme Portugal im 15. Jahrhundert zur bedeutenden Seemacht aufstieg. Prinz Heinrich (1394-1460), später „der Seefahrer“ genannt, war ein jüngerer Bruder des regierenden Königs. Prinz Heinrich wird 1415 Herzog von Viseu, Gouverneur der Algarve und Herr über Madeira, von dem Holz und wertvolle Baumharze importiert werden. Außerdem wird er 1420 Administrator des Christusordens. Dieser Orden ist eine Nachfolgeorganisation des in Frankreich verfolgten Templerordens. Wie schon in der Gralswelt erwähnt (vergl. GralsWelt 45/2007 Seite 32 „Tod den Ketzern“), verfügten die Templer angeblich über hervorragende Kenntnisse in Nautik und Schiffbau. Sie sollen sogar regelmäßig nach Südamerika gesegelt sein. Der an der Schifffahrt höchst interessierte Prinz Heinrich „der Seefahrer“ – der nie selbst ein Schiff kommandierte – konnte auf deren Kenntnisse aufbauen, mit deren Vermögen nautische Studien fördern und Expeditionen ausrüsten. Von ihm ausgeschickte Kapitäne erforschten nach und nach die Küsten Westafrikas. Es waren Forschungsreisen auf winzigen Schiffen – mit dem Templerkreuz auf den Segeln – in unbekannte Regionen, über die wilde Schauergeschichten im Umlauf waren. So war es nicht leicht, Kapitäne und Besatzungen zu finden, die auf den legendären Karavellen Abenteuerreisen ins Unbekannte wagten.
Prinz Heinrich durfte die phänomenalen Erfolge seiner Bemühungen nicht mehr erleben. Erst knapp drei Jahrzehnte nach seinem Ableben umsegelte Bartholomäus Diaz (1450-1500) im Jahre 1488 die Südspitze des afrikanischen Kontinents, und weitere zehn Jahre später erreichte Vasco da Gama (1468-1524) die Handelsstadt Calicut in Indien.

Seewege ins Wunderland

Aus heutiger Sicht war die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus bedeutsamer als die Indienreisen der Portugiesen. Auch Kolumbus hatte ja, im Dienste Spaniens, einen Weg nach Indien gesucht und Zeit seines Lebens nicht erkannt, dass er nicht eine Route nach Asien gefunden, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte.

Doch vom Ende des 15. Jahrhunderts an flossen durch den Gewürzhandel große Reichtümer aus dem fernen Osten nach Portugal: Muskatnuss, Parfüm, Pfeffer, Porzellan, Safran, Seide, Zimt, Zucker. An dem weit größeren Spanien ging der lukrative Indienhandel ebenso vorbei wie an den anderen seefahrenden Nationen Europas.

Durch den Vertrag von Tordesillas von 1494 wurde mit päpstlichem Segen die Welt in portugiesische und spanische Interessensgebiete aufgeteilt. Eine Linie, etwa entlang dem 45. Längengrad, trennte die Einflusssphären der beiden großen Entdeckernationen: die Länder im Westen dieses Meridians sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen. So wurde auch Brasilien noch portugiesisch, durch dessen Osten dieser Längengrad läuft. Den Spaniern war durch den Vertrag von Tordesillas der östliche Seeweg um Afrika nach Indien und zu den Gewürzinseln (Molukken) versperrt. Spanische Seekapitäne hassten die Portugiesen, weil diese ihnen die „halbe Welt gestohlen“ hätten. (Vergl. GralsWelt 66/2011 Seite 56 „Entdecken, Flagge hissen, in Besitz nehmen“).

Zwischen den europäischen Nationen waren durch diesen Vertrag Konflikte vorprogrammiert. Denn Engländer, Franzosen, Niederländer wollten sich ebenfalls am Überseehandel mit Indien und den weiter im Osten liegenden Gewürzinseln beteiligen und Handelsstationen gründen, die später zu Kolonien wurden. Aus dem friedlichen Handel wurden bald blutige Raubzüge, bei denen die Europäer ihre überlegenen Waffen rücksichtslos einsetzten. (Vgl. „Ein Vorläufer der Globalisierung“).

Ferdinand Magellan (1480-1521)

Der Portugiese Fernao de Magalháes, der sich im Spanien Magellanes nannte, war ein erfahrener Seefahrer, der in seiner Heimat – wohl zu Unrecht – in Ungnade gefallen war. So konnte er nicht hoffen, dass ihm sein König einen Traum finanzieren würde: eine Expedition nach Indien über die Westroute, die schon Kolumbus gesucht hatte.

Portugal hatte gerade die östliche Seeroute nach Indien eröffnet und damit ein Monopol auf den höchst gewinnträchtigen Gewürzhandel errungen. Für die spanische Krone war daher ein westlicher Seeweg nach Indien von größtem Interesse. Der Ostweg war ihr ja durch den Vertrag von Tordesillas versperrt. So verlässt der knapp vierzigjährige Magellan kurzerhand sein portugiesisches Heimatland und bietet seine Dienste bei der spanischen Konkurrenz an, wo er einflussreiche Persönlichkeiten für seine Pläne begeistern kann. Für die Portugiesen war das Verrat. Schließlich war Magellan von Adel und hatte über Jahrzehnte seinem portugiesischen König gedient!

Spaniens König (von 1519-1556 als Karl V. auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches), stellte Magellan für seine kühne Entdeckerfahrt fünf ältere Schiffe zur Verfügung. Am 20. September 1519 beginnt, mit einer gemischten Besatzung von 270 Mann, die große Entdeckungsreise. Es war schwer, eine halbwegs geeignete Bemannung zu finden. Die versprochene Heuer war nicht gerade üppig und das Risiko, nicht zurückzukehren, besonders groß.

Der portugiesische König Dom Manuel, durch seine Spione bestens informiert, will Magellan zuerst zur Rückkehr nach Portugal bewegen und dann sogar ermodern lassen – vergeblich. Zuletzt sendet er Schiffe aus, um die Expedition noch zu stoppen. Doch Magellan entkommt diesen Nachstellungen.

In 1082 Tagen um die Welt

Voll Zuversicht nimmt Magellan auf dem Atlantik Kurs nach Westen. Seine Flotte besteht aus dem Flaggschiff Trinidad (120 Tonnen), der San Antonia als größtem Schiff mit 130 Tonnen, der Concepción (90 Tonnen), der Victoria (90 Tonnen) und der kleinen Santiago (60 Tonnen). Bald gibt es Spannungen, weil die spanischen Kapitäne den Portugiesen Magellan hassen. Der spanische Kapitän der San Antonia verweigert ihm den Respekt. Magellan lässt ihn gefangen setzten und ernennt einen anderen zum Kapitän. Dann kommen Stürme auf. Einige Besatzungsmitglieder planen eine Meuterei und wollen Magellan sogar ermodern. Doch dieser bleibt gelassen und setzt sich durch.

Anfang Dezember ist Amerika erreicht und die Flotte ankert in einer Bucht, an der sich heute Rio de Janeiro befindet. Es ist portugiesisches Gebiet und die Flotte bricht schleunigst wieder auf, nachdem sie sich mit Wasser und Proviant versorgen konnte.

Die Magellanstraße

Nun muss eine Passage zum Pazifik (Magellan gab dem bis dahin noch unbekannten Ozean diesen Namen) gesucht werden. Niemand weiß genau, warum Magellan ausgerechnet in einem Inselgewirr eine Durchfahrt suchte. Angeblich gab es in Spanien eine Seekarte, die auf eine solche, fiktive Durchfahrt hindeutete.

Bartholomäus Diaz hatte auf der Suche nach dem Weg nach Indien das südlichste Kap Afrikas umschifft. Warum suchte Magellan nicht das Südkap Amerikas, das heute Kap Hoorn heißt?

Die Entdeckung der Magellanstraße

Wenn es nicht für den Kapitän-General gewesen wäre, würden wir diese Meerenge nicht gefunden haben, denn wir alle dachten und sagten dass das Wasser von allen Seiten mit Land umschlossen war. Aber der Kapitän-General wusste, wohin man segeln musste, und eine gut verborgene Meerenge zu finden. Er hatte sie auf einer Karte gesehen, die sich im Besitz des Königs von Portugal befindet und von einem ausgezeichneten Mann, nämlich Martin von Beheim, stammte. Der Kapitän-General entsandte zwei Schiffe, die San Antonio und die Conceptione, um zu erforschen, was sich auf der anderen Seite des Kaps de la Baia (d. h. in der Bucht) befand. Wir mit den anderen beiden Schiffen, dem Flaggschiff Trinitade und der Victoria, warteten auf sie in der Bucht. In dieser Nacht kam ein großer Sturm auf, der bis zum Mittag des folgenden Tages andauerte und uns zwang, Anker zu lichten und uns in die Bucht hinunter treiben zu lassen.

Die beiden anderen Schiffe erhielten Gegenwind und kamen daher nicht um das Kap am Ende der Bucht herum, als sie versuchten zurückzusegeln, um uns zu treffen. Sie fürchteten daher, auf Grund zu laufen. Aber als sie sich dem Ende der Bucht näherten und dachten, dass sie verloren seien, sahen sie eine kleine Öffnung, die nicht wie eine solche aussah, sondern wie eine scharfe Biegung. Verzweifelt wie sie waren, hielten sie darauf zu und entdeckten so die Meerenge durch Zufall. Als sie diese erkannt hatten, segelten sie weiter und fanden eine Bucht. Und danach fanden sie eine andere Meerenge und eine andere Bucht, die größer als die beiden ersten war. Sehr froh kehrten sie sofort zurück, um es dem Kapitän-General zu sagen. Wir dachten, dass sie Schiffbruch erlitten hätten, einmal wegen des starken  Sturmes und zum zweiten, weil wir sie zwei Tage lang nicht gesehen hatte….Und während wir noch zweifelten, sahen wir die beiden Schiffe plötzlich mit vollen Segeln und im Winde wehenden Flaggen uns entgegenkommen. Als sie sich genähert hatten, feuerten sie einige Mörser ab, und die Besatzung brach in Hurrarufe aus. Wir dankten alle Gott und der Jungfrau Maria und gingen daran, die Meerenge zu erforschen. Antonio Pigafetta

Seine Mannschaft ist nach einer Reise von über einem Jahr mutlos. Es kommt zu einer weiteren Meuterei. Die Santiago geht bei einer Erkundungsfahrt verloren und die San Antonio reißt aus und kehrt heimlich nach Spanien zurück. Nun hat Magellan nur noch drei Schiffe. Doch das Glück des Tüchtigen ist mit ihm. Er findet die nach ihm benannte, 310 Seemeilen (570 km) lange, Magellanstraße; bis zum Bau des Panamakanals eine der wichtigsten Seestraßen der Neuzeit, die auch heute noch regelmäßig befahren wird. Durch starke Gezeiten und häufige Stürme ist sie, besonders für kleinere Schiffe, noch immer gefährlich.

Der Pazifische Ozean

Am 28. November 1520 erreichen die drei verbliebenen Schiffe endlich den größten aller Ozeane, den zuvor noch kein europäisches Schiff durchquert hat. Die Passage durch die Magellanstraße hatte 38 Tage gedauert, unter zum Teil schwierigen Wetterbedingungen.

Doch nun meint es das Wetter gut mit den mutigen Seefahrern; das Meer ist so ruhig, dass sie es mare pacifico, das Stille Meer oder den Stillen Ozean taufen. Sie sind nun auf dem Weg zu den Gewürzinseln, von denen man nur ungefähr die geographische Breite kennt. Wie weit diese sagenumwobenen Inseln noch entfernt sein mögen, wie breit der Pazifik tatsächlich ist, ahnt niemand. Die Nahrung wird knapp, die Mannschaft ist nahe am verhungern als man endlich, mehr zufällig auf Land stößt: die Marianen. Die am 6. März 1721 entdeckte „Insel der Diebe“ (vermutlich beim heutigen Guam), an der Eingeborne versuchten ein Beiboot zu stehlen, wird schnell wieder verlassen. Am 16. März können die Entdecker endlich an einer Insel (wohl Homonhon) anladen, wo man sie freundlich, wie in einem Südseeparadies empfängt. Dieses Eiland gehört schon zu den Philippinen. Ein Sklave Magellans, der aus Sumatra kommt, kann sich mit den Einheimischen verständigen. Die Seereisenden aus Europa können Handel treiben, die Insulaner zum Christentum bekehren und auf dauerhafte, freundschaftliche Beziehungen hoffen. Dann leistet der König einer der Inseln den Europäern Widerstand. Magellan will diese feindlich gesinnten Eingeborenen mit seinen Feuerwaffen einschüchtern; doch er schätzt die Situation falsch ein. Acht seiner Seeleute und auch Magellan selbst werden getötet. Die Lebensreise des großen Seefahrers endet am 27. April 1521 auf der Insel Macatan. Damit war es auch mit dem friedlichen Zusammenleben mit den Einheimischen und der Christianisierung vorbei.

Magellans Tod

Wir wehrten uns unserer Haut, so gut wir das vermochten, und zogen uns, ständig fechtend, zur Küste zurück. Aber auch als wir schon im Wasser standen, ließen die Insulaner nicht von uns ab. Weiter prasselten ihre Geschosse auf uns nieder. Da sie unseren Befehlshaber kannten, richtete sich ihr Angriff vor allem gegen ihn. Zweimal wurde ihm der Helm vom Kopf gerissen. Aber er wich nicht, obwohl nur noch wenige an seiner Seite kämpften.

Länger als eine Stunde dauerte dieser ungleiche Kampf. Magaglianes wich noch immer nicht, und so gelang es einem der Insulaner, ihn mit der Spitze seiner Lanze im Gesicht zu verwunden. Der Generalkapitän durchbohrte seinen Gegner sofort mit seiner Lanze, die im Körper des Getöteten stecken blieb. Er wollte nun seinen Degen ziehen, vermochte ihn aber nur noch halb aus der Scheide zu bringen, weil ihm der verwundete rechte Arm kaum mehr gehorchte. Als die Insulaner dies sahen, drangen sie alle auf ihn ein, und einer von ihnen stieß unserem Generalkapitän die Lanze so heftig in den linken Schenkel, dass er aufs Gesicht fiel. In demselben Augenblick warfen sich alle Feinde auf ihn und hieben mit ihren Waffen auf ihn ein. So kam unser Führer, unser Licht, unsere Stütze, ums Leben.      Antonio Pigafetta

 

Der weite Weg zurück

Von 270 Seeleuten, die in Sevilla aufbrachen, waren nach weiteren Kämpfen noch 47 am Leben. Diese müssen nun versuchen, irgendwie nach hause zu kommen.

Aus Mangel an Mannschaft muss die Concepción aufgegeben werden. Die Stimmung der Seeleute, die auf die beiden verbliebenen Schiffe verteilt werden, nähert sich dem Tiefpunkt. Auf der Suche nach den Gewürzinseln kreuzen die Victoria und die Trinidad durch das Inselgewirr Indonesiens und erreichen sogar die gesuchten Molukken, wo sie ihre Handelswaren eintauschen und Gewürze an Bord nehmen können. Hier haben sie wieder das Glück, einem portugiesischen Schiff zu entkommen. Die Trinidad allerdings, die für eine Reparatur zurückbleiben muss, wird von den Portugiesen aufgebracht.

Nun scheint endlich die Bahn in die ferne Heimat frei. Doch der Heimweg ist noch lang und schwer. Weiter geht es auf dem letzten Schiff, der Victoria, mit einer Tonnage von 90 Tonnen. Die Spanier müssen der von den Portugiesen erschlossenen Route folgen: um das Kap der Guten Hoffnung und entlang der Küste Westafrikas. Wie damals üblich, wurden alle nautischen Daten streng geheim gehalten, so dass die Spanier nicht auf die Erfahrungen der Portugiesen zurückgreifen können. Hier fehlte Magellan, der als einziger der Crew schon mit portugiesischen Schiffen in Indien war und sich dort im Kampf ausgezeichnet hatte. Portugiesische Stützpunkte müssen die spanischen Seefahrer meiden. Um nicht zu verhungern, müssen sie doch noch auf einer der kapverdischen Inseln Proviant aufnehmen. Diese Inselgruppe wird von den Portugiesen beherrscht, die dreizehn Besatzungsmitglieder verhaften.

Im September 1522 erreicht eine zerlumpte, erschöpfte Besatzung, nach einer Seereise von ca. 69.000 km, auf leckem, gerade noch schwimmendem Schiff endlich Sevilla. Von der ursprünglichen Besatzung hatten nur achtzehn Mann die ganze Reise um die Erde überstanden. Darunter Sebastiàn Elcano, der Kapitän der Victoria, und Antonio Pigafetta, der Chronist der Reise (4). Die ganze Entdeckungsfahrt hatte zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert.

Die Bedeutung der ersten Weltumsegelung

Wirtschaftlich gesehen war die bis dahin größte Reise aller Zeiten sogar noch ein Erfolg. Die Victoria brachte von den Molukken 26 Tonnen Gewürze heim, die nach Abzug der Kosten, die der Verlust der anderen Schiffe ausmachte, noch einen Reingewinn von 500 Golddukaten brachten (5).

Die geographische und philosophische Bedeutung der Magellan-Expedition ist kaum zu überschätzen:

* Zu ersten Mal wurde die Erde umrundet. Damit steht fest: auf einer südlichen Route sind alle vier Kontinente in beiden Richtungen zu umfahren!

* Bei der Rückkehr fehlte im Logbuch ein Tag. Die Datumsgrenze wurde deutlich.

* Zum ersten Mal wurde von Europäern der Große Ozean befahren, der ein Drittel der Erdoberfläche bedeckt.

* Es wird unübersehbar, dass die von Kolumbus entdeckten „Westindischen Inseln“ (Karibik) nicht zu Asien, sondern zu einem eigenen, großen Kontinent gehören. Und dass dieses neuentdeckte „Amerika“ weit entfernt ist von der Ostküste Chinas, die Marco Polo beschrieben hat. Durch Magellan wird aus einer Welt mit drei Kontinenten (Europa, Asien, Afrika) eine Welt mit vier Kontinenten[1].

* Zum ersten Mal bekam man eine praktisch erfahrene, realistische Vorstellung von der Größe unseres Planeten.

Zwar hatte Eratosthenes von Kyrene schon im 3. Jahrhundert v. Chr. den Erdumfang mit erstaunlicher Genauigkeit ermittelt. Doch das waren theoretische Berechnungen, die nur wenige Astronomen verstanden und kaum einer nachzuprüfen vermochte. Erst durch Magellans Weltumrundung waren alle Zweifel durch unwiderlegliche Beobachtungen ausgeräumt: die Erde ist eine Kugel. Auch ihre lange unterschätzte Größe ist deutlich geworden. Eine neue Ära der Menschheitsgeschichte kann beginnen, in der europäische Schiffe alle Meere befahren, und die Erde in beiden Richtungen umrunden. In Magellans Reise kann man schon den ersten Schritt zur Globalisierung sehen.

Die zweite Weltumsegelung gelingt dem Engländer Francis Drake (1540-1596) von 1585 bis 1586, also erst ein gutes halbes Jahrhundert später!

Literatur:

(1) Durant Will, Kulturgeschichte der Menschheit Band 19, Editions Recontre, Lausanne, o. J.

(2) Die Zeit Geschichte 1/2011, „Das Zeitalter der Entdecker“, Hamburg

(3) Kay Bernhard, Der Navigator, Bastei Lübbe, Bergisch-Gladbach, 2007

(4) Pigafetta Antonio, Die erste Reise um die Erde, Thienemanns, Stuttgart, 1983

(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Magellan

[1] Der fünfte Kontinent – Australien – war noch unbekannt. Ebenso die Antarktis.