Siegfried Hagl - Schriftsteller

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Autoren im Gespräch: Siegfried Hagl

(Veröffentlicht als Beilage zu GralsWelt 25/2002)

Sie haben in verschiedenen Verlagen bisher insgesamt sechs Sachbücher zu weltanschaulichen Fragen veröffentlicht und sind seit vielen Jahren für den „Verlag der Stiftung Gralsbotschaft“ als Autor tätig. Zwei Ihrer Bücher – „Wenn es kein Wunder war …“ und „Auf der Suche nach einem neuen Weltbild“–  wurden im Rahmen der Taschenbuch-„EDITION GRALSWELT“ nun, rund 20 Jahre nach der Erstauflage, in überarbeiteten Neufassungen wieder aufgelegt. Hat sich in diesen Jahrzehnten nach Ihrer Ansicht in unserem Weltbild etwas Entscheidendes verändert?

In den letzten Jahrzehnten sehe ich keine grundlegenden Veränderungen unseres Weltbildes. Allerdings hat sich im öffentlichen Bewusstsein einiges gewandelt:

* Ökologie: Hier stehen wir vor einer schizophrenen Situation. Einerseits ist das Umweltbewusstsein ist seit 1972 , dem Jahr der Veröffentlichung der “Grenzen des Wachstums”, fast schon Allgemeingut geworden. Viele, meist kleinere Schritte für den Umweltschutz konnten durchgesetzt werden, und sogar politische Parteien haben dieses Thema, zumindest vordergründig, aufgegriffen.

Andererseits werden die eigentlichen Bedrohungen, wie die Übervölkerung, verdrängt; vermutlich weil sich die Verantwortlichen mit dieser Problematik hilflos überfordert fühlen. Auch die Einsicht, daß unser Planet begrenzt ist, also fortlaufendes (exponentielles) wirtschaftliches Wachstum unmöglich ist, sucht man in den Staatszielen genauso vergeblich wie erste Ansätze zu einer dem 21. Jahrhundert angemessenen Wirtschaftspolitik. Denn die vorgeblich unvermeidliche “Globalisierung” berücksichtigt bisher die Umweltbelange kaum, berechtige soziale Anliegen zu wenig, und wird daher die Menschheitsprobleme nicht lösen.

* Esoterik: Die Suche nach weiterführenden Einsichten, die sich in der Esoterik- bzw. New-Age-Welle der 70er und 80er Jahre zeigte, ist abgeklungen. Viele Menschen wenden sich sogar enttäuscht wieder davon ab, nachdem z.B. manche (verantwortungslose) Gurus mehr versprachen, als sie halten konnten. Erneut entsteht eine seelische Leere, die sich mit dem weltweit triumphierenden Materialismus nur verdecken, nicht füllen lässt. So macht sich speziell bei jüngeren Menschen Agnostizismus bzw. Atheismus oder Zynismus breit, der seine Legitimation unschwer in der Religions- und Kirchengeschichte findet. Vielleicht kann die GralsWelt ein wenig dazu beitragen, dass dem einen oder anderen der Weg zur wahren Gotterkenntnis geöffnet wird, die ihm, jenseits konfessioneller Bindungen und historischem Versagen vieler Religionen, die unentbehrliche innere Sicherheit schenkt.

Wenn man die heutige Zeit betrachtet, findet man viele Anzeichen einer tiefgreifenden Krise – von den ökologischen Problemen in der Außenwelt bis zu den seelischen Problemen in der menschlichen Innenwelt. Gibt es aus Ihrer Sicht eine gemeinsame Wurzel für die zunehmenden Schwierigkeiten – und was könnte man tun, um gegenzusteuern?

Alexander Solschenizyn sagte 1983: “Die Menschen haben Gott vergessen, daher dies alles…” und sah darin die Ursache für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Ich stimme ihm zu.

Eine Gesellschaft, die sich keiner Verantwortung gegenüber einer höheren Instanz bewusst ist, eine Gesellschaft die sich fast ausschließlich dem Kommerz, oder wie es heute heißt dem “shareholder-value” verschrieben hat, eine Gesellschaft, die achselzuckend hinnimmt, dass Demokratie und Korruption zusammengehören, eine solche Gesellschaft kann nicht dauerhaft stabil bleiben. Dass Kirchen und Religionen weitgehend versagt haben, entbindet uns nicht unserer persönlichen Verantwortung unserem Schöpfer gegenüber. So lange dieses Verantwortungsbewusstsein vielen Entscheidungsträgern oder gar der Mehrzahl der Bürger fehlt, werden noch so gut gemeinte vordergründige Problemlösungen nur Teilerfolge bringen.

Bei Ihren Büchern fällt auf, dass Sie ein sehr intensives Quellenstudium betreiben und sich eingehend mit naturwissenschaftlichen, historischen und auch esoterischen Betrachtungsweisen beschäftigen. Wie recherchieren Sie Ihre Themen? Man möchte annehmen, Sie verfügen über eine riesige Bibliothek!

Ich war schon immer ein Bücherliebhaber, habe viel gelesen und besitze Bücher, denen ich wertvolle Anregungen verdanke. Wenn ich nach Informationen für ein spezielles Thema suche, dann recherchiere ich in erster Linie in der Bayerischen Staatbibliothek und neuerdings auch im Internet. Ich bin ja in der glücklichen Lage, dass mir in München eine der größten deutschsprachigen Bibliotheken offen steht.

Sie waren über viele Jahre in leitender Position in der Industrie tätig. Was hat Sie denn ursprünglich dazu angeregt, sich so intensiv mit weltanschaulichen Fragen zu beschäftigen?

Vielleicht aufgrund der schwierigen Zeiten in meiner Jugend, war ich schon früh an Philosophie, Weltanschauung und Religionen interessiert. Ein Ingenieurstudium vertiefte meine Begeisterung für die Naturwissenschaften. Seit 1953 ist für mich die Gralsbotschaft “Im Lichte der Wahrheit” von Abd-ru-shin richtungweisend, der ich meinen überzeugten Glauben an den Schöpfer aller Welten verdanke.

Als GralsWelt-Redakteur haben Sie bereits mehrfach Serien und Themenschwerpunkte erarbeitet – so etwa „Die Weisheit Asiens“, „Das Jahrhundert der Utopien“ (Themenheft 3) oder „Die Atlantis-Saga“. Was wird man als nächstes von Ihnen lesen können?

Einer Anregung aus dem Kreis der GralsWelt-Leser folgend, habe ich eine Reihe über die nordamerikanischen Indianer konzipiert, unter dem Arbeitstitel “Das war der Wilde Westen”. Es handelt sich um ein Thema, das mich schon seit vielen Jahren interessiert, und im letzten Jahrzehnt hatte ich Gelegenheit, im Verlaufe längerer Reisen durch die USA auch die entsprechenden Landschaften kennen zu lernen.

Dann hat mich vor kurzem noch das Thema “Welträtsel und Naturwunder” fasziniert und dazu angeregt, unter diesem Arbeitstitel eine mehrteilige Reihe zu versuchen.

Außerdem werden vielleicht noch einige Arbeiten zur Reihe “Merkwürdige Geschichten” folgen.