Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Der Albigenser Kreuzzug

(Veröffentlicht in GralsWelt 45/2007)

Zum November 2007:                                           

„In der Provinz Narbonne, wo einst der Glaube geblüht hatte, begann der Feind
des Glaubens Unkraut darüber zu säen. Das Volk verlor den Verstand und schändete die Sakramente Christi, die der Sinn und die Weisheit Gottes sind.
Es wurde unvernünftig, verlor den Geschmack an der wahren Weisheit, wurde unstet und wanderte durch unwegsame Gebiete des Irrtums, geriet auf unwegsame Bahnen und kam vom rechten Weg ab.”
Der Zisterzienser Petrus de Valle Sernaio (1194-1218), ein Teilnehmer am Albigenser-Kreuzzug, in seiner Historia Albigensis (6, S. 7)

 

Vor 800 Jahren, im November des Jahres 1207, verfaßte Papst Innozenz III. Sendschreiben an den französischen König und bedeutende Adelige, in denen er sie dringend aufforderte, die Häretiker im südlichen Frankreich zu beseitigen. Häretiker waren Christen, die eine von der kirchlichen Lehrmeinung abweichende Ansicht vertraten. Sie galten als schlimmer und gefährlicher als Juden und Muslime, die man Ungläubige nannte.
Das war ein Aufruf zum Kampf gegen Abtrünnige in christlichen Landen, aus dem sich ein Kreuzzug entwickeln sollte. Die so ausgelösten Ketzer -Kreuzzüge zerstörten Regionen und eigenständige Kulturen, veränderten das Denken und Verhalten der Kirche sowie das abendländische Bewußtsein.
Die Kreuzzüge
Der päpstliche Aufruf zum Ketzer-Kampf fiel in eine bewegte Zeit, in der ein Krieg gegen die „Ungläubigen” voll entbrannt war. Nachdem 1187 Jerusalem durch Saladin zurückerobert werden konnte, bestand nun größte Gefahr, auch die übrigen Gebiete in christlicher Hand im Heiligen Land zu verlieren.
Im Jahr 1095 hatte Papst Urban II. in Clermont zu einem Krieg für das Kreuz aufgerufen. Es galt Palästina zu befreien, das mit seinen heiligen Stätten, wo einst das Christentum entstand, im Jahr 637 vom Kalifen Omar erobert und in das arabische Weltreich eingegliedert worden war. Mit einem „gerechten Krieg im Auftrage Gottes” wollte das Kirchenoberhaupt auch die vielen Konflikte innerhalb der Christenheit beenden, und die kriegerische Energie der Europäer, die sich gegenseitig zerfleischten, gegen die Muslime richten. Jedem Teilnehmer an einem Kreuzzug war erlaubt zu töten und zu plündern, und die Absolution aller seiner Sünden war ihm sicher.
Tatsächlich gelang nach harten, verlustreichen Kämpfen 1099 die Eroberung von Jerusalem und die Gründung eines labilen christlichen Königreiches, das laufend um seinen Bestand kämpfen mußte und sich nur ein knappes Jahrhundert behaupten konnte. In einer für die Christen im Outremer äußerst schwierigen Situation, in der sie Hilfe gebraucht hätten, lenkte der Papst die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung: Was hatte das Kirchenoberhaupt so entzürnt, daß es die Not der Kreuzritter im Heiligen Land übersah?
Die „guten Christen” des Languedoc
In Mitteleuropa, besonders im Süden Frankreichs, verbreitete sich eine religiöse Lehre, die im Widerspruch zu den kirchlichen Dogmen stand, und die sich zur bedeutendsten außerkirchlichen Religion des mittelalterlichen Europa entwickelte. Die Anhänger dieser erfolgreichen Gegen-Kirche werden meist „Katharer” (die Reinen) genannt. Ihre Gegner sprachen von „Albigensern” (nach der Stadt Albi, einem ihrer Zentren), während sie selbst sich „gute Christen” nannten. Bei der Bevölkerung fanden diese guten Christen großen Anklang, da sich ihre Prediger in erfreulicher Weise von der großen Mehrzahl der katholischen Geistlichen unterschieden.
Ein Zeitzeuge:
„Jetzt sind die guten Christen ins Land gekommen, sie folgen dem Weg, den Sankt Peter, Sankt Paul und die anderen Apostel gewiesen haben. Sie folgen dem Herrn nach. Sie lügen nicht. Und sie tun anderen nicht an, was sie sich selbst nicht angetan haben wollen…
Man erlangt das Heil im Glauben dieser Leute, die man ‚Ketzer’ nennt, eher und besser als in irgend einem anderen Glauben.” (1, S. 24)
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war das Katharertum in Südfrankreich auf dem besten Weg, den Katholizismus zu verdrängen. Der Adel stand den Katharern wohlwollend gegenüber, schon da sie natürliche Bundesgenossen waren, um die Interessen der Adeligen gegen die katholische Kirche und den französischen König zu verteidigen. Einfache Menschen, die meist unwissend waren in religiösen Dingen, ließen sich von der Ansicht der Katharer überzeugen, daß die Sakramente unwirksam und die sonstigen Leistungen der katholischen Kirche überflüssig seinen. Daher habe die Kirche keinen begründeten Anspruch auf den Kirchenzehnten.
Katharer im strengen Sinn waren nur ihre Priester, die „Perfaits” (lat. perfecti, bzw. perfectae = Vollkommene). Sie hatten sich nach mehrjähriger Probezeit durch eine Geisttaufe (Consolamentum = Tröstung), die nur ein Perfait erteilen konnte, zu Armut, Disziplin und Askese verpflichtet. Diese Frauen und Männer reisten zu Fuß durch die Lande und lebten in großer Bescheidenheit. Sie wußten von der Reinkarnation, übten keinen Zwang aus, erzeugten bei den Hörern ihrer Predigten keine Schuldgefühle und drohten nicht mit Hölle und Verdammnis. Ihr Lebenswandel und ihre Überzeugung gewannen zahlreiche Konvertiten, die über die korrupte katholische Kirche mit ihren liederlichen und lasterhaften Geistlichen empört waren.
Todkranke konnten um das Kranken-Consolamentum bitten, das der letzten Ölung entsprach. Der so Gesegnete sollte danach keine Nahrung mehr erhalten und die „Endura”, den Freitod der Katharer, auf sich nehmen. Die große Mehrzahl der Gläubigen, die ein normales Leben führten, hießen „credentes”. Sie verpflichteten sich der katharischen Kirche durch eine Weihe („Conventia” genannt), und am Lebensende erhielten sie auch dann das Consolamentum, wenn sie nicht mehr in der Lage waren, darum zu bitten. In den Zeiten der Verfolgung wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um einen Perfait herbeizurufen, der einem Todkranken das Consolamentum erteilen konnte. Förderer, die der katharischen Kirche nicht beigetreten waren, wurden „defensores” genannt.
Gnostischer Dualismus
Die Katharer waren Vertreter einer alten gnostischen Lehre, die wir schon bei Marcion (85-160) und Mani (216-276), oder auf dem Balkan seit dem 10. Jahrhundert bei den Bogomilen finden.
Nach der Überzeugung der Katharer war die sichtbare Welt das Werk eines minderwertigen Gottes (die Gnostiker nannten ihn Demiurg ), der den Geist des Menschen in seiner unvollkommenen Schöpfung gefangen hält. Der „Gute Gott”, den Jesus verkündete, steht weit über diesem irdischen Reich. Der Mensch muß sich von allem Irdischen lösen, Kontakte zu dem Guten Gott suchen, und durch Erkenntnis (Gnosis) in die spirituelle Welt des Guten Gottes eingehen. Eine Hölle kannten die Katharer nicht; aus ihrer Sicht war die Wiedergeburt Strafe genug.
Jeder Gläubige konnte erkennen, welchem Gott eine verkommene Kirche dient, die Seelen unterdrückt und Menschen ausbeutet: Sie dient nicht dem von Jesus verkündeten „Vater im Himmel”, sondern kann nur ein Werkzeug des „Bösen Gottes” des Alten Testamentes sein. So lehnten die Katharer auch das Alte Testament ab und ließen nur das Neue Testament, besonders das Johannes-Evangelium, gelten.
Eine Religion mit zwei Göttern (Dualismus) – einem himmelweit entfernten „Guten Gott”, und dem unvollkommenen oder gar bösen „Herrn der irdischen Welt” – wirkt heute befremdend; denn der Glaube an den „Schöpfer des Himmels und der Erde” gilt vielen religiösen Menschen als selbstverständlich. Für Menschen des Mittelalters hatte der gnostische Dualismus aber einige Überzeugungskraft: Die Ursache für die vielen Unzulänglichkeiten auf Erden – von Naturkatastrophen, Hungersnot und Seuchen bis zu schlechten Regierungen und Kriegen – schien schlüssig erklärt, und das Problem des Widersachers, Luzifers, des Satans, des gefallenen Engels löst sich auf, wenn man darin den unzulänglichen „Herrn dieser Welt” sieht.
Edle Frauen spielten in der vom Katharismus beeinflußten höfischen Kultur Okzitaniens eine wichtige Rolle. Am bekanntesten sind die von den Spielleuten gepriesene Geralda von Lavour, und die in Mythen eingegangene „Ketzerpäpstin” Esclarmonde von Foix, die 1204 vom Katarer-Bischof Guilhabert des Castres das Consolamentum erhielt. Donna Geralda wurde von den Kreuzfahrern in einen Brunnen geworfen und mit Steinen zugeschüttet. Esclarmonde, die mystische Retterin der Gralsschale , ist wohl das Vorbild für die Galshüterin Repanse de Schoye in Wolfram von Eschenbachs Parzival. In wie weit der geheimnisumwobene Gral, der immer wieder mit den Katharern in Verbindung gebracht wird, in ihrer Theologie eine Rolle gespielt oder als Kultgegenstand existiert hat, ist nicht bekannt.
Beginn der Inquisition
Im Jahre 1203 reiste der fanatische Mönch Dominikus Guzman (1170-1221) durch Südfrankreich und spürte den zunehmenden Einfluß der Katharer. Bei einem zweiten Besuch im Jahre 1206 stieg Dominiks Zorn über diese Ketzerei, und er beschloß, den Katharern auf ihrem ureigenen Terrain entgegenzutreten.
Anspruchslos lebende Ordensbrüder und Bettelmönche sollten barfuß von Ort zu Ort wandern, nach dem Motto „wie die Ketzer leben, wie die Kirche lehren”, und die zweifelnden Menschen zur katholischen Kirche zurückbringen. Anders als die Mehrzahl der Kleriker, die oft nur über eine primitive Bildung verfügten, sollten diese Missionare gut ausgebildet und fähig sein, jedem Herausforderer in religiösen Fragen Paroli zu bieten. Aus diesen Anfängen entstand der Dominikaner-Orden, der sich der Ketzer-Verfolgung verschrieb und bei der Inquisition eine führende Rolle erhielt.
Doch die wenigen Gefolgsleute des eifrigen, wortgewaltigen Dominikus vermochten nicht viel auszurichten. Die Mehrzahl der katholischen Priesterschaft war unfähig und verkommen, die Mönche versteckten sich fernab vom normalen Leben in ihren Klöstern; mit solchen Klerikern war ein geistlicher Kampf gegen die Katharer nicht zu gewinnen. Also mußte die katholische Herrschaft mit Waffengewalt erzwungen werden.
Die Vernichtung der Ketzer
Zunächst wurde noch mit den Landesfürsten, voran Raimond VI. Graf von Toulouse (1156 -1222) verhandelt. Als einer der päpstlichen Legaten, Pierre de Castelnau – der bei Adel und Bevölkerung verhaßt war -, nach einer erfolglosen Verhandlung am 15. Januar 1208 von Unbekannten ermordet wurde, geriet der Papst in Wut. Er beschuldigte Raimond des Mordes, verhängte über ihn den Kirchenbann, und rief zu einem Kreuzzug auf.
Dieser Aufruf zu einem Einfall in ein reiches europäisches Land fand vielfach Gehör. Die zu erwartenden Strapazen und Gefahren waren weit geringer als bei einer Kreuzfahrt ins Heilige Land, und der erhoffte Gewinn viel größer. Bis Ende Juni 1209 hatte sich an der Rhone eine Armee von 15 – 20.000 Edelleuten, Rittern, Söldnern, Knappen, Abenteurern versammelt, die auf eine vom Papst versprochene Absolution vertrauten und reichen Gewinn durch Plünderungen suchten. Anführer dieses Heeres war der kriegserfahrene Simon de Montfort (1160-1218), der als Belohnung für seinen Einsatz für den Glauben auf eine Grafschaft hoffen durfte. Die geistliche Beratung übernahm eine Gruppe von Priestern und Mönchen, darunter Dominikus, unter der Leitung des päpstlichen Legaten Arnaldus Amalrici (Arnold Amauri, Erzabt von Citeaux, 1150-1225).
Geschickt taktierende Kleriker schwächten und zersplitterten die Kräfte der Verteidiger schon vor Beginn der Kampfhandlungen, da der wichtigste Fürst Okzitaniens, der Graf von Toulouse, noch immer einen friedlichen Ausgleich mit dem Papst suchte. Geistliche hintertrieben seine gutgemeinten Bemühungen, und er verlor schließlich sein Land und seine Ehre.
Ende Juli 1209 wurde die Stadt Beziers erobert, eine Katharer-Hochburg. Auf die Frage, wie man die Ketzer von den echten Gläubigen unterscheiden könne, die ihre ketzerischen Mitmenschen nicht verraten hatten, antwortete Arnaldus mit einem der berüchtigsten Worte der Kirchengeschichte: „Tötet sie alle, denn Gott kennt die Seinen” . Etwa 15.000 Männer, Frauen, Kinder wurden massakriert. Lähmendes Entsetzen verbreitete sich unter der Bevölkerung Okzitaniens, die nun wußte, was von der christlichen Gesinnung der Kreuzfahrer und ihrer Auftraggeberin, der Kirche, zu halten war. Bald darauf – am 15. August 1209 – ergab sich auch Carcasson, und Simon de Montfort erhielt seine Grafschaft: Er war nun Vicomte von Carcasson.
Scheiterhaufen brannten und die Kämpfe gingen weiter, bis Simon de Montfort am 25. Juli 1218 bei der Belagerung von Toulouse fiel, und das Kreuzfahrer-Heer sich auflöste. Eine trügerische Ruhe folgte. Der nächste Albigenser-Kreuzzug begann 1224, mit dem König von Frankreich an der Spitze. Selbst dessen Tod im Jahre 1226 brachte keine Erleichterung für die gequälte Provinz. Die Kreuzfahrer verwüsteten weiter das Land, zerstörten eine eigenständige Kultur und verwandelten eine blühende Landschaft für Jahrhunderte in ein Notstandsgebiet. Okzitanien fiel an die französische Krone.
Jahrzehntelang gab es noch Aufstände der Katharer, bis die Eroberung der Burg Montségur deren endgültige Niederlage einläutete. Auf halber Höhe des Burgberges wurden am 16. März 1244 etwa 200 Perfaits verbrannt, die den Feuertod dem Abschwören und der Verleugnung ihres Glaubens vorzogen. Sie starben in der Überzeugung, die schlechte Welt zu verlassen und in die geistige Welt des Guten Gottes einzugehen. Zwölf Jahre später fielen noch Queribus und Puilaurens, die letzten Festen der Katharer.
Ihre Religion lebte im Geheimen weiter, durch Perfaits und Gläubige, die untergetaucht oder geflüchtet waren, und in der steten Gefahr lebten, von Ketzer-Schnüfflern, wie den gefürchteten „domini canes” aufgespürt und auf den Scheiterhaufen geschleppt zu werden.

Die Troubadoure
Während der Katharer-Zeit entstand im Süden Frankreichs eine liebenswerte höfische Kultur, in der auch Frauen eine wichtige Rolle spielten: Von Burg zu Burg wandernde, dichtende und komponierende, fahrende Sänger lobten die Frauenwürde und schufen eine erste Blüte weltlicher romantischer Lyrik. Im allgemeinen Bewußtsein gelten die Troubadoure weniger als mutige Ritter, die für Recht und Wahrheit kämpften, denn als arbeitsscheue, schräge Figuren, die Frauen (oft höheren Standes als sie selbst) anhimmelten. Nach der Zerstörung ihrer Heimat durch die Katharer-Kreuzzüge waren viele auf der Flucht und trugen die Kultur des Minnesanges weiter.
Diesem verbreiteten Bild der Troubadoure widersprechen Kenner der Geschichte Okzitaniens:
„…Man lehre auf Schulen und Hochschulen…daß die Troubadoure ein gefühlsduseliges und überschwengliches Drohnenvolk gewesen seinen, welches die Alltagssorgen Mäzenen und Gönnern überließ und keine anderen Sorgen kannte, als mittels Liedern und Courtoisie die Gunst einer Dame zu erringen, oft einer verheirateten Frau. Das sei auf eine nach dem Albigenserkreuzzug von Rom bewußt durchgeführte Entstellung des wahren Sachverhalts zurückzuführen. Wer die Lieder des frühen provenzalischen Minnesangs unbefangen lese, müsse feststellen, daß die Troubadoure ihre Dame nie beim Namen nennen, sondern der ‚blonden Dame’, der ‚Dame mit dem schönen Antlitz’ oder dem ‚Licht der Welt’ Preis singen. Diese Dame sei nichts anderes, als die Versinnbildlichung ihrer Minnekirche gewesen, und alle Troubadoure, die beispielsweise ihre ‚blonde Dame aus Toulouse’ oder ihre ‚Herrin aus Carcassone’ gefeiert haben, hätten nichts anderes als die in Toulouse, beziehungsweise in Carcassonne heimische Katharergemeinde damit gemeint. Als letzten Endes durch Roms Inquisitoren die Marienverehrung und der Brauch des Rosenkranzes zwangsweise, nicht selten unter Androhung des Scheiterhaufens, eingeführt wurde, hätten die Troubadoure zwar Maria angedichtet, insgeheim aber ihre Minnekirche damit gemeint. Das gehe aus den Inquisitionsakten eindeutig hervor.” (5, S. 38)

Die harte Hand der Kirche
Die Kreuzzüge gegen die Albigenser markierten das Ende jeglicher Toleranz und christlicher Nächstenliebe gegen Abweichler von der kirchlichen Lehre. Die Kirche konnte zwar Ketzer ermorden lassen , sofern sie ihrer habhaft wurde; deren religiöse Ideen waren aber so wenig aus der Welt zu schaffen wie die durch die Kreuzzüge nach Europa gebrachten antiken Schriften und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Die katholische Kirche hatte den Höhepunkt ihrer Macht überschritten. Von nun an mußte sie sich in steigendem Maße mit neuen Ideen und einem neuen Bewußtsein der Menschen auseinandersetzen.
In der Renaissance – ausgelöst durch die Wiederentdeckung des Wissens der Antike, die nicht zuletzt den Kreuzzügen zu verdanken war – begannen Gelehrte die geistlichen Lehren und den kirchlichen Machtanspruch zu hinterfragen, und weder Ketzerverfolgungen noch Hexenprozesse konnten den Niedergang der Kirche dauerhaft aufhalten. Deren verzweifelte Anstrengungen, dem schleichenden Machtverlust mit brutalster Gewalt entgegenzutreten, haben letzten Endes nur ihr Ansehen geschmälert, ihrer Glaubwürdigkeit geschadet, und einer antikirchlichen Einstellung den Weg bereitet, die von Klerikern als Atheismus mißverstanden wird.

Literatur:
(1) Baigent Michael/Leigh Richard, Als die Kirche Gott verriet, Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 2000
(2) Hagl Siegfried, Spreu und Weizen, Gralsverlag, Purgstall 2003
(3) Oberste Jörg, Der „Kreuzzug” gegen die Albigenser, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft, Darmstadt 2003
(4) Rahn Otto, Kreuzzug gegen den Gral, Hans E. Günther, Stuttgart 1964
(5) Rahn Otto, Luzifers Hofgesind, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1985
(6) Vaux-de-Cernay Pierre de (Petrus de Valle Sernaio), Kreuzzug gegen die Albigenser 1212-1218 (Historia Albigensis), Manesse, Zürich o.J.